LOGINVivian aus ihrer Perspektive
Es dauerte nicht lange, bis ich schon wieder aufgeben wollte. Die Tür war zu schwer, um sie aufzudrücken, und nachdem ich so viel Kraft darauf verwendet hatte, das Schloss zu knacken, verlor ich die Hoffnung. „Was ist mit dem Fenster?“, fragte Lexa und drängte mich, dorthin zu gehen. „Du willst, dass ich von hier springe? Willst du, dass ich sterbe, bevor ich meinen Partner treffe?“ Mein Körper krachte auf das harte Bett. Es war zu klein für eine Erwachsene meiner Größe, aber meine Eltern hatten sich ganz klar ausgedrückt: Abnehmen oder die Klappe halten, was das Bett angeht. Ich hatte das Erste versucht, aber nichts hatte funktioniert, also blieb mir mein ganzes Erwachsenenleben lang nichts anderes übrig, als mich mit diesem winzigen Bett abzufinden. „Was ist mit deinem Kleid?“, drängte sie. „Es ist superweich. Wenn du darauf landest, wird dir beim Springen nichts passieren.“ Zu meiner Überraschung dachte ich tatsächlich darüber nach. Mein Blick wanderte zu dem wunderschönen roten Kleid, das mir gegenüber an der Wand hing. Ich hatte Monate gebraucht, um es fertigzustellen. Ich hatte viele Nächte damit verbracht, es zu nähen, mir dabei in den Finger zu stechen und gleichzeitig angespannt nach Schritten zu lauschen. Denn wenn mich jemand mit etwas Schönem erwischen würde, etwas, das mir gehörte, würde es mir fast sofort weggenommen werden. „Das hat keinen Sinn“, stöhnte ich und wandte meinen Blick vom Kleid ab. „Ich bleibe einfach hier und verkaufe das Kleid auf dem Markt für etwas Geld.“ Noch während mir die Worte über die Lippen kamen, wusste ich, dass das keine Option war. Chloe diesen kleinen Sieg zu gönnen, hieße, die Rolle zu spielen, die sie sich schon immer gewünscht hatte. „Wenn du das Kleid verkaufst, werden deine Eltern das Geld sowieso für Chloe ausgeben – warum trägst du es dann nicht einfach und hast heute Abend Spaß?“ „Es wird nur dann ein schöner Abend, wenn ich meinen Partner finde“, murrte ich. Doch noch während ich sprach, schwang ich mich vom Bett und schritt zielstrebig auf das Kleid zu. Der Stoff fühlte sich weich auf meiner Haut an. Er hatte definitiv genug Lagen, um meinen Sturz abzufedern, und die rote Seide würde auf dem Gras darunter kaum Flecken hinterlassen. Nachdem ich tief Luft geholt hatte, ging ich auf das einzige offene Fenster zu und warf das Kleid, ohne nachzudenken, hinaus. Unser Haus hatte zwar nur ein Stockwerk, aber mein Zimmer war im Grunde ein Dachboden, sodass ein Sturz von hier riskant und dumm war. Dennoch kletterte ich Sekunden später am Fenster hoch, den Blick fest auf das unten liegende Kleid gerichtet. „Hab keine Angst. Vertrau einfach darauf, dass ich dir bei der Landung helfe und ein paar blaue Flecken heile, und denk daran, wie viel Spaß du heute haben wirst“, machte Lexa mir Mut. Ich gab mir keine Zeit mehr, über das Risiko nachzudenken, bevor ich den Fensterstab losließ und mich in die Tiefe stürzte. Der Sturz kam mir länger vor, als er hätte sein sollen, und dann prallte mein Körper auf weiche Seide. Die Wucht des Sturzes traf mich vor allem an der Seite. Schmerzen schossen durch meine Rippen und wurden allmählich stärker, als ich versuchte, mich aufzurichten. Unsere Straße war leer; die meisten Leute lagen bereits