LOGINDer Schnee knirschte unter ihren Stiefeln. Jasmine rannte. Ihre Lunge brannte. Lucian zog sie mit sich. Seine Hand umklammerte ihre fest. Unnachgiebig. Das Band pulsierte zwischen ihnen wie ein lebendiges Wesen. Es flüsterte. Es drängte. Es warnte.
Sie erreichten den Rand des Waldes. Die Bäume standen dicht. Ihre Äste bogen sich unter der Last des Schnees. Lucian blieb stehen. Er lauschte. Sein Körper spannte sich an.
"Sie kommen." Seine Stimme war tief. Gefährlich ruhig. "Vier. Vielleicht fünf. Viktor hat seine besten Wachen geschickt."
Jasmine rang nach Atem. "Wie nah?"
"Nah genug. Wir müssen tiefer hinein. In die alten Höhlen."
Sie nickte. Keine Zeit für Fragen. Das Band leitete sie. Es zeigte ihr den Weg. Als wäre Lucians Wolf bereits in ihrem Blut.
Sie tauchten ein in die Schwärze des Waldes. Zweige peitschten ihr Gesicht. Der Schnee drang in ihre Stiefel. Kälte biss sich in ihre Haut. Doch die Hitze des Bandes hielt sie aufrecht. Es brannte in ihrer Brust. Es verlangte nach ihm.
Lucian schob sie hinter einen dicken Stamm. Er presste seinen Körper an ihren. Schutz. Besitz. Beides zugleich.
"Still jetzt." Er flüsterte nah an ihrem Ohr. Sein Atem streifte ihre Haut. "Sie dürfen uns nicht riechen."
Jasmine hielt den Atem an. Schritte näherten sich. Schwere Stiefel. Knurrende Stimmen. Das gelbe Glühen von Wolfsaugen durchschnitt die Dunkelheit.
"Die Bastardin und der Verräter." Einer der Wachen lachte rau. "Viktor will ihren Kopf. Den Rest können wir uns teilen."
Ein anderer knurrte. "Der Nordalpha stirbt zuerst. Langsam."
Lucian versteifte sich. Sein Arm legte sich fester um Jasmines Taille. Sie spürte seinen Herzschlag. Stark. Gleichmäßig. Er war bereit zu töten.
Die Wachen zogen weiter. Ihre Stimmen verhallten im Wind. Lucian wartete noch drei Atemzüge. Dann löste er sich von ihr.
"Komm. Die Höhlen sind nicht mehr weit."
Sie rannten erneut. Diesmal führte er sie einen verborgenen Pfad hinab. Der Boden fiel steil ab. Wurzeln ragten heraus wie Klauen. Jasmine stolperte. Lucian fing sie auf. Ohne ein Wort. Seine Stärke floss durch das Band in sie hinein.
Endlich erreichten sie den Eingang. Eine schmale Spalte im Fels. Kaum sichtbar unter Schnee und Efeu. Lucian schob sie hinein. Drinnen war es stockdunkel. Feucht. Kalt. Doch sicher.
Er entzündete eine kleine Laterne. Das schwache Licht enthüllte raue Wände. Alte Zeichnungen von Wölfen und Monden. Vergessen. Uralt.
Jasmine lehnte sich gegen den Stein. Ihre Beine zitterten. "Wie lange können wir hier bleiben?"
"Bis morgen früh. Dann müssen wir weiter. Viktor wird das ganze Rudel mobilisieren."
Er trat näher. Seine Augen leuchteten silbern im Laternenlicht. Das Band zog sie zueinander. Unaufhaltsam.
"Du hast dich gezeigt." Seine Stimme wurde weicher. "Vor allen. Für mich."
"Ich hatte keine Wahl." Jasmine hob das Kinn. "Genau wie du."
Lucian lächelte. Ein gefährliches. Hungriges Lächeln. "Doch. Wir haben immer eine Wahl. Du hast dich für mich entschieden."
Er strich mit dem Daumen über ihre Unterlippe. Langsam. Bedächtig. Die Berührung sandte Feuer durch ihre Adern.
"Was spürst du?" fragte er leise. "Jetzt. In diesem Moment."
