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Kapitel 3

Author: Poppy R. Lane
last update publish date: 2026-05-26 19:03:32

Riley

Die Hitze seines Körpers war erdrückend. Ich konnte nicht atmen, nicht denken, nichts tun, außer sein erdrückendes Gewicht zu spüren, das mich gegen die Backsteinmauer presste.

Sein Gesicht war so tief in meinem Hals vergraben, dass seine Nase meinen Pulspunkt berührte und ein elektrisierender Schauer meinen Rücken hinunterfuhr.

Ich versuchte, seine Schultern wegzuschieben, aber es war, als wollte ich einen Stein bewegen. „Hey, lass mich los!“, presste ich hervor, meine Hände krallten sich in das Leder seiner Jacke. „Lass mich los!“

Er antwortete nicht. Er stieß nur ein tiefes, vibrierendes Knurren aus, das direkt auf meiner Haut schepperte. Seine Hüften bewegten sich, drängten sich immer näher an mich heran, und dann spürte ich es.

Eine harte, schwere Kante drückte gegen meinen Oberschenkel. Mein Herz setzte einen Schlag aus, mein Verstand schrie mir zu, dass dies gefährlich war, dass die Situation völlig außer Kontrolle geriet.

 Er bewegte sich erneut und rieb seinen harten Penis absichtlich durch unsere Jeans hindurch an meinem, der sich schnell versteifte.

Ein weiteres leises, atemloses Stöhnen entfuhr mir, bevor ich es unterdrücken konnte.

Das Geräusch schien ihn völlig außer sich zu bringen. Sein Griff um meine Arme verstärkte sich, bis es fast blaue Flecken gab, sein Atem brannte heiß an meiner Kehle, als er meinen Duft einatmete.

Die absolute Demütigung über die Reaktion meines eigenen Körpers traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Mein Körper verriet mich.

Meine Omega-Eigenschaften griffen nach seiner Alpha-Präsenz, und die pure, urtümliche Angst vor Kontrollverlust verwandelte sich in eine Welle purer, explosiver Wut.

„Ich sagte, lass mich los!“, schrie ich und setzte meine letzten Kräfte ein. Ich riss mein Knie hoch, zielte direkt auf seine Körpermitte und presste gleichzeitig meine Handflächen gegen seinen Kiefer.

Die plötzliche, heftige Bewegung überraschte ihn. Sein Griff löste sich, seine Stiefel rutschten auf dem Parkettboden zurück, als er von mir taumelte.

Seine Augen waren noch immer völlig ausgetrocknet, die typischen bernsteinfarbenen Ringe pulsierten um seine Pupillen, er wirkte völlig benommen und wild.

Ich wartete nicht, bis er sich erholt hatte. Ich schnappte mir meine schlammige Reisetasche vom Boden, drehte mich um und rannte den kurzen Flur entlang.

Ich stürzte mich in das erste Schlafzimmer, das ich sah, und knallte die schwere Holztür hinter mir zu. Ich verriegelte den Riegel, klickte im Schloss ein und zog dann einen schweren Schreibtisch über den Boden, um ihn fest unter den Türknauf zu klemmen.

Meine Brust hob und senkte sich heftig, als ich an der Tür entlangrutschte und mein Gesicht in den Knien vergrub. Ich zitterte so stark, dass ich meine Zähne klappern hörte.

„Dumm, dumm, dumm“, flüsterte ich mit brüchiger Stimme in dem stillen Raum.

 Ich blieb stundenlang dort, zusammengerollt auf dem kalten Boden, und lauschte jedem einzelnen Geräusch draußen. Wenige Minuten später hörte ich ihn im Wohnzimmer auf und ab gehen, seine Schritte schwer und ungleichmäßig, bevor schließlich eine Tür am Ende des Flurs zuschlug. Danach herrschte absolute Stille in der Wohnung.

Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan. Ich starrte nur an die Decke, mir überdeutlich bewusst, dass Greenville genauso tückisch und widerlich war wie der Albtraum der High Society, den ich hinter mir gelassen hatte.

Ein Ort, an dem Omegas wie Objekte behandelt wurden, die Alphas befriedigen sollten. Ich war völlig auf mich allein gestellt.

Sobald die Sonne durch die Jalousien lugte, stand ich auf. Ich wollte auf keinen Fall in der Nähe dieser Wohnung sein, wenn er aufwachte.

Schnell schlüpfte ich in eine frische schwarze Hose, ein sauberes Seidenhemd und einen maßgeschneiderten Wollmantel. Ich nahm drei weitere Beruhigungsmittel, spülte sie mit Wasser aus dem Waschbecken hinunter und betrachtete vorsichtig mein Spiegelbild.

Die hochmütige, unnahbare Fassade war wieder perfekt.

Leise schob ich den Schreibtisch von der Tür weg und schlüpfte vor sechs Uhr morgens aus der Wohnung, flüchtete in die kühle Morgendämmerung.

