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Der Stalker

Author: Yole Writes
last update publish date: 2026-06-21 20:14:01

Ich erstarre, als mir die Mappe aus den kalten Fingern gleitet. Die Blätter verstreuen sich wie gefallene Blätter auf dem dunklen Boden. Mateo steht im Türrahmen, Wasser tropft von seinem dunklen Haar. Sein Blick ruht auf meinem blassen Gesicht. Er rührt sich nicht, um sein Geheimnis zu verbergen. Er bietet keine Ausrede für die Stalker-Fotos. Er beobachtet mich nur mit seinen durchdringenden, wissenden Augen. Ich versuche, etwas zu sagen, doch die Angst raubt mir die Worte. „Du hast mich monatelang beobachtet?“, flüstere ich leise und schwach in dem großen Raum.

Mateo betritt den Raum mit langsamer, bedächtiger Anmut. Er bewegt sich wie eine Katze, die eine in die Enge getriebene Maus verfolgt. Er bleibt bei den verstreuten Akten auf dem Boden stehen. Er bückt sich nicht, um sie aufzuheben. Stattdessen sieht er mich an. „Ich musste jedes Detail über dich wissen, bevor ich umgezogen bin.“ Er spricht mit einer ruhigen, gleichmäßigen Stimme, die mich mehr erschreckt als ein Schrei. Mein Herz pocht wie ein gefangener Vogel gegen meine Rippen. „Du bist nicht einfach nur eine zufällige Zeugin in einem Raum. Du warst immer das Ziel.“

 Seine Worte trafen mich wie ein Schlag in die Magengrube. Ich taumelte zurück und prallte gegen das harte Holz des Schreibtisches. Jede Erinnerung an die letzten Monate fühlte sich nun befleckt an. Der Fremde, der in der hintersten Ecke des Diners saß. Das schwarze Auto, das langsam an meiner Bushaltestelle vorbeifuhr. Das Gefühl, von Blicken verfolgt zu werden, die durch die nassen Straßen der Stadt zogen. Es war alles seine Schuld. Er war immer da, in den dunklen Schatten meines Lebens. Ich betrachte den gefälschten Pass, mein Gesicht liegt auf dem Schreibtisch.

„Wer bin ich in diesem Dokument?“, frage ich und zeige mit zitterndem Finger auf den Schreibtisch. Mateo kommt näher, bis er in meine persönliche Zone eindringt. Er riecht nach frischer Seife und tiefer Gefahr. „Du bist, wer ich dich brauche. Du bist ein Geist ohne Vergangenheit und ohne Verbindung zu der Welt, die du zurückgelassen hast.“ Meine Knie werden weich, als die Wahrheit in mein Bewusstsein dringt. Er hat mich nicht nur hierhergebracht, um mich stumm zusehen zu lassen. Er hatte geplant, meine gesamte Existenz von der Erde zu tilgen.

Ich versuche, an ihm vorbei zur Schlafzimmertür zu drängen. Er ist zu schnell für mich. Mit einer Hand packt er meine Handgelenke und drückt sie gegen die Wand. Seine Brust presst sich gegen meine und hält mich gefangen. Die Macht, die er über mich hat, fühlt sich real und erdrückend an. Ich hasse dich für das, was du meinem Leben angetan hast. Meine Augen brennen vor Wut. Mateo beugt sich zu mir herunter, bis seine Nase meine Haut streift. „Hass ist ein guter Anfang“, flüstert er mir gegen die Lippen. „Liebe wäre viel zu gefährlich für uns.“

Er lässt meine Hände los und dreht sich zurück ins Zimmer. Ich rutsche die Wand hinunter, bis ich auf dem Boden sitze. Meine Welt ist zerbrochen, und ich weiß nicht, wie ich sie reparieren soll. Er geht zum Kleiderschrank und holt eine kleine schwarze Schachtel heraus. Er stellt sie aufs Bett und öffnet den Deckel mit einem leisen Klicken. Darin liegt eine Halskette aus dünnem Gold und einem einzelnen schwarzen Stein. Sie sieht aus wie ein Ehering. Er dreht sich mit dem Schmuckstück in der Hand zu mir um. „Steh auf und komm her.“

 Ich will mich nicht bewegen. Ich will mich vor ihm und dieser neuen Realität verstecken. Mein Körper gehorcht meinem Verstand nicht. Auf wackeligen Beinen stehe ich und gehe auf das große Bett zu. Er hebt die Kette hoch und bedeutet mir, mich umzudrehen. Ich drehe ihm den Rücken zu und hebe mein Haar. Seine Finger sind kühl auf meiner Haut, als er das Metall umfasst. Der Stein lastet schwer auf meinem Schlüsselbein. Es fühlt sich an wie ein Zeichen des Besitzes in diesem dunklen Haus. Du trägst das, damit meine Männer wissen, wer du bist.

Er geht zum Fenster und zieht den schweren Vorhang zurück. Die Nacht ist tief und das Anwesen ist still. „Sieh zur Mauer“, sagt er und deutet auf die Steinmauer. Ich sehe Wachen mit hellen Taschenlampen im Mondlicht. Sie suchen im Gebüsch nach jemandem oder etwas. „Versucht jemand, hier hineinzukommen?“, frage ich mit einem Hoffnungsschimmer in meinem müden Herzen. Mateo lacht trocken und schroff über meine einfache Frage. Niemand kommt hier ohne mein ausdrückliches Wort hinein oder hinaus.

 Sie jagen denjenigen, der mich heute Abend in diese Falle gelockt hat. Der Mann, der in der Suite starb, war ein Verräter in meinen Reihen. Er war es, der dich absichtlich in dieses Zimmer gelockt hat. Bei seinen Worten spüre ich, wie mir das Blut aus dem Gesicht weicht. Ich war nur eine Spielfigur in einem Spiel um Blut und Macht. Mein ganzes Leben hat sich durch eine Falle, die mir jemand gestellt hat, verändert. Mateo dreht sich zu mir um, sein Blick ist mir undurchschaubar. Du solltest heute Abend in diesem Zimmer sterben.

Mein Puls rast, während ich seine kalte, harte Aussage verarbeite. Ich war eine Zeugin, die überlebt hat. Er geht zu mir und stellt sich wieder hinter mich. Er legt mir die Hände auf die Schultern und betrachtet unser Spiegelbild im Wandspiegel. Er ist der Herr dieses Hauses, und ich bin die Beute, die er dem Tod entrissen hat. Du gehörst jetzt mir, denn ich bin der einzige Grund, warum du noch atmest. Ein lauter Knall ertönt aus dem Flur vor unserer schweren Schlafzimmertür. Die Klinke dreht sich, und die Tür schwingt weit auf. Eine Pistole ist auf uns gerichtet.

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