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Kapitel 115 - Die Rückkehr

Author: Lina
last update publish date: 2026-06-21 01:52:12

Die Dunkelheit hatte sich inzwischen zwischen den Bäumen ausgebreitet. Das Licht des Tages war verschwunden, und nur die letzten Spuren des Sonnenuntergangs zeichneten einen schmalen, silbergrauen Streifen am Horizont. Lina bemerkte es kaum. Sie saß noch immer auf dem umgestürzten Stamm und konnte den Blick nicht von Darok lösen. Die Geschichte hatte sich verändert. Was als Suche nach Antworten begonnen hatte, war längst zu etwas anderem geworden. Aron war für sie kein Rätsel mehr. Kein Schatte
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    Die Rückkehr vom südlichen Gebirge war stiller gewesen als alles, was Darok bis dahin erlebt hatte. Er erinnerte sich noch genau daran, wie der Schnee unter ihren Schritten geknirscht hatte und wie der Wind immer wieder feinen Pulverschnee über ihre Fährten geweht hatte, bis selbst ihre eigenen Spuren langsam verschwanden. Weder er noch Joran hatten unterwegs ein Wort gesprochen. Es hatte nichts mehr gegeben, das gesagt werden musste. Beide wussten, dass sie Aron gefunden hatten. Beide wussten aber auch, dass sie ihn nicht zurückgebracht hatten. Zwischen diesen beiden Wahrheiten lag ein Schmerz, den keiner von ihnen in Worte hätte fassen können. Lina hörte aufmerksam zu und bemerkte, dass Daroks Stimme ruhiger geworden war. Es war dieselbe Ruhe, die Menschen manchmal entwickelten, wenn sie Erinnerungen erzählten, die so oft durchlebt worden waren, dass selbst der Schmerz nicht mehr laut war. Er war nicht verschwunden. Er hatte sich lediglich tief in ihnen eingerichtet. Als sie schli

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    Lina wusste nicht, wie lange sie nach Daroks letzten Worten geschwiegen hatte. Der Wald um sie herum war derselbe geblieben wie zu Beginn des Abends, und doch fühlte sich alles verändert an. Das Rauschen des Windes in den Baumkronen, das Knacken der Äste und das ferne Murmeln des Flusses klangen plötzlich weiter entfernt, als würden sie zu einer anderen Welt gehören. Die Geschichte hatte sie so tief erfasst, dass sie Mühe hatte, wieder in die Gegenwart zurückzufinden. Vor ihrem inneren Auge stand noch immer Aron auf jener verschneiten Lichtung. Sie sah den Speer in seiner Schulter. Sie hörte den Schrei, von dem Darok gesprochen hatte. Vor allem aber sah sie den Moment, in dem zwei alte Freunde einander angesehen hatten und keiner von beiden den letzten Schritt auf den anderen zugegangen war. Vielleicht war genau das der grausamste Teil dieser Geschichte. Nicht der Speer. Nicht das Blut. Nicht einmal die Verwandlung. Sondern dieser eine Augenblick, in dem Hoffnung noch möglich gewesen

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    Die Nacht war inzwischen so still geworden, dass Lina glaubte, sogar das langsame Schlagen ihres eigenen Herzens hören zu können. Über ihnen standen die Sterne unverändert am Himmel, und doch hatte sie das Gefühl, dass die Welt um sie herum mit jeder Erinnerung, die Darok aussprach, ein wenig schwerer wurde. Das Bild des Roggenwolfs, das sie früher in ihren Träumen verfolgt hatte, war längst nicht mehr das eines unbekannten Schattens. Sie sah inzwischen Aron. Nicht nur den jungen Mann, der Elara geliebt hatte oder den gebrochenen Wolf, der nach ihrem Tod zwei Jahre lang verschwunden war. Sie sah den Freund, von dem Darok sprach. Den Mann, den Joran in den goldenen Augen wiedererkannt hatte. Und genau deshalb fiel es ihr immer schwerer, sich vorzustellen, wie die Geschichte weitergehen konnte.Sie dachte an seine letzten Worte. An die Lichtung. An die untergehende Sonne. An die Gruppe von Wölfen, die zwischen Angst, Zweifel und Hoffnung dort gestanden hatte. Und an Aron, der ihnen einf

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    Die Nacht lag schwer und still über dem Wald, und zwischen den alten Eichen schien die Zeit selbst langsamer zu fließen. Lina hatte längst aufgehört, auf die Sterne über ihnen zu achten. Sie hatte aufgehört, darüber nachzudenken, wie spät es sein mochte oder ob auf der Lichtung inzwischen alle schliefen. Seit Darok begonnen hatte, von Aron zu erzählen, war die Gegenwart immer weiter in den Hintergrund gerückt. Es fühlte sich an, als säße sie gleichzeitig unter den alten Bäumen und in einer Vergangenheit, die sie nie erlebt hatte und die ihr dennoch erschreckend vertraut vorkam.Die Worte Jorans gingen ihr nicht aus dem Kopf. Die Augen eines Menschen, der vergessen hatte, wie man nach Hause zurückfindet. Je länger sie darüber nachdachte, desto schwerer fiel es ihr, den Roggenwolf als etwas Fremdes zu betrachten. Nicht weil sie vergessen hätte, was aus ihm geworden war oder welche Geschichten über ihn erzählt wurden. Sondern weil sie inzwischen verstand, dass irgendwo tief unter all dem

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    Die Nacht war inzwischen tief und klar geworden. Zwischen den Kronen der alten Eichen funkelten die Sterne, und nur das leise Rauschen des Flusses und das gelegentliche Rascheln der Blätter erinnerten Lina daran, dass die Welt um sie herum noch existierte. Seit Stunden saßen sie hier, und doch hatte sie längst jedes Gefühl für Zeit verloren. Daroks Geschichte hatte sie vollständig erfasst. Was einst als Suche nach Antworten begonnen hatte, war zu einer Reise in das Leben eines Menschen geworden, den sie nie kennengelernt hatte und den sie doch inzwischen auf eine seltsame Weise zu verstehen glaubte. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb ihr Herz bei jedem neuen Teil der Erzählung schwerer wurde. Es wäre einfacher gewesen, wenn der Roggenwolf einfach ein Monster gewesen wäre. Monster konnte man fürchten. Monster konnte man bekämpfen. Aber Aron war ein Mensch gewesen. Und je mehr Lina über ihn erfuhr, desto weniger schien die Welt aus einfachen Antworten zu bestehen. Eine Weile s

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