LOGINSie setzten mich unter Drogen. Er zeichnete mich. Dann erpressten sie mich, es eine Paarung zu nennen. Drei Tage vor meiner Hochzeit wachte ich in einem fremden Bett auf, ein Gefährtenmal in meine Kehle gebrannt. Nicht das meines Verlobten. Das seines Bruders. Harvey warf mir Geld vor die Füße, ehe ich mich aufsetzen konnte, und nannte mich eine Goldgräberin. Das Rudel hatte längst entschieden, was geschehen war, bevor ich ein einziges Wort sagte. Die kleine wolflose Maya, die sich endlich einen Alpha geangelt hat. An einem einzigen Morgen verlor ich alles. Meine Würde. Meinen Verlobten. Den Glauben meiner Familie an mich. Alle Freunde, die geschworen hatten, mich niemals zu verlassen. Doch die Paarung wurde nie vollendet. Das Band, das zwischen uns hätte einrasten müssen, bleibt verschlossen – etwas hält es zu, und keiner von uns beiden war es. Harvey glaubt, ich blockiere ihn aus Trotz. Ich habe ihn in dem Glauben gelassen. Denn die Nacht, die mich zerstört hat, war kein Zufall. Jemand hat sie geplant. Jemand wollte mich gezeichnet, zum Schweigen gebracht und beschämt sehen – und wer immer es war, ist noch da draußen. Die Angriffe auf unsere Grenzen haben seitdem nicht aufgehört. Sie erwarten, dass die wolflose Schande still zerbricht. Doch etwas längst Totes regt sich in meinem Blut, und ich bin es leid, für alle den Sündenbock zu spielen. Ich hasse ihn. Ich begehre ihn. Ich werde ihn nicht gewinnen lassen. Eines Tages wird der Alpha, der schwor, ich sei nichts, auf den Knien liegen und um die Gefährtin betteln, die er weggeworfen hat. Ich habe noch nicht entschieden, ob ich ihn zurücknehmen werde. Inhaltshinweis: Dubcon (fragwürdige Einwilligung), Zwang, explizite Szenen.
View More~ Maya ~
Das Sonnenlicht erwischt mich als Erstes – zu grell, blendend, und es treibt die Kopfschmerzen tiefer in meinen Schädel.
Ich sehe mich im Zimmer um. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo ich bin.
Bodentiefe Fenster, dahinter das noble Stadtzentrum. Seidenlaken, die sich um meine Taille bauschen. Ein Hotel, offensichtlich, und ein teures – die Sorte Suite, die für eine einzige Nacht mehr kostet, als die meisten Menschen im Monat verdienen. Luxus ist mir nicht fremd; meine Familie gehört zu den reichsten im Rudel. Darin aufzuwachen, ohne die geringste Erinnerung daran, wie ich hergekommen bin – das ist der Teil, der mir Angst macht.
Kleidung liegt über den Boden verstreut. Meine – jedenfalls war sie das mal. Jeder Muskel in meinem Körper protestiert, als ich mich aufrichte, und da spüre ich es: ein Ziehen, tief unten in meiner Mitte, das mir unmissverständlich sagt, was letzte Nacht passiert ist.
Meine Wangen brennen. Verdammt. Wir haben es wirklich getan.
Fünf Jahre Warten. Fünf Jahre „nach der Zeremonie, Derek, ich verspreche es" – und die letzten zwei Tage habe ich nicht durchgehalten. Ich habe ihm meine Jungfräulichkeit gegeben, so betrunken, dass ich mich nicht einmal daran erinnern kann. Der Drang, mir die Decke über den Kopf zu ziehen und zu verschwinden, steigt so schnell in mir auf, dass es brennt. Ich atme dagegen an, langsam und tief. Es ist Derek, und die Zeremonie ist in zwei Tagen – was sind zwei Tage gegen fünf Jahre?
