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Kapitel 4

Author: Poppy R. Lane
last update publish date: 2026-06-02 23:57:46

Riley

„Lass mich los“, zischte ich, meine Stimme zitterte, als ich mein Handgelenk aus seinem Griff riss.

Ich dachte nicht nach. Ich plante nichts. Angetrieben von purer, adrenalingeladener Panik, drückte ich beide Hände gegen die gestriegelte anthrazitfarbene Weste von Professor Klaus und stieß ihn mit aller Kraft zurück. „Geh zurück, verdammt. Es ist mir egal, wer du bist, und es ist mir egal um deinen psychotischen Bruder. Bleib weg von mir.“

Er bewegte sich kaum. Der Stoß schien ihn nur zu amüsieren, ein dunkles, eisiges Amüsement, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Bevor ich einen Schritt zurück machen konnte, um die Treppe hinauf zu flüchten, bewegte sich Roman mit einer erschreckenden, kalkulierten Geschwindigkeit.

Seine Hände schossen hervor, umfassten meine Taille, und mit einer einzigen fließenden Bewegung hob er mich hoch und schlug meinen unteren Rücken gegen die Kante des massiven Holzpults.

Ich keuchte auf, meine Hände flogen automatisch zu seinen breiten Schultern, um das Gleichgewicht zu halten, als er direkt in meinen persönlichen Raum trat. Er lehnte sich nicht über mich wie Rowan – er bedrängte mich, presste seine Oberschenkel fest gegen meine und nagelte mich flach gegen den Schreibtisch.

Er war eine Wand aus maßgeschneiderter Wolle, teurem Eau de Cologne und einer erstickenden, klinischen Alpha-Autorität, die sich völlig anders anfühlte als die rohe Gewalt seines Bruders, aber doppelt so erschreckend war.

„Lass mich dir etwas ganz klar machen, Herr Weston“, murmelte Roman, sein Gesicht nur Zentimeter von meinem entfernt. Seine silbergerahmten Brillengläser rutschten leicht auf dem Nasenrücken herunter und enthüllten Augen, die jeglicher akademischer Distanz entbehrten. Sie waren kalt, besitzergreifend und laserfokussiert auf mein Gesicht. „Du erhebst nicht die Stimme mir gegenüber. Du legst keine Hand an mich. Und du bringst den Dreck meines Bruders nicht in meinen Hörsaal.“

Die Nähe war wahnsinnig. Die Hitze, die von seinem Körper ausging, ließ meinen Kopf schwirren, und meine verräterischen Omega-Instinkte, bereits vom Vorabend geschwächt, begannen zu wimmern.

Seine Brust presste sich mit jedem Atemzug hart gegen meine, und als seine Finger sich in den Stoff meines Mantels an meinen Hüften gruben, blühte ein schwerer, vertrauter Schmerz in meinem Unterleib auf.

„R-Roman“, brachte ich heraus, seinen Namen ohne nachzudenken verwendend, meine Stimme verlor völlig ihre eisige Schärfe.

„Zu dir ist es Professor Klaus“, flüsterte er, sein Daumen zeichnete langsam die Linie meines Kiefers nach und hob mein Gesicht an. Seine Berührung war kalt, aber sie brannte wie Feuer. Er lehnte sich hinunter, seine Lippen streiften die Muschel meines Ohrs. „Sei sehr vorsichtig, wie du hier deine Karten ausspielst, Stadtjunge. Ich kann dein Leben zu einer absoluten Hölle machen, bevor die Zwischenprüfungen auch nur anstehen. Verstehst du mich?“

Sein Daumen strich über meine Unterlippe, imitierte die genaue Geste, die sein Zwilling Stunden zuvor verwendet hatte, und ein hilfloser, pathetischer Laut entwich meiner Kehle – ein leises, verzweifeltes Stöhnen, das laut in dem leeren Hörsaal widerhallte.

Entsetzt über meine eigene Nachgiebigkeit, kehrte ich zu meinen Sinnen zurück. Ich brachte beide Ellbogen hoch, rammte sie in seine Brust und wand mich mit wilder, verzweifelter Kraft aus seinem Griff. Dieses Mal ließ er mich los, ein langsames, raubtierhaftes Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus, als ich rücklings auf die Treppe stolperte.

