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Die erste Sitzung

Penulis: Cutie Juice
last update Tanggal publikasi: 2026-06-22 03:08:04

Kades Sicht

Das Besprechungszimmer fühlte sich kleiner an, als es sein sollte.

Ich war schon tausendmal hier gewesen.

Schallisolierte Wände.

Cremefarbene Möbel.

Kameras in drei Ecken.

Der Rat hatte diesen Raum speziell für Stabilisator-Sitzungen entworfen – neutral, überwacht und unmöglich zu verlassen.

Heute fühlte er sich wie ein Käfig an.

Nicht, dass mich das bisher gestört hätte.

Seit dem Tod meiner früheren Stabilisatorin hatte ich keine ernsthafte Sitzung mehr gehabt.

Ich stand am Fenster, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und blickte auf den Wald jenseits der Tore.

Mein Wolf lief unruhig in meiner Brust auf und ab, auf eine Weise, die er seit Jahren nicht mehr gezeigt hatte.

Wegen ihr.

Die Tür öffnete sich.

Dr. Hale trat als Erste ein, ein Tablet in der Hand.

Dann Emma.

Im Tageslicht wirkte sie kleiner.

Immer noch trotzig.

Kaum sah sie mich, hob sie das Kinn.

Doch sie sah erschöpft aus.

Dunkle Schatten lagen unter ihren Augen.

Die silberne Manschette glänzte an ihrem Handgelenk.

Mein Wolf hörte auf zu laufen.

Einfach so.

Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Ich hasste es.

Genau das hatte uns überhaupt erst in dieses Problem gebracht.

Genauso wie meinen Vater, den sie wie ein verdammtes Tier eingeschläfert hatten.

„Setzen Sie sich“, sagte Dr. Hale und deutete auf die Stühle, die etwa einen Meter voneinander entfernt standen.

Emma setzte sich, ohne mich anzusehen.

Ich nahm ebenfalls Platz und hielt den Blick auf das Fenster gerichtet.

„Erste Sitzung“, erklärte Dr. Hale und tippte auf ihr Tablet. „Dreißig Minuten Nähe. Kein körperlicher Kontakt erforderlich. Ich überwache die Vitalwerte und die Aktivität der Bindung.“

Sie startete den Timer.

Stille erfüllte den Raum.

Ich konnte Emma neben mir spüren, ohne sie anzusehen.

Konnte sie riechen.

Wildblumen.

Und etwas nach Regen Frischem, das meinen Wolf zufrieden summen ließ.

Meine Herzfrequenz, die den ganzen Morgen erhöht gewesen war, begann sich zu beruhigen.

Das Engegefühl in meiner Brust ließ nach.

Die Stabilisator-Bindung.

Sie funktionierte genau so, wie sie sollte.

Dr. Hale lächelte auf ihr Tablet.

„Die Werte normalisieren sich. Die Herzfrequenz sinkt. Sehr gut.“

Ich konzentrierte mich auf meinen Atem.

Ein.

Aus.

Ein.

Aus.

Mechanisch.

Kontrolliert.

Nach einigen Minuten entschuldigte sich Dr. Hale, um etwas zu erledigen, und ließ uns allein.

Doch ich konnte Emmas Anwesenheit nicht ignorieren.

Sie umhüllte mich wie Wärme.

Sickerte in die Stellen, die ich drei Jahre lang eingefroren gehalten hatte.

„Warum haben Sie den Vertrag angenommen?“

Die Worte waren heraus, bevor ich sie zurückhalten konnte.

Innerlich verfluchte ich mich.

Emma drehte den Kopf.

Ich spürte ihren Blick auf meinem Gesicht.

„Sie wissen warum“, sagte sie leise.

„Ihre Schwester.“

„Ja.“

Endlich sah ich sie an.

Diese blauen Augen trafen meine.

Gerötet vom Weinen.

Aber standhaft.

Furchtlos.

„Familie ist eine Schwäche“, sagte ich.

Ihr Kiefer spannte sich an.

„Familie ist das, was einen menschlich macht.“

„Ich bin kein Mensch.“

„Ich anscheinend auch nicht mehr.“

Sie berührte die silberne Manschette.

„Aber wenigstens weiß ich, was es bedeutet, jemanden mehr zu lieben als sich selbst.“

Die Worte trafen mich härter, als sie sollten.

Ich blickte weg und spannte den Kiefer an.

Mein Wolf winselte leise.

Er wollte etwas, das ich nicht benennen konnte.

„Liebe ist eine Belastung“, sagte ich. „Sie macht einen verletzlich. Kontrollierbar.“

„Ist das der Grund, warum Sie nichts fühlen?“ fragte Emma. „Weil Ihnen jemand eingeredet hat, dass Gefühle gefährlich sind?“

Meine Hände umklammerten die Armlehnen.

„Ich fühle eine Menge.“

„Zum Beispiel?“

„Das geht Sie nichts an.“

„Doch, wenn ich Ihre Emotionen stabilisieren soll.“

Sie beugte sich leicht vor.

