LOGINMein Herz macht einen heftigen Überschlag gegen meine Rippen. Auf keinen Fall. Es ist absolut unmöglich, dass er weiß, dass ich jetzt mein Handy habe, oder? Meine Antwort trifft einen Herzschlag später in Form einer nachfolgenden SMS ein. „Ich weiß sehr wohl, dass du dein Handy bei dir hast. Jade hat es mir gesagt.“ Mein Kiefer klappt herunter, während ich auf den Bildschirm starre. Was?! Wie?! Wann um alles in der Welt hatte er überhaupt Zeit, Jade zu kontaktieren? Hmpf, darauf habe ich verdammt noch mal keine Antwort. Aber eines ist klar: Das Versteckspiel jetzt weiterzuspielen, wäre dumm. Ich muss schnell eine überzeugende Lüge zusammenzimmern, und zwar zügig. „Ähm... hi“, tippe ich hastig aus. „Entschuldige die späte Antwort, aber ich bin gerade im Unterricht. Ich kann wirklich nicht schreiben