Beranda / Werwolf / Die Luna, die er ablehnte / Kapitel 5: Das vergiftete Mahl

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Kapitel 5: Das vergiftete Mahl

last update Tanggal publikasi: 2026-03-23 22:08:10

Orianas Sicht

Als er die Gabel hob, hörte ich auf zu atmen.

Das Licht der Kristallleuchter fiel auf seine langen Finger. Die silberne Gabelspitze nahm ein kleines Stück Fleisch auf, glänzend von dunkler Soße. Seine Lippen öffneten sich, das Fleisch verschwand in seinem Mund. Einmal kaute er. Zweimal.

Beim dritten Mal weiteten sich seine Augen.

Er legte die Gabel ab. Langsam, so langsam, als würde er etwas ganz genau überprüfen. Dann stand er auf – ebenfalls langsam, so langsam, dass der ganze Speisesaal den Atem anhielt. Im nächsten Moment kippte der Silberteller von seinem Platz, Metall schlug auf Stein, der Aufprall zerriss die Stille. Das Essen spritzte über den Tisch, die Soße rann über die Tischdecke, tropfte auf den Teppich zu seinen Füßen, dunkelbraune Flecken, die sich sofort ausbreiteten.

»Mein Alpha –« Ashley sprang auf, der Stuhl kratzte schrill über den Boden.

Aber er sah sie nicht an. Er sah mich an.

Seine Hand presste sich auf seinen Magen, die Knöchel weiß vor Anspannung. Kleine Schweißperlen traten auf seine Stirn. Seine Lippen bewegten sich, die Stimme war nicht laut – aber sie ließ die Temperatur im Raum unter null sinken.

»Wer hat das zubereitet?«

Diese zwei Worte drückten auf meine Knie, ließen sie fast nachgeben. Die Verbindung in meiner Brust zuckte auf – Schmerz, Hitze, und etwas anderes, das ich nicht benennen konnte. Er sah mich durch die Verbindung hindurch an, das spürte ich. Er fragte nicht nur nach dem Essen.

»Das – das kann nicht sein«, Ashleys Stimme von irgendwo links, zitternd, perfekt, gespielte Bestürzung. »Köchin Gracie dient dieser Familie seit zwanzig Jahren, sie würde niemals –«

»Wer hat dir geholfen?«

Er unterbrach sie. Drei Worte. Eiskalte Klingen, die direkt durch die Luft schnitten.

Gracie stand an der Tür, ihr Gesicht so weiß wie Kreide. Sie öffnete den Mund – aber Ashley war schneller.

»Sie hat gesagt, sie waren allein in der Küche.«

Ihr Finger zeigte direkt auf mich.

»– Omega Oriana.«

Diese vier Worte bohrten sich in meine Ohren, wie vier Nägel, die in meine Schläfen getrieben wurden. Mein Körper wurde eiskalt, so kalt, dass ich meine Finger nicht mehr spürte, so kalt, dass mein Herz für einen Schlag aussetzte.

»Wachen!« Ashleys Stimme schoss plötzlich in die Höhe, schrill und scharf. »Nehmt sie fest!«

Mein Körper war schneller als mein Verstand. In dem Moment, als sie aus dem Schatten trat, war ich schon aus meinem Versteck hinter der Säule getreten – ins Licht, in die Blicke aller. Hunderte Augen bohrten sich in mich, mehr als in der Nacht der Zeremonie, kälter. In diesen Augen sah ich Schadenfreude, Abscheu, erwartungsvolle Gleichgültigkeit.

Und seine. Graublau, wie vor dem Sturm – aber jetzt brodelte darin etwas Dunkles, das ich nicht deuten konnte. Seine Augen.

Ich hob den Kopf und sah ihm direkt in die Augen.

»Ich war es nicht.«

Drei Worte. Kein Zittern. Kein Ausweichen. Ich ließ den Blick nicht los, ich sah ihn an, und ließ die Verbindung meine ganze Offenheit in seine Brust strömen.

