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Kapitel 6

Auteur: Chloe Jewels
last update Date de publication: 2026-08-14 23:27:01

Sara Michaels

Ich presste die Handflächen über die Ohren, um die Geräusche abzuschirmen, die von oben herunterdrangen. Emilys Kichern, vermischt mit leisen Stöhnern, die mir den Magen umdrehten.

Toms tiefe Stimme antwortete ihr auf eine sehr intime und besitzergreifende Weise. Etwas, von dem ich dachte, er würde es nur mit mir tun. Ich konnte kaum glauben, mir vorzustellen, was da drinnen wahrscheinlich vor sich ging. Aber es ließ mein Herz bluten.

„Tom… Stooooppp…. Es kitzelt…“, rief Emily aus, ihre hohe Stimme zitterte.

Ihr Bett… das Bett, das einmal meins gewesen war… knarrte rhythmisch. Ich kniff die Augen zusammen. Ich wollte das nicht hören. Wollte mir nicht vorstellen, wie er sie berührte, so wie er mich einst berührt hatte. So, wie er versprochen hatte, es immer zu tun.

Mein Handy-Wecker schnitt plötzlich durch den Lärm, scharf und beharrlich. Ich zuckte zusammen, das Herz raste. Ich hatte es völlig vergessen.

„Der Termin.“ Ich schlug mir mit der Handfläche gegen die Stirn.

Ich musste mich untersuchen lassen. Meine Periode war seit einem Monat ausgeblieben. Stress, wahrscheinlich. Oder vielleicht… Nein. Ich schob den Gedanken weg. Ich konnte nicht schwanger sein. Tom und ich hatten immer aufgepasst…

Ich schlich leise aus dem Haus, ohne mich umzuziehen. Das befleckte Kleid blieb an. Das Krankenhaus war nur zwanzig Minuten entfernt. Ich fuhr schweigend, die Fenster heruntergelassen, und ließ den Wind die Tränen trocknen, die ich nicht anerkennen wollte.

In der Klinik winkte die Empfangsdame mich durch. Ich saß im vertrauten Untersuchungszimmer und wartete auf Mrs. Piper… meine übliche Ärztin, die süße Filipina Ende fünfzig, die immer nach meiner Mutter fragte und mir Umarmungen statt Vorträge gab. Wir waren eng. Sie fühlte sich wie Familie an.

Doch als die Tür aufging, war es nicht Mrs. Piper.

Ein Mann trat ein… er war groß, leicht 2,01 m, die breiten Schultern füllten den weißen Kittel aus. Tattoos lugten unter dem Kragen hervor, dunkle Linien, die sich den Hals hinunterzogen und unter dem Stoff verschwanden. Seine Augen waren gletscherblau, kalt und durchdringend, selbst hinter der OP-Maske. Er trat mit ruhiger Autorität auf.

Ich blinzelte, überrascht. „Sie sind… nicht Mrs. Piper.“

Er zog die Maske gerade so weit herunter, dass er sprechen konnte. „Sie ist im Urlaub. Ich bin Dr. Kingsley Salvatore. Ihr neuer Arzt.“ Seine Stimme war tief, ruhig, fast sanft. „Sie sind Mrs. Sara M. McCarthy?“

Ich nickte, plötzlich bewusst, wie zerzaust ich aussah… Sauce noch angetrocknet am Kleid, Haar chaotisch, Augen rot vom Weinen. „Ja. Entschuldigung. Ich hatte… erwartet…“

„Kein Grund, sich zu entschuldigen.“ Er setzte sich mir gegenüber und öffnete meine Akte. „Fangen wir an. Sie sind hier, weil Ihre Periode ausbleibt?“

Hitze stieg mir in den Nacken. Ich nickte erneut und starrte auf meine Hände. „Einen Monat. Ich dachte… vielleicht Stress. Oder etwas anderes.“

Er stellte einfache Fragen und war streng professionell. Wann war das letzte Mal? Übelkeit? Schmerzen? Ich antwortete ehrlich, die Stimme klein. Er hörte ohne Urteil zu und machte sich Notizen.

