Share

11

Author: J. C. Veyra
last update publish date: 2026-10-17 08:49:09

Kapitel 11: Im Herzen des alten Tempels

Der Aufprall war kein Zerschmettern auf hartem Granit, sondern ein gewaltiger, erschütternder Stoß, der mir augenblicklich sämtliche Luft aus den Lungen presste.

Lyall hatte seinen massiven Körper im freien Fall unter meinen gedreht. Der dumpfe Knall, als er mit dem Rücken auf dem Boden aufschlug, hallte schrecklich in der Dunkelheit wider. Sein eiserner Griff um meine Taille lockerte sich für keinen Bruchteil einer Sekunde. Die schiere Wucht des Sturzes
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • Der gezeichnete Alpha & das verbotene Erbe    29

    Kapitel 29: Die Schatten im VerliesDie morgendliche Stille, die nach Lyalls Rückkehr über das Schloss des Shadow-Rune-Rudels lag, fühlte sich trügerisch an. Es war die Art von trügerischer Ruhe, die eintritt, kurz bevor ein gewaltiger Gletscher bricht und das Tal unter sich begräbt. Die Verräter schmachteten in den eisigen Tiefen des Ostturms, die Truppen hatten sich nach dem harten Feldzug im Osten erholt, und doch kroch eine unsichtbare, feuchte Kälte durch die dicken Steinmauern, die sich selbst durch das hellste Kaminfeuer nicht vertreiben ließ.Ich stand am Vormittag im großen Kartensaal, den Blick starr auf die pergamentenen Aufzeichnungen geheftet, die Viktor am Vorabend von der östlichen Grenze mitgebracht hatte. Die Markierungen für die Truppenbewegungen des Hexenzirkels waren zwar erloschen, aber an der nördlichen Flanke – dort, wo die Klamm der tausend Schreie in die ewigen Nebel überging – blinkten nun drei neue, blutrote Siegel.Die drei Vollmonde liefen. Die Frist, die

  • Der gezeichnete Alpha & das verbotene Erbe    28

    Kapitel 28: Das Echo der RückkehrDas dumpfe, donnernde Pochen von Hufen auf dem gefrorenen Stein des äußeren Schlosshofs drang wie ein heroischer Herzschlag durch die dicken Mauern des Westflügels. Es war kein gewöhnlicher Ritt; es war das unverkennbare Einrollen einer siegreichen Kriegsmacht, angeführt von einem Alpha, dessen Zorn über die Bedrohung seines Reiches keine Gefangenen gemacht hatte.Ich stand im Schatten des hohen Bogenfensters in meinen privaten Gemächern, den Blick fest auf das Haupttor gerichtet. Die schwere Platin-Gold-Krone lag hinter mir auf dem dunklen Holz des Tisches, und doch fühlte sich jede Faser meines Körpers königlich, gestählt durch den Sieg des gestrigen Tages im Audienzsaal. Die Verräter schmachteten im Kerker; das Schlangennest war ausgeräuchert. Und jetzt kehrte die andere Hälfte meiner Welt zurück.Über das Seelenband spürte ich ihn, noch bevor die ersten Stimmen im Hof laut wurden. Es war ein reines, glühendes Pulsieren, das sich wie flüssige Hitze

  • Der gezeichnete Alpha & das verbotene Erbe    27

    Kapitel 27: Das SchlangennestDie schweren Eichentore des Hauptportals fielen mit einem dumpfen, grollenden Laut ins Schloss, und das Echo schien noch minutenlang durch die steinernen Gänge zu wandern. Mit dem Abzug von Lyalls Elitetruppen hatte sich eine spürbare, fast greifbare Stille über das gesamte Anwesen gelegt. Es war keine friedliche Stille. Es war die Art von Stille, die kurz vor einem Gewitter in den Baumwipfeln hängt – die Luft schwer von Ozon, die Spannung unerträglich, jedes Atmen zu laut.Für die restlichen Adligen und die verbliebenen Verschwörer im Schloss musste es wie der perfekte Augenblick wirken. Der Alpha war fort. Die Hauptmacht des Rudels zog in die östlichen Sümpfe, um einen Schattenzirkel zu jagen. Zurück geblieben war nur eine junge Frau, die von den alten Grafen und Lords nach wie vor arrogant als die „ehemalige Omega aus den niederen Rängen“ verlacht wurde.Sie wussten nicht, dass sie sich in einer Arena befanden, deren Türen von innen verriegelt waren. U

