Partager

Kapitel Fünf

Auteur: Orxgxns
last update Date de publication: 2026-09-17 18:16:50

Ich schlafe nicht. Ich liege auf einem Bett, das nicht meins ist, in einem Haus, das mir vor sechs Stunden noch wie eine Bedrohung vorkam, und starre an die Decke, während mein Kopf sich weigert, still zu werden.

*Solange ein Vale lebt, bleibt die Verwandlung unvollständig.*

Ich drehe die Worte immer wieder um, suche nach einer Bedeutung, die weniger endgültig klingt, aber es gibt keine. Irgendwo in meinem Blut steckt etwas, das größer ist als ich, etwas, das mächtig genug war, dass ein Alpha eine ganze Linie auslöschen ließ, um es loszuwerden.

Ein Klopfen an der Tür. Leise, fast schüchtern, was zu niemandem passt, den ich heute getroffen habe.

„Ja?"

Die Tür öffnet sich, und eine Frau steht dort, die ich nicht kenne, mit dunklem Haar und einem Blick, der mich sofort an Mira erinnert, obwohl sie es nicht ist. Sie trägt keine Uniform, nichts, das sie als Wache kennzeichnet.

„Ich heiße Sera", sagt sie. „Ich bringe dir Essen. Und eine Warnung, wenn du sie hören willst."

„Ich höre zu."

Sie stellt das Tablett ab, ohne sich zu setzen. „Der Rat hat sich schon vor der offiziellen Anhörung getroffen. Heute Abend, heimlich. Zwei von ihnen wollen dich tot sehen, bevor die Sonne morgen aufgeht."

Mein Magen zieht sich zusammen. „Warum erzählst du mir das?"

„Weil nicht jeder in diesem Rudel glaubt, dass Blut allein über Schuld entscheidet." Sie sieht zur Tür, als hätte sie Angst, gehört zu werden. „Und weil Kael dich nicht beschützen kann, wenn er nicht weiß, wovor."

„Kann er es überhaupt versuchen?"

„Er hat es noch nie versucht, bei niemandem. Er hat noch nie jemanden gegen den Rat verteidigt." Sera zögert. „Was du in ihm auslöst, verändert Dinge, die dreißig Jahre lang fest standen. Manche Leute hassen dich schon dafür, egal was dein Blut sonst noch bedeutet."

Sie geht, bevor ich mehr fragen kann, und ich bleibe mit dem Essen zurück, das ich nicht anrühre, weil mein Magen sich immer noch zusammenzieht wie eine Faust.

Ich stehe auf und gehe ans Fenster. Draußen liegt der Hof im Dunkeln, aber ich sehe Bewegung am Waldrand, zwei Gestalten, die sich zu nah aneinander unterhalten, um harmlos zu sein. Ich kenne diesen Anblick. So sehen Menschen aus, die einen Plan machen, den niemand sonst hören soll.

Die Tür geht wieder auf, diesmal ohne Klopfen. Kael.

„Du solltest schlafen", sagt er.

„Du solltest wissen, dass zwei von deinen Ältesten gerade draußen im Wald stehen und flüstern." Ich zeige aufs Fenster. „Sera hat mir gesagt, dass sie mich tot sehen wollen, bevor die Anhörung überhaupt stattfindet."

Er kommt ans Fenster, sein Gesicht wird hart, als er die beiden Gestalten sieht. „Elric und Baran."

„Du kennst sie."

„Ich habe mit ihnen aufwachsen sehen, wie sie meinen Vater beraten haben. Sie glauben an alte Regeln. Blutregeln." Er wendet sich von der Scheibe ab. „Ich hätte wissen müssen, dass sie nicht bis morgen warten."

„Was machen wir?"

„Wir warten nicht auf morgen." Er sieht mich an, und in seinem Blick liegt eine Entschlossenheit, die vorhin noch nicht da war. „Ich bringe dich weg von hier. Heute Nacht."

