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작가: Lady-Noir
last update 게시일: 2026-07-03 23:26:45

Die Zeiger der Uhr zeigten gerade einmal neun Uhr morgens, als das Taxi Vivienne im zentralen Geschäftsviertel absetzte. Es blieb ihr noch eine Stunde bis zu ihrem Termin mit Alistair Vance. Ihr Magen knurrte lautstark und sandte ein stechendes Gefühl aus, das sich mit dem restlichen Zorn über den Vorfall mit Tristan von vorhin vermischte.

Wann immer sie sich ärgerte, ihr das Herz gebrochen oder sie gedemütigt wurde, war Essen Viviennes wichtigster Zufluchtsort. Sie betrat ein Café im klassischen europäischen Stil an einer Straßenecke. Ohne sich um die Blicke der Kellner zu scheren, bestellte Vivienne wie im Rausch: eine große Portion warme Butter-*Croissants*, *Eggs Benedict* mit einer dicken Schicht *Sauce Hollandaise* und einen vollen Teller *French Toast*, übergossen mit Ahornsirup und Beeren.

Sobald die Bestellung eintraf, begann Vivienne gierig zu essen und ignorierte sämtliche Etikette der High Society, die sie all die Jahre gequält hatte. Für sie war das Kauen dieser süßen und herzhaften Speisen das einzige Beruhigungsmittel für ihre zerrüttete Seele.

*Schrrr.*

Der leere Stuhl gegenüber von ihr wurde plötzlich zurückgezogen. Vivienne blickte mit einem Mund voller Croissant-Stücke auf. Ein Mann im grauen Anzug ohne Krawatte hatte sich bereits dort niedergelassen. Julian Vance. Der 28-Jährige – einer von Alistairs Neffen und ein hochkarätiger *Casanova*, dessen Gesicht regelmäßig die Finanz- und Boulevardspalten zierte – musterte sie mit einer hochgezogenen Augenbraue.

Noch bevor Vivienne protestieren konnte, schnellte Julians Hand nach vorn. Sein sauberer, wohlriechender Daumen wischte sanft die Kuchenkrümel und den Ahornsirup von ihrem Mundwinkel.

*Poach.*

Diese plötzliche und intime Geste ließ Vivienne erstarren. Ihr Herz setzte für einen Moment aus. Es war das erste Mal in Viviennes Leben, dass ein Mann so süß und sanft zu ihr war. Nicht einmal Dominic hatte sich jemals herabgelassen, ihr Gesicht aus solcher Nähe zu betrachten.

Die Wärme verflog jedoch im Bruchteil einer Sekunde, als Julian seine Hand zurückzog und hämisch lächelte.

„Kein Wunder, dass dein Ehemann dich als Schwein und Kugelfisch beschimpft, Vivienne. Du frisst ja regelrecht“, spottete Julian. Seine Stimme klang flach, traf sie jedoch mitten ins Herz.

Viviennes Gesichtsausdruck wandelte sich schlagartig. Der freudige Funke, der kurz in ihren Augen aufgeblitzt war, erlosch und machte einer dunklen Gewitterwolke aus Zorn Platz. Einnehmend. Dieser Mann war wahrhaftig ein Teufel mit dem Gesicht eines Engels.

Anstatt innezuhalten und wegen des Spotts in Tränen auszubrechen, starrte Vivienne Julian stattdessen erbittert an. Sie nahm demonstrativ ein großes Stück *French Toast*, schob es sich in den Mund und kaute es absichtlich direkt vor Julians Gesicht. Scheiß auf das Urteil dieses eiskalten Mannes.

Als Julian die herausfordernde Reaktion der Frau vor sich sah, verbarg er ein schmales Lächeln, das sich fast auf seinen Lippen abgezeichnet hätte. In ihren gesellschaftlichen Kreisen waren die Namen der vier Erben des Vance-Klans – einschließlich Julian – stets in aller Munde. Vivienne hatte oft gehört, wie grausam und zynisch Julian gegenüber Frauen sein konnte.