Ich reibe mir die Schläfen und versuche, die Erinnerungen an die Nacht zurückzuholen. Sie kommen in Bruchstücken, dann brechen sie ab. Lola und ein paar Freundinnen, die mich zu meinem Junggesellinnenabschied in den Club schleifen. Der Club – zu laut, zu viele Menschen. Alles, was sie lieben und ich nicht ertrage. Lola, die mir ein Glas Champagner in die Hand drückt, bevor wir überhaupt einen Tisch gefunden haben. Danach nichts. Nicht ein einziges Detail. Ich trinke selten, aber ein einziges Glas hat mich noch nie in meinem Leben umgehauen.
Könnte Lola mich unter Drogen gesetzt haben? Auf gar keinen Fall. Sie ist meine Cousine. Meine beste Freundin, seit wir beide noch nicht laufen konnten.
Ich drehe mich zum Spiegel an der Wand und schnappe nach Luft. Ich sehe aus wie ein Wrack – die Haare zerzaust und wild, das Make-up verschmiert, blaue Flecken und Knutschflecke auf meiner Haut. Und an meinem Schlüsselbein brennt eine Stelle. Ich drehe mich, um sie im Spiegel zu sehen, und erstarre.
Auf meiner Haut prangt ein wunder, zorniger Abdruck – ein frisches Gefährtenmal, geformt wie ein kleiner, dunkler Wolf, geschwollen und summend vor einer Energie, an deren Empfang ich keinerlei Erinnerung habe. Ich starre es an, gelähmt vor Angst. Ich bin gezeichnet.
Die erste Verwandlung und die Zeichnung sind die beiden heiligsten Momente im Leben eines jeden Werwolfs, und ich habe beide verpasst. Mein Wolf ist nie erwacht. Und dieses Mal auf meiner Haut – ich erinnere mich an keine einzige Sekunde davon. Ich hole tief Luft und versuche, mein rasendes Herz und meine kreisenden Gedanken zu beruhigen.
„Sei nicht so dramatisch, Maya", versuche ich mich zu beruhigen. „Dein Verlobter hat dich gezeichnet und zu seiner Gefährtin gemacht. Alles ist gut."
Denn Derek liebt mich. Er ist der Einzige, der jemals über den Makel hinweggesehen hat, den mir alle anderen vorhalten. Ich habe keinen Wolf. Für das Rudel bin ich die wolflose Tochter einer stolzen Gamma-Linie – von guter Herkunft, aber trotzdem eine Enttäuschung. Jemand, der sich nie verwandeln, nie mit ihnen laufen, nie wirklich eine von ihnen sein wird. Die Hälfte von ihnen findet, Derek hätte auf eine bessere Partie warten sollen. Er hat sich trotzdem für mich entschieden.
Im Bad läuft Wasser, und mein Herz hebt sich. Derek ist hier. Ich will nur, dass er die Arme um mich legt und mir sagt, dass alles gut wird. Ich raffe das Laken um mich und schwinge die Beine über die Bettkante –
Die Tür fliegt auf.
Derek steht im Türrahmen, seine Brust hebt und senkt sich, sein Gesicht weiß, als hätte er einen Geist gesehen. Lola hängt an seinem Arm, zerrt an ihm, fleht ihn an aufzuhören.
Wenn Derek vor mir steht … wer ist dann unter der Dusche?
Das Zimmer kippt. Ich bekomme keine Luft.
„Wie konntest du mir das antun, Maya?", knurrt er, die Augen leuchtend, während sein Wolf an die Oberfläche drängt. „Wer ist er? Für wen hast du die Beine breit gemacht?"
Ich bin zu erstarrt, um zu sprechen. Meine Kehle wird trocken wie eine Wüste, und ich blinzle ihn nur an. Das kann nicht wahr sein.
Endlich öffne ich meine trockenen Lippen, und meine Stimme kommt unnatürlich hoch heraus. „Derek, ich –"
Die Badezimmertür geht auf.
Der Mann, der den Rahmen ausfüllt, muss über zwei Meter groß sein und trägt nichts als Dampf und ein Handtuch, das wenig der Fantasie überlässt. Sein Geruch erreicht mich, bevor er ein Wort sagt – Zeder und Sandelholz mit einem Faden Grapefruit. Seine Alpha-Aura rollt durch den Raum und presst mir die Luft aus den Lungen. Und doch lässt sein Anblick Wärme durch mich rinnen, und für einen Herzschlag werden die Ränder des tosenden Zimmers weich – als wäre er das Einzige, was scharf gestellt ist, und alles andere, sogar Derek, verschwimmt.