„Das klingt wie Flucht."

„Das ist es auch." Er sagt es ohne Scham. „Aber es ist klüger, als darauf zu warten, dass zwei Alte entscheiden, mein Haus sei der richtige Ort, um dich zu töten."

Etwas an seiner Direktheit beruhigt mich mehr, als es sollte. Kein falsches Versprechen, keine Beschönigung. Nur ein Plan.

„Wohin?", frage ich.

„Ich kenne einen Ort außerhalb der Territorien. Neutral. Dort kann uns niemand einfach so folgen." Er greift nach einer Jacke, die über einem Stuhl hängt, und wirft sie mir zu. „Zieh das an. Es wird kalt sein."

Ich fange die Jacke, ohne nachzudenken, und der Geruch, der von ihr ausgeht, trifft mich stärker, als ich erwartet hätte. Sein Geruch. Vertraut auf eine Art, die keinen Sinn ergibt, weil ich ihn erst seit heute kenne.

„Warum tust du das?", frage ich, während ich die Jacke anziehe. „Warum riskierst du deinen eigenen Rat für eine Fremde?"

Er bleibt an der Tür stehen, die Hand auf dem Griff, und für einen Moment sieht er aus wie jemand, der selbst nach einer Antwort sucht.

„Weil ich seit heute Nachmittag nicht mehr derselbe bin, und ich weigere mich, jemanden sterben zu lassen, nur um wieder der zu werden, der ich vorher war." Er öffnet die Tür. „Das ist die ehrlichste Antwort, die ich dir geben kann."

Wir bewegen uns durch einen Seitengang, den er offenbar gut kennt, vorbei an schlafenden Zimmern, an einer Küche, die nach kaltem Rauch riecht. Draußen wartet ein Auto, nicht das schwarze von vorhin, sondern ein unauffälliges, staubiges, das aussieht, als würde es niemandem hier gehören.

„Cassian weiß das nicht", sage ich, als wir einsteigen.

„Cassian weiß es." Kael startet den Motor. „Er hat das Auto besorgt."

Das überrascht mich mehr als alles andere heute Nacht. „Ich dachte, er will mich loswerden."

„Er will das Rudel schützen. Das ist nicht dasselbe wie dich zu hassen." Kael lenkt den Wagen aus dem Hof, die Lichter aus, bis wir die Straße erreichen. „Er hat mir gesagt, wenn ich dich schon rette, soll ich es wenigstens leise tun."

Wir fahren in die Dunkelheit, weg von dem Haus, das für ein paar Stunden fast wie ein sicherer Ort gewirkt hat, und ich spüre, wie sich etwas in meiner Brust festsetzt, eine Mischung aus Angst und etwas anderem, das ich noch nicht benennen will.

„Sag mir eine Sache", sage ich, während die letzten Lichter des Hauses im Rückspiegel verschwinden. „Wenn wir dort ankommen, an diesem neutralen Ort. Was passiert dann mit uns? Mit dem, was zwischen uns passiert, wenn ich meinen Namen sage?"

Kael sieht kurz zu mir herüber, dann wieder auf die Straße.

„Ich weiß es nicht", sagt er. „Aber ich habe vor, es herauszufinden, bevor irgendjemand von uns beiden die Wahl abgenommen bekommt."

Hinter uns, weit in der Ferne, heult ein Wolf, und diesmal antworten zwei weitere, ein Muster, das ich nicht kenne, das sich aber wie eine Verfolgung anhört, die gerade erst begonnen hat.

