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Die Luna, die er ablehnte
Die Luna, die er ablehnte
Auteur: Elegant writing

Kapitel 1: Vom Mond erwählt – zur Hölle verdammt

last update Date de publication: 2026-03-23 21:19:07

Orianas Sicht

Der Mond hat mich erwählt.

Mich. Das Omega ohne Wolf. Das Mädchen, das nur dazu da war, Becher zu tragen, Wein nachzuschenken und im Schatten zu verschwinden.

Und jetzt kommt Alpha Anton auf mich zu. Jeder seiner Schritte knirscht auf dem Stein, jeder klang wie ein Hammer auf meinem Brustkorb. Hunderte Augen starren mich an – Schock, Hohn, Mitleid.

Aber mein einziger Gedanke ist:

Ich wäre lieber gestorben, als dass der Mond mich erwählt hätte.

Denn jetzt stehe ich hier, und es gibt kein Entkommen.

Vor drei Minuten war ich noch ein Schatten.

Meine Finger umklammerten das silberne Tablett, die Knöchel weiß vor Anspannung. Die Becher mit Mondwein zitterten – weil meine Hände zitterten. Ich hielt den Kopf gesenkt, wie ich es gelernt hatte, seit ich laufen konnte.

Lass dich nicht sehen. Lass dich nicht hören. Steh nicht dort, wo du nicht hingehörst.

Die Regeln eines Omegas. Eines wolflosen Wesens.

Vor mir standen die unverpaarten Frauen des Rudels in einer langen Reihe. Seide, zarter Schmuck, erhobene Köpfe. Töchter von Rang. In strahlendem Mondlicht, als wären sie für diesen einzigen Moment gezüchtet worden.

Ich roch nach Schweiß und Seife. Ich war nur die Dienerin. Die unsichtbare.

Die ersten sechzehn Mädchen traten in den heiligen Kreis. Nichts geschah. Die Runen blieben tot. Die Ältesten murmelten, ihre Gesichter wurden steinerner. Alpha Anton erhob sich von seinem Thron – ich dachte, er würde gehen. Sein Kiefer war so angespannt, dass ich die Wut fast riechen konnte.

Aber er ging nicht zum Ausgang. Er ging zu den Mädchen.

Und als er an mir vorbeischritt – da traf es mich.

Ein glühender Haken riss durch meine Brust. Keine Vorwarnung. Kein langsames Aufbauen. Einfach ein Schmerz, so scharf und tief, dass mir die Becher aus den Händen glitten. Sie zerschellten auf dem Stein, und der Mondwein spritzte wie Blut über den Boden.

Dann leuchtete der Boden unter mir.

Die Runen erwachten. Silbernes Feuer schoss aus den Ritzen, umschlang meine Knöchel, kroch meine Beine hinauf – heiß, brennend, als würde der Mond selbst in meine Venen fließen. Jede Faser meines Körpers vibrierte. Etwas in mir erwachte – wild, fremd, nicht von mir.

Und dann hörte ich die Worte, die mein Schicksal besiegelten:

»Der Mond hat gewählt.«

Ich hob den Kopf.

Alpha Anton sah mich an. Nicht die Mädchen. Mich. Die Wertlose. Die Unsichtbare.

Seine Augen waren graublau, wie ein Sturm über dem Meer. Aber in ihnen tobte etwas, das ich nicht deuten konnte – Schock, Unglaube ... und etwas anderes. Etwas Raubtierhaftes. Etwas, das mich erschauern ließ.

Sein Geruch veränderte sich. Der kalte Duft von Zedernholz und Rauch vermischte sich mit einer süßlichen, animalischen Wärme. Sein Wolf drängte an die Oberfläche – ich konnte es spüren.

»Unmöglich«, sagte er. Seine Stimme klang wie zerbrechendes Eis.

Ein Ältester wollte etwas sagen, aber Anton schnitt ihm mit einem einzigen Blick das Wort ab.

»Ich brauche eine Bestätigung.«

Dann kam er auf mich zu.

Langsam. Jeder Schritt ein Urteil. Fünf Schritte. Drei. Einer.

Sein Körper warf einen Schatten über mich, der das Mondlicht auslöschte. Mein Rücken prallte gegen die kalte Steinsäule hinter mir. Kein Ausweg.

Er beugte sich vor. Sein Atem streifte meinen Hals – heiß, schwer, viel zu nah.

»Komm mit mir«, flüsterte er.

Seine Stimme war tief, rau, und sie brannte auf meiner Haut.

Ich warf einen Blick über den Saal. Suchte nach jemandem, der eingreifen würde. Einem freundlichen Blick. Einer Hand, die mich festhielt. Irgendetwas.

Niemand rührte sich.

Also folgte ich ihm.

Durch kalte Gänge, durch Schatten, die sich wie Finger um mich legten. Sein Rücken drei Schritte vor mir, die Muskeln unter dem Stoff angespannt. Sein Geruch verfolgte mich – unausweichlich, bedrängend.

Die Tür fiel hinter mir ins Schloss. Der Riegel klickte.

Er drehte sich um.

Das Mondlicht fiel schräg durch ein hohes Fenster und zeichnete sein Gesicht halb in Licht, halb in Dunkel. Sein Atem ging tiefer als zuvor – nur ein kleines Detail, aber ich hörte es.

Und ich roch es. Diese süßliche, wilde Wärme wurde stärker.

Dann sagte er nur zwei Worte:

»Zieh dich aus.«

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