  • Der gezeichnete Alpha & das verbotene Erbe    26

    Kapitel 26: Die schwarze MetallfederDas dumpfe, bleierne Geräusch von Eisen auf Stein hing noch sekundenlang schwer in der Luft, während das Echo des Knackens an den hohen Steinwänden des Westflügels verhallte. Im Kamin tanzten die Flammen und warfen flackernde, orangefarbene Schatten an die Wände, doch die plötzliche Stille im Raum fühlte sich eiskalt und greifbar an.Lyall hatte mich in der Sekunde, in der das Geräusch erklang, noch fester an sich gezogen. Sein Körper spannte sich wie eine Bogenese an. Seine saphirblauen Augen, die eben noch in der Hitze der Leidenschaft geglüht hatten, verengten sich schlagartig zu messerscharfen Schlitzen. Über das Seelenband spürte ich, wie sein innerer Wolf augenblicklich die Kontrolle übernahm – ein dumpfes, warnendes Knurren hallte tief in seiner Brust wider, unhörbar für die Aussenwelt, aber für mich so laut wie ein Donnerschlag.„Rühr dich nicht“, raunte Lyall leise und extrem kontrolliert. Seine rechte Hand glitt mit einer fließenden, geüb

  • Der gezeichnete Alpha & das verbotene Erbe    25

    Kapitel 25: Das Echo des BlutesDer schwere, metallische Geruch von frischem Blut lag noch immer schwer über dem großen Bankettsaal, vermischt mit dem herben Duft von verbranntem Ozon und dem feinen, teuren Parfüm der überlebenden Adligen. Die blutverschmierten Marmorplatten reflektierten das flackernde Licht der verbliebenen Fackeln wie ein düsterer, spiegelnder See. Niemand wagte es, sich zu rühren. Die adligen Gäste, die wenige Minuten zuvor noch mit gespielter Eleganz und hinterlistigem Lächeln durch den Raum geschritten waren, standen nun eng an die kalten Steinsäulen gedrückt, bleich im Gesicht und unfähig, den Blick von dem Podest abzuwenden.Ich stand auf der obersten Stufe des Thrones, den Blick starr auf die massiven Flügeltüren gerichtet, durch die Kenneth soeben abgeführt worden war. Die schwere Platin-Gold-Krone ruhte wie ein eiserner Reif auf meinem Haupt, doch die wirkliche Last trug ich tief in meinen Adern. Das feine, eisige Stechen an meinem linken Handgelenk – genau

  • Der gezeichnete Alpha & das verbotene Erbe    24

    Kapitel 24: Das Blut auf dem MarmorDer Schrei der adligen Dame hallte von den hohen Wölbungen des Saals wider, wie der Peitschenhieb einer unsichtbaren Hand. Die gläsernen Kronleuchter an der Decke schienen unter dem plötzlichen Druck der magischen Wogen zu erzittern, die von Kenneths Ankunft aus dem Innenhof herüberschwappten.Kenneth stand im Portal der Haupteingangstür, das Schwert in seiner Rechten schwer und blutverschmiert. Hinter ihm drängten sich die schattigen Gestalten seiner Söldner wie ein Rudel ausgehungerter Wölfe, die den Geruch von frischer Beute wittern. Die goldenen Stickereien und die feinen Teppiche, die noch wenige Augenblicke zuvor den Reichtum des Shadow-Rune-Rudels zur Schau gestellt hatten, schienen unter dem Schlamm ihrer Stiefel zu vergehen.Lord Hethorn, der eben noch zitternd vor mir gestanden hatte, stürzte mit einem erstickten Keuchen zu Boden. Seine Kine versagten unter der plötzlichen Panik. Er robbte ein paar Zentimeter rückwärts, den Blick starr auf

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status