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Kapitel 5

Author: Finn
Ich erstarrte und drehte mich zur Zofe um.

„Was ist passiert?“

Ihre Augen waren gerötet, die Stimme schwer. „Herrin, jemand hat in der Hauptstadt Gerüchte verbreitet. Man sagt, die Frau, die er seit seiner Jugend liebt, ist zurückgekehrt – und er will die Bindung lösen, um sie zu heiraten.“

„Nun ... spricht die ganze Hauptstadt davon, dass Ihr verstoßen wurdet. Die Worte sind nicht zu wiederholen...“

Meine Brust fühlte sich getroffen an wie von einem stumpfen Gewicht – ein dumpfer, beengender Schmerz.

In diesem Moment fiel mir ein, dass ich Vorräte vergessen hatte. Ich musste in die Hauptstadt zurück.

Mit einem Schleier vor dem Gesicht betrat ich mit der Zofe die Stadt.

Während ich beim Getreidehandel wartete, wanderte mein Blick ans andere Ende der Straße.

Das Tor zur Rudelhalle stand still; in der Luxusboutique daneben aber bewegten sich zwei vertraute Gestalten.

Kael stand am Tresen. Elara neben ihm.

Er griff nach einem Wolfszahn-Anhänger, zögerte, bezahlte und schob ihn sorgfältig in seinen Ärmel.

Elara lehnte sich an ihn und bat süßlich um ein Mondstein-Armband. Er stimmte zu.

Sie standen dort wie ein frisch vermähltes Paar.

Nach einem einzigen Blick schaute ich weg.

Die Bindung stand ohnehin kurz vor ihrer Auflösung. Was war da noch zu sehen?

Ich nahm meine Vorräte und wandte mich zum Gehen.

Aber kaum hatte ich das Tor verlassen, umringte mich eine Gruppe gewöhnlicher Frauen aus dem Rudel.

Ihre Gesichter waren mir fremd.

„Na so was. Ist das nicht die Luna-Königin?“

Eine rundliche Frau lächelte als Erste.

„Was Luna! Habt ihr nicht gehört? Der König hat sie verstoßen. Die Wahre ist zurückgekehrt!“

Eine andere fiel ein, die Stimme triefte vor Hohn.

„Früher hat sie sich so aufgespielt. Jetzt schleicht sie heimlich aus der Stadt wie eine Ratte.“

Gelächter brach aus. Jemand griff nach meinem Schleier.

„Lass mal sehen, wie eine verstoßene Luna-Königin aussieht!“

Ich wich zur Seite. Mein Herz wurde kalt wie Stein.

Sechs Jahre als Luna-Königin hatte ich jeden mit Güte behandelt und niemanden verachtet. Diese Frauen waren mir gänzlich unbekannt.

Kaum war der Titel gestrichen, da spuckten mir diejenigen ins Gesicht, die einst nicht wagten, mir in die Augen zu sehen.

„Ich habe gehört, Elara ist die wahre Liebe des Königs. Mit welchen Tricks hast du dir ihren Platz erschlichen?“

Eine andere drängte sich vor, die Augen blitzend.

„Wohin rennst du jetzt? Zu beschämt, um dich zu zeigen?“

Ich schwieg. Ihre Stimmen wurden lauter, die Fragen giftiger: „Du hast das Schicksal deiner Schwester gestohlen. Jetzt ist die Rechtmäßige zurück. Zeit, dass die Hochstaplerin verschwindet!“

„Hast du gewusst, dass er eine andere liebt, und hast dich trotzdem an die Stellung geklammert?“

Ich wehrte die Finger ab, die mir ins Gesicht drängten, meine Stimme angespannt. „Bitte. Lasst mich durch.“

Niemand rührte sich. Sie drängten enger zusammen.

Die Zofe schrie auf und versuchte verzweifelt zu drängen. „Eine Unverschämtheit! Wie wagt ihr es, die Luna-Königin zu missachten –“

„Luna-Königin? Den Titel verdient sie nicht!“ Jemand spuckte.

Unzählige Mäuler öffneten und schlossen sich; ein Netz, das sich um mich zog.

Ich biss die Zähne zusammen und drängte vorwärts. Die Zofe schirmte mich ab und schrie sie an, Platz zu machen – und zog damit nur noch mehr Hohn auf sich.

Jemand stieß mich hart. Mein Knöchel knickte weg. Ich strauchelte und fiel vorwärts.

Mein Ellbogen traf den rauen Stein.

Staub wirbelte auf. Ich landete auf den Knien vor ihnen.

In diesem Moment durchfuhr mich Demütigung und Schmerz in einer Welle.

Eine Träne traf den Boden. Ich wischte sie wütend fort und versuchte aufzustehen.

Die Menge brach in Gelächter aus.

Eier und Steine flogen aus allen Richtungen.

„Eine verstoßene Frau und noch immer auf Würde bedacht!“

„Raus aus der Hauptstadt!“

„Die sechs Jahre, die du gestohlen hast, sind noch nicht bezahlt!“

Ein scharfer Stein schnitt mir an der Schläfe. Sofort rann Blut herab.

Ich hob mein staubverschmiertes Gesicht. Durch verschleierte Sicht erkannte ich hinter der Menge eine vertraute Gestalt.

Elaras persönliche Zofe – die Lippen zu einem Lächeln zusammengepresst – nickte den stämmigen Frauen neben sich zu.

Die Frau packte meine blutende Hand und presste sie auf eine Schriftrolle. Die Gefährtenbindung zerbrach in einem Aufflackern von Schmerz.

So war es.

Taumelnd richtete ich mich auf, Schmutz an mir haftend.

Blut und Staub rannen mir an der Schläfe herab wie eine grausame Träne.

Dennoch richtete ich den Rücken gerade und schritt Schritt für Schritt auf das Stadttor zu.

Zwei Gedanken blieben in meinem Kopf:

Kael.

Von diesem Tag an begegnen wir uns weder im Leben noch im Tod.

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