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Nachwehen und Zurückweisung

مؤلف: Jules
last update تاريخ النشر: 2026-08-19 14:27:31

Lyras Sicht

Sie nennen mich in den Rudelküchen "die gezeichnete Hure".

Drei Tage, nachdem ich aus den Wildlanden zurückgekehrt bin, hat sich die neue Realität wie ein schweres Gewicht auf meiner Brust niedergelassen. Ich bin wieder im Heilerbau, weil es der einzige Ort ist, an dem sie mich noch arbeiten lassen. Der vertraute Geruch von Kräutern und Medizin beruhigte mich normalerweise. Jetzt fühlt er sich an wie ein weiterer Käfig. Ich halte den Kopf gesenkt und mische Salben, aber jede Person, die durch die Tür kommt, erinnert mich daran, wie tief ich gefallen bin.

Manche Rudelmitglieder kommen mit echten Verletzungen. Ein Gamma-Krieger mit einem Schnitt am Arm setzt sich und lässt mich ihn versorgen. Aber die meisten kommen nur, um zu starren. Sie wollen sich die Markierung an meinem Hals genauer ansehen. Eine junge Mutter kommt herein und trägt ihr krankes Kleinkind. Als ich mich vorbeuge, um das Fieber des Jungen zu prüfen, zieht sie ihn schnell zurück. "Fass ihn nicht an", faucht sie. "Ich will nicht, dass das Zeichen eines Streuners meinen Sohn verunreinigt."

Meine Hände erstarren in der Luft. Die Scham brennt so heiß, dass ich kaum atmen kann. Heilerin Iris tritt vor und übernimmt. "Lass mich das machen, Lyra." Ihre Stimme ist freundlich, aber ich sehe auch das Unbehagen in ihren Augen. Selbst sie weiß nicht, was sie mit mir anfangen soll.

Die Isolation fühlt sich vollständig an. Ehemalige Freundinnen, die früher mit mir in diesem selben Raum gelacht haben, gehen jetzt am Fenster vorbei, ohne stehenzubleiben. Sie wechseln auf die andere Seite des Weges, wenn sie mich sehen. Nur Mara kommt noch vorbei, aber ich kann sehen, dass ihre Familie sie bereits drängt, sich fernzuhalten. Sie bringt mir Wasser und versucht zu lächeln, aber ihre Augen sind traurig. Ich hasse es, dass ich sie mit mir nach unten ziehe.

Ich wische mir die Hände an einem Tuch ab und arbeite weiter. Jedes Getuschel, jeder Blick nagt an dem, was von mir übrig ist. Drei Tage. Das war alles, was das Rudel brauchte, um zu entscheiden, wer ich jetzt bin.

Die Tür öffnet sich später an diesem Morgen wieder. Mein Magen sackt ab, als ich Derek sehe. Er kommt herein mit einem kleinen Schnitt an der Hand, der gestellt aussieht. Er braucht mich nicht. Er will nur etwas.

Ich zwinge mich, professionell zu bleiben. Meine Hände zittern, während ich die winzige Wunde reinige. Ich spüre, wie die Wut unter meiner Haut aufsteigt, aber ich beiße sie zurück.

"Ich wollte dich nie verletzen, Lyra", sagt er leise. "Die Gefährtenbindung mit Ivy... sie war überwältigend. Ich konnte nicht dagegen ankämpfen."

Ich halte meine Augen auf seine Hand gerichtet. "Du warst fünf Jahre lang mit mir zusammen, Derek. Du wusstest, dass etwas nicht stimmte. Du hast mich benutzt."

Er rutscht auf seinem Stuhl herum. "Ich dachte, vielleicht würde die Bindung irgendwann auch mit dir einrasten. Du warst sicher. Bequem."

Die Worte treffen wie eine Ohrfeige. Bequem. Das war alles, was ich für ihn war. Fünf Jahre meines Lebens, meine Hoffnungen, mein Körper, reduziert auf etwas Einfaches. Etwas, das er behielt, bis das Echte auftauchte. Etwas in mir zerbricht noch ein Stück mehr.

Derek redet weiter, seine Stimme leise. "Wenn du einfach geduldig gewesen wärst, hätten wir vielleicht Freunde bleiben können."

Ich stoße ein Lachen aus, das selbst in meinen eigenen Ohren gebrochen und bitter klingt. "Verschwinde."

Er sieht für eine Sekunde überrascht aus, steht dann auf. Als er zur Tür geht, wird mir die Wahrheit klar. Es tut ihm nicht leid, dass er mich verletzt hat. Es tut ihm nur leid, dass er erwischt wurde. Die Schuld auf seinem Gesicht gilt ihm selbst, nicht dem, was er mir angetan hat.

Ich beobachte, wie sich die Tür hinter ihm schließt, und spüre, wie das letzte Stück unserer alten Beziehung stirbt.

