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2. Durch Unterschrift gebunden

last update publish date: 2026-06-05 07:14:39

AVERYS POV

Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Die Männer in diesem Raum waren alle merkwürdig. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie gestaltwandelnde Monster wären. Sie machten mir unheimliche Angst.

„Nimm endlich meine Hand“, befahl mein Vater mit tiefer, gefährlicher Stimme.

Ich schob meine Hand sofort in seine. Er führte mich zu dem Tisch, den ich vorhin gar nicht bemerkt hatte. Mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich den dunkelhaarigen Fremden erblickte, der elegant auf dem Stuhl am Tisch saß.

Seine Schuhe waren staubig, und am Saum seiner Anzughose klebten Spuren von trockenem Gras. Lebt er zufällig in einem Dschungel?

Er hob den Kopf, und seine grauen Augen fixierten mich in einem intensiven Blick. Er musterte mich von oben bis unten, und ich spürte, wie mir alle Farbe aus dem Gesicht wich. Seine Aura war gefährlich; sein Blick schrie nach Vergeltung.

Sogar mein Vater erzitterte unter seinem Blick; ich konnte spüren, wie er bebte. Wir blieben ein paar Zentimeter vor ihm stehen. Neben ihm wirkte mein Vater winzig. Was für ein vollkommen gefährlicher Mann er war.

„Komm näher.“ Ich hörte den Befehl, aber ich konnte meinen Körper nicht dazu bringen, sich zu bewegen. Ich hatte Angst, vor Entsetzen umzukippen.

„Sieh mich an!“

Ich zuckte zusammen und hob sofort den Blick, um in seine eiskalten Augen zu schauen. „Ich wiederhole mich nicht.“ Das war eine Warnung an mich. Ich nickte verstehend.

„In natura siehst du noch hübscher aus“, murmelte er und zwang sich zu einem Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. Für einen kurzen Moment wirkte er weniger gefährlich. Wie konnte ein Mann, der so gut aussah, so furchteinflößend sein, dass man ihn kaum anzusehen wagte?

Er wandte sich an den Standesbeamten. Dessen Anwesenheit hatte ich bisher gar nicht bemerkt. Auch er schien vor Angst zu zittern. „Sie können beginnen.“

Das war’s also. Ich würde mit diesem gefährlichen Fremden verheiratet werden. Niemand würde mich retten—niemand außer mir selbst… Ich kann es zumindest versuchen.

„Entschuldigen Sie, Sir… ich…“ Meine Stimme zitterte vor Angst. „Ich weiß überhaupt nicht, was hier vor sich geht. Ich werde dazu gezwungen. Ich bin keine freiwillige Braut.“ Ich blickte den Standesbeamten an, in der Hoffnung, dass er mir irgendwie helfen könnte.

„Wie kannst du es wagen?“ Die Worte wurden von einem heftigen Schlag mitten in mein Gesicht begleitet.

Meine Worte hatten meine Stiefmutter in rasende Wut versetzt. Ich hatte diesen Ausbruch eigentlich von dem gefährlichen Mann erwartet, aber er starrte mich nur ausdruckslos an.

Tränen traten mir in die Augen. Bei den Schmerzen, die ich fühlte, war mir klar, dass ihre Finger Abdrücke auf meiner Wange hinterlassen würden.

Plötzlich ging meine Stiefmutter schreiend zu Boden und hielt sich mit den Händen das Gesicht. Der dunkelhaarige Mann hatte ihr einen schweren Schlag verpasst.

Seine Nasenflügel bebten, seine Augenbrauen waren zusammengezogen. „Niemand fasst an, was mir gehört!“, donnerte er.

Er wandte sich an die Männer hinter ihm und befahl: „Schafft sie mir fort.“

„Nein, nein, verzeihen Sie mir, Herr Armstrong. Ich wollte ihr nur eine Lektion erteilen.“

Er stellte sich taub gegenüber ihren Flehen, während sie aus dem Raum gezerrt wurde.

Mein Vater öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber sogleich wieder vor Angst.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Herr Armstrong, während ich ihn fassungslos anstarrte. Ich konnte meinen eigenen Augen kaum trauen. Herr Armstrong war wütend, weil meine Stiefmutter mich geschlagen hatte? Und er war besorgt, ob es mir gut ging? Unmöglich.

Er wirkte jetzt ruhig. Seine Züge hatten sich entspannt, und sein Gesicht hatte wieder den Ausdruck von vorhin angenommen—ausdruckslose, kalte Gleichgültigkeit.