Etwas tief in meiner Brust zieht mit aller Kraft zu einem Mann hin, mit dem ich kaum eine Handvoll Worte gewechselt habe. Was auch immer dieser Faden ist, es kümmert ihn nicht, was ich weiß. Er zerrt, als hätte er mein ganzes Leben lang gewartet.
Selbst mit meinem Verlobten direkt neben mir kann ich den Blick nicht vom Alpha lösen. Nicht wegen seines Körpers oder seines Gesichts – wegen etwas Tieferem, das ich noch nicht benennen kann.
Einen halben Herzschlag lang erstarrt auch er. Seine Nasenflügel beben. Sein Kopf neigt sich eine Spur, die Augen verengen sich – wachsam und zugleich voll von etwas, das er offenbar nicht fühlen will. Dann verhärtet sich sein Gesicht.
Seine Augen sind von einem tiefen Ozeanblau. Dasselbe Blau wie Dereks. Und jetzt senken sich diese Augen auf mich – nicht einmal auf mich, sondern auf das wunde Gefährtenmal an meinem Schlüsselbein – mit offenem Abscheu.
„Maya." Dereks Stimme wird leise und tödlich. „Du hast mit meinem Bruder geschlafen? Harvey – wie konntest du meine Verlobte anfassen?"
Harvey grinst nur, kalt. „Deine süße kleine Wölfin hat mich unter Drogen gesetzt." Jedes Wort trifft wie eine Ohrfeige. „Verzweifelt darauf aus, sich einen Alpha zu angeln. Verzweifelt darauf aus, Luna zu werden. Ich nehme an, sie dachte, sie hätte das große Los gezogen."
Der Raum wird still. Da ist nur das langsame Tropfen von Wasser auf die Duschfliesen und Dereks lautes, wütendes Atmen. Meine Augen springen zwischen ihnen hin und her – Lola wie festgewachsen, sprachlos; Harvey, der ungerührt dasteht, als ginge ihn nichts davon etwas an. Dann finde ich Derek, und ich klammere mich an eine letzte Hoffnung: dass er mich verteidigen wird. Er kennt mich. Er weiß, dass ich meine Liebe zu ihm niemals gegen einen Luna-Titel eintauschen würde. Doch die Sekunden vergehen, dann eine ganze Minute, und die Stille dehnt sich, bis sie unerträglich wird.
„Ich habe nie –" Meine Stimme kommt angestrengt und dünn heraus. „Das ist ein Irrtum. Bitte."
Lolas Blick fällt auf meine Kehle. Sie schnappt nach Luft, die Hand fliegt ihr an den Mund. „Maya. Du bist gezeichnet."
Derek zittert vor Wut, kurz davor, sich zu verwandeln.
„Auch mit meinem Mal bedeutest du mir nichts", sagt Harvey und zieht sich bereits so schnell an, als stünde das Zimmer in Flammen. „Ich werde dich ablehnen, sobald der Rudelrat es erlaubt. Ich habe nicht die Absicht, eine intrigante, wolflose Schande zur Gefährtin zu nehmen. Ich bin Georgina versprochen."
