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Kapitel 3: Der Hohlkönig

ผู้เขียน: RoguePumpkin
last update วันที่เผยแพร่: 2026-04-10 14:26:36

MIGUEL

Die Worte des Arztes hingen noch immer in der Luft wie Rauch von einem Feuer, das ich nicht sehen konnte.

Ich stand am Fenster meines privaten Arbeitszimmers und blickte auf die Stadt Northbridge hinab, die sich unter mir wie eine Schaltplatte aus Licht und Beton ausbreitete. Das Glas war kalt unter meiner Handfläche, und ich ließ sie dort, ließ die Kälte in meine Knochen sickern, in der Hoffnung, sie würde die Taubheit erreichen, die sich hinter meinen Rippen festgesetzt hatte. Draußen folgte die Stadt ihrem abendlichen Rhythmus mit der mechanischen Gleichgültigkeit der Menschheit. Autos krochen durch die Straßen wie Blutzellen durch Adern. Bürofenster leuchteten gelb und weiß in der Dämmerung. Irgendwo dort unten aßen Menschen mit ihren Familien zu Abend, lachten über Fernsehsendungen, lebten gewöhnliche Leben—ohne Gift, ohne Macht, ohne den langsamen Tod von allem, was sie aufgebaut hatten.

Ich hatte nie ein gewöhnliches Leben geführt. Ich wusste nicht, wie sich das anfühlte.

„Du musst etwas sagen, Miguel.“

Die Stimme gehörte Henry. Nicht der Henry aus Stonecrest. Ein anderer Henry. Mein Henry. Henry Marchetti, mein Stellvertreter, mein Problemlöser, der einzige Wolf, der es wagte, mit mir wie mit einem Gleichgestellten zu sprechen—und lebte. Er stand neben dem Bücherregal, die Arme verschränkt, seine braunen Augen aufmerksam.

Ich drehte mich nicht um.

„Was soll ich sagen?“

„Irgendetwas. Du hast gerade Nachrichten bekommen, die die meisten Alphas zerstören würden, und du stehst da, als würdest du entscheiden, was du zum Mittagessen bestellst.“

Sein Spiegelbild im Fenster zeigte sein Gesicht. Graue Strähnen an den Schläfen, Sorgenlinien um den Mund. Er war seit vor meiner Zeit als Shadow Alpha bei mir gewesen, damals, als ich nur ein Einzelgänger war mit einem Talent für Gewalt und einer Rechnung mit der Welt.

Er kannte mich besser als jeder andere.

Aber er kannte das Mädchen nicht.

„Die Diagnose ist bestätigt“, sagte ich ruhig. „Die Heiler haben alle Tests durchgeführt. Mein Wolf ist stark. Mein Körper ist stark. Aber der Schaden durch die vergiftete Klinge vor zwölf Jahren hat sich ausgebreitet. Ich bin unfruchtbar. Unfähig, Nachkommen zu zeugen.“

Henry verzog das Gesicht. „Es gibt Behandlungen. Experimentelle. Die Hexen im Osten—“

„Ich werde nicht mit Hexen verhandeln.“

„Und was ist mit Rosalie?“

Der Name fiel schwer in den Raum.

Meine Verlobte. Meine politische Lösung. Der Shadow Alpha brauchte Erben. Mein Imperium brauchte eine Zukunft. Rosalie war dafür vorgesehen gewesen—schön, aus guter Linie, aber oberflächlich. Ich hatte sie mit Verstand gewählt, nicht mit Herz.

Mein Herz war seit vier Jahren verschwunden.

„Sie darf es nicht erfahren“, sagte ich.

„Sie wird es herausfinden.“

Ich drehte mich um. Seine Augen trafen meine—und er sah das Gold darunter. Den Zorn. Die Unruhe meines Wolfs Tenebris.

„Ich weiß, wie Biologie funktioniert“, sagte ich kühl und setzte mich. „Rosalie ist im Norden, trinkt Champagner. Sie ahnt nichts.“

„Während du hier die schlimmste Nachricht deines Lebens bekommst.“

„Sie ist, wie sie immer war.“

Henry verschränkte die Arme. „Du liebst sie nicht.“

„Liebe ist irrelevant.“

„Ist sie das?“

Ich ließ die Maske für einen Moment fallen.