im Bett oder waren bei der Zeremonie. Sie dürfte inzwischen begonnen haben, was bedeutete, dass ich noch ein paar Minuten Zeit hatte, um dorthin zu gelangen, bevor das Paarungsritual stattfand und die Paarungen begannen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf zwang ich meinen Körper, sich aufzurichten, und eilte zur Rückseite des Hauses, um mich umzuziehen. Das Kleid passte mir perfekt, genau so, wie ich es entworfen hatte. Ich trug kein Make-up – nicht, dass das eine Rolle gespielt hätte, da ich mich noch nie geschminkt hatte und nicht einmal wusste, wie das ging. Mein braunes, hüftlanges Haar fiel in Wellen über meinen Rücken, und nachdem ich ein paar Mal mit den Fingern hindurchgefahren war, machte ich mich auf den Weg und eilte zum Rudelhaus. Alle Lichter waren an und tauchten den Ort in ein wunderschönes Licht. Ich war immer zu sehr damit beschäftigt gewesen, mit der Scham fertig zu werden, jedes Jahr keinen Partner zu haben, um zu bewundern, wie wunderschön diese Veranstaltung wirklich war. Als das Rudelhaus in Sicht kam, zitterten mir die Beine. Ohne nachzudenken, stieß ich die beiden großen goldenen Türen beiseite und unterbrach damit die laufende Zeremonie. Alle Köpfe drehten sich zu mir um. In der Menge konnte ich fast spüren, wie meine Familie mich finster anstarrte. Die Wachen kamen auf mich zu, bereit, mich hinauszuwerfen. Einer von ihnen stürzte sich auf mich, sein Griff um meinen Arm war so fest, dass ich zusammenzuckte. Doch gerade als er mich hinauszerren wollte, rief jemand aus der Menge. „Lasst sie in Ruhe.“ Allein diese Stimme – kalt und distanziert – ließ den Wächter mich loslassen. Ich drehte mich um und verbeugte mich bereits, um demjenigen zu danken, der mich gerettet hatte. „Du gehörst zu diesem Rudel, nicht wahr?“, fragte der Mann. Mein Blick blieb auf seine Schuhe gerichtet, mein Körper war fast in zwei Hälften gebeugt. „Ja, Alpha.“ „Dann hast du genauso viel Recht, hier zu sein wie jeder andere auch“, sagte er mit ruhiger, gefasster Stimme. „Steh auf.“ Auf den Befehl hin richtete ich mich sofort auf, und in dem Moment, als sich unsere Blicke trafen, konnte ich den leisen Seufzer nicht unterdrücken, der mir über die Lippen kam. Seine Augen hatten ein intensives Gold, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Alles an ihm – von seinen markanten, definierten Muskeln bis hin zu seinem gepflegt gestylten, pechschwarzen Haar – strahlte Perfektion aus. Ich stand da und starrte ihn wie eine Närrin an, bis er sich umdrehte und mit derselben Autorität zu dem Priester auf der anderen Seite des Raums sprach. „Setzen Sie die Zeremonie fort.“ Er ging weg, aber meine Augen konnten sich einfach nicht von seinem Rücken losreißen, bis sich eine Hand um meine verletzte Hand schloss. Ich zuckte zusammen und drehte mich um, um Chloes glühenden Blick auf mich gerichtet zu sehen. „Halt dich von meinem Partner fern“, knurrte sie mich an und fletschte die Zähne. Ich schnaubte und schüttelte das seltsame Gefühl ab, das der Mann in mir ausgelöst hatte. „Ich bin nicht hier, um dir deinen Partner wegzunehmen. Ich bin nur hier, um dir klarzumachen, dass dein dummer Plan gescheitert ist. Wie kindisch kannst du nur sein, Chloe? Du bist jetzt achtzehn, stehst kurz vor der Paarung – benimm dich auch so.