~ Maya ~Lazars Augen halten meine, und die Stille dehnt sich lange genug, dass alle merken, dass etwas nicht stimmt.Harvey tritt neben mich, mit einem strahlenden, spöttischen Lächeln, und legt mir eine Hand auf die Schulter, um mich an sich zu ziehen.„Eure Hoheit, Sie haben so viel nach meiner Luna gefragt – hier ist sie also. Meine allerliebste Gefährtin, Maya Devereux." Er wendet sich mir zu, sein Lächeln dehnt sich unnatürlich. „Maya, darf ich dir den Vampir-Kronprinzen vorstellen, Lazar August Cornell III. Obwohl es scheint, als würdet ihr beide einander bereits ziemlich gut kennen. Möchtest du das erklären?"Lazar versteift sich und verengt die Augen. „Alpha Harvey, wir sprechen nach dem Training unter vier Augen."„Ich hätte die Erklärung gern sofort", bellt Harvey.Etwas entzündet sich in Lazars Augen – für eine Sekunde erhasche ich ein rotes Glühen – und er sieht Harvey direkt an, die Pupillen ziehen sich zusammen, seine Stimme eiskalt und jedes Wort schärfer als eine Klin
~ Maya ~Mein Blick streift über die Menge. Mein Bruder wirkt gefasst, aber seine Augen lügen nicht – er ist krank vor Sorge um mich. Komm schon, es ist nur ein Sparring, kein Duell.Harveys Ausdruck ist noch rätselhafter. Harter Kiefer, blasses Gesicht, sich ballende Fäuste. Macht er sich ernsthaft Sorgen, ein wolfloses Mädchen könnte seiner kostbaren Georgina wehtun?Georgina wirft ihre gewellten Beach-Waves zurück und sieht mich an, als hätte sie mich bereits geschlagen, ohne einen Finger zu rühren.Sie weiß noch nicht, dass ich vorhabe, ihr dieses selbstgefällige Lächeln aus dem Gesicht zu wischen. Sie sieht die wolflose Schande, den leichten Sieg, und triumphiert bereits. Was sie vergisst, ist, dass ich von Gamma-Blut bin. Ich habe jahrelang trainiert – bevor ich mich von ihnen überzeugen ließ, dass ein wolfloses Mädchen keinen Grund hat, sich die Mühe zu machen, und den Ring verließ. Aber solches Können verschwindet nicht. Es wartet nur. Georgina ist eine Alpha, ja, und sie trai
~ Harvey ~„… ein Vampir, der ihm das Mal durch seinen Geist aufgezwungen hat –" Die Worte des Ältesten hallen in meinem Kopf. Es war eine der Theorien, die aufkamen, als ich Maya zum ersten Mal gezeichnet hatte. Und verdammt – jetzt, wo ich weiß, dass sie ausgerechnet einem der mächtigsten Vampire überhaupt nahegekommen ist, will ein einzelner abwegiger Gedanke nicht weichen: Was, wenn der Vampirprinz seine Hand darin hatte, mich zu zwingen, Maya zu zeichnen? Was, wenn das alles Teil einer größeren Verschwörung ist – um mir nahe zu kommen, mich zu verraten und zu helfen, mein Rudel zu übernehmen?„Bist du noch bei Verstand?", knurrt Zev, fletscht die Zähne und peitscht hektisch mit dem Schwanz.„Du hast die Fotos selbst gesehen", belle ich zurück.„Fotos von einem Mädchen, das beiläufig mit einem Freund etwas trinkt. Da ist nichts drin, was sagt, Maya sei irgendeine Schurkin, die Rudel überfallen und sich zur Königin von allem krönen will. Ich bin sicher, sie weiß nicht einmal, wer L
~ Maya ~Ich schicke mein Abschlussprojekt an die Universität und tauche vollständig in die Arbeit ein. Der Abschluss ist in weniger als einem Monat, und ich verfluche mich dafür, wie dumm ich war, diesen Job zunächst abzulehnen.Das hier ist der Himmel – buchstäblich der Architekturhimmel. Schade, dass ich nicht lange hier sein werde, aber vorerst kann ich es in vollen Zügen genießen.In Skizzen vergraben bemerke ich nicht, dass es bereits Nachmittag ist.Ein Klopfen an der Tür lässt mich zusammenfahren, und ich sehe auf und erblicke Lola, die über beide Ohren lächelt.„Hallo, Maya. Derek und ich gehen zum Mittagessen – möchtest du mitkommen?"Freiwillig mit meinem Ex essen? Mich in eine Schlangengrube zu werfen wäre die bessere Option, als Derek gegenüberzusitzen – oder schlimmer, neben ihm.„Danke, Lola. Ich habe viel Arbeit. Ich bestelle mir einfach etwas", sage ich trocken.Doch statt zu gehen, lädt Lola sich selbst in mein Büro ein und gleitet auf den Stuhl mir gegenüber.„Es tu











