Scharlachseide
„Die Kaiserin wünscht sich noch ein Kind.“
Das sagte Kaiser Maximilian von Falkenstein, als er ihr Nachtgewand löste. „Da du leicht empfängst und gebierst, wirst du eben noch eines austragen.“
Zehn Monate später brachte Helena von Wern eine Tochter zur Welt.
Die Hebamme durchschnitt die Nabelschnur. Noch ehe Helena das in Tücher gewickelte Kind berühren durfte, wurde es hastig hinausgetragen.
Es war bereits das zweite.
Im Palast sagte man überall: Hätte die Kaiserin damals nicht an der Seite Seiner Majestät im Feldzug ihren Körper so schwer verletzt, dass sie keine Kinder mehr gebären konnte, hätte es in diesem Palast niemals eine andere Frau gegeben.
Helena von Wern, die rechtmäßige Tochter des Reichskanzlers, war nur zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen: ein Gefäß, bestimmt dazu, die Blutlinie des Kaiserhauses fortzuführen.