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Kaltes Geheimnis

Author: Yole Writes
last update publish date: 2026-06-21 20:04:34

Die silberne Pistole in seiner Hand ist direkt auf den alten Mann gerichtet. Mir stockt der Atem in meiner trockenen Kehle. Ich presse meinen nackten Rücken tief in die Samtkissen des Sofas. Ich warte darauf, dass der laute Knall eines Schusses den Raum erfüllt. Der Boss blinzelt nicht einmal mit seinen dunklen Augen. Er lächelt seinen wütenden Sohn mit einem dünnen, grausamen Lächeln an. „Du hast nicht den Mut, in diesem Haus auf dein eigenes Blut zu schießen“, spricht der alte Mann mit ruhiger, eiskalter Stimme. Mateo hält die Pistole mit festem, eiskaltem Griff hoch erhoben.

Er blinzelt nicht und zittert nicht unter dem stechenden Blick seines bösartigen Vaters. „Ich werde abdrücken, wenn du sie jemals wieder anrührst.“ Die tiefe Stimme des jungen Unterbosses bebt vor Wut. „Sie gehört mir und nur mir.“ Der alte Mann kichert leise in seiner breiten Brust und winkt lässig mit der Hand. „Nimm deine zerbrechliche Beute und verschwinde aus meinem Blickfeld.“ Mateo senkt die Waffe in einem langsamen, geschmeidigen Bogen. Er dreht den Kopf und sieht mir direkt ins blasse Gesicht. „Steh auf und komm sofort zu mir.“

 Ich rappele mich auf meine eiskalten Füße und eile auf seinen langen Schatten zu. Ich will keine Sekunde länger in der Nähe des alten Bosses bleiben. Mateo packt meinen Oberarm und zieht mich fest an seine warme Seite. Der stechende Geruch von getrocknetem Blut und schwerem Kölnischwasser schlägt mir wieder in die Nase. Wir marschieren aus dem großen Arbeitszimmer zurück in die lange Halle. Er knallt die schwere Eichentür mit einem lauten Knall zu. Wir gehen schweigend den breiten Korridor entlang. Meine nackten Zehen schmerzen bei jedem Schritt auf dem kalten Marmorboden.

Er hält nicht an und verlangsamt sein Tempo nicht, um meinen müden Beinen keine Ruhe zu gönnen. Wir biegen um eine scharfe Ecke und steigen eine schmale Stahltreppe hinauf. Das helle Licht des Haupthauses verblasst zu einem sanften, gedämpften Schein. Dieser Teil der riesigen Villa wirkt wie eine verborgene Festung. Mateo führt mich zu einer dicken Eisentür ganz am Ende. Er tippt einen langen Code in ein digitales Tastenfeld an der Steinwand. Das schwere Schloss klickt mit einem scharfen, mechanischen Geräusch auf. Er schiebt mich hinein und tritt direkt hinter mir ein.

 Der Raum ist riesig und in dunklen Grau- und Schwarztönen gestrichen. Ein gewaltiges Bett mit dicken, schwarzen Seidenlaken steht genau in der Mitte. Große Fenster säumen die gegenüberliegende Wand, doch schwere Vorhänge versperren den Blick auf den hellen Mond. Mateo geht zu einem kleinen Kristallwagen und schenkt sich ein frisches Getränk ein. Er kippt die braune Flüssigkeit in einem Zug hinunter und schenkt sich ein weiteres Glas ein. „Du wirst von nun an ohne Widerrede in diesem Zimmer schlafen.“ Seine tiefe Stimme hallt von den kahlen Wänden des kalten, großen Schlafzimmers wider. Ich stehe wie gelähmt vor der Tür.

„Ich kann nicht in diesem Haus bleiben und deine stumme Gefangene werden.“ Ich versuche, tapfer zu klingen, doch meine leise Stimme verrät meine tiefe Angst. Mateo dreht sich um und fixiert mich mit einem finsteren Blick am Eingang. „Du hast mein Gesicht gesehen, als ich in diesem Clubraum abgedrückt habe. Du gehörst jetzt zur Unterwelt, und es gibt keinen einfachen magischen Ausweg.“ Langsame, schwere Schritte lassen den Boden erzittern. Er bleibt so nah stehen, dass ich die Hitze seiner Haut spüre. Ich starre in seine endlosen, tiefschwarzen Augen.

Du hast mich eben unten im Arbeitszimmer vor deinem bösen Vater gerettet. Warum tust du das, wenn du mich für immer gefangen halten willst? Meine Frage verhallt ungehört zwischen unseren beiden angespannten Körpern. Mateo hebt die Hand und streicht mir eine lose Haarsträhne von der nassen Wange. „Ich teile meine Sachen mit niemandem auf der Welt.“ Seine Worte lassen mich eiskalt über meinen langen, empfindlichen Rücken laufen. Wortlos dreht er sich um und geht in ein riesiges Badezimmer nebenan. Die Tür fällt leise ins Schloss.

Ich atme tief durch und lasse mich auf die Bettkante sinken. Die Matratze ist weich und gibt meinem Gewicht nach. Ich reibe meine schmerzenden, nackten Füße und suche den Raum nach einem Telefon oder einer kleinen Waffe ab. In der hintersten, dunklen Ecke entdecke ich einen großen Holzschreibtisch. Lautlos gehe ich barfuß hinüber, um ihn zu untersuchen. Eine kleine Schreibtischlampe wirft einen Lichtstrahl auf einen ordentlichen Stapel weißer Papierakten. Mit zitternden, kalten Händen greife ich danach und öffne die oberste, dünne Mappe.

 Meine Augen weiten sich beim Anblick des schockierenden Inhalts des Manila-Ordners. Er ist voll mit hellen Fotos von mir in der geschäftigen Stadt. Bilder, wie ich tagsüber zum Supermarkt gehe. Bilder, wie ich in meinem Wintermantel einen überfüllten Club betrete. Bilder, wie ich allein in einer Ecke eines Diners sitze. Jedes Detail meines langweiligen, normalen Lebens ist hier festgehalten. Die Datumsangaben unter den Fotos reichen Monate zurück. Er hat mich nicht heute Nacht aus einer Laune heraus entführt. Er hat mich lange und beängstigend allein beobachtet.

Mein Kopf dröhnt vor tiefer Verwirrung und neuem, blankem Entsetzen. Warum sollte ein mächtiger Verbrecherboss eine einfache, arme Tänzerin verfolgen? Ich greife nach dem nächsten Blatt im Stapel, um weiterzulesen. Es ist ein gefälschter Pass mit meinem Gesicht, aber einem anderen Namen. Die Badezimmertür schwingt mit einem lauten Knall auf. Mateo steht im Türrahmen, frisches Wasser auf seiner nackten Brust. Er sieht den offenen Ordner in meinen kalten, zitternden Händen. Ein dunkles, boshaftes Lächeln breitet sich auf seinem gutaussehenden, ausdruckslosen Gesicht aus. Du hast heute Nacht meine kleine Privatsammlung gefunden.

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