Nach der Untersuchung und einer schnellen Blutabnahme lehnte er sich zurück. „Sie sind nicht schwanger.“

Erleichterung überkam mich so schnell, dass ich fast lachte. „Wirklich?“

„Stress“, sagte er schlicht. „Und die Pille danach, die Sie regelmäßig nehmen… sie stört Ihren Zyklus. Ihr Körper schützt sich selbst. Sie brauchen Ruhe. Richtigen Schlaf. Weniger Anspannung. Essen Sie besser. Keine Mahlzeiten mehr auslassen.“

Ich nickte, die Wangen brannten. Ich hatte noch nie einen männlichen Arzt gehabt… besonders keinen, der so aussah wie er. Selbst hinter der Maske zuvor konnte ich erkennen, dass er atemberaubend war. Starkes Kinn, klare Linien, Augen, die mich direkt zu durchschauen schienen.

Er gab mir noch ein paar Anweisungen… Vitamine, leichte Bewegung, kein Koffein nach mittags. Ich versuchte, mich auf seine Worte zu konzentrieren, aber seine Augen zogen mich immer wieder an. Ablenkend. Ruhig. Freundlich auf eine Weise, wie Toms es nicht mehr waren.

Sein Handy summte auf dem Schreibtisch. Er warf einen Blick darauf und nahm ohne Zögern ab.

„Ja“, sagte er in den Hörer. „Die App-Design-Kurse sind bereit. Wir haben den Raum, die Ausrüstung… Das Problem ist: keine Schüler. Es ist eine neue Akademie. Alle gehen immer noch zur McCarthy Tech Group. Die haben den Namen, den Ruf.“

Er hörte zu und rieb sich den Nacken. „Wir werden es schon herausfinden. Weiter werben. Irgendjemand wird kommen.“

Er legte auf, sah mich an und erwischte mich dabei, wie ich starrte.

„Es tut mir leid“, sagte ich schnell. „Ich wollte nicht lauschen.“

Er schüttelte den Kopf. „Kein Schaden.“

Ich zögerte, dann sprach ich, bevor ich mich selbst davon abhalten konnte. „Ich… bin interessiert. Am Kurs.“

Er starrte mich an, als wäre mir ein zweiter Kopf gewachsen. „Ernsthaft?“

„Ja. Wie viel kostet es?“, fragte ich und umklammerte meine Handtasche leicht.

Er stieß ein kurzes Lachen aus… überrascht, fast ungläubig. „Es ist kostenlos. Wir fangen gerade erst an. Seit Monaten hat sich niemand angemeldet. McCarthy Tech hat den Markt unter Verschluss.“

Ich schluckte. „Ich möchte trotzdem mitmachen. Auch wenn es kostenlos ist.“

Er musterte mich einen langen Moment, als versuche er herauszufinden, ob ich scherzte. Dann griff er in seine Schublade, holte eine Karte heraus und schob sie über den Schreibtisch.

„Morgen um 10 Uhr. Seien Sie an dieser Adresse. Kommen Sie nicht zu spät. Wir freuen uns, Sie zu haben, Mrs. McCarthy.“

Ich nahm die Karte, die Finger zitterten leicht. „Danke.“ Als Mrs. McCarthy angeredet zu werden, fühlte sich an wie ein Verbrechen. Es ließ mein Inneres sich verdrehen.

„Bitte, ich ziehe es vor, wenn Sie mich Sara nennen“, sagte ich respektvoll.

Er stand auf und bot mir die Hand. „Ich sollte Ihnen danken. Sie sind die Erste, die nicht in die andere Richtung gerannt ist.“

Ich schüttelte seine Hand. Sein Griff war warm, und etwas in mir beruhigte sich, nur ein wenig. Es fühlte sich an, als hätte ich ihn mein ganzes Leben gekannt… Aber das hatte ich nicht.

Ich stand auf und umklammerte die Karte wie einen Rettungsanker. Ein kleines Stück Hoffnung mitten in diesem ganzen Chaos.

Wenn ich keinen Job finden konnte…

Dann konnte ich mir einen schaffen.

Ich hatte Tom gesehen, wie er späte Nächte arbeitete, hatte ihn von der Türschwelle aus beobachtet, während er codierte, plante, baute. Ich war nie nah genug gekommen, um wirklich zu lernen, aber ich erinnerte mich an genug. Ideen hatten jahrelang in meinem Kopf gesessen.

Ich lächelte leicht. „Danke, Dr. Salvatore.“

„Kingsley“, korrigierte er sanft, mit einem süßen Lächeln im Gesicht. „Bis morgen, Sara.“

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