Ich beschloss, Zuflucht in meiner ultimativen Komfortzone zu suchen: dem Studium. Zuhause war ich eine Einser-Schülerin. Ich kannte mich in Politik aus, ich konnte debattieren und ich wusste genau, wie man sich in einem Hörsaal bewegt. Es war der einzige Ort, an dem mein Verstand mehr zählte als mein Geschlecht.

Als es acht Uhr war, betrat ich den großen Hörsaal für mein fortgeschrittenes Politikseminar.

 Der Raum war riesig, mit gestaffelten Tischreihen, die sich zu einem massiven Holzpult vorne hinabzogen. Er war bereits fast voll mit etwa achtzig Studenten, die sich angeregt unterhielten und tratschten.

Ich holte tief Luft, fest entschlossen, einfach in der Menge unterzutauchen, und ging die Stufen hinunter, um einen freien Platz in der Mitte zu finden.

Mein Blick fiel zufällig auf das Pult, und mein ganzer Körper erstarrte. Ich blieb wie angewurzelt auf der Treppe stehen.

Unmöglich. Absolut unmöglich.

Der Mann, der vorne im Raum stand und einen Stapel Papiere auf dem Pult ordnete, war das Ebenbild meines widerlichen Mitbewohners. Er hatte dieselben dunklen Haare, dieselbe markante Kinnpartie und dieselbe hochgewachsene, breitschultrige Statur.

Doch während ich ihn anstarrte, wich der anfängliche Schock tiefer Verwirrung. Wo der andere Kerl ungeschliffen, unordentlich und chaotisch war, war dieser Mann völlig anders.

 Er trug einen perfekt sitzenden, anthrazitfarbenen Dreiteiler, faltenfrei. Sein dunkles Haar war akkurat gescheitelt und frisiert, und eine silberne Brille saß perfekt auf seinem Nasenrücken.

Er wirkte wie ein kultivierter, unheimlich eleganter Genius.

Er blickte nicht einmal von seinen Unterlagen auf, doch die absolute Macht, die von ihm ausging, war erdrückend. Seine Alpha-Pheromone waren schwer, beherrschten die Luft im Hörsaal und glichen denen seines Bruders. Der vertraute Duft überwältigte meine Sinne und ließ mir den Magen verkrampfen.

Ich nahm schnell in der dritten Reihe Platz und senkte den Kopf, als die Glocke läutete.

Er rückte seine Brille zurecht, sein kalter, durchdringender Blick musterte die Studenten. Innerhalb von Sekunden herrschte absolute Stille im Raum.

„Guten Morgen“, sagte er mit sanfter, eleganter Stimme, die jedoch jede menschliche Wärme vermissen ließ. „Bevor wir mit der heutigen Diskussion über internationale Handelspolitik beginnen, müssen wir ein eklatantes Verwaltungsversagen ansprechen.“

Er nahm eine weiße Mappe von seinem Schreibtisch und hielt sie zwischen zwei Fingern hoch, als wäre sie Müll.

„Es scheint, als hätten wir hier einen Neuling von einer Eliteuniversität, der glaubt, die Regeln der Bürokratie gälten nicht für ihn“, fuhr mein neuer Professor mit giftiger Stimme fort. „Ein gewisser Herr Riley Weston.“

Mir stockte der Atem. Alle Blicke im Hörsaal richteten sich sofort auf mich.

„Herr Weston“, sagte er und fixierte mich mit kaltem, räuberischem Blick. „Eine wichtige Akte zur Bewilligung von Studienbeihilfen Ihrer vorherigen Universität fehlte in den Anmeldeunterlagen. Aufgrund Ihrer groben Nachlässigkeit hat sich der gesamte Seminarablauf um eine Stunde verzögert, während die Verwaltung fieberhaft nach der Akte suchte.“

Ich spürte, wie mir das Blut in die Wangen schoss, eine Welle der Scham überkam mich. „Professor Klaus“, sagte ich mit angespannter Stimme und stand auf. Ich weigerte mich, das einfach hinzunehmen. „Ich hatte absolut nichts mit diesem Aktenfehler zu tun. Meine Anmeldung wurde gestern Nachmittag komplett von den Mitarbeitern der Wohnheimverwaltung in Greenville bearbeitet. Falls eine Akte verlegt wurde, war das deren Fehler, nicht meiner.“

Roman neigte den Kopf, ein kleines, boshaftes Grinsen umspielte seine Lippen. Meine Verteidigung schien ihn überhaupt nicht zu stören. Im Gegenteil, er wirkte, als genieße er sie.

„Ah, die klassische Verteidigungsstrategie eines privilegierten Stadtjungen“, sagte Roman, seine Stimme hallte laut durch das Mikrofon. „Sie schieben die Schuld auf die Arbeiterklasse, weil Sie sich einfach zu überlegen fühlen, um Ihre eigenen Unterlagen zu überprüfen. Sagen Sie mal, Mr. Weston, haben Sie etwa erwartet, dass wir Ihnen auch einen roten Teppich ausrollen? Dachten Sie, der prominente Name Ihrer Familie würde Sie von grundlegender Verantwortung befreien?“

Ein paar Studenten in der letzten Reihe kicherten leise. Ich ballte unter dem Tisch die Fäuste, mein Kiefer spannte sich so fest an, dass es schmerzte.