Erschöpfung. Leere. Das Echo einer Nacht vor vier Jahren.

„Ich habe nach jemandem gesucht“, sagte ich.

Henry wurde sofort aufmerksam. „Nach wem?“

„Einer Frau. Einer Wölfin. Sie kam vor vier Jahren zu mir. An ihrem Geburtstag. Ihr Gefährte hatte sie zurückgewiesen. Sie war… zerbrochen.“ Ich hielt inne. Erinnerte mich an ihren Blick. Ihren Geschmack. „Ich gab ihr eine Nacht. Am Morgen war sie verschwunden.“

Henry schwieg kurz. „Und seitdem suchst du sie?“

„Ja.“

„Warum?“

Ich antwortete nicht sofort.

„Mein Wolf hat sie erkannt“, sagte ich schließlich. „Nicht als Gefährtin. Etwas anderes. Etwas Älteres. Er hat seitdem keine Ruhe.“

Henry atmete langsam aus. „Kennst du ihren Namen?“

„Nein.“

„Ihr Rudel?“

„Stonecrest.“

Henry rieb sich die Stirn. „Vier Jahre Suche nach einer namenlosen Omega?“

„Sie ist die Einzige, die mich je… menschlich fühlen ließ.“

Die Tür öffnete sich.

Derek, mein Assistent, trat ein, bleich, nervös, ein Tablet an die Brust gedrückt.

„Alpha Thorne… ich habe einen Bericht.“

Ich stand zu schnell auf. Schmerz schoss durch meinen Körper—ich ignorierte ihn.

„Sprich.“

„Wir haben ihre Spur verfolgt. Die Nacht in der Bar. Die Hütte. Ein menschlicher Fahrer hat sie gefunden. Barfuß. Zerrissenes Kleid. Er brachte sie zu einer Tankstelle nahe Stonecrest.“

Mein Herz schlug schneller.

„Und dann?“

„Sie rief jemanden an. Henry Vance. Beta von Stonecrest.“

Henry Marchetti sagte nichts.

„Sie blieb drei Wochen“, fuhr Derek fort. „Dann verschwand sie. Niemand suchte nach ihr.“

Ich trat näher. „Du hast mehr gefunden.“

Derek nickte, hob das Tablet.

„Ein Foto.“

Das Bild zeigte eine Frau.

Müde Augen. Dunkles Haar.

Und ein Kind an ihrer Hand.

Ein Junge.

Dunkles Haar. Sturer Kiefer.

Und Augen—

Whiskeyfarben.

Mit Gold.

Meine Augen.

Mein Sohn.

Alles verstummte.

Der Schmerz verschwand.

Die Diagnose wurde bedeutungslos.

Ich sah meinen Erben.

„Wo ist sie?“ fragte ich leise.

„Northbridge. Sie arbeitet bei Thorne Enterprises. Ihr Name ist… Candice. Candice Morrow.“

Candice.

Nach vier Jahren hatte ich einen Namen.

Sie war unter meinem Dach gewesen.

Mit meinem Sohn.

Ich starrte auf das Bild.

Dann sah ich auf.

„Bereitet den Jet vor.“

Henry trat vor. „Miguel—denk nach. Wenn du wie ein Sturm kommst, wird sie wieder fliehen.“

Ich sah ihn an.

Ließ alles sehen.

Die vier Jahre. Die Leere. Die Hoffnung.

„Dann werde ich vorsichtig sein“, sagte ich. „Aber ich werde meinen Sohn sehen.“

Der Bildschirm wurde schwarz.

Irgendwo in Northbridge lebte Candice Morrow.

Ohne zu wissen, dass ich sie gefunden hatte.

Ohne zu wissen, dass alles sich ändern würde.

Ich griff nach meinem Mantel.

Und ging zum Aufzug.

Die Jagd war vorbei.

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