"Angst." Sie schluckte. "Und dich. Überall. Als wärst du in mir. Unter meiner Haut."
"Das ist das Band." Er nickte. "Es wird stärker. Jede Stunde. Bis zum Ritus."
Jasmine nahm seine Hand. Sie drehte sie um. Betrachtete die starken Finger. Die Narben. "Der Ritus. Mara sagte. Wenn es nicht echt ist. Stirbt einer von uns."
"Es ist echt." Lucians Ton duldete keinen Zweifel. "Ich fühle es. Mein Wolf heult danach. Er will dich markieren. Jetzt schon."
"Aber wir warten." Sie drückte seine Hand. "Drei Nächte. Auf dem Schwarzfels. Mit Blut."
Er zog sie an seine Brust. Umarmte sie fest. "Ja. Und dann gehörst du mir. Vor allen Rudeln. Für immer."
Sie blieben lange so stehen. Das Laternenlicht flackerte. Schatten tanzten an den Wänden. Draußen heulte der Wind. Oder waren es Wölfe?
Jasmine löste sich ein Stück. "Erzähl mir von deinem Rudel. Dem Nordrudel. Warum bist du wirklich hier? Nicht nur für den Pakt."
Lucian setzte sich auf einen flachen Stein. Er zog sie auf seinen Schoß. Ihre Beine baumelten zu beiden Seiten. Intim. Nah.
"Mein Vater ist alt." Er sprach ruhig. Doch darunter lag Stahl. "Schwach. Er hält den Thron nur noch mit Angst. Das Nordrudel braucht neue Stärke. Eine starke Luna. Einen Erben. Viktor bot Seraphina an. Mit dem Mal. Perfekt auf dem Papier."
"Aber du wolltest mehr." Jasmine sah ihm in die Augen.
"Ich wollte Macht." Er gestand es ohne Scham. "Ich plante. Seraphina heiraten. Dich benutzen. Dann alles übernehmen. Kalt. Berechnend. So bin ich erzogen worden."
Jasmine versteifte sich. Das alte Misstrauen flackerte auf. "Und jetzt?"
"Jetzt bist du alles." Seine Hände umfassten ihr Gesicht. "Das Band hat mich zerbrochen. In der ersten Sekunde. Als ich dich sah. Nicht die Dienerin. Nicht die Bastardin. Dich. Die Frau mit dem Feuer in den Augen."
Sie atmete zittrig ein. "Ich war nichts. Mein ganzes Leben. Unsichtbar. Geschlagen. Ignoriert. Weil kein Mal auf meiner Schulter war."
"Du bist alles." Er wiederholte es. Eindringlich. "Das Mal ist eine Lüge. Die Götter haben uns etwas Besseres gegeben. Etwas Echtes."
Ein Geräusch draußen. Steine rollten. Lucian war sofort auf den Beinen. Er schob Jasmine hinter sich. Sein Körper schirmte sie ab.
"Sie haben unsere Spur." Er knurrte leise. "Bleib hier."
"Nein." Sie griff nach seinem Arm. "Wir kämpfen zusammen. Oder gar nicht."
Er sah sie an. Stolz leuchtete in seinen Augen. "Meine Luna."
Sie schlichen zum Eingang. Lucian löschte die Laterne. Dunkelheit umfing sie. Nur das schwache Mondlicht sickerte herein.
Zwei Wachen standen draußen. Sie schnüffelten. Einer hielt eine silberne Klinge.
"Der Geruch endet hier." Der Größere sagte es. "Sie müssen in den Felsen sein."
Der Kleinere lachte. "Dann holen wir sie raus. Viktor zahlt gut für die Unmarkierte. Lebend."
Lucian spannte sich zum Sprung. Jasmine legte eine Hand auf seinen Rücken. "Warte. Lass sie näher kommen."
Die Wachen traten ein. Langsam. Vorsichtig. Ihre Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit.
Jetzt.
Lucian explodierte vorwärts. Er packte den Ersten am Hals. Ein Knacken. Der Mann sackte zusammen. Tot.
Der Zweite schwang seine Klinge. Lucian duckte sich. Rammte ihm die Schulter in den Magen. Sie prallten gegen die Wand. Fäuste flogen. Knurren erfüllte die Höhle.