„Ich weiß nicht, was für ein verdrehtes Spiel ihr beide spielt“, keuchte ich, wischte mir mit dem Handrücken über den Mund und versuchte verzweifelt, meine zerschmetterte Würde wieder zusammenzusetzen. „Aber lasst mich da raus.“

Roman antwortete nicht. Er griff einfach hinunter und nahm ruhig den Stapel Registrierungspapiere vom Schreibtisch, um ihn in seine Aktentasche zu schieben. Als er die Papiere wegzog, strichen seine bloßen Finger absichtlich ein letztes Mal über die empfindliche Haut meines nackten Handgelenks.

Ein scharfer Ruck schoss meinen Arm hinauf. Romans Augen verdunkelten sich sofort, das kalte Blau wurde vollständig verschluckt, als seine Nasenlöcher sich weiteten und er scharf und leise einatmete. Er hatte es gerochen. Der unterliegende, süße Duft meines eisigen Minz- und Winterrosendufts, der einen aussichtslosen Kampf gegen die schwere Mauer meiner Inhibitoren führte.

Ich schluckte den Kloß der Angst in meiner Kehle hinunter, zwang mein Gesicht in eine Maske aus purer, ungerührter Arroganz. Ich zog meinen Ärmel herunter, richtete meinen maßgeschneiderten Mantel und drehte mich auf dem Absatz um.