Continuez à lire ce livre gratuitement
Scanner le code pour télécharger l'application

Dernier chapitre

  • Der Wolf, der ihren Namen vergaß   Kapitel Achtzehn: Cassians Rückkehr

    Cassian kehrt erst gegen Morgengrauen zurück, sein Gesicht müde, aber entschlossen, und ich springe sofort auf, als ich die Tür höre.„Was hat er gesagt?"„Er war nicht erfreut, von der Anhörung zu erfahren." Cassian setzt sich schwer, nimmt die Tasse Tee an, die Mira ihm reicht. „Aber er hat einen Plan. Er will, dass wir uns morgen früh treffen, alle zusammen, um zu entscheiden, wie wir vorgehen."„Und die Trennung?"„Er sagt, die Umstände haben sich verändert. Er glaubt nicht mehr, dass eine vollständige Trennung notwendig ist, um zu beweisen, was zwischen euch echt ist. Er sagt, es gibt wichtigere Dinge, um die wir uns jetzt kümmern müssen." Cassian sieht mich an, seine Augen nachdenklich. „Aber er hat auch gesagt, dass die Entscheidung bei dir liegt, nicht bei ihm."Ich denke über seine Worte nach, über das Ziehen in meiner Brust, das sich seit letzter Nacht nicht gebessert hat. Ein Teil von mir will sofort zu ihm rennen, die Dis

  • Der Wolf, der ihren Namen vergaß   Kapitel Siebzehn: Die erste Nacht

    Ich schlafe nicht gut. Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, spüre ich ein Ziehen in der Brust, als würde etwas an mir zerren, in eine Richtung, die ich nicht sehen kann.Gegen Morgen gebe ich das Schlafen auf und setze mich an den Tisch, wo Mira bereits über alten Papieren sitzt, ihre Augen rot vor Müdigkeit.„Hast du überhaupt geschlafen?", frage ich.„Ein wenig." Sie reibt sich die Augen. „Ich habe die Nacht damit verbracht, die restlichen Notizen durchzugehen, die ich vor dem Diebstahl gemacht hatte. Es gibt mehr, Elara. Über die Wächter, über ihre Geschichte."„Erzähl."„Sie wurden nicht immer Wächter genannt. Ursprünglich hießen sie die Erste Ordnung. Eine Gruppe, die entstand, kurz nachdem die erste Spaltung stattfand, mit der einzigen Aufgabe, sicherzustellen, dass sie sich nie wiederholt." Mira schiebt mir ein Blatt zu, mit einer groben Skizze eines Symbols, das ich vorher noch nie gesehen habe, ein Kreis, durchbrochen von

  • Der Wolf, der ihren Namen vergaß   Kapitel Sechzehn: Was übrig bleibt

    Wir erreichen das kleine Anwesen kurz nach Mitternacht, erschöpft, aber lebendig, und Mira wartet bereits an der Tür, ihre Miene besorgt, als sie unsere Gesichter sieht. „Was ist passiert?", fragt sie, während sie uns hereinlässt. Ich erzähle ihr alles, so schnell ich kann, das Buch, Nerissas Warnung, das Ödland auf der Karte, und schließlich die Seite, die ich gestohlen habe. Mira liest die Worte mehrmals, ihre Lippen bewegen sich lautlos, während sie die alte Schrift entziffert. „Das passt", sagt sie schließlich, ihre Stimme voller Erleichterung. „Das ist genau der fehlende Teil, den ich nie vollständig übersetzen konnte. Freier Wille als Bedingung, nicht Schicksal." „Aber wie beweisen wir das?", frage ich. „Wie beweist man, dass eine Entscheidung aus freiem Willen kommt und nicht von einer Bindung erzwungen wird?" Kael, der bisher still am Kamin gestanden hat, dreht sich zu uns um. „Vielleicht m