“ Sie starrte mich an, schockiert darüber, dass ich mich tatsächlich verteidigte. Doch da unsere Eltern nicht da waren, erschien es mir unnötig, ihre widerwärtige Haltung hinzunehmen. Und irgendetwas an diesem Fremden gab mir genug Selbstvertrauen, um mich dem Dämon zu stellen, den ich meine Schwester genannt hatte. Die nächsten Worte des Priesters zwangen Chloe, ihren Blick von mir abzuwenden, wodurch ich von ihrem brennenden Blick verschont blieb. „Jeder Wolf, der älter als achtzehn ist, tritt vor. Es ist an der Zeit.“Vivian aus ihrer Perspektive Lucien war nicht zurückgekommen, um nach mir zu sehen.Dieser Gedanke lastete wie ein schwerer Stein auf mir und verursachte mir ein unangenehmes Kribbeln im Magen.Er hatte mich ins Bett gebracht und war hinausgegangen, um den Kopf frei zu bekommen, und hatte dann stündlich wie ein Uhrwerk nach mir gesehen.Ich hatte so getan, als würde ich schlafen, aber tief in mir freute ich mich trotzdem auf diese Besuche.Der letzte Besuch lag schon weit über zwei Stunden zurück, und obwohl ich wusste, dass es keine große Sache war, konnte ich das unbehagliche Gefühl, das sich gerade in meiner Brust festgesetzt hatte, dennoch nicht abschütteln.Mein Körper versteifte sich, als die Tür endlich quietschend aufging und Schritte auf den Dielen klapperten.Ich wartete auf das schwere Nachgeben der Matratze, wenn er sich darauf niederließ. Wenn er hereingekommen war, dann war er vielleicht bereit, endlich die Nacht einzuläuten.Mir wurde heiß bei dem Gedanken, wie sehnsüc
Luciens Perspektive Es wurde Nacht, und Vivian ging schließlich zu Bett. Ich brachte es jedoch nicht über mich, mich zu ihr zu legen. Nicht, solange ich wusste, dass sich innerhalb dieser Mauern Menschen befanden, die mit dem Feind zusammenarbeiteten. Meine Füße trugen mich schließlich zum Eingang, wo Vivian das erste Mal entführt worden war und wo sich die Attentäter versteckt gehalten hatten, um auf uns zu warten. Ich spürte, wie sich hinter mir etwas bewegte, reagierte aber erst, als die Person sprach. „Was hast du mit ihm vor?“ Wendys Stimme klang ruhiger als erwartet, wenn man bedenkt, dass ihr Bruder nirgends zu sehen war. „Wer?“ „Ich bin keine Närrin, Alpha. Spiel nicht mit mir. Der Attentäter, den du gefoltert hast, um Informationen darüber zu bekommen, wo Vivian war. Ich weiß, dass er noch lebt, und ich weiß, dass du ihn benutzen wirst, um die Spione zu fassen, von denen mir mein Bruder erzählt hat.“ Ich hob eine Augenbraue, als ich mich zu ihr umdrehte. „Kluges Mädc
Vivian aus ihrer PerspektiveWir stürmten aus dem Zimmer.Die Tür zu ihrem Schlafzimmer stand einen Spalt offen, und der Raum selbst war leer. Das Geräusch war aus der Lobby gekommen, zu der wir als Nächstes eilten.Alex stand am Fenster, und dasselbe Messer, mit dem er den Alpha angegriffen hatte, drückte er sich nun an den Hals. „Bleibt weg.“„Alex … was machst du da?“, fragte Wendy mit brüchiger Stimme, wobei der Schmerz fast von der Angst überlagert wurde.„Ich tue das für uns, Wendy. Ich muss zurück. Sie …“, er zeigte auf uns, „… können mich nicht beschützen.“Eric machte einen vorsichtigen Schritt nach vorne, doch Alex drückte das Messer fester gegen seine Kehle. „Noch ein Schritt, und ich schwöre, ich schneide mir die Kehle durch.“Ich hasste es, wie sehr ich wusste, dass er es ernst meinte.Er fummelte eine Weile am Fenster herum, bevor er es endlich aufbekam und hinauskrabbelte.„Auf keinen Fall lässt du ihn wirklich gehen!“, schrie Wendy.Sie sprach jedoch nicht mit mir.Sie
