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Funf

Author: Bethel
last update publish date: 2026-09-01 19:43:10

„Was … was hast du gesagt?“, brachte ich mühsam hervor, meine Kehle wie zugeschnürt. Mein Verstand sträubte sich, weigerte sich, den Laut, die Bedeutung zu verarbeiten. Das konnte nicht wahr sein. Das war der Höhepunkt meines Traums, der Moment, nach dem ich mich so sehr gesehnt hatte, trotz aller Zweifel, trotz aller grausamen Worte.

Langsam drehte er den Kopf, sein Blick ruhte endlich auf mir, gefühllos und ohne Wärme.

„Ich sagte“, wiederholte er mit kalter, methodischer Stimme, „ich kann dich nicht als meine Luna akzeptieren.“

Meine Sicht verschwamm, die Gesichter in der Menge verschwimmen zu einem undeutlichen Schleier. Leises Gemurmel begann, ein tiefes Summen wie ein Schwarm wütender Bienen. Es schwoll an, von einer kleinen Welle zu einer regelrechten Flut, die mich überrollte, jedes Flüstern ein stechender Stachel.

„Sie ist zu … dick, um Luna zu sein“, zischte jemand, das Wort durchschnitt das Summen wie ein Messer.

„Sieh sie dir an! Eine Luna sollte anmutig sein, nicht … so.“

„Die Gefährtin des Alpha-Königs? Sie würde das Rudel beschämen!“

Gelächter. Kein leises, höfliches Lachen, sondern scharfe, höhnische Schnauben, die über den Platz hallten. Meine Wangen brannten, ein Feuer breitete sich unter meiner Haut aus und versengte mich von innen heraus. Demütigung, ein vertrauter, unerwünschter Freund, kroch in jede Pore und ließ mich frösteln, während ich innerlich brannte. Das Glück, das berauschende Gefühl der Zugehörigkeit, an dem ich mich noch vor wenigen Augenblicken festgehalten hatte, zerfiel zu Asche.

Ich starrte Nathan an und hoffte verzweifelt, es sei ein Missverständnis, ein grausamer Scherz. Sein Kiefer war angespannt, sein Gesichtsausdruck unnachgiebig. Er sah mir nicht in die Augen. Mein Blick suchte sein Gesicht ab, flehte nach einem Funken Erkenntnis, einem Zeichen, dass dies ein Irrtum war, ein schrecklicher, ausgeklügelter Streich, den er bald wieder gutmachen würde. Aber da war nichts. Nur kalte Ablehnung.

„Nathan, nein …“ Meine Stimme war ein zerbrechlicher Faden, der kaum noch zusammenhielt. „Bitte. Sag mir, dass das nicht wahr ist.“

Endlich sah er mir in die Augen, und ich sah einen flüchtigen Ausdruck darin – keine Reue, sondern Verärgerung. Ungeduld.

„Elara“, sagte er mit emotionsloser Stimme, „sieh dich um. Glaubst du wirklich, du bist geeignet, an meiner Seite als Luna zu stehen? Dieses Rudel zu repräsentieren? Der Alpha-König braucht eine Gefährtin, die Stärke ausstrahlt, die Schönheit verkörpert, die Respekt einflößt.“ Er hielt inne, und sein Blick musterte mich, als sähe er mich zum ersten oder vielleicht zum letzten Mal. „Nicht jemanden … der mich ständig an … Unvollkommenheit erinnert.“

Mir stockte der Atem, ich keuchte auf, ein Schluchzen blieb mir im Hals stecken. Unvollkommenheit. Das Wort hallte in Isabellas, Mutters, in allen anderen wider. Dieselbe Unsicherheit, gegen die ich jahrelang angekämpft hatte, der ständige Kampf gegen ihre grausamen Worte, war nun der Grund für meine öffentliche Zurückweisung. Vor dem gesamten Rudel. Von dem Mann, den ich liebte, dem Gefährten, von dem ich gehofft hatte, er würde hinter die Fassade blicken, über ihre Urteile hinaus.

Meine Beine fühlten sich an wie Wasser; ich schwankte erneut und klammerte mich an den Stoff meines Kleides, als könnte er mich in dieser grausamen Realität verankern. Das Geflüster wurde lauter, das Gelächter immer dreister. Jedes grausame Wort nagte an dem letzten Rest meines Lebensmuts. Ich war eine Marionette, und meine Fäden waren gerade durchtrennt worden.

Bevor ich mich fassen konnte, bevor ich auch nur einen einzigen klaren Gedanken fassen konnte, zog ein Rascheln meine Blicke auf sich. Stille senkte sich herab, selbst in der höhnenden Menge.

Isabella.

Sie bewegte sich mit einer fast ätherischen Anmut, ihr Kleid, ein schimmerndes Blau, fing das Sonnenlicht ein. Ihre Augen, sonst voller Verachtung für mich, glänzten nun triumphierend und räuberisch. Langsam, bedächtig ging sie direkt auf Nathan zu.

Mir stockte der Atem. Nein. Das durfte nicht wahr sein.

Nathan beobachtete sie, ein leises Lächeln umspielte seine Lippen – ein Lächeln, das ich noch nie an mich gerichtet gesehen hatte. Mein Herz machte einen schmerzhaften Sprung. Er streckte seine Hand aus.

Isabella griff danach, ihre Finger verschränkten sich mit seinen, als wären sie schon immer füreinander bestimmt gewesen. Ein kollektives Aufatmen ging durch das Rudel, gefolgt von aufgeregtem Geflüster.

Dann verkündete Nathan, seine Stimme voller Selbstvertrauen, das ihm im Gespräch mit mir gefehlt hatte: „Das ist meine wahre Gefährtin. Isabella Morgan. Sie ist die Luna von Goldstone.“

Meine Welt brach zusammen.

Eine goldene Krone mit Edelsteinen, in die das königliche Wappen eingraviert war, hing an Nathans anderer Hand. Sie war das Zeichen für mich, das Symbol meines neuen Lebens, meiner neuen Bestimmung. Er hob sie nun, nicht zu mir, sondern zu Isabella. Sanft und ehrfürchtig setzte er sie ihr auf.

Ein Jubelsturm brach aus der Menge hervor. Jubel, Applaus, Freudenschreie.

„Lang lebe Luna Isabella!“, riefen sie, ihre Stimmen klangen vor echter Freude. Meine Mutter, mein Vater, sogar einige der Verwandten, die Isabella noch vor wenigen Tagen verhöhnt hatten, jubelten jetzt am lautesten.

Ich stand da, verlassen, weggeworfen, eine verwelkte Blume inmitten einer Wiese voller leuchtender Blüten. Isabella lächelte, ein strahlendes, triumphierendes Lächeln, ihre Augen trafen meine für einen flüchtigen Augenblick, erfüllt von boshafter Genugtuung.

Er warf mir nicht einmal einen Blick zu. Er hielt nur Isabellas Hand, den Kopf hoch erhoben, und sonnte sich in der Bewunderung der Menge, im Jubel für seine Luna. Der Mensch, von dem ich geglaubt hatte, er würde niemals der Urheber meines Schmerzes sein, derjenige, dessen stille Güte mir Hoffnung gegeben hatte, hatte gerade jeden Traum zerstört, den ich je zu träumen gewagt hatte.

Der Jubel, das Lachen, das triumphierende Leuchten in Isabellas Gesicht. Alles verschwamm zu einer überwältigenden Kakophonie aus Klang und Licht, einem grotesken Karneval meiner eigenen Zerstörung. Ich war nichts. Wertlos.

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