Seine Pupillen verengten sich. Nur ganz wenig, fast unsichtbar. Aber ich sah es. Ich sah es.

»Du warst es nicht?« Ashleys Lachen von der Seite, schrill, eisig, mit perfekt kontrollierter Tonlage. »Du hast im Dunkeln gelauert und uns belauscht – und du willst mir sagen, du hast nicht darauf gewartet, dass er stirbt?«

Sie trat auf mich zu. Ihre bernsteinfarbenen Augen glühten wie geschmolzenes Kupfer. Sie hob die Hand – ihr Fingernagel kratzte über meine Wange, ein brennender Schmerz, Blut trat aus, heiß wie eine glühende Zange. Dann ihre Handfläche, voll gegen meine linke Wange geschlagen, so hart, dass mein Kopf nach rechts schleuderte und weiße Blitze durch mein Sichtfeld zuckten.

»Knie nieder«, sagte sie leise.

Ich kniete nicht.

Meine Beine zitterten, meine Knie waren weich – aber ich kniete nicht. Ich hob mein Gesicht wieder und sah ihn an.

»Schmeckst du es nicht selbst?« Meine Stimme war heiser von dem Schlag, aber klar – klarer, als ich selbst erwartet hatte. »Der Geschmack, den du schmeckst – der ist dir vertraut. Du isst das jeden Tag. Du bist nicht vergiftet. Du wurdest nur –« mein Blick glitt zu Ashley, »– dazu gebracht, zu glauben, dass du vergiftet bist.«

Ashleys Pupillen weiteten sich für einen Herzschlag. Nur einen. Aber ich hatte es gesehen. Dann war ihr Gesicht wieder wie aus Stein – schneller, als ich blinzeln konnte.

»Du bist verrückt«, sagte sie. »Wachen, schafft sie weg.«

Aber bevor sie gehorchten, hatte ich meinen Blick wieder auf ihn gerichtet.

»Glaubst du mir?«

Diese Frage war nur ein Flüstern. So leise, dass nur die Verbindung zwischen uns sie tragen konnte. So leise, dass ich nicht wusste, ob er sie wirklich gehört hatte.

Er sah mich an. In diesen graublauen Augen wütete ein Sturm, und etwas Schweres brach darin zusammen. Seine Hand lag noch immer auf seinem Magen, die Knöchel weiß.

Er öffnete den Mund.

»Sperrt sie ein. Bis der Rat entscheidet.«

Nicht »hinrichten«. Sondern »einsperren«.

Die Verbindung in meiner Brust vibrierte – wie der letzte Pulsschlag eines sterbenden Herzens.

Die Wachen packten meine Arme und zerrten mich nach draußen. Auf dem Weg an ihm vorbei streifte mein Ärmel seinen Arm – nur für einen Augenblick – aber wir beide zuckten zusammen. Sein Finger zuckte. Eine winzige Bewegung, als wollte er ihn heben, ihn festhalten – und dann drückte er ihn wieder nieder.

Ich wurde hinausgezerrt.

Ashleys Flüstern verfolgte mich, leicht wie eine Schlangenzunge:

»Die Hölle wartet auf dich, kleines Ding.«

Zwölf Stunden.

Die Decke des Kerkers war niedrig, so niedrig, dass ich den Kopf nicht aufrichten konnte, wenn ich saß. Aus den Steinritzen tropfte Wasser – eins, zwei, jeder Tropfen hallte in der Stille nach. Die Kälte kroch in meine Knochen, so kalt, dass mir nicht einmal mehr die Kraft zum Zähneklappern blieb.

Aber das war nicht das Schlimmste.

Das Schlimmste war, dass er »einsperren« gesagt hatte. Nicht »hinrichten«. In diesem einen Wort hatte die Verbindung für einen winzigen Moment gelebt – wie ein fast erloschener Funke, der noch einmal aufflammte.

Er zögerte. Er zweifelte.

