LOGINDer Metallgriff der Suitentür drehte sich. Miguels Finger lagen direkt auf dem Messing und schoben sie einen winzigen Spalt weit auf.Im Zimmer hörte Rosalie auf zu atmen. Ihr Herz hämmerte so heftig gegen die Rippen, dass sie sicher war, Miguel könne es durch das Holz hören. Alex zuckte nicht einmal. Er stand einfach da, mit diesem ruhigen, trägen Grinsen, und beobachtete den Spalt in der Tür, als wäre das alles völlig unwichtig.Bevor Miguel die Tür ganz aufziehen konnte, hallten schwere, hastige Schritte durch den Steinflur.„Alpha Miguel", rief Henrys Stimme, dringlich und scharf, als er um die Ecke joggte. „Herr, wir brauchen Euch sofort im Arbeitszimmer. Eine vorrangige Übertragung der Vollstrecker an der Ostgrenze ist eingetroffen, und sie erfordert Eure persönliche Genehmigung."Miguel erstarrte. Seine Hand blieb noch eine Sekunde länger auf der Türklinke, und sein dunkler Blick verweilte auf dem finsteren Spalt zu Rosalies Zimmer. Dann ließ er mit
Das Dienstmädchen stand wie erstarrt an der Tür, die Augen weit aufgerissen wie Untertassen. Ihr Kiefer hing herunter, während sie auf den großen Metallwagen starrte, dessen frische Handtücher gerade auf den Boden gestürzt waren.Auf dem großen Bett blieb Rosalie das Herz in der Brust stehen. Die Luft entwich auf einen Schlag aus ihren Lungen. Ihr eleganter smaragdgrüner Rock war hoch um ihre Taille geschoben, ihre nackten Beine waren mit Alex' schwerem Körper verschlungen, und seine Hände lagen direkt auf ihrer Haut. Das heiße Blut schoss ihr ins Gesicht und ließ ihre Wangen so stark brennen, dass sie glaubte, jeden Moment ohnmächtig zu werden.„Oh ... oh, es tut mir so leid!", quiekte das Dienstmädchen, die Stimme brüchig vor purer Angst. Sie wusste nicht, wohin sie schauen sollte. Sofort senkte sie den Blick auf den Boden, ihre Hände zitterten so stark, dass sie sich kaum bewegen konnte. „Ich ... ich habe nur die zusätzliche Wäsche gebracht! Ich wusste nicht ...
Die Luft im Kellerbüro war bereits dick vor Panik, doch als Bianca Vancourt näher trat, wurde sie eiskalt und tödlich. Lawrenta stand eine Sekunde lang wie erstarrt da, und ihr Verstand versuchte, aufzuholen. Sie sah Bianca an, dann Henry, und anstatt klein beizugeben, wie es jeder Kluge getan hätte, stieg in ihrer Brust jene alte, hässliche Arroganz auf. Lawrenta war eine Frau, die ständig einen Groll mit sich herumtrug. Sie verbrachte jeden Tag wütend auf die Welt, wütend auf die reichen Leute, die auf sie herabsahen, und jetzt verwandelte sich ihre Angst geradewegs in reine, leichtsinnige Wut.Sie würde sich von dieser wohlhabenden Frau nicht einschüchtern lassen.„Ach, hören Sie auf mit dem dramatischen Theater, Mrs. Vancourt", höhnte Lawrenta, warf die Hände in die Luft und lachte laut und falsch. „Glauben Sie, Sie können hier hereinspazieren und mir drohen, als wäre ich ein verängstigtes kleines Mädchen? Sie haben die Falsche erwischt. Mir ist Ihr D
Die schweren Samtvorhänge im Ostkorridor verbargen das Geräusch flüsternder Stimmen und raschelnder Seide nur schlecht. Annabelle Stone schlich durch die Schatten des Anwesens Stonecrest wie eine Katze auf der Suche nach Ärger, und ihre nackten Füße machten auf dem polierten Hartholzboden kaum ein Geräusch. Ihr Herz hämmerte gegen die Rippen, in einem scharfen, hässlichen Rausch. Sie suchte nicht ihren Ehemann. Sie suchte keine Rudelangelegenheiten. Sie schlich sich hinaus, um den jungen Wachmann zu finden, den sie um den Finger gewickelt hatte: einen breitschultrigen Burschen namens Ethan, der die Nachtschicht an den unteren Gartentoren versah.Sie fand ihn unter dem Steinbogen, die dunkle Uniform tadellos, die Hände schwer auf dem Gürtel mit dem Holster. Als er sie aus der Tür schlüpfen sah, hellte sich sein hübsches Gesicht nicht vor Freude auf. Stattdessen runzelte er die Stirn, und in seinen dunklen Augen blitzte eine Mischung aus Frust und verletztem Stolz.
