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6. Showdown im Garten

last update publish date: 2026-06-05 12:17:51

AIDENS POV

„Boss! Was ist los mit Ihnen?“ Stephan eilte sofort an meine Seite, tiefe Besorgnis stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ich war schon wieder weggenickt, mein Körper kämpfte immer noch gegen die Giftstoffe an.

„Lana… Sie—„ Ich brachte die Worte kaum heraus. „Sorg dafür, dass sie nie wieder einen Fuß in dieses Haus setzt.“

Sie hatte es tatsächlich gewagt, mich unter Drogen zu setzen. Das war ein verdammt gefährliches, lebensbedrohliches Spiel, das man besser nicht mit einem Mafia-Boss spielte. Ich befand mich mitten in einer blutigen Fehde mit den Martins; Angreifbarkeit war ein Luxus, den ich mir im Moment absolut nicht erlauben konnte.

„Ja, Sir.“ Ich sah ihm an, wie sehr er den Drang unterdrücken musste, nachzufragen, was genau vorgefallen war.

„Avery… Wo ist sie?“

„Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, hat sie sich nach Ihrem Verbleib erkundigt. Ich schätze, Sie sind ihr vorhin über den Weg gelaufen.“

Die Erkenntnis traf mich wie ein physischer Schlag. Der Nebel in meinem Kopf war schlagartig verflogen. Sie hatte mich gesehen. Sie hatte mich und Lana gesehen.

„Sie ist wahrscheinlich auf ihrem Zimmer“, fuhr Stephan fort. „Ihr Sicherheitsteam und ihr Wagen sind jedenfalls noch hier.“

Er stützte mich praktisch den ganzen Flur entlang und half mir aufs Bett. Ich wusste selbst nicht, wie ich meine Beine überhaupt in Bewegung gesetzt hatte, und jetzt fühlte sich mein Arm wie festgefroren um seinen Nacken an, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Mein Kopf dröhnte vor unerträglichen, hämmernden Schmerzen.

„Ich habe Sie, Boss“, murmelte Stephan.

Ich liess ein lautloses Danke folgen und kämpfte verbissen darum, die Augen offenzuhalten. Die Droge in Kombination mit dem exzessiven Alkoholkonsum der letzten Nacht setzte meinem Körper massiv zu.

„Boss, unsere Informanten melden, dass die Martins einen unmittelbaren Angriff und Raubüberfall auf unser Lagerhaus in der Bronx planen“, flüsterte Stephan, und seine Stimme wurde schlagartig todernst. „Ich habe mein Team bereits mobilisiert und die Männer vor Ort alarmiert, die Absicherung dort steht also. Wir rücken in einer Stunde zur schweren Verstärkung aus.“

Ich versuchte sofort, mich vom Bett hochzustemmen, als ich die Nachricht hörte, aber meine Muskeln verweigerten den Dienst. „Stephan, hilf mir auf.“

„Machen Sie sich keine Sorgen, Boss. Wir haben das im Griff. Ruhen Sie sich aus, ich weihe Sie in alles ein, sobald wir die Lage unter Kontrolle haben.“ Er drehte sich um und ging, und noch bevor ich protestieren konnte, driftete ich wieder in einen tiefen, bleiernen Schlaf ab.

Ein ununterbrochenes, gellendes Klingeln riss mich schließlich wieder wach. Glücklicherweise war der Schleier in meinem Kopf weg und ich fühlte mich deutlich besser.

Ich schnappte mir das Telefon. „Ja? Wie sieht es aus, Stephan?“

„Es war eine Falle, Boss. Ein reines Ablenkungsmanöver“, ertönte Stephans Stimme am anderen Ende der Leitung, gepresst und atemlos. „Das Anwesen wird angegriffen. Wir schaffen es nicht rechtzeitig zurück—die meisten unserer Wachen wurden abgezogen, um die Verteidigung in der Bronx zu verstärken.“ Er machte eine kurze Pause und schluckte schwer, um zu Atem zu kommen. „Ich habe bereits die Moralis kontaktiert. Sie sind näher dran und werden früher eintreffen. Da Sie gesundheitlich angeschlagen sind, musste ich eigenmächtig Vorkehrungen für Ihre Sicherheit und die der Madam treffen. Auch der Schutz im Krankenhaus, in dem Ihre Großmutter liegt, wurde massiv verstärkt.“

„Hast du Simon mitgenommen?“, verlangte ich zu wissen, denn ich musste erfahren, ob mir wenigstens mein zweitbester Vollstrecker auf dem Gelände geblieben war.

„Ja, Sir. Es tut mir leid, Boss… Ich hätte das voraussehen müssen. Ich versuche schon die ganze Zeit, Mrs. Armstrong zu erreichen, aber sie geht nicht an ihr Telefon. Ich hatte gehofft, sie versteckt sich in Ihren Räumlichkeiten. Berry behauptet, er kann sie nirgends finden.“

Ich war vom Bett aufgesprungen, noch bevor mein Gehirn die Bewegung überhaupt registrieren konnte. Das Adrenalin schoss mir durch die Adern und fegte die letzten Reste des Beruhigungsmittels beiseite. Ich musste dafür sorgen, dass sie in Sicherheit war, versteckt vor diesem ganzen Wahnsinn. Ich stürmte den Flur entlang zu ihrem Zimmer und stieß die Tür ohne anzuklopfen auf.