Ich marschierte die Stufen hinauf und verließ den Hörsaal, ohne mich umzudrehen, und tat so, als würde meine Welt nicht gewaltsam aus den Angeln gehoben.

~~~

Die folgenden Tage lösten sich in einen wachen psychologischen Albtraum auf. Ich fand mich in einer erstickenden Zangenbewegung zwischen den Zwillingen gefangen, ohne irgendeinen Ausweg.

Zu Hause führte Rowan einen brutalen Feldzug psychologischer Kriegsführung. Er berührte mich nicht wieder, aber er musste es auch nicht. Er verfolgte meine Bewegungen durch das Loft wie ein Raubtier, das seiner Beute nachstellt, seine schweren bernsteinfarbenen Augen beobachteten mich aus den Schatten des Wohnzimmers, wann immer ich mein Heiligtum verließ.

Er begann, seine Sachen überall liegen zu lassen – eine abgewetzte Lederjacke über der Kücheninsel drapiert, eine verschwitzte Sporttasche am Fuß meiner Schlafzimmertür hingeworfen, schwere, nach Alpha duftende Flanellhemden achtlos auf das Sofa geworfen.

Die gesamte Wohnung stank nach ihm, eine ständige, aggressive Erinnerung daran, dass ich in seinem Territorium gefangen war.

In der Schule zielte Roman gnadenlos auf meinen Intellekt ab. Er nutzte seine Position, um mich vollständig zu isolieren, und gab mir unmögliche, dreifach lange Aufsätze über obskure Handelspolitiken mit Vierundzwanzigstunden-Fristen auf.

Während jeder einzelnen Vorlesung unterzog er mich intensiven, quälenden mündlichen Prüfungen, rief mich wiederholt vor achtzig Studenten auf und zerpflückte meine Argumente mit einer glatten, giftigen Präzision, bis ich emotional und mental ausgebrannt war.

Es dauerte nicht lange, bis ich die entsetzliche Wahrheit erkannte: Die Zwillinge teilten einen tiefen, viszeralen brüderlichen Hass. Sie quälten mich nicht nur; sie benutzten mich als Bauern in ihrer eigenen toxischen, tief verwurzelten Rivalität.

Doch wann immer das Wochenende heranrollte und ein eleganter schwarzer Dienstwagen vor der Akademie vorfuhr, um einen Brief zu überbringen, sah ich die makellose, geradlinige Alpha-Fassade, die sie für ihre Matriarchin-Mutter, Lady Beatrice Klaus, aufrechterhielten.

Für die Welt waren sie die perfekten, elitären Söhne der mächtigsten Familie von Greenville. Hinter verschlossenen Türen waren sie Monster, die versuchten, sich gegenseitig durch mich zu zerreißen.

Aber der unerbittliche, doppelseitige Stress begann, einen schweren physischen Tribut zu fordern.

Am Freitagabend goss der Regen heftig gegen die hohen Lagerhausfenster, passend zur dunklen Angst, die sich in meiner Brust sammelte. In meinem abgeschlossenen Schlafzimmer lehnte ich mich gegen das Badezimmerspüle, mein Körper zitterte heftig, obwohl die Heizung auf Hochtouren lief.

Ich griff in meine Tasche und schüttelte das Plastik-Inhibitoren-Etui. Es war fast leer. Ich hatte die vierfache empfohlene Dosis genommen, aber es spielte keine Rolle. Meine synthetischen Pillen versagten vollständig gegen den ständigen, täglichen Ansturm der identischen Pheromone der Zwillinge.

Plötzlich blühte ein tiefer, hohler Schmerz in meinem Unterleib auf, gefolgt von einer erschreckenden, flüssigen Hitze, die meine Knie einknicken ließ.

„Nein. Nein, nein, nein.“

Ich klammerte mich an die Ränder des Porzellanspülbeckens, Tränen der Frustration stachen in meinen Augen. Es waren die ersten Anzeichen einer erzwungenen Hitze. Mein Körper reagierte auf die pure Menge an Alpha-Energie, die mich umgab, und versuchte, mich in einen Zyklus zu zwingen, für den ich nicht bereit war.

Plötzlich hallte das schwere Zuschlagen der Haustür durch das Loft, gefolgt von einem Paar scharfer, klackender Schritte.

„Wo ist er, Rowan?“ Romans glatte, eisige Stimme dröhnte durch die Wohnung, völlig frei von seiner akademischen Haltung. Er klang wütend.

„Was zum Teufel machst du in meinem Raum, Professor?“ Rowans raues Knurren bellte zurück, ein tiefes Knurren ließ die Dielen erzittern. „Verschwinde, bevor ich dich die Treppe runterwerfe.“

„Ich habe dir gesagt, du sollst dich von ihm fernhalten“, zischte Roman, das Geräusch einer Aktentasche, die auf die Kücheninsel geworfen wurde, hallte den Flur hinunter. „Du ruinierst seine Konzentration. Er hat heute Nachmittag eine Frist verpasst, weil er zu beschäftigt damit war, sich vor deinem erbärmlichen territorialen Gehabe zu verstecken.“

„Oh, ist der Goldjunge aufgebracht, weil sein kleiner Preis seine Hausaufgaben nicht gemacht hat?“ Rowan spottete, stieß ein dunkles, harsches Lachen aus. „Er ist ein Omega, Roman. Er gehört in ein Nest, nicht dazu, deine blöden Aufsätze zu schreiben. Und im Moment ist er in *meiner* Wohnung.“

„Er gehört niemandem, am wenigsten einem Schulabbrecher-Mechaniker, der nicht einmal seine Stiefel sauber halten kann“, knurrte Roman.

Die Zwillinge stritten heftig, ihre tiefen, identischen Stimmen ließen die Wände des Lagerhauses erbeben. Die Luft in der Wohnung wurde schwer, dick und völlig aufgeladen mit einer gewalttätigen, erstickenden Welle dominanter Alpha-Pheromone, als sie ihre Kontrolle gegeneinander ausspielten.

Für meinen Körper war es der letzte, verheerende Schlag.

Der pure Druck ihrer doppelten, identischen Düfte zerschmetterte, was von meinen Abwehrkräften übrig war. Tief in meinem System zerbrach die schwere Mauer meiner Inhibitoren vollständig.

Eine dicke, berauschende Welle von distressiertem, süßem Omega-Duft strömte unter meiner Schlafzimmertür hervor und füllte augenblicklich die gesamte Wohnung mit dem überwältigenden Aroma von eisiger Minze und Winterrose.

Das Geschrei hörte augenblicklich auf.

Die tote Stille, die folgte, war ohrenbetäubend. Sie dauerte eine einzige, qualvolle Sekunde, bevor sie durch das Geräusch schwerer, raubtierhafter Schritte ersetzt wurde, die sich in perfekter Einigkeit auf meine Tür zubewegten.

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