„Wie soll ich helfen, wenn Sie mir nicht sagen, was nicht stimmt?“

„Nichts stimmt nicht.“

Die Lüge schmeckte bitter.

„Sie sind hier, um eine Funktion zu erfüllen. Mehr nicht.“

„Richtig. Eine Funktion.“

Sie lehnte sich zurück.

„Wie eine Maschine.“

„Genau.“

„Nur dass Maschinen nicht zittern.“

Mein Blick schoss zu ihr.

„Was?“

Sie nickte in Richtung meiner rechten Hand.

„Ihre Hand. Sie zittert.“

Ich sah hinunter.

Sie hatte recht.

Meine Finger bebten auf der Armlehne.

Kaum sichtbar.

Aber eindeutig.

Emotionales Durchsickern.

Ich hatte das seit—

Seit Claire.

Sofort zog ich die Hand zurück und drückte sie an meine Seite.

„Das ist nichts.“

„Doch, das ist es.“

Emmas Stimme wurde sanfter.

„Geht es Ihnen gut?“

Die Frage ließ meine Brust eng werden.

Wann hatte mich das zuletzt jemand gefragt?

Wann hatte sich zuletzt jemand dafür interessiert?

„Mir geht es gut“, sagte ich rau.

„Sie sehen nicht so aus.“

„Hören Sie auf zu reden.“

„Ich versuche nur—“

„Ich sagte, hören Sie auf.“

Ich sprang abrupt auf.

Ich brauchte Abstand.

Musste ihren Duft aus meinen Lungen bekommen.

„Sie sind nicht hier, um sich zu kümmern. Sie sind hier, um still zu sitzen und die Bindung ihre Arbeit machen zu lassen.“

Emma stand ebenfalls auf.

Ihre blauen Augen wurden dunkler.

„Die Bindung?“ fragte sie. „Sie meinen das Ding, das mich zu Ihrer Gefangenen macht?“

„Sie haben den Vertrag unterschrieben.“

„Unter Drohungen!“

„Jeder unterschreibt unter Drohungen. So funktioniert das System.“

„Dann ist das System falsch.“

Ich trat näher.

Überragte sie um einen ganzen Kopf.

Sie wich nicht zurück.

Zuckte nicht einmal.

„Das System“, sagte ich leise, „ist das Einzige, was Sie am Leben hält. Sie wollen dagegen kämpfen? Bitte. Aber dann stirbt Ihre Schwester. Ihre Entscheidung.“

Die Farbe wich aus ihrem Gesicht.

Ich sah, wie der Kampf aus ihren Augen verschwand.

Ersetzt durch etwas, das wie Schmerz aussah.

Mein Wolf knurrte mich an.

Wütend darüber, dass ich ihr wehgetan hatte.

Ich drängte ihn brutal zurück.

„Setzen Sie sich“, sagte ich. „Beenden wir die Sitzung.“

Emma setzte sich.

Ich ebenfalls.

Genau in diesem Moment kehrte die Ärztin zurück, und die verbleibenden fünfzehn Minuten vergingen in feindseligem Schweigen.

Meine Werte blieben stabil.

Die Bindung funktionierte trotz der Spannung perfekt.

Dr. Hale wirkte zufrieden.

„Eine ausgezeichnete erste Sitzung“, sagte sie, als der Timer ertönte. „Morgen zur gleichen Zeit.“

Emma verließ den Raum, ohne mich anzusehen.

Die Tür schloss sich hinter ihr.

Ich blieb sitzen.

Starrte ins Leere.

Meine rechte Hand zitterte immer noch.

Ich presste sie gegen meinen Oberschenkel und versuchte, das Zittern zu stoppen.

Emmas Duft hing noch im Raum.

Wildblumen und Regen.

Sauber.

Lebendig.

Und vollkommen fehl am Platz in diesem sterilen Anwesen.

Mein Wolf summte zufrieden.

Er war glücklich über ihre Nähe.

Ich wollte das Biest aus meiner Brust reißen.

Dr. Hale war gegangen.

Die Kameras beobachteten mich weiterhin, aber das war mir egal.

Ich stand auf, ging zur Wand und schlug mit der Faust dagegen.

Der Putz riss.

Schmerz schoss meinen Arm hinauf.

Meine Knöchel platzten auf.

Das Zittern hörte auf.

„Beherrsch dich“, flüsterte ich.

Doch Emmas Stimme hallte in meinem Kopf wider.

Geht es Ihnen gut?

Als würde es sie interessieren.

Als würde meine Antwort etwas bedeuten.

Tat sie nicht.

Durfte sie nicht.

Ich würde es nicht zulassen.

Ich war nicht bereit, denselben Schmerz noch einmal zu durchleben, nur weil ich meinen Gefühlen erlaubt hatte, mir in die Quere zu kommen.

Also würde ich alles, was in mir für sie zu wachsen drohte, zerstören, bevor es Wurzeln schlagen konnte.

 

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