„Avery, bist du—„

Leer. Ich überprüfte ihr Badezimmer, stürzte dann auf den Balkon. Nichts. Mein Herz begann wie verrückt gegen meine Rippen zu hämmern. Ich war noch nie in meinem ganzen Leben so unvorsichtig gewesen. Das einzige Mal, dass ich meine Wachsamkeit schleifen ließ, war Avery diejenige, die für meinen Fehler bezahlte.

„Berry, habt ihr sie endlich lokalisiert?“, knurrte ich ins Telefon und umklammerte das Gerät so fest, dass das Display zu zerspringen drohte.

„Nein, Sir.“

„Ich finde sie selbst.“ Ich stürmte auf wackeligen Beinen an ihm vorbei, angetrieben von purem Instinkt.

„Boss, ich kann Sie so nicht da rauslassen“, protestierte Berry und stellte sich mir in den Weg. „Sie sind immer noch angeschlagen. Das ist zu gefährlich.“

„Gefährlich ist es nur, wenn du versuchst, mir Vorschriften zu machen“, schnauzte ich ihn an und trat drohend einen Schritt näher. „Du hattest eine einzige Aufgabe. Wie schwer kann es bitte sein, einen so zierlichen Menschen abzusichern?“

Die Verachtung in meiner Stimme sprach Bände. Er trat sofort beiseite und senkte den Kopf.

Genau in dem Moment, als ich die Schwelle nach draußen in die Nachtluft übertrat, vibrierte mein Telefon heftig in meiner Handfläche. Es war Avery.

„Hallo? Aiden, ich bin draußen… irgendwo im Garten“, weinte sie, ihre Stimme zitterte vor nackter Angst. „Ich kann es nicht genau erklären. Ich werde gejagt. Ich weiß nicht, was hier vorgeht, und mein Arm tut so schrecklich weh—„

*Sie wurde angeschossen.* Der Gedanke ließ mein Blut gefrieren.

„Wann kommt die Polizei?“, wimmerte sie. „Ich weiß nicht, ob ich noch lange bei Bewusstsein bleiben kann, ich—„

Die Leitung brach abrupt ab.

„Avery! Avery! Nein, nein, nein… Avery!!!“, brüllte ich in den Hörer, aber es war nur noch ein Rauschen zu hören. Das schlimmste aller Szenarien schoss mir durch den Kopf.

Ich musste sie finden, bevor sie es taten. „Berry, trommle jeden verfügbaren Mann im Garten zusammen!“, schrie ich über meine Schulter. So schnell es mein geschundener Körper zuließ, sprintete ich blindlings in das dunkle Labyrinth des Anwesens.

AVERYS POV

Ich muss wirklich zugeben, der Privatkoch des Anwesens bereitet immer fantastische Gerichte zu. Da ich dringend den Kopf freibekommen musste, hatte ich mein Abendessen mit nach draußen an den Rand des Pools genommen, in der Hoffnung, die frische Luft würde den Schmerz betäuben. Ich hatte immer noch kein einziges Wort von Aiden gehört. Es versetzte mir einen kleinen Stich, dass er nicht einmal versucht hatte, mich zu suchen oder mir eine Erklärung zu liefern, aber ehrlich gesagt war das auch nicht weiter überraschend.

Die kühle Nachtluft und die Musik, die aus meinem Telefon drang, bewirkten kleine Wunder für meine strapazierten Nerven. Es dauerte nicht lange, bis sich die Erschöpfung bemerkbar machte. Ich beschloss, dass es endlich Zeit war, mein Zimmer aufzusuchen, und stand auf—genau in diesem Moment erblickte ich eine dunkle Silhouette, die an den Hecken vorbeihuschte. Ich riss den Kopf herum, aber die Schatten waren leer. *Dein Verstand spielt dir nur einen Streich*, redete ich mir ein und versuchte, meinen rasenden Puls zu beruhigen.

Plötzlich schrillte die Alarmanlage des Anwesens los. Weit entfernte Schreie hallten über das Gelände, dicht gefolgt vom unverkennbaren, furchteinflößenden Knallen von Schüssen. Es fühlte sich eins zu eins an wie in einem Horrorfilm. Panik schnürte mir die Kehle zu, und um alles noch schlimmer zu machen, suchte sich mein linker Arm genau diesen Moment aus, um mit einem heftigen, pochenden Schmerz zu reagieren.

*Gott, bitte. Bitte, Gott.*

Wer auch immer da draußen einen Angriff startete, er sollte sich bloß von mir fernhalten. Ich hatte absolut keine Lust, von einer Querschläger-Kugel getroffen zu werden oder mein Leben wegen eines brutalen Mafia-Krieges zu verlieren.