Julian stützte sein Kinn auf eine Hand und starrte intensiv auf Viviennes Dekolleté, das durch ihre Sitzposition unter der cremefarbenen Bluse leicht entblößt war.

„Ich habe ein gutes Angebot für dich“, sagte Julian gelassen, als würde er über das Wetter sprechen. „Möchtest du meine Mätresse werden? Ich zahle dir zehntausend Euro pro Nummer mit mir. Wie klingt das?“

*Hust! Pfffttt!*

Spontan spuckte Vivienne, die gerade einen Schluck ihres *Iced Americano* trank, die schwarze Flüssigkeit direkt auf Julians Brust. Das teure weiße Hemd unter dem grauen Sakko des Milliardärs war augenblicklich mit dunkelbraunen Flecken übersät.

„Wie unverschämt von dir!“, herrschte Vivienne ihn an, nachdem sie ihren Hustenanfall unter Kontrolle gebracht hatte. Sie wischte sich den Mund grob mit einem Taschentuch ab. „Weißt du überhaupt, mit wem du redest, he?!“

Julian stieß einen kurzen Atemzug aus und betrachtete sein ruiniertes Hemd verärgert, doch seine Augen fixierten Vivienne weiterhin scharf. „Natürlich weiß ich das ganz genau. Du bist die einsame Ehefrau von Mr. Dominic Thorne. Der Kugelfisch, der gestern Abend im Festsaal so voller Selbstbewusstsein getanzt hat, um Aufmerksamkeit zu erregen.“

Vivienne riss die Augen auf. Julians Mundwerk war absolut giftig und bösartig.

„Komm schon, zier dich nicht so. Werde einfach meine Geliebte“, fuhr Julian fort, beugte sich nun über den Tisch und flüsterte in einem sinnlichen, einschüchternden Tonfall. „Ich garantiere dir, unter mir wirst du ununterbrochen nach mehr schreien. Dieser üppige Körper von dir... lässt sich bestimmt herrlich zähmen.“

„Mistkerl!“, Vivienne schlug mit der Hand auf den Holztisch des Cafés und zog damit die Aufmerksamkeit einiger anderer Gäste auf sich. „Glaubst du im Ernst, ich will das? Hören Sie mal, geschätzter junger Herr Vance... tut mir leid. Ihr Angebot ist für die Verhältnisse einer Straßendirne zwar sehr verlockend. Aber ich bin nicht interessiert, erst recht nicht zu diesem billigen Tarif, den Sie da anbieten! Glauben Sie etwa, ich sei eine billige Frau, die man mit ein paar Geldscheinen kaufen kann?!“

Vivienne stand augenblicklich auf. Sie riss ihre Handtasche mit einem heftigen Ruck an sich. Doch bevor sie wegging, lehnte sie ihren Körper absichtlich noch einmal leicht zurück, warf ihm einen matten, aber herausfordernden Blick zu, begleitet von einem rätselhaften, schiefen Lächeln. Sie spielte bewusst das Spiel von Nähe und Distanz, um Julian das Gefühl zu geben, die Oberhand zu haben, obwohl er in Wahrheit bereits in die Falle gelockt wurde. Vivienne wusste genau, dass ein egoistischer Mann wie Julian und die drei anderen Vance-Erben eine Abweisung niemals so leicht hinnehmen würden.

Mit erhobenem Kinn stolzierte Vivienne aus dem Café und ließ Julian starr auf seinem Stuhl zurück.

Julian ballte die Hände auf dem Tisch zu Fäusten und starrte Viviennes kurviger Kehrseite hinterher, die sich sexy von ihm wegbewegte. Wut und Verlangen brodelten heftig in seiner Brust.

„Verdammt seist du, du Kugelfisch!“, knurrte Julian mit rauer Stimme, die von neugieriger Rache erfüllt war. „Wie wagst du es, mich abzuweisen! Warte es nur ab, du wirst noch winselnd vor meinen Füßen liegen.“

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