Ich kauerte im Dunkeln, die Knie an die Brust gezogen, umklammerte meine letzte Körperwärme, und wartete auf das Urteil am nächsten Morgen – Hinrichtung, Verbannung, oder etwas anderes. Aber in einer Ecke meines Herzens, unter der Asche, glühte ein fast unsichtbarer Funke.

Dann klirrte die eiserne Tür.

Das leise Geräusch von Schlüsseln, die aneinander schlugen, ohrenbetäubend in der Stille. Der Riegel rutschte heraus. Die hölzerne Tür öffnete sich einen Spalt breit – eine welke Hand schob sich hindurch, am Handgelenk Mehlstaub.

»Oriana.«

Gracie.

»Los«, ihr Flüstern war kaum mehr als ein Hauch. »Jetzt.«

Ich fragte nichts. Ich stand auf, ohne auf das Kribbeln in meinen Beinen zu achten, schlüpfte durch den Spalt – meine nackten Füße trafen auf den kalten Stein, feuchtes Moos ließ meine Zehen verkrampfen. Sie drückte mir ein Paar alte Stoffschuhe in die Hand – die Sohlen waren dünn, aber besser als barfuß über Schotter zu rennen.

»Warum hilfst du mir?«

Sie schob mich den Kerkerausgang entlang, ohne zurückzusehen.

»Weil mir auch mal jemand geholfen hat. Damals, als ich jung war.«

»Aber wenn man dich entdeckt –«

»Dann wird man mich entdecken.« Sie drehte sich kurz um, ihre trüben Augen blitzten im Halbdunkel. »Aber ich lasse dich nicht hier sterben. Nicht so.«

Sie schob mich zur Seitentür – eine schmale Pforte, die zum Hinterwald führte, normalerweise nur für Brennholz. Draußen war es schwarz wie in einem Grab, die kalte Nachtluft schlug mir ins Gesicht, der Geruch von feuchter Erde und verrottenden Blättern.

»Lauf. Hör nicht auf. Sieh nicht zurück.«

»Gracie –«

»Lauf!«

Das Wort traf mich wie eine Peitsche. Ich rannte los.

Der Wald öffnete sich vor mir wie ein schwarzer Rachen. Zweige rissen an meinen Armen und meinem Gesicht, Steine bohrten sich durch die dünnen Sohlen – aber ich wurde nicht langsamer. Hinter mir keine Rufe, keine Fackeln, keine verfolgenden Schritte – aber ich konnte nicht riskieren, dass es nur Einbildung war. Ich rannte, rannte, bis meine Lungen brannten, bis meine Knie wackelten, bis meine Sicht verschwamm.

Dann blieb ich stehen, lehnte mich gegen einen Baumstamm und übergab mich. Mein Magen war leer – nur Magensäure stieg in meine Kehle, ätzend und bitter.

Ich hob den Kopf.

Der Mond hing am Himmel. Silbern, kalt, voll und rund – genau wie in jener Nacht. Derselbe Mond. Dasselbe Rudel. Derselbe Alpha.

Aber ich war nicht mehr dort.

Ich sank an den Fuß des Baumes, meine zitternde Hand presste sich auf meine Brust. Die Verbindung war noch da – schwach pulsierend, wie ein Faden, der fast zerrissen war.

Ich schloss die Augen.

Lebendig. Ich war noch lebendig. Solange ich lebte, gab es einen nächsten Schritt.

Aber was ich nicht wusste – während meine Hand auf meiner Brust lag, zentimeterweit entfernt von meinem flachen Bauch –

Dort war jetzt noch nichts.

Doch schon bald würde ein Leben in diesem verstoßenen Körper wachsen. Ein Kind, das weder Wolf noch Vater hatte. Ein Kind, das vom ganzen Rudel verflucht sein würde.

Das Mondlicht fiel auf mich herab – kalt wie ein bereits gesprochenes Urteil.

Und ich hatte gerade erst begonnen zu fliehen.

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