Jasmine sah eine Gelegenheit. Sie griff nach einem scharfen Stein. Schlug zu. Der Wächter schrie auf. Lucian beendete es mit einem schnellen Biss in die Kehle.
Blut spritzte auf den Schnee am Eingang. Warm. Dampfend.
Jasmine starrte darauf. Ihr Herz raste. "Zwei weniger."
"Und mehr werden kommen." Lucian wischte sich das Blut von den Lippen. "Wir können nicht bleiben."
Sie nahmen die Waffen der Toten. Silber. Schwer. Gefährlich. Dann flohen sie tiefer in die Nacht. Der Wald verschluckte sie wieder.
Stunden vergingen. Sie liefen. Versteckten sich. Liefen weiter. Das Band gab ihnen Kraft. Es heilte kleine Wunden. Es verband ihre Gedanken.
Bei einer geschützten Lichtung machten sie Rast. Lucian baute ein winziges Feuer. Kaum genug für Wärme. Gerade genug gegen die Kälte.
Jasmine setzte sich nah heran. "Seraphina. Ich mache mir Sorgen um sie. Sie ist allein im Haus."
"Sie ist stärker als du denkst." Lucian reichte ihr ein Stück getrocknetes Fleisch aus seiner Tasche. "Sie hat dich geschützt. All die Jahre. Auf ihre Weise."
"Ja." Jasmine kaute langsam. "Aber Vater wird sie bestrafen. Wenn er merkt. Dass sie uns geholfen hat."
"Wir holen sie später. Nach dem Ritus. Wenn ich Viktor besiegt habe."
Jasmine sah ihn an. Das Feuer warf Schatten auf sein Gesicht. Schön. Gefährlich. Ihr.
"Du wirst ihn töten." Es war keine Frage.
"Ja." Lucian starrte in die Flammen. "Er hat dich gebrochen. Dich unsichtbar gemacht. Dafür stirbt er."
"Und wenn er dich tötet?" Ihre Stimme brach leicht.
"Das wird er nicht." Er griff nach ihrer Hand. Verschränkte ihre Finger. "Das Band lässt es nicht zu. Es will uns zusammen. Lebend."
Ein Wolf heulte in der Ferne. Nah genug. Zu nah. Lucian hob den Kopf. Lauschte.
"Mein Rudel." Er lächelte grimmig. "Einige von ihnen sind hier. Sie suchen mich. Nicht Viktor."
"Hilfe?"
"Vielleicht. Oder Verrat. Im Nordrudel herrscht Misstrauen. Mein Vater hat Spione überall."
Jasmine rückte näher. Ihre Schulter berührte seine. "Erzähl mir vom Schwarzfels. Vom Ritus. Was genau passiert dort?"
Lucian zog sie auf seinen Schoß. Wieder. Diesmal wärmer. Das Feuer knisterte leise.
"Der Opferstein ist alt." Er sprach nah an ihrem Haar. "Dort wurden früher Bündnisse mit Blut besiegelt. Wir schneiden die Handflächen. Pressen sie zusammen. Das Blut mischt sich. Wenn das Band echt ist. Erscheint das neue Mal. Dunkel. Wie Schatten und Mond zugleich. Es brennt. Aber es heilt sofort."
"Und wenn nicht?"
"Dann verbluten wir. Oder das Gift des falschen Bandes tötet uns. Langsam. Drei Tage Qual."
Jasmine zitterte. Nicht vor Kälte. Vor der Wahrheit.
"Ich habe keine Angst vor dem Tod." Sie flüsterte es. "Nur davor. Dich nicht zu haben."
"Du wirst mich haben." Sein Mund fand ihren Nacken. Er küsste die Stelle. Zart zuerst. Dann fordernder. "Jede Nacht. Jeden Tag. Nach dem Ritus. Ich werde dich markieren. Mit Zähnen. Mit Blut. Mit meinem Samen."
Hitze schoss durch sie. Das Band reagierte. Es pochte tief in ihrem Unterleib. Verlangend.
"Nicht jetzt." Sie schob ihn leicht weg. Obwohl ihr Körper protestierte. "Nicht hier. Nicht so. Ich will dich. Ganz. Aber erst wenn wir frei sind."