Vivian aus ihrer Perspektive Mein Auge zuckte. „Was?“ „Die Tabletten. Jemand … Alex … hat sie ausgetauscht, als er in dein Zimmer kam.“ Sein Blick schoss nach unten und ruhte auf allem anderen als mir. „Dieser kleine …“ Lucien wollte schon weggehen, doch mein Griff um sein Hemd zwang ihn zum Innehalten. Mein Körper lehnte nun vollständig an ihm. Die zerbrochene Verbindung und die dadurch ausgelöste Hitze forderten bereits ihren Tribut von meinem Körper, und ich wäre fast zu Boden gesunken, hätte sein Gewicht mich nicht gestützt. „Wir sollten dich wieder ins Bett bringen.“ Lucien legte seine Arme wieder um mich und führte mich zurück. „Wie bringen wir das wieder in Ordnung?“ Eric stand immer noch in der Tür und runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, dass wir das sollten.“ „Was? Siehst du nicht, was diese Drogen mit ihr gemacht haben? Sie ist kurz davor, ohnmächtig zu werden, und du glaubst, du hättest hier ein Mitspracherecht.“ Ich fasste Luciens Wange an und umfasste sie san
**Luciens Perspektive**Vivian stürzte fast sofort zu Boden, als ihre Füße ihn berührten. Ich fing sie gerade noch rechtzeitig auf und stützte ihr Gewicht an meiner Brust ab.„Sei vorsichtig, Liebling“, flüsterte ich ihr ins Ohr, während ich ihr half, sich aufzurichten. „Soweit wir wissen, trägst du vielleicht ein Welpenbaby in dir.“Sie schnaubte, und ihr Lächeln verwandelte sich in einen finsteren Blick. Nachdem sie sich von mir abgestoßen hatte, schlug sie mir mit der Hand gegen die Brust. „So läuft eine Schwangerschaft doch gar nicht ab.“Das wusste ich, aber die Vorstellung, dass mir das in Zukunft vielleicht bevorstehen könnte, begeisterte mich.Das Bild einer kleinen, pummeligen Tochter mit grünen Augen und braunen Haaren hatte sich nun in mein Gedächtnis eingebrannt und zwang mich zum Lächeln. „Wir werden sehen.“Als wir uns der Tür näherten, spürte ich, wie sich ihr Körper immer mehr an mich lehnte. „Wie fühlst du dich jetzt? Tut es noch weh?“Sie brummte, gab aber keine weit
**Vivians Perspektive**Mein Körper zitterte, Hitze kribbelte auf meiner Haut, bis ich zu Boden sank.Alex und ich hatten gerade ein Gespräch geführt, doch nun stand er über mir und legte mir sanft die Hand auf die Schulter. „Geht es dir gut?“„Ja, ja, mir geht es gut. Es ist nichts.“Aber es war nicht nichts.Es war unmöglich, so kurz nach der letzten schon wieder eine Hitzewelle zu haben. Aber es war immer noch derselbe vertraute Schmerz in meinem Unterbauch, und er zwang mich regelrecht in die Knie.Die Türen flogen auf, und eine Sekunde später schlangen sich andere Arme um mich, muskulös und vertraut.Luciens kalte, doch panische Stimme drang in meine Ohren. „Vivian? Vivian, was ist los? Hast du Schmerzen?“Eric stand nun neben mir, seine Stimme klang überrascht. „Ist das schon wieder eine Läufigkeit? Ich habe eine Hitzewelle gerochen, als ich in dein Zimmer kam. Wie kann sie schon wieder läufig sein?“„Ich weiß es nicht. Kannst du das in Ordnung bringen? Oder mir wenigstens sagen