„Es geht mir gut… Danke.“ Meine Stimme war kaum zu hören.

„Gut. Nun zurück zu dem, was du gerade sagen wolltest. Du hast keinerlei Interesse an dem, was hier vor sich geht, aber unglücklicherweise kommst du aus der Sache nicht mehr heraus.“

„Aber— „

Er hob die Hand in die Luft, ein Zeichen, dass ich schweigen sollte.

„Ich gebe dir fünf Minuten, um deine Entscheidung zu treffen. Deine Zeit läuft ab jetzt.“

Sein Tonfall ließ nicht darauf schließen, dass ich überhaupt die Möglichkeit hatte, abzulehnen. Er sprach es nicht aus, aber ich wusste, dass es Konsequenzen geben würde. „Ich versichere dir, es wird dir an nichts fehlen und du wirst belohnt werden.“

„Mit Geld können Sie mich nicht kaufen, und ich werde Sie nicht heiraten.“ Ich weiß selbst nicht, woher ich den Mut nahm, nach all dem, was ich gerade miterlebt hatte, zu widersprechen.

„Das fasse ich als Beleidigung auf.“ Er sah stinkwütend aus.

Wenn man bedachte, was für ein Mann er war, nahm er sich wahrscheinlich einfach, was er wollte, ohne dafür bestechen zu müssen. Vielleicht hätte ich lieber den Mund halten sollen.

„Vier Minuten“, sagte er abfällig.

Er griff in seine Anzugtasche und holte ein Feuerzeug für seine Zigarette heraus. Dabei erhaschte ich einen Blick auf seine Waffe. Mein Herz begann noch schneller zu schlagen; ich hätte nicht gedacht, dass das überhaupt möglich war.

„Ich bin heute ziemlich gnädig gestimmt. Fahr ruhig fort.“

Die Luft im Raum veränderte sich. Sie schrie förmlich nach Gefahr, und ich wünschte mir so sehr, das alles wäre nur ein Traum und ich würde bald aufwachen. Ich sah, wie mein Vater einen Schritt nach vorne machte.

„Herr Armstrong, wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich gerne kurz mit meiner Tochter sprechen.“ Ich wollte überhaupt nicht hören, was mein Vater zu sagen hatte. Er zog mich in eine Ecke des Raumes, um über weiß Gott was zu reden.

„Hör zu, Avery, das war nicht meine Idee.“

„Aber du hast ihr zugestimmt“, hielt ich dagegen.

„Ich habe dich all die Jahre großgezogen; hilf mir nur dieses eine Mal. Ich stehe vor dem Bankrott. Celia hat das alles als Ausweg vorgeschlagen. Wenn du jetzt ablehnst, sind wir alle dem Untergang geweiht. Du musst ihn heiraten“, erklärte er es als Befehl.

„Ich werde ihn nicht heiraten!“, schrie ich ihn voller Abscheu an.

„Sei still, wir wollen nicht, dass er uns hört“, flüsterte er und blickte verängstigt zurück. „Du wirst ihn heiraten, ob freiwillig oder nicht. Du hast keine Wahl.“

„Du kannst mich nicht zwingen.“

Mein Vater sah mich mit einem hämischen Lächeln an und sagte: „Ich kann es und ich werde es tun. Wir haben dich großgezogen; es ist an der Zeit, dass du uns das zurückzahlst. Andernfalls kannst du all die Sachen deiner Mutter, das Erbe, das sie dir hinterlassen hat, als verloren betrachten.“

Ich spürte, wie eine zentnerschwere Last meine Brust zusammenschnürte, als ich diese Worte hörte. Das meinte er doch nicht ernst, oder?

„Das kannst du nicht tun! Wie kannst du von mir erwarten, dass ich jemanden heirate, den ich noch nie im Leben getroffen habe? Hast du auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich das überhaupt will?“

Sein Lächeln ließ mir den Atem stocken. „Natürlich nicht, es war dir schon immer egal. Du hast zugelassen, dass deine Frau und deine Tochter mich behandeln wie den letzten Dreck, und du hast nie ein Wort gesagt oder irgendetwas getan, um mir zu helfen. Stattdessen machst du gemeinsame Sache mit ihnen, um mein Leben zur Hölle zu machen.“

Er nahm meine Hand ziemlich grob in seine. „Lass uns das alles hinter uns lassen und von vorne anfangen.“

Was hätte ich früher dafür gegeben, diese Worte zu hören. Aber er meinte kein einziges davon ernst. „Ich könnte der Vater sein, den du dir immer gewünscht hast, wenn du mir dieses eine Mal hilfst. Ich meine jedes Wort so, wie ich es sage.“

Ich gab den Versuch auf, weiterzuargumentieren. Ich wandte mich um, um den Mann anzusehen, den ich heiraten sollte. Warum konnte ich nicht einfach aus diesem furchtbaren Albtraum aufwachen?