Schwere Schritte knirschten ganz in der Nähe auf dem Kies. „Sicherheit?“, rief ich laut und machte einen panischen Schritt nach vorne. „Hilfe! Ich bin hier drüben!“

Doch als die Gestalt ins Licht trat, war es keiner von Aidens Männern im Anzug. Der Mann war ein Fremder—breit gebaut, schwer bewaffnet und mit einem tödlichen Gesichtsausdruck, der sofort klarmachte, dass er hier war, um Jagd auf Menschen zu machen.

Ich drehte mich auf dem Absatz um und rannte so schnell, wie meine Beine mich noch nie getragen hatten. Ich wich hinter die dicken Steinsäulen aus und schaffte es, in einen dicht bewachsenen Teil des Gartens zu schlüpfen, um Zeit zu gewinnen. Mit zitternden Händen nestelte ich nach meinem Telefon und versuchte, Berry anzurufen—den Chef des Sicherheitsteams, den Aiden zu meinem Schutz abgestellt hatte—aber die Verbindung kam einfach nicht zustande. In meiner Verzweiflung wählte ich die Nummer der einzigen Person, mit der ich eigentlich nicht mehr sprechen wollte. Aiden.

Er hob beim ersten Klingeln ab. „Hallo? Aiden, ich bin draußen… irgendwo im Garten“, schluchzte ich, die Worte sprudelten in panischer Hast aus mir heraus. „Ich kann es nicht genau erklären. Ich werde gejagt. Ich weiß nicht, was hier vorgeht, und mein Arm tut so schrecklich weh… Wann kommt die Polizei? Ich weiß nicht, ob ich noch lange bei Bewusstsein bleiben kann, ich—„

Der Bildschirm wurde schwarz. Der Akku war leer.

„Nein, nein, nein… warum ausgerechnet jetzt?!“, schrie ich auf und drückte verzweifelt auf den Power-Button, aber das Display blieb leblos.

Ich war völlig auf mich allein gestellt. Ich musste einen Fluchtweg finden. Ich spähte durch das dichte Gebüsch, um sicherzugehen, dass die Luft rein war, und rannte den Steinpfad hinunter, nur um abrupt abzubremsen, als sich eine massive Silhouette direkt vor mir aufbaute. Ich schnappte nach Luft und wirbelte herum, um in die entgegengesetzte Richtung zu sprinten.

„Noch ein einziger Schritt und ich jage dir eine Kugel durch die Wirbelsäule“, dröhnte eine raue Stimme hinter mir.

Ich erstarrte vollkommen. Eiskalte Angst schoss mir durch die Glieder. Sollte meine Geschichte wirklich so enden? Lieblos, unglücklich, mit einer Liste unerreichter Ziele und ohne jemals eine eigene Familie gegründet zu haben? Ich schloss die Augen und flüsterte ein letztes, verzweifeltes Gebet.

Ein ohrenbetäubender Knall zerriss die Stille. Das war's, dachte ich und stellte mich auf den Aufprall ein. Das ist das Ende.

„Avery!“

Ich riss die Augen auf, als ich diese vertraute Stimme hörte. Ich wirbelte herum. Aiden stand am Ende des Pfades, eine rauchende Waffe in der Hand. Der riesige Kerl, der mich in der Falle gehabt hatte, lag bereits leblos auf dem Kiesboden.

Die nackte Angst, die meine Muskeln gefangen gehalten hatte, löste sich endlich. Ich rannte auf Aiden zu, so schnell meine zitternden Beine mich trugen, während meine Knie bei jedem Schritt einzuknicken drohten.

Aiden überbrückte die Distanz und fing mich auf, noch bevor ich auf dem Boden aufschlug. „Bleib bei mir, Avery! Untersteh dich, die Augen zu schließen!“

Warum um alles in der Welt schrie er mich so an? Mein Kopf dröhnte wie verrückt, und seine dröhnende Stimme machte den Schwindel nur noch schlimmer. Ich wollte diesem Mann am liebsten an den Kopf werfen, dass er absolut kein Recht hatte, mir vorzuschreiben, wann ich schlafen durfte und wann nicht.

Er griff nach unten, umfasste meinen rechten Arm fest, um mich an seine Brust zu ziehen, und ein weißglühender Schmerz durchschoss meinen gesamten Oberkörper.

„Lass los!“, brachte ich mühsam hervor, meine Worte klangen völlig verwaschen. „Es tut weh… warum tut das so weh?“

In der Ferne peitschten weitere Schüsse durch die Nacht, deren Geräusche immer dumpfer wurden, während eine schwere Dunkelheit begann, sich über mein Sichtfeld zu legen. Wann würde dieser Albtraum endlich ein Ende haben? Würde ich hier jemals wirklich in Sicherheit sein? Aidens panische, dröhnende Befehle waren das Letzte, was ich wahrnahm, bevor die Welt um mich herum vollkommen schwarz wurde.

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