Die schwere Eisentür fiel mit einem Klicken ins Schloss, und Rosalie war endlich allein in ihrem Zimmer.Ihre Brust hob und senkte sich schnell. Sie presste den Rücken gegen die kalte Wand und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Ihre Gedanken waren ein einziges Chaos. Vor wenigen Minuten hatte Alex sie noch berührt und sie jede einzelne Regel vergessen lassen, die sie sich selbst gesetzt hatte. Sie sah auf ihre Hände hinunter und stellte fest, dass sie zitterten.Was tue ich da?, dachte sie.Sie sollte Miguel heiraten. Sie sollte die mächtigste Luna des ganzen Rudels sein. Mit Alex zu schlafen war nicht bloß eine schlechte Idee, es war ein Todesurteil, falls Miguel jemals davon erfuhr.Sie ging zu ihrem Bett und ließ sich schwer auf die Kante sinken. Die Laken waren noch zerwühlt und warm von ihm. Sie zog die dicke Decke um ihre nackten Schultern und versuchte, die Kälte zu vertreiben, die ihr durch die Adern kroch. Aber sie konnte das Gefühl seiner Hände
Das Büro im Keller war der letzte Ort, an dem jemand jemanden suchen würde, und während oben die Feier lief, hielten die beiden ihn für den perfekten Ort für ein kleines, vertrauliches Treffen.Die einzelne Glühbirne an der Decke flackerte und warf seltsame Schatten über den zerkratzten Holztisch. Henry stützte die Ellbogen auf das Holz und starrte angestrengt auf den Becher mit kaltem Kaffee vor sich. Ihm gegenüber lief Lawrenta auf und ab, und ihre Absätze klackten scharf auf dem Betonboden.„Ich sage dir, Henry, sie rutscht uns durch die Finger", zischte Lawrenta, blieb plötzlich stehen und funkelte ihn an. „Wir haben versucht, sie in die Enge zu treiben, aber sie ist zu glatt. Jedes Mal, wenn wir kurz davor sind, sie zu fassen, findet sie einen Ausweg. Wenn wir sie nicht sofort entlarven, spaziert Rosalie völlig unbeschadet davon, und alle ihre kleinen Lügen bleiben intakt."Henry rieb sich den Nacken und spürte, wie sich direkt hinter seinen Augen ein tief
CANDICE Der Bus hatte Verspätung.Ich stand an der Ecke von Maple und Seventh, die Hände tief in die Taschen meines abgetragenen grauen Mantels geschoben, und beobachtete, wie die Minuten auf meinem Handybildschirm verstrichen. 7:42 Uhr. Meine Schicht begann um 7:30. Mrs. Patterson, die Leiterin d
Vier Jahre späterCANDICEDer Wecker schrillte um 5:47 Uhr, und ich brachte ihn mit einem Schlag zum Schweigen, noch bevor der zweite Ton erklingen konnte. Das Geräusch brach abrupt ab und hinterließ eine klingende Stille, die das kleine Schlafzimmer füllte wie Wasser ein Glas. Einen langen Moment
MIGUEL Die Worte des Arztes hingen noch immer in der Luft wie Rauch von einem Feuer, das ich nicht sehen konnte. Ich stand am Fenster meines privaten Arbeitszimmers und blickte auf die Stadt Northbridge hinab, die sich unter mir wie eine Schaltplatte aus Licht und Beton ausbreitete. Das Glas war
CANDICE Miguels Hand schloss sich um meine, und die Welt geriet aus den Fugen. Diese Berührung war nichts wie das kurze, distanzierte Antippen, das Leo mir Stunden zuvor in der Halle gegeben hatte. Das hier war Wärme und Gewicht und Absicht. Seine Handfläche war rau von Schwielen, die von Arbeit