Er tat das mit Absicht. Er nutzte einen winzigen, dummen Bürokratiefehler, um meine Vergangenheit bis ins kleinste Detail zu zerpflücken und mich vor achtzig meiner neuen Kommilitonen öffentlich zu demütigen.

„Ich stelle lediglich die Fakten dar, Professor“, zischte ich und versuchte verzweifelt, meine Stimme ruhig zu halten.

„Die einzige Tatsache hier ist Ihre Inkompetenz“, sagte Roman kalt und knallte die Mappe mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. „Setzen Sie sich, Mr. Weston. Und verschwenden Sie nicht noch mehr unserer wertvollen Zeit. Wir haben wirklich zu tun.“

Ich setzte mich wieder hin, meine Ohren klingelten, als die Vorlesung begann. Ich hörte in den nächsten anderthalb Stunden kein einziges Wort.

Ich starrte nur auf das Notizbuch vor mir, krallte meine Fingernägel in meine Handflächen, mein Geist völlig von einer rasenden, brennenden Wut verzehrt.

Ich war zwischen zwei identischen Versionen desselben Albtraums eingeklemmt. Die eine teilte meinen Wohnraum mit mir, die andere bestimmte meine gesamte akademische Zukunft.

Sobald die letzte Glocke läutete, begannen die Studenten, ihre Sachen zu packen und den Raum zu verlassen. Ich blieb auf meinem Platz sitzen und wartete, bis der Hörsaal völlig leer war.

Sobald der letzte Student gegangen war, schnappte ich mir meine Tasche und marschierte die Treppe hinunter zum Empfang.

Roman schob seelenruhig seinen Laptop in eine Lederaktentasche, völlig unbeeindruckt.

 „Professor Klaus“, fuhr ich ihn an und knallte mit der Handfläche auf den Holztisch. „Wir müssen reden.“

Roman zuckte nicht einmal mit der Wimper. Langsam schloss er seine Aktentasche, verriegelte sie und richtete sich dann auf, sodass er mich, genau wie sein Bruder am Abend zuvor, überragte. Er blickte durch seine silberne Brille auf mich herab, sein Gesichtsausdruck völlig ausdruckslos.

„Ich glaube, ich habe in der Vorlesung alles gesagt, was gesagt werden musste, Mr. Weston“, murmelte er ruhig.

„Sie haben mich öffentlich bloßgestellt für etwas, das ich gar nicht getan habe!“, schrie ich, meine Wut kochte über. „Sie haben eine lächerliche verschwundene Akte benutzt, um mich vor der ganzen Klasse wie ein verzogenes Gör aussehen zu lassen. Warum? Ich kenne Sie doch gar nicht!“

„Sie müssen mich nicht kennen, um meine Regeln zu befolgen“, sagte Roman, beugte sich leicht vor und kniff die Augen zusammen. „Das ist mein Klassenzimmer. Wenn du dem Druck nicht standhältst, pack deine Sachen und geh zurück auf den teuren Spielplatz, von dem du gekrochen bist.“

„Ich gehe nirgendwo hin“, zischte ich und trat näher an den Schreibtisch. „Und ich verlange nächste Woche eine öffentliche Entschuldigung.“

Roman stieß ein leises, eisiges Lachen aus. „Eine Entschuldigung? Du bist wirklich realitätsfremd.“

Er griff nach dem Stapel Papier, den ich als Nachweis meiner Anmeldedaten mitgebracht hatte. Seine langen Finger umfassten den Rand.

Als er die Papiere zu sich zog, streiften seine bloßen Finger absichtlich die empfindliche Haut meines Handgelenks.

Ich keuchte auf und versuchte, meine Hand zurückzuziehen, aber er ließ nicht sofort los.

Romans Augen verdunkelten sich plötzlich, das kalte Blau wich einer völlig anderen Farbe. Er erstarrte, seine Nasenflügel bebten leicht, als er leise und scharf einatmete. Die Nähe war zu groß.

 Meine ohnehin schon angespannten Hemmungen waren vom morgendlichen Panikrausch völlig außer Kraft gesetzt, und aus dieser Entfernung war die Barriere nutzlos.

Er nahm es sofort wahr. Den subtilen, süßen Duft meiner eisigen Minze und Winterrose.

Aber da war noch etwas.

Romans Blick fiel auf meine Kleidung, sein Kiefer verkrampfte sich, und seine Augen blitzten gefährlich dunkelbernsteinfarben auf. Er roch mich nicht nur.

Er roch die schwere, unverkennbare Spur des Duftes seines Zwillingsbruders, die sich über meinen Wollmantel und Kragen legte. Eine stumme, aggressive Herausforderung, die direkt aus dem Stoff zu flüstern schien.

„Na, na“, flüsterte Roman mit einer gefährlich tiefen Stimme, die mir einen heftigen Schauer über den Rücken jagte. „Es scheint, als hättest du dich meinem Bruder schon vorgestellt.“

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