Lucian knurrte. Frustriert. Erregt. "Du quälst mich. Aber du hast recht. Die Wachen sind zu nah."
Sie löschten das Feuer. Bedeckten die Spuren. Zogen weiter. Die Nacht wurde tiefer. Der Halbmond hing am Himmel. Spöttisch. Als warte er auf den Vollmond.
Gegen Morgen erreichten sie eine verlassene Jagdhütte. Halb verfallen. Doch mit einem Dach. Lucian brach die Tür auf. Drinnen roch es nach Moder und altem Holz.
"Ruhe dich aus." Er breitete seinen Umhang auf dem Boden aus. "Ich wache."
Jasmine legte sich hin. Erschöpft. Doch Schlaf kam nicht sofort. Das Band hielt sie wach. Es zeigte ihr Bilder. Lucians Kindheit. Kämpfe. Einsamkeit. Dieselbe Leere. Die sie kannte.
"Du warst auch unsichtbar." Sie sagte es leise. "Auf deine Weise."
Er setzte sich neben sie. Den Rücken an die Wand. "Ja. Der Erbe. Immer beobachtet. Nie geliebt. Nur gefürchtet."
Sie streckte die Hand aus. Berührte sein Bein. "Jetzt nicht mehr."
Er nahm ihre Hand. Küsste die Innenfläche. "Nein. Jetzt haben wir einander."
Stunden vergingen. Draußen wurde es heller. Stimmen näherten sich erneut. Mehr Wachen. Diesmal mit Hunden. Das Bellen hallte durch den Wald.
Lucian stand auf. "Sie haben uns gefunden. Wir müssen kämpfen."
Jasmine erhob sich. Die gestohlene Klinge in der Hand. "Zusammen."
Die Tür barst auf. Drei Wachen stürmten herein. Lucian warf sich auf den Ersten. Sie rollten über den Boden. Fäuste. Zähne. Blut.
Jasmine parierte einen Schlag. Ihr Arm vibrierte. Der Wächter grinste. "Kleine Bastardin. Zeit zu sterben."
Sie duckte sich. Stach zu. Die Klinge traf. Er schrie. Lucian tötete den Zweiten. Kam ihr zu Hilfe. Der Dritte floh. Heulend.
"Er wird Verstärkung holen." Lucian wischte Blut von seiner Wange. Eine tiefe Schnittwunde. Sie heilte bereits. Dank des Bandes.
"Wir müssen zum Schwarzfels früher." Jasmine keuchte. "Heute Nacht. Nicht in drei Tagen. Sie lassen uns keine Zeit."
"Zu gefährlich." Er schüttelte den Kopf. "Der Ritus braucht Vollmond. Genau dann."
"Aber wir können uns verstecken. Näher heran."
Er dachte nach. Dann nickte er. "Einverstanden. Aber zuerst. Etwas zu essen. Und Wärme. Du zitterst."
Sie fanden Vorräte in der Hütte. Altes Brot. Trockenes Fleisch. Sie aßen schweigend. Das Band sang zwischen ihnen. Es stärkte sie.
"Was passiert nach dem Duell?" fragte Jasmine zwischen zwei Bissen. "Wenn du siegst."
"Wir vereinen die Rudel." Lucians Augen leuchteten. "Nicht durch Zwang. Durch dich. Die Luna ohne Mal. Mit dem neuen dunklen Mal. Es wird alles ändern."
"Und Seraphina?"
"Sie wird frei sein. Ihre eigene Wahl treffen. Vielleicht findet sie ihr eigenes Band."
Jasmine lächelte schwach. Hoffnung flackerte auf. Zum ersten Mal.
Draußen bellten die Hunde wieder. Näher. Immer näher.
"Zeit zu gehen." Lucian stand auf. Reichte ihr die Hand.
Sie ergriff sie. Fest.
Hand in Hand traten sie hinaus in den Schnee. Die Jagd ging weiter. Doch nun waren sie bereit. Das Band machte sie zu einem. Unzerbrechlich.
Der Weg zum Schwarzfels war noch weit. Drei Tage. Drei Nächte voller Gefahr. Voller Verfolgung. Voller Sehnsucht.