Ivy taucht später am Nachmittag auf. Es ist eindeutig geplant. Sie hat es perfekt getimt, nachdem Derek gegangen ist. Sie setzt sich mit einem süßen Lächeln hin und bittet um ein Tonikum gegen "Erschöpfung durch die neue Bindung". Die Worte sollen mich verletzen. Sie will, dass ich mir die beiden zusammen vorstelle.

"Geht es dir gut, Lyra?", fragt sie, gespielte Sorge trieft aus jedem Wort. "Ich mache mir Sorgen um dich."

Ich muss mitspielen. Ich arbeite noch hier. Ich messe die Kräuter sorgfältig ab, während mein Kiefer angespannt bleibt. "Mir geht es gut."

Ivy beugt sich näher. "Derek ist so aufmerksam. Ich wusste nicht, dass das Zeichnen so intensiv sein kann." Sie berührt ihre eigene Markierung und seufzt. "Vater ist so stolz. Endlich hat er den Schwiegersohn, den er sich immer gewünscht hat."

Jeder Satz ist darauf ausgelegt zu verletzen. Ich halte mein Gesicht ausdruckslos, auch wenn meine Hände zittern wollen. "Deine Markierung ist zwar hübsch", fügt sie hinzu und blickt auf meinen Hals. "Schade, dass du nicht weißt, wem sie gehört."

Ich bleibe still. Ich muss. Aber dann lässt Ivy die Fassade vollständig fallen. Ihr Lächeln wird scharf. "Weißt du, was witzig ist? Ich wusste immer, dass er mir gehört. Ich konnte es an ihm riechen. Ich ließ ihn mit dir zusammen sein, weil es unterhaltsam war. Dabei zuzusehen, wie du dachtest, du hättest etwas Echtes."

Die Enthüllung trifft hart. Jahre. Sie ließ es absichtlich über Jahre hinweg weitergehen. Die Grausamkeit war geplant. Meine Brust fühlt sich eng an. Ich umklammere die Tischkante, bis meine Knöchel weiß werden.

Ivy steht zufrieden auf. "Genieß dein Tonikum."

Als sie geht, bricht der Damm. Ich gehe in den hinteren Lagerraum, wo mich niemand sehen kann, und verliere die Fassung. Ich schmettere eine Flasche gegen das Regal. Dann eine weitere. Glas splittert überall. Ich schreie in meinen Arm, um den Klang zu dämpfen. Tränen laufen über mein Gesicht, während ich an der Wand hinunterrutsche. Alles tut weh. Der Verrat durch Derek. Die Art, wie Ivy es genoss. Das Rudel hat sich gegen mich gewendet. Ich fühle, wie ich auseinanderbreche.

Iris findet mich einige Minuten später. Sie schreit nicht. Sie beginnt einfach still, das Glas aufzusammeln. "Dieses Rudel ist Gift für dich, Kind", sagt sie sanft. "Du musst gehen."

Ich wische mir das Gesicht mit meinem Ärmel ab. "Ich habe nirgendwo hin."

Iris sieht mich mit traurigen Augen an. "Dann schaffe dir einen Ort. Du bist stärker, als dieser Ort es je verdient hat."

Ihre Worte geben mir den ersten klaren Moment seit Tagen. Vielleicht wäre Verbannung nicht das Schlimmste. Zumindest müsste ich dann nicht mehr so leben. Aber die Angst ist immer noch da. Wie würde ich allein überleben? Kein Rudel. Kein Schutz. Nur ich und diese Markierung an meinem Hals.

An diesem Abend saß ich in meinem Zimmer auf meinem Bett und untersuchte die Markierung erneut. Sie hat im Laufe des Tages zu ungewöhnlichen Zeiten gebrannt. Jetzt pulsiert sie unter meinen Fingern mit Wärme. Ich presse meine Hand darauf und schwöre, dass ich etwas spüre. Nicht nur Schmerz. Etwas anderes. Gefühle, die nicht meine sind. Frustration. Sehnsucht. Ein Gefühl des Suchens.

Ich ziehe meine Hand schnell zurück. Ich muss es mir einbilden. Die Trauer macht mich verrückt. Aber meine Wölfin regt sich in mir, stärker als sonst. Sie beharrt leise: "Er sucht nach uns."

Ich flüstere ihr im dunklen Zimmer zurück. "Warum hat er uns dann nicht gefunden?"

Es kommt keine Antwort. Ich schlafe ein, während ich noch die Markierung berühre, Träume voller Schatten und dieser rotgoldenen Augen, die mich nicht in Ruhe lassen.

Ich wusste nicht, dass Hunderte von Meilen entfernt ein mächtiger Alpha die Wildlande auseinanderriss, verzweifelt auf der Suche nach einem Mädchen, das nach wilden Rosen roch und nach Erlösung schmeckte.

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