  • Der Wolf, der ihren Namen vergaß   Kapitel Fünfzehn: Die Wahrheit im Zelt

    Die Schrift auf der Seite bewegt sich fast vor meinen Augen, alte Buchstaben, die sich langsam zu Worten formen, die ich verstehen kann, obwohl ich die Sprache nie gelernt habe. „Wie kann ich das lesen?", frage ich, meine Stimme leiser, als ich beabsichtigt hatte. „Weil dein Blut die Sprache kennt, auch wenn dein Verstand es nicht tut." Nerissa setzt sich mir gegenüber, ihre Bewegungen langsam, kontrolliert, wie eine Lehrerin, die eine schwierige Lektion vorbereitet. „Die Vale-Linie war einst die Hüterin dieser Texte. Bevor sie zur Bedrohung wurde, die sie heute ist." Ich zwinge mich, weiterzulesen, obwohl jedes Wort mich kälter werden lässt. „Hier steht, dass die Vereinigung nicht nur die Verwandlung beendet. Es steht, dass sie etwas erschafft. Etwas Neues." „Ja." Nerissas Stimme wird schärfer. „Und niemand weiß, was das sein wird. Das ist der Grund, warum die Wächter existieren, seit die erste Spaltung stattfand. Wir sind nicht hier, um Wölfe zu unterdrücken, Elara. Wir sind hie

  • Der Wolf, der ihren Namen vergaß   Kapitel Vierzehn: Allein im Dunkeln

    Der Weg zum Lager der Jäger führt durch Gebiet, das ich nicht kenne, und jeder Schritt fühlt sich an, als würde ich mich weiter von allem entfernen, was mir in den letzten zwei Tagen Sicherheit gegeben hat.Kael hat mir ein kleines Gerät gegeben, versteckt in meinem Kragen, das es ihm erlauben soll, mich zu hören, falls ich in Schwierigkeiten gerate. „Sag ein Wort, das wir vereinbart haben, und wir sind sofort da", hat er gesagt, seine Stimme angespannt vor Sorge, die er nicht ganz verbergen konnte.Das Wort ist Feuer. Ich hoffe, ich muss es nicht benutzen.Das Lager taucht zwischen den Bäumen auf, kleiner, als ich erwartet hatte, ein paar Zelte, ein zentrales Feuer, Männer, die sich bewegen mit der disziplinierten Ruhe von Leuten, die genau wissen, was sie tun. Kein Chaos, keine Unordnung. Alles hier hat einen Zweck.Ich zwinge mich, langsamer zu gehen, meine Haltung zu verändern, weniger wie jemand, der flieht, mehr wie jemand, der sucht.Ein Wächter bemerkt mich zuerst, ein Mann mi

  • Der Wolf, der ihren Namen vergaß   Kapitel Dreizehn: Das Lager der Jäger

    „Das ergibt keinen Sinn", sagt Kael, seine Stimme scharf vor Unglauben. „Nerissa ist ein Wolf. Warum sollte sie mit Jägern zusammenarbeiten, die uns beide töten wollen?"„Vielleicht wollen die Jäger nicht alle Wölfe töten", sage ich langsam, während ein Gedanke sich in mir formt. „Vielleicht wollen sie nur mich."Cassian nickt, immer noch außer Atem. „Das würde erklären, warum sie so präzise vorgegangen sind. Silberkugeln, aber nur gegen euch beide gerichtet, nicht gegen das ganze Rudel."„Wenn Nerissa mit ihnen zusammenarbeitet, hat sie wahrscheinlich das Buch, das sie Mira gestohlen haben", sage ich. „Sie will die Prophezeiung genauso sehr verstehen wie wir. Vielleicht mehr."Kael geht zum Fenster, seine Silhouette hart gegen das schwindende Licht draußen. „Wenn sie die Jäger anführt, dann geht es hier nicht nur um alte Machtstrukturen im Rudel. Es geht um etwas Größeres."„Was meinst du?"„Ich meine, dass Jäger normalerweise keine eigenen Interessen an Wolfsprophezeiungen haben. Je

Plus de chapitres
Découvrez et lisez de bons romans gratuitement
Accédez gratuitement à un grand nombre de bons romans sur GoodNovel. Téléchargez les livres que vous aimez et lisez où et quand vous voulez.
Lisez des livres gratuitement sur l'APP
Scanner le code pour lire sur l'application
DMCA.com Protection Status