Jasmine sah zu Lucian auf. Ihr Alpha. Ihr Gefährte.
"Wir werden gewinnen." Sie sagte es laut. Überzeugt.
"Ja." Er küsste ihre Stirn. "Weil wir zusammen sind."
Sie rannten los. Der Wald verschluckte sie. Hinter ihnen ertönten Schreie. Vor ihnen wartete das Schicksal. Blutig. Heiß. Unvermeidlich.
Das Band leuchtete heller. Es führte sie. Durch Schnee und Schatten. Hin zum Vollmond. Hin zum Ritus. Hin zur Ewigkeit.
Und Jasmine fühlte es tief in ihrer Seele. Sie war nicht mehr die Unsichtbare. Sie war die Gefährtin des Schattenalphas. Und sie würde brennen. Mit ihm. Für ihn. Bis ans Ende der Welt.
Der Morgen des dritten Tages brach kalt und klar an. Jasmine stand am Fenster der Gemächer und blickte auf die bereitstehenden Pferde und Wölfe im Hof. Der Schnee glitzerte unter der aufgehenden Sonne. Das dunkle Mal auf ihrer Schulter fühlte sich warm an als spüre es die bevorstehende Reise. Lucian trat hinter sie und legte die Arme um ihre Taille. Sein Kinn ruhte auf ihrem Kopf.Die Eskorte ist bereit. Zwanzig Krieger des Schattenmondrudels. Seraphina bleibt hier und hält die Ordnung. Der Grenzstein liegt einen Tagesritt entfernt. Wir erreichen ihn vor Sonnenuntergang.Jasmine drehte sich in seinen Armen und küsste ihn kurz. Ich bin bereit. Das Band ist ruhig. Es weiß dass wir stark genug sind.Sie ritten aus dem Schloss. Die Hufe knirschten im Schnee. Die Wölfe liefen als Flankenschutz. Jasmine trug praktische Kleidung aus dickem Leder und Wolle die Bewegung erlaubte und das Mal sichtbar ließ. Lucian ritt an ihrer Seite. Sein schwarzes Pferd wirkte so mächtig wie er selbst. Das Ban
Die Sonne stieg langsam über die schneebedeckten Gipfel und warf goldenes Licht durch die hohen Fenster des Schlosses. Jasmine erwachte in den Armen von Lucian. Sein Atem streifte warm ihren Nacken. Das dunkle Mal auf ihrer Schulter pulsierte sanft als begrüße es den neuen Tag. Sie lag still und lauschte dem Schlag seines Herzens der sich mit dem ihren zu einem gemeinsamen Rhythmus verbunden hatte. Das Band war keine ferne Ahnung mehr. Es war ein ständiger Strom aus Wärme und Sicherheit und einer tiefen wilden Zugehörigkeit.Lucian öffnete die Augen. Seine silbernen Iriden fingen das Morgenlicht ein. Guten Morgen meine Luna. Seine Stimme war rau vom Schlaf doch voller Zärtlichkeit. Er küsste ihre Stirn und dann das Mal. Die Berührung sandte einen Schauer durch ihren Körper.Jasmine lächelte. Guten Morgen mein Alpha. Ich spüre das Schloss schon wach. Stimmen in den Gängen. Schritte. Die Welt wartet nicht.Er lachte leise. Dann lassen wir sie nicht warten. Doch zuerst will ich dich noch
Der Schnee unter ihren Füßen war rot vom Blut des alten Alphas. Jasmine klammerte sich an Lucian und spürte wie sein Herz noch wild schlug. Das dunkle Mal auf ihrer Schulter pulsierte warm und lebendig als wäre es ein Teil von ihr geworden den sie schon immer getragen hatte. Die Menge um sie herum kniete noch immer. Einige Krieger senkten den Blick. Andere starrten offen auf das Zeichen das sich in den Mondschein hob wie eine dunkle Flamme.Seraphina erhob sich als Erste. Ihre Stimme war klar und fest als sie über die Hochebene rief. Die Götter haben entschieden. Das Band ist wahr. Das dunkle Mal ist göttlich. Viktor ist gefallen und mit ihm die Lüge die uns so lange regiert hat. Das Schattenmondrudel folgt ab heute einer neuen Ordnung.Ein Murmeln ging durch die Reihen. Niemand widersprach. Die Angst vor dem alten Alpha lag noch in der Luft doch der Respekt vor dem neuen Mal war stärker. Lucian stand aufrecht obwohl Blut von seiner Brust tropfte. Seine Wunden heilten bereits langsam