AIDENS POV

„Komm näher.“

Ich wollte ihr Gesicht sehen. Ich wollte die Schönheit, die ich von Weitem beobachtet hatte, ganz aus der Nähe betrachten.

Sie blieb starr auf ihrem Platz stehen, den Blick wie gebannt auf den Boden gerichtet, als wäre sie schrecklich verängstigt oder schüchtern.

„Sieh mich an!“

Sie erschrak. Sie sah mich sofort an, ihre Augen schimmerten feucht von zurückgehaltenen Tränen. Sie hatte nackte Angst.

„Gut. In natura siehst du noch hübscher aus.“ Ich blickte zum Standesbeamten. „Sie können beginnen.“

„Entschuldigen Sie, ich weiß überhaupt nicht, was hier vor sich geht, und ich will mit all dem nichts zu tun haben.“ Die Stimme kam von dem zierlichen, unschuldig wirkenden Mädchen neben mir.

So viel Mut von einer so zierlichen Kreatur. Natürlich wusste ich, dass sie von nichts eine Ahnung hatte. Das war an ihrem Gesichtsausdruck und ihrer Körpersprache überdeutlich zu erkennen.

Ich wollte meiner Braut gerade antworten, als die Kingston-Frau ihr einen heftigen Schlag auf ihr hübsches Gesicht verpasste. Da sah ich nur noch rot.

„Was hast du da gerade getan?“, stieß ich jedes einzelne Wort mühsam durch die zusammengebissenen Zähne aus.

„Ich wollte ihr nur Vernunft einbläuen. Sie ist— „

„Halt verdammt noch mal den Mund! Niemand fasst an, was mir gehört.“

Ich gab Stephan ein Zeichen. „Erteil ihr eine Lektion.“

Ohne Fragen zu stellen, zerrte er sie nach draußen.

„Blöde Hexe!“, kreischte eine der Kingston-Gören und stürzte nach vorne.

Sie verstummte augenblicklich, als ihr eine Waffe an den Kopf gepresst wurde. Aus irgendeinem Grund wollte ich Avery vor diesen Leuten beschützen. Tief im Inneren wusste ich, dass ich selbst kein Stück besser war.

„Du hast fünf Minuten.“

Ein einziges kurzes Gespräch, und sie hatte mich schon verdammt noch mal wütend gemacht.

Herr Kingston bat um ein privates Gespräch mit seiner Tochter.

Es ist an der Zeit, so brutal wie möglich vorzugehen und diesen Kingstons einzubläuen, sich niemals mit mir anzulegen. Ich gab Steve ein Zeichen; weitere Männer kamen herein, bereit, auf meinen Befehl hin zu handeln. Ich hatte ihnen zwar eine Wahl gelassen, aber ich hatte nie angeboten, auf eine Strafe zu verzichten.

„Deine Zeit ist um!“ Ich wandte mich an den Standesbeamten. „Lasst die Vermählung beginnen!“, verkündete ich lautstark.

Ich gab Avery ein Zeichen, zu mir zu kommen. Ich beobachtete, wie sie den Raum musterte und die Veränderung wahrnahm. Sie spürte die Gefahr. Ich hoffte, sie würde die richtige Entscheidung treffen.

In ihr Schicksal ergeben, kam sie zu mir herüber. Wir wurden innerhalb von Sekunden verheiratet. Ich dachte mir, ein Lächeln würde sie vielleicht ein wenig beruhigen, aber sie sah mich an, als wären mir Hörner gewachsen.

„Es ist Zeit, nach Hause zu gehen, Ehefrau.“

„Ich muss die Sachen meiner Mutter holen.“ Ich wusste genau, dass sie damit nicht Frau Kingston meinte. Ich hatte mir vor meiner Ankunft hier gründliche Informationen über sie eingeholt.

„In Ordnung, Steve wird dich begleiten.“ Zu meiner Überraschung widersprach sie nicht einmal. Nach etwa dreißig Minuten waren wir aus dem Haus.

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