LOGINErschrocken zuckte ich zusammen und starrte ihn ungläubig an.
Warum war dieser Mann nur so unausstehlich?
War es wirklich zu viel verlangt, auch nur den Hauch von Gastfreundschaft zu zeigen?
Ich wollte doch einfach nur nach Hause. Ich brauchte lediglich eine Mitfahrgelegenheit. Ich verlangte weder Geld noch einen Schlafplatz.
Was zum Teufel stimmte mit ihm nicht?
Leicht runzelte ich die Stirn und versuchte, ihn zu verstehen, doch mit jeder vergehenden Sekunde schien seine Wut auf mich nur noch größer zu werden.
„Verschwinde aus meinem Haus“, befahl er mit fester Stimme. Dabei rieb er sich gequält die Stirn und bedachte mich mit einem Blick, der wie eine Drohung wirkte.
Ich blieb wie angewurzelt stehen und bemerkte erst jetzt, wie nah er mir war.
Er überragte mich um fast zwei Köpfe.
Allein seine Erscheinung wirkte einschüchternd.
„Sir, ich wollte doch nur...“
Ohne jede Vorwarnung packte er mich an den Schultern und schob mich grob in Richtung Ausgang.
„A-aber was tun Sie denn? Ich möchte doch nur zurück in die Stadt. Oder lassen Sie mich wenigstens ein Taxi bestellen!“, protestierte ich und versuchte, mich aus seinem Griff zu befreien.
„Glaubst du, es interessiert mich, was du willst? Raus aus meinem Haus!“, fuhr er mich eiskalt an.
Ich riss die Augen auf.
So wenig Feingefühl konnte doch kein Mensch haben.
Jetzt wurde auch ich langsam wütend.
Als ich erneut versuchte, mich loszureißen, stieß ich ihn kräftig von mir.
Erst da bemerkte ich, dass ich sein Handtuch in den Händen hielt.
„O-oh... m-mein Gott... W-wenn ich das Handtuch habe... d-dann ist das da...“
Erschrocken ließ ich das Handtuch fallen.
Langsam hob ich den Blick.
Und erstarrte.
Vor meinen weit aufgerissenen Augen stand er vollkommen entblößt.
„Heiliger Himmel... W-was... ist... das...?“, murmelte ich und starrte ungläubig auf dieses monströse Teil, das wie eine Liane herabhing.
Ich konnte den Blick einfach nicht abwenden.
Mit aller Kraft zwang ich mich schließlich, ihm wieder ins Gesicht zu sehen.
Offenbar hatte ich seine Geduld endgültig erschöpft.
In seinen Augen loderte nur noch eines.
Grenzenlose Wut.
Und ich war das einzige Ziel.
۞
Zorn, Abscheu und tiefes Unbehagen verdunkelten das Gesicht des Mannes.
Es schien, als sei Céline nur erschienen, um ihn zu provozieren und den letzten Rest seiner ohnehin knappen Geduld zu zerstören.
Allein ihr Anblick ließ Wut in ihm aufsteigen.
Ihre gespielte Unschuld trieb ihn langsam in den Wahnsinn.
Die Ereignisse dieser Nacht gingen ihm erneut durch den Kopf.
Sein Blick glitt langsam über sie.
Von oben bis unten.
Dieser vulgär kurze Rock.
Die durchsichtige Bluse.
Und diese abscheuliche Cowboy-Weste.
Eine Frau, die sich so kleidete, konnte unmöglich Anstand besitzen.
Sie musste aus einem ganz bestimmten Grund hier sein.
„H-hören Sie mir überhaupt zu?“, fragte sie nervös, hielt ihm das Handtuch entgegen und bedeckte mit der anderen Hand ihre Augen.
„Es tut mir leid wegen... des Handtuchs, aber könnten Sie bitte... sich bitte wieder bedecken?“
Reflexartig stieß sie seine Hand kräftig weg.
Dadurch taumelte er gegen die Vase hinter sich.
Mit lautem Krachen zerbarst sie in tausend Stücke.
„Warum haben Sie das getan? Sie sind ein Grobian... ...ein richtiger Barbar!“
Vor 25 Jahren„Wie groß du geworden bist, kleiner Kiliam.“ Ich hob meinen wütenden Blick zu Helenas Vater. Ich konnte mich nicht einmal mehr an seinen Namen erinnern, und wir standen uns ganz bestimmt nicht nahe genug, dass er mich so anreden durfte. Ich hasste Menschen, die sich aufführten, als wären sie mit einem auf Du und Du.„Mr. Lockwood.“„Was hast du gesagt?“, fragte er verwirrt.„Von jetzt an wirst du mich so ansprechen. Vergiss das nicht.“„E-es tut mir leid, Kiliam. Du hast vollkommen recht. Du bist kein Kind mehr.“„Sag mir, was du willst. Ich habe nicht viel Zeit zu verschwenden.“ Meine Stimme klang nervös.„Ich habe gehört, dass du seit deinem Universitätsabschluss damit begonnen hast, die Geschäfte deines Vaters zu übernehmen. Stimmt das?“„Das stimmt. Ich investiere an der Börse … obwohl ich weiß, dass mein Vater in einem ganz anderen Bereich tätig war. Jedenfalls möchte ich nicht nur für die Geschäfte meines Vaters bekannt sein. Ich werde mir selbst einen Namen machen
Verfluchte ErinnerungenEinige Stunden waren vergangen, seit Miss Celine entkommen war, und Mr. Lockwood hatte nichts unternommen, um nach ihr zu suchen. Trotzdem war er am Boden zerstört … Ich kannte ihn viel zu gut, um es nicht zu bemerken. Er machte sich Sorgen und war tief in seine Gedanken versunken. Ich konnte nicht verstehen, was in ihm vorging. In seinem Handeln war er kalt und brutal ehrlich, ein Mann, der einem mit seinen Worten die Seele zerreißen konnte. Also warum? Ich nahm die Ermittlungsunterlagen an mich, aus Angst, das Feuer in seinem gequälten Geist noch weiter anzufachen. Doch wenn es ihm etwas Seelenfrieden verschaffen würde, würde ich seine Anweisungen ausführen.„Mr. Lockwood …“, kündigte ich mein Eintreten an, als ich sein düsteres Büro betrat. Der Raum roch nach Alkohol und Tabak.„Sir … haben Sie geraucht?“„Bevor mein Vater starb, hinterließ er mir eine Zigarrenkiste, eine Uhr und eine Vase. Ich dachte, ich würde keines dieser Dinge jemals benutzen … und heute
Sag mir die Wahrheit.„Mr. Lockwood … Mr. Lockwood, können Sie mich hören? Sir!“„Sebastian … ich … ich weiß nicht, was ich tun soll“, murmelte ich, hin- und hergerissen von meiner Unentschlossenheit.„Sagen Sie mir, was ich tun soll, Sir. Soll ich Miss Celine suchen gehen?“Ich hob den Blick und wurde aus meiner Erstarrung gerissen. Hastig platzte es aus mir heraus:„Celine! Natürlich, Celine! Wo ist sie?“Ich sprang auf und stürmte in panischer Eile zur Tür. Sebastian eilte mir hinterher und sprach über sein Headset, um das Sicherheitspersonal zu alarmieren.„Durchsuchen Sie das ganze Haus nach Miss Celine! Sofort!“Einige Stunden zuvorAls ich das Klingeln meines Handys hörte, versuchte ich mühsam, die Augen zu öffnen. Völlig erschöpft tastete ich zwischen den Kissen danach. Mein Körper fühlte sich schwer an, als ich mich bewegte, doch ein glückliches Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus, als ich mich an die vergangene Nacht mit Kiliam erinnerte. Sie war kurz gewesen, aber i
Eine angekündigte BedrohungAls ich mein Gespräch mit Sebastián beendet hatte, kehrte ich in den Kinoraum zurück. Celine war mit ihrer Tasse noch in der Hand eingeschlafen. Ich lächelte leicht, als ich sie zudeckte, denn ich brachte es nicht übers Herz, sie in ihr Bett zu tragen. Sie sah so friedlich aus, viel friedlicher als in dem Moment, als ich sie in jenem Raum gefunden hatte … Ich seufzte erschöpft und setzte mich neben sie, während ich meinen Gedanken nachhing. Ich wollte nie wieder diese Angst verspüren, nichts zu wissen und völlig im Dunkeln zu tappen. Als Emma mir alles erzählt hatte, war mir klar geworden, dass es eine Celine gab, die ich kannte, und eine andere, die mir völlig fremd war … Und das hatte erneut Gefühle der Unsicherheit und des Misstrauens in mir geweckt, Gefühle, die ich nie wieder in mein Leben lassen wollte. Dieses Mal würde ich alles unter Kontrolle haben. Nie wieder wollte ich mich wie ein nutzloser Mann fühlen, dessen Frau glaubte, ihn beschützen zu müs
Lüge, Gerechtigkeit und Rache.Ich konnte nicht … ich konnte einfach nicht so tun, als wäre nichts geschehen, obwohl ich das Gesicht der Henkerin kannte, die so viel Schaden in seinem Leben angerichtet hatte, selbst als er noch ein Kind gewesen war … ein unschuldiges Kind, das sich nicht gegen eine schädliche, widerwärtige Frau hatte wehren können. Die Geschichte, die er mir erzählt hatte, erinnerte mich an das verwirrte, verängstigte Mädchen, das mit angesehen hatte, wie ihre Familie vor ihren Augen zerbrach, ohne etwas dagegen tun zu können. Wenn ich … wenn ich das Glück hätte, das Gesicht der Person zu kennen, die mein Leben und das meiner Liebsten zerstört hatte, würde es mir genügen, sie zu vernichten, genau wie ich es für Kiliam geplant hatte. Gerechtigkeit? Ich wusste nicht, ob man es so nennen konnte … aber Menschen wie sie, die sich so lange frei bewegt und sich ungestraft der Justiz und der Polizei entzogen hatten, verdienten es nicht länger, ihr Leben in Frieden weiterzufüh
Ein gefährlicher Plan„Celine, wie schön, dass du mich besuchen kommst! Komm rein, komm rein!“, rief sie aus und nahm meine Hand, bevor sie die Tür schloss. „Willkommen in meiner bescheidenen Hütte“, sagte sie und ließ den Blick durch das riesige Haus schweifen. Wie um alles in der Welt konnte man diesen Ort als bescheiden bezeichnen? Miss Emma sah mich an, und ich schenkte ihr rasch ein Lächeln. Sie seufzte übertrieben, blieb stehen und fügte spöttisch hinzu: „Na gut … ein bisschen bescheiden“, gab sie zu und führte Daumen und Zeigefinger zusammen, während sie mich anlächelte. Daraufhin erwiderte ich: „Bescheidenheit liegt im Auge des Besitzers.“„Du verstehst mich wirklich, meine liebe Celine“, antwortete sie und hakte sich bei mir unter, während wir wie alte Freundinnen nebeneinanderhergingen. Plötzlich veränderte sich Miss Emmas Stimmung, und sie sagte: „Ich habe … die Nachrichten gesehen, Celine …“Verwirrt sah ich sie an, als eine der Hausangestellten auf uns zukam und fragte: „M