Der Himmel färbte sich blutrot. Jasmine stand auf dem Opferstein. Ihr Herz schlug hart gegen ihre Rippen. Lucian hielt ihre Hand fest. Das Band pulsierte wie ein zweites Herz zwischen ihnen. Der Vollmond stieg höher. Riesig. Silbern. Gnadenlos."Sie kommen." Lucians Stimme war tief und ruhig. Doch seine Augen glühten silbern. "Ich rieche Viktor. Und das gesamte Rudel."Jasmine nickte. Der Wind trug Stimmen zu ihnen. Viele Stimmen. Viele Wölfe. "Wie viele sind es?""Alle." Er drückte ihre Hand. "Der Rat. Die Garde. Sogar Seraphina spüre ich. Sie ist bei ihnen. Aber sie riecht nicht nach Angst."Schritte knirschten im Schnee. Fackeln erschienen am Rand der Hochebene. Viktor führte sie an. Groß. Grauhaarig. Mit einer Aura aus reiner Grausamkeit. Hinter ihm marschierten Dutzende Krieger. Ihre Augen leuchteten gelb im Mondlicht.Viktor blieb stehen. Zwanzig Schritte entfernt. Er lächelte kalt. "Da seid ihr also. Die Bastardin und der Verräter. Bereit für euren lächerlichen Ritus."Lucian t
Der Wind schnitt wie Klingen aus Eis. Jasmine zog den Umhang enger um ihren Körper. Jeder Atemzug schmerzte in ihrer Brust. Lucian ging voran. Seine Silhouette verschmolz fast mit der Dunkelheit. Das Band zog sie vorwärts. Es brannte heller als je zuvor. Es flüsterte von Nähe. Von Gefahr. Von dem was kommen musste.Sie erreichten den Fuß der verbotenen Klippen. Der Schwarzfels ragte über ihnen auf. Riesig. Bedrohlich. Wie ein Altar der Götter selbst. Nur noch eine Nacht bis Vollmond. Der Himmel zeigte bereits einen fast vollen Kreis. Silbern. Unheilverkündend."Wir sind fast da." Lucians Stimme war tief. Er blieb stehen und drehte sich zu ihr um. "Aber der letzte Aufstieg ist der gefährlichste."Jasmine nickte. Schnee klebte an ihren Wimpern. "Ich spüre es. Das Band wird unruhig. Als wüsste es was morgen passiert."Er trat nah an sie heran. Seine Hände umfassten ihr Gesicht. Warm. Stark. "Morgen schneiden wir uns. Morgen mischt sich unser Blut. Morgen gehörst du mir vor den Augen der
Der Wind heulte durch die Bäume. Jasmine keuchte. Jeder Schritt brannte in ihren Beinen. Lucian zog sie weiter. Seine Hand hielt ihre fest. Das Band pulsierte wild. Es warnte vor Gefahr. Es gab Kraft. Doch die Erschöpfung kroch heran.Sie erreichten eine enge Schlucht. Felsen ragten steil auf. Schnee bedeckte die Pfade. Lucian blieb stehen. Er lauschte. Sein Körper war angespannt wie eine Bogensehne."Sie sind nah." Seine Stimme klang rau. "Diesmal mehr als vorher. Viktor hat die gesamte Garde geschickt."Jasmine drückte seine Hand. "Wie viele?""Zu viele." Er sah sie an. Seine silbernen Augen glühten. "Aber wir sind schneller. Das Band macht uns eins."Sie kletterten den Hang hinauf. Hände gruben sich in kalten Stein. Füße rutschten auf Eis. Einmal glitt Jasmine ab. Lucian fing sie. Er presste sie gegen den Fels. Sein Atem streifte ihr Ohr."Du schaffst das." Er flüsterte es eindringlich. "Ich lasse dich nicht fallen. Niemals.""Ich weiß." Sie nickte. Schweiß lief trotz der Kälte übe







