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10. Du riechst so verdammt gut

Author: B.E Belle
last update publish date: 2026-08-14 06:30:11

Rayna~

Ich bereute es, durch die Tür gegangen zu sein, in dem Moment, als ich sie öffnete.

Da saß Sven – Beine gespreizt, als stünde ein Thron unter ihm – und ein kleines Welpenweibchen ritt auf seinem Schoß, ihre Lippen nur Zentimeter von seinen entfernt.

Wut – und etwas anderes, das ich nicht benennen wollte – loderte heiß in meiner Brust auf. Gerade vor einer Stunde hatte er mich über denselben Schoß gelegt und mich versohlt, bis ich nicht mehr gerade atmen konnte. Und jetzt das? Götter, was wollten Männer überhaupt im Leben?

Ich drehte mich auf dem Absatz um, um zu gehen, nachdem das freche Welpenweibchen es gewagt hatte, mich dazu aufzufordern, aber Svens Stimme nagelte mich an Ort und Stelle fest.

„Was willst du?“

Seine Stimme strich entlang meiner Nerven, tief und befehlend, schickte Schauer meinen Rücken hinunter und zwang meine Augen, sich in seine zu verfangen.

Hatte er vergessen, dass er mir befohlen hatte, hierherzukommen, oder hatte das Welpenweibchen ihm das Hirn komplett ausgesaugt?

Er zog das Mädchen sanft von seinem Schoß, der Blick verließ meine Augen keinen Augenblick.

Scheiße. Da war es wieder – dieses brennende, gefährliche Gefühl. Jeder Teil von mir schrie danach, zwischen seine Beine zu kriechen und ihn das zu Ende bringen zu lassen, was er angefangen hatte.

„Sven, ist sie vielleicht stumm?“ kicherte die Göre. Ich wollte sie von seiner Seite reißen, Glied für Glied.

Wenn sie die Hündin spielen wollte, würde ich ihr zeigen, wie man das richtig macht.

„Du hast mir gesagt, ich soll runterkommen, nachdem das Wasser abgekühlt ist“, sagte ich, die Stimme ruhig, obwohl mein Inneres bebte. „Ich gehe jetzt, da du anscheinend…“ Meine Augen huschten zu dem Mädchen, bevor ich fortfuhr. „…beschäftigt bist. Und ich bin immer noch furchtbar wund.“

Er grinste, völlig auf mich konzentriert. „Venus war gerade im Begriff zu gehen.“

Venus. Also war das ihr Name.

„Nein, war ich nicht, ich bin gerade erst angekommen“, wimmerte sie.

„Venus.“ Sein Knurren schnitt wie eine Klinge. „Wir setzen unser Gespräch später fort. Ich habe etwas Wichtiges mit Rayna zu besprechen.“

Sie verschränkte die Arme und stieß ein dramatisches Schnauben aus. „Ich hasse es, wenn du deinen kleinen Spielzeugen mehr Aufmerksamkeit schenkst, als sie verdienen.“

Oh, das tat sie nicht.

Aber zu meinem Schock fuhr Sven sie an. „Genug! Ich werde nicht zulassen, dass du deine zukünftige Luna beleidigst.“

Ihr Kopf schnellte zum ersten Mal zu mir herum, die Augen tropften vor Verachtung. Sie stolzierte näher und kreiste um mich, als wäre ich Beute zur Schau gestellt.

Ihre Finger schnappten sich eine Strähne meines Haares, drehten sie, bevor sie sich senkten, um daran zu schnuppern. „Ich hatte mehr erwartet“, kicherte sie. „Alles andere als eine wolflose Omega. Wie soll ich jemanden so Niedrigen respektieren?“

Ihr Kichern vibrierte in meinem Ohr, und Wut brannte meine Brust roh. Aber Sven sagte nichts. Seine Augen starrten mich an, der Kiefer so fest zusammengepresst, dass ich dachte, er würde brechen.

Verdammter Feigling. Wie erwartete er von mir, seine Luna zu sein, wenn er nicht einmal sein eigenes Untertanen im Zaum halten konnte?

Ich streifte an ihr vorbei, Wut loderte an den Spitzen meiner Finger. Sie versuchte, mich zurückzuziehen, ihre Nägel streiften mich, aber ich schüttelte sie mit einem Ruck der Schulter ab.

„Ist das Teil der Strafe?“ krächzte ich heraus. „Eine öffentliche Demütigung? So behandelt man keine Luna, Alpha Sven.“

Svens Kopf schnellte hoch, seine Stimme tief und tödlich. „Raus, Venus.“

Sie blinzelte, verstört. „Aber—“

„Ich sagte raus.“ Sein Befehl rollte durch den Raum und traf sie so hart, dass sie zurücktaumelte. „Jetzt.“

Einen Herzschlag lang bewegte sich niemand. Dann preßten sich Venus’ Lippen zu einer dünnen Linie, bevor sie hinausstürmte und die Tür hinter sich zuschlug.

Stille.

Die Luft verdickte sich, heißer, schwerer. Die Wände fühlten sich irgendwie näher an.

Ich stolperte zurück, als sich Svens Züge in etwas Wildes verzogen – seine Augen verdunkelten sich, seine Fangzähne wurden länger.

Vuk.

In einem Augenblick klammerten sich seine Hände um meine Taille und zogen mich eng an ihn, bis ich den hektischen Schlag seines Herzens spüren konnte.

Gut, dass nicht nur ich diesen unübersehbaren Zug spürte, der mich zu einem verdammten geilen Teenager machte.

Göttin, das war zu viel. Sein Duft – frisches Gras und Holz – erfüllte meine Sinne.

„Verdammt, Rayna“, knurrte er, die Stimme guttural, wild. „Du riechst so verdammt gut.“

„Sven?“ flüsterte ich und kämpfte gegen den verzweifelten Drang an, in ihn hinein zu schmelzen. „Was passiert hier?“

Er knurrte nur und vergrub sein Gesicht in meinem Hals, atmete mich ein, als wäre ich Luft nach dem Ertrinken.

„Götter“, heiserte er. „Ich versuche, mich zurückzuhalten.“

Mein Körper erstarrte, aber mein Blut sang. Ich wollte nicht, dass er sich zurückhielt – und doch wusste ich tief innen, wenn er losließ, würde er es bereuen.

„Sven!“ keuchte ich, als seine Zähne über meine Haut strichen.

Er zuckte zurück, als hätte ich ihn erstochen, das Gesicht vor Qual verzerrt.

„Scheiße, es tut mir leid.“ Seine Hand strich über sein Gesicht, während das Schwarz aus seinen Augen wich, die Fangzähne verschwanden und nur Sven übrig blieb.

Er atmete aus, als hätte er Jahrhunderte den Atem angehalten. „Ich brauche nur einen Moment.“

Ich nickte, obwohl mein Körper immer noch vor Verlangen zitterte. Dario hatte mich nie so fühlen lassen. Niemand hatte das. Bei Sven stand die Welt selbst still und ließ nur uns übrig.

„Ich brauche, dass du mir ein paar Fragen beantwortest, Prinzessin.“

Mein Magen sank. „Okay?“

Er zögerte nicht. „Wie hast du deine Wölfin verloren?“

Die Frage traf mich wie ein Schlag. Ich schluckte schwer, schloss die Augen und sperrte die Erinnerung ab, als würde ich Glas schlucken.

„Vor zwei Jahren. Bei einer Halloween-Party fand ich meinen Mate und lehnte ihn ab. Meiner Wölfin gefiel das nicht und… ich glaube, sie ist gestorben?“

Es klang wie eine Frage, weil es eine war. Ehrlich gesagt hatte ich mich nie tiefer damit beschäftigt – nicht, solange Dario da war, um mich abzulenken und zu trösten.

Sein Kiefer zuckte. „Das reicht nicht, um deine Wölfin zu töten.“

Toll, Ralph hatte dasselbe gesagt. Bin ich die Einzige, die das verdammte Handbuch über Wolfstod nicht gelesen hat?

„Das ist der einzige Weg, von dem ich weiß, dass ich sie verloren habe. Warum?“

„Ich bin noch nicht fertig, Prinzessin.“ Sein Blick schärfte sich. „Was für eine Wölfin hattest du?“

Meine Kehle schloss sich. Scheiße.

Ich konnte es ihm nicht sagen. Niemand wusste es – nicht wirklich – außer Ralph und meinem Vater. Und das wollte ich so behalten.

Ich drehte mich weg und ging zu den Sesseln in der Ecke. „Warum interessierst du dich so sehr für etwas, das tot ist?“

Er schenkte sich ein Glas ein und trank es in einem Zug aus.

Er preßte die Worte heraus, die mich an die Couch fesselten. „Weil du, meine hübsche Prinzessin, in der Hitze bist.“

Die Worte krachten über mich herein. Das konnte nicht sein. Ich hatte nie einen Hitzezyklus erlebt. Geil? Ja. Aber Hitze? Niemals.

Dario hatte immer gescherzt, dass die Mondgöttin wusste, warum sie mir keinen Zyklus gegeben hatte. Mein Sextrieb war ohnehin außer Kontrolle.

„Das ist nicht – nein. Das ist unmöglich.“

„Nun, anscheinend bist du anders.“ Seine Augen huschten zu mir, als würde er ein Puzzle studieren. „Wenn du Kinder für Dario gehabt hättest, würde ich sagen, deine Wölfin lebte in ihnen weiter.“

Mein Magen sackte ab. War das der Grund, warum ich eine Fehlgeburt hatte? Nein – geh da nicht hin. Denk nicht daran.

Ich sprang auf. „Ähm, wenn du mich entschuldigen würdest. Ich brauche Zeit, um diese neuen Informationen über mich selbst zu verarbeiten.“

Ich wartete nicht auf eine Antwort, bevor ich aus dem Büro schlüpfte, seine Stimme hinter mir her. „Halt dich von den anderen Wölfen fern.“

Aber das war zu viel. Lebte meine Wölfin noch? Und wenn ja, warum hatte sie mich verlassen?

Ich erinnerte mich lebhaft an jenen Abend. Ich war plötzlich in ein schreckliches Fieber ausgebrochen und hatte angenommen, es läge am fehlenden Mate-Bond, aber drei Monate waren seit der Ablehnung vergangen und ich war nicht krank erschienen. Alles, was sie tat, war, mich zu ignorieren.

Ich hatte versucht zu wechseln, aber der Schmerz war unerträglich, also hatte ich mich zurückgehalten. Ich hatte mich zurückgehalten.

Am nächsten Morgen wachte ich leer auf. Dana war weg. Ich konnte ihre Schnauben in meinem Kopf nicht mehr hören oder sie spüren.

Es war, als hätte sie nie existiert.

„Seltsam, dich hier zu sehen.“

Die Stimme schreckte mich auf und riss mich aus meiner Spirale.

Ich schaute hoch und sah Reeves an einer Marmorsäule lehnen, die Arme verschränkt, ein jungenhaftes Grinsen an seinen Lippen zerrend.

„Hi“, sagte ich flach.

Einen Herzschlag lang überlegte ich zu rennen. Wenn Sven recht hatte und mein Körper mich verriet, konnte ich es nicht riskieren. Aber… nichts. In der Nähe von Reeves spürte ich nichts außer milder Verärgerung darüber, unterbrochen zu werden. Kein Brennen, kein Schmerz, kein verzweifelter Zug. Einfach… normal.

Seltsam. Warum nur bei Sven?

„Ich wollte mich bedanken“, sagte Reeves.

Ich blinzelte. „Warum?“

„Dass du Sven nichts von uns erzählt hast.“ Sein Grinsen wankte, die Stimme wurde leiser. „Und… es tut mir leid, dass ich dich an jenem Abend im Stich gelassen habe. Wenn ich früher zurückgekommen wäre, wärst du nicht in jener Gasse gewesen.“

Und vielleicht wäre ich jetzt nicht hier.

Trotzdem hatte Schuld nichts auf seinen Schultern zu suchen. Ich griff nach seinem Arm, die Finger strichen leicht über seinen Ärmel. „Das ist nicht deine Schuld, okay?“

„Aber—“

„Shh.“ Ich legte einen Finger an meine Lippen.

Reeves seufzte, dann kehrte sein Grinsen zurück – jungenhaft, verlegen. „Gut. Wenn du willst, dass ich es wiedergutmache… lass mich dir alles zeigen.“

Ich nickte, aber aus dem Augenwinkel erhaschte ich den Glanz von jemandem, der durch ein Fenster beobachtete.

„Okay dann, meine Dame“, neckte Reeves mit einer spöttischen Verbeugung.

Ich rollte mit den Augen, folgte aber.

---

Das Darkblood-Anwesen entfaltete sich wie ein Königreich, das als Gefängnis getarnt war.

Reeves führte mich durch sorgfältig gepflegte Gärten, die aussahen, als gehörten sie nur in Welpenmärchen, jeder gesünder als der letzte.

Sechzehn Krankenstationen. Zwölf Küchen. Ein Fußballplatz, ein Basketballplatz und – weil diese Wölfe anscheinend viel zu viel Freizeit hatten – einen kompletten Fechtraum.

„Was zum Teufel?“ murmelte ich, als Reeves die Tür zu glänzenden silbernen Klingen und makellosen weißen Matten öffnete.

Reeves lachte. „Wir mögen es, für alles zu sorgen.“

„Nein, das ist im Grunde nur Angeberei“, schoss ich zurück, aber meine Lippen zuckten gegen ein Grinsen.

Während wir gingen, versuchte er es erneut. „Wir haben die Vorstellung nie beendet. Rayna, richtig? Darf ich dich so nennen?“ Sein Ton war spielerisch, aber in seinen Augen lag Vorsicht.

Ich musterte Reeves. Er sah anders aus als in der Bar. Entspannter, das braune Haar zu einem halben Dutt. Wo Sven harte Züge hatte, hatte er weichere.

Ein warmes Lächeln, einladende Aura und ein wirklich guter Sinn für Humor.

„Ja. Rayna Blacaris.“ Ich zwang den Namen heraus, er schmeckte nach bitterer Asche. „Und wie du bereits weißt, ist mein Vater nicht besonders angetan von mir.“

Reeves pfiff leise und engagierte mich, als wüsste er meinen Familiennamen nicht schon. „Blacaris? Das erklärt die Haltung.“

„Ich habe keine Haltung.“

Sein Grinsen wurde breiter. „Nein, nimm es nicht falsch auf. Es ist… erfrischend. Die meisten Omegas, sogar Alphas, würden es nicht wagen, Sven in die Augen zu sehen, geschweige denn, ihm zu widersprechen.“

Wenn er nur wüsste – ich wollte mehr als nur widersprechen.

---

Als ich zurückkam, war es fast Abendessenzeit, aber ich hatte keinen Hunger. Reeves hatte genug Snacks gestohlen, um mich tagelang satt zu halten.

Das Zimmer war dunkel, aber ich spürte Sven, bevor ich überhaupt den Schalter berührte. Meine Nippel spannten sich unter meinem Shirt an.

Verräter.

„Du bist sehr unheimlich“, murmelte ich und knipste das Licht an.

Sven lehnte in der Ecke, die Schatten schärften die harten Linien seines Gesichts.

„Ich habe dir einen Befehl gegeben“, knurrte er. „Halt dich von anderen Wölfen fern. Und du gehst mit Reeves auf Tour.“

Ich warf mir das Haar über die Schulter und maskierte den Ruck in meinem Magen. „Ist das Eifersucht, die ich spüre?“

„Götter, warum hörst du nie zu?“ Er erhob sich, jede Bewegung räuberisch. „Wenn du eine Tour gewollt hättest, hätte ich dir selbst eine gegeben.“

„Es war in Ordnung“, zuckte ich mit den Schultern. „Ich habe nichts gespürt, als ich bei ihm war.“

Sven strich sich mit der Handfläche über das Gesicht, murmelte etwas vor sich hin, bevor er lauter sprach. „Gut. Ich wollte sowieso etwas mit dir besprechen.“

„Oh?“ Ich setzte mich aufs Bett und tat ruhig. „Noch eine Theorie über meine Wölfin?“

Sein Blick verhärtete sich. „Nein. Über dich.“

Das weckte meine Aufmerksamkeit.

„Ich verstehe, dass du dich hier… etwas deplatziert fühlst.“

Ich zog eine Augenbraue hoch. „Wow, schau an, wer plötzlich ein Herz bekommen hat.“

Sein Blick warnte mich, aber er fuhr fort. „Also habe ich einen Kompromiss erreicht. Eine Chance auf Freiheit.“

Mein Puls stolperte. „Ich höre.“

„Du wirst dafür kämpfen.“

Ich blinzelte. „Kämpfen?“

„Ein Last-Man-Standing-Kampf. Nichts, was dein hübsches Gesicht vernarben wird.“ Sein Ton fiel in etwas Spöttisches, Herausforderndes.

Er musste scherzen. Ich vergesse immer wieder, dass dieser Mann ein verdammter Psycho war.

Ich starrte. „Was ist das, die 1900er?“

Seine Lippen zuckten. Nicht ganz ein Lächeln, nicht ganz Wut. „Kein Haken. Meine Delta hat es vorgeschlagen. Sie ist… begeistert.“ Seine Stimme tropfte vor Sarkasmus.

Sie?

Ich verengte die Augen. „Und wer mag wohl deine Delta sein?“

Er beugte sich näher, die Schatten meißelten seine Züge zu etwas Gefährlichem.

„Venus.“

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