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03

Author: MAY LUNA
last update publish date: 2026-08-12 09:30:06

OLIVIA

Ich behalte Nathan im Blick, bis er das Restaurant verlässt und aus meinem Sichtfeld verschwindet.

Ich drehe mich zu meiner besten Freundin Ashley um, die bereits ein schelmisches Grinsen im Gesicht hat. Ich bin nicht überrascht, ich weiß, dass sie etwas Albernes anstellen wird.

Ashley zwinkert mir zu und quietscht dann laut auf, was die Blicke der wenigen Leute im Restaurant auf sich zieht.

Verdammt, soziale Angst ist für dieses Mädchen echt beängstigend!

Ich hole tief Luft und lasse sie machen, was sie will. Das wird einer dieser Momente, in denen ich sie einfach ihren Spaß haben lasse.

„Ich hab’s gesagt!“ ruft Ashley.

„Halt einfach die Fresse“, fauche ich sie an und hebe mein Glas, um einen Schluck von dem Fruchtsaft zu nehmen, den ich bestellt habe.

„Du verdammt noch mal magst Aiden Blacksmith“, flüstert Ashley und lehnt sich zu mir. „Und du tust so, als wäre er dir total egal.“

Ich zucke mit der Schulter. „Er ist mir total egal. Ich mag ihn nicht, Ashley“, murmele ich.

„Er ist der beste Freund meiner Schwester. Es wäre seltsam, ihn zu mögen“, füge ich hinzu.

„Du kannst die Tatsache, dass er der beste Freund deiner Schwester ist, einfach ausblenden. Als ob du nicht wolltest, dass er alle möglichen Dinge mit deinem Körper macht“, platzt Ashley heraus, ein Lächeln auf den Lippen.

Ich hebe eine Braue. „Igitt, das will ich nicht hören“, murmele ich.

Ashley fängt an und starrt mich mit ihren Adleraugen an. „Du scheinst einen Soft Spot für Nathan zu haben. Warum hast du dann sein Angebot abgelehnt, dich nach Hause zu fahren?“ fragt sie.

Ich schüttle den Kopf. „Aiden hatte schon angeboten, mich nach den Vorlesungen nach Hause zu fahren. Ich wollte ihn nicht irgendwie verärgern oder so“, antworte ich.

Ashley zieht die Augenbrauen hoch. „Seit wann interessierst du dich für Aidens Gefühle? Als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, fandest du ihn nervig und mochtest seinen Bad-Boy-Ruf nicht“, stellt sie fest.

„Ich mag ihn immer noch nicht“, fauche ich. „Mann, das wird hier zu einem Verhör. Ich will darüber nicht mehr reden.“

Tief in meinem Inneren frage ich mich unweigerlich, was mit mir los ist. Warum habe ich das Angebot meines Schwarms abgelehnt, mich nach Hause zu fahren? Warum interessiere ich mich für Aidens Gefühle? Er ist arrogant und benimmt sich, als drehte sich die Welt um ihn. Was zum Teufel ist mit mir los?

Wir sind endlich mit dem Mittagessen fertig und laufen zum Parkplatz. Ashley geht zu ihrem Auto, und zum Glück sagt sie unterwegs nichts über Aiden. Stattdessen gibt sie mir eine Umarmung und erinnert mich an die Party. Ich bin sicher, dass sie später noch darüber reden wird, aber zumindest spricht sie es jetzt nicht an.

Ich gehe zu dem üblichen Platz, an dem Aiden normalerweise sein Auto parkt. Natürlich steht sein Auto da. Ich fühle mich dumm. Er kennt nicht einmal meinen Vorlesungsplan – woher sollte er wissen, wann ich mit meinen Vorlesungen fertig bin? Aber irgendwie bringen mich meine Füße trotzdem dorthin.

Ich schlucke, und meine Augen nehmen die Szene in sich auf, die sich vor mir abspielt. Aiden Blacksmith hat seine Arme um die Taille eines Mädchens geschlungen, und sie küssen sich, als wäre das das Einzige, was sie können.

Meine Hände ballen sich zu Fäusten. Können die das nicht wenigstens irgendwo anders machen? Mir schießt durch den Kopf, dass wir heute Morgen auch hier gestanden haben, sein Körper nah an meinem. Aber wir hatten uns nicht geküsst. Trotzdem waren wir der Mittelpunkt aller Blicke. Es fühlt sich an, als wäre ich eines dieser Mädchen – seine Flirts.

Aidens Augen treffen meine, als sie sich vom Kuss lösen. Ich drehe mich auf dem Absatz um und gehe weg, bevor er etwas sagen kann. Ich rufe einfach ein Taxi, um nach Hause zu kommen.

Das ist, was ich davon habe, dass ich Nathans Mitfahrt abgelehnt habe. Wenn ich sein Angebot angenommen hätte, hätte ich Aiden nie dabei gesehen. Dann würde ich mich jetzt nicht so beschissen fühlen.

„Schön für dich“, murmle ich vor mich hin.

Warum hat es meinen Magen umgedreht, Aiden mit dem Mädchen küssen zu sehen? Er ist so dabei, behandelt sie, als wäre sie die leckerste Süßigkeit. Wie eine Bonbon. Ich frage mich, wie es sich anfühlt, jemanden zu küssen. Ich wurde noch nie geküsst.

Vielleicht hat Sarah recht, wenn sie sagt, dass ich ein Loser bin.

Warum zum Teufel bin ich überhaupt wütend? Weil ich gesehen habe, wie Aiden ein anderes Mädchen küsst? Warum sollte mich das kümmern? Er kann küssen, wen er will. Er ist schließlich der beste Freund meiner Schwester.

~

Ich höre die Türklingel zum dritten Mal, und diesmal zwinge ich mich, die Augen zu öffnen. Ich schlafe, seit ich von der Schule nach Hause gekommen bin.

Ich brauchte die Ruhe.

Ich brauchte Zeit, um den Kopf freizubekommen.

Ich weiß, wann meine Schwester Sarah nach Hause gekommen ist, weil mich die Hupe ihres Autos geweckt hat, aber ich bin wieder eingeschlafen. Ich habe die Klingel schon zweimal vorher gehört, aber ich habe so getan, als hätte ich sie nicht gehört. Ich dachte, Sarah würde öffnen, aber vielleicht schläft sie jetzt auch.

Ich schleppe mich aus dem Bett und zum Kleiderschrank, greife mir das nächstbeste T-Shirt. Ich kann die Tür nicht öffnen und denjenigen begrüßen, der da ist, während ich nur einen BH trage. Was, wenn es ein Typ ist oder sogar Dad?

Aber dann wieder – es kann nicht Dad sein. Er arbeitet außer Landes und kommt erst Ende des Monats zurück. Auch wenn ich mir wünsche, er wäre öfter für mich und meine Schwester da, weiß ich, dass das nicht möglich ist. Nicht seit Mama sich von ihm scheiden ließ.

Ich reiße mich aus meinen Gedanken und renne die Treppe hinunter, um die Tür zu öffnen.

Ich öffne die Tür. Beim Anblick der Person, die da steht, verliere ich das Gleichgewicht – seine honigbraunen Augen bohren sich in mich. Im selben Moment greift er nach meinem Handgelenk und verhindert, dass ich falle.

Ich zucke mit den Schultern und reiße meinen Arm weg. Ich muss mich zusammenreißen.

Ja, Aiden Blacksmith steht vor meiner Tür. Warum sollte ich ausflippen?

Ich will gerade zurück ins Haus gehen, als er nach meiner Hand greift und mich zurückzieht. Ich wünschte, ich wäre stärker und schwerer. Wenn ich mehr Gewicht hätte, könnte er mich nicht so leicht bewegen.

Aiden hat mich in seinen Armen. Ich bin so nah an ihm, dass ich seinen Atem an meinem Ohr spüren kann.

„Warum bist du in der Schule weggerannt?“ fragt er.

Ich halte den Blick auf seine Brust gerichtet. Ich traue mir nicht einmal, ihm in die Augen zu schauen.

Ich kann nicht anders, als zu bewundern, wie gut er gebaut ist. Seine breite Brust. Seine durchtrainierten Arme.

Ich will verzweifelt seinen Körper berühren, aber ich unterdrücke den Drang dazu.

Aiden hebt mein Kinn an, sodass ich ihm in die Augen schauen muss. „Ich mag deine haselnussbraunen Augen“, murmelt er.

Seine Augen verdunkeln sich, und mein Herz schlägt schneller. Sein Blick wandert zu meinem Mund. „Fuck, ich mag auch deine Lippen.“

Er beugt den Kopf. Ich mache mir nicht einmal die Mühe, darüber nachzudenken. Ich schließe einfach die Augen und warte darauf, dass seine Lippen meine berühren.

„Was zum Teufel!“

Das ist das Nächste, was ich höre. Die vertraute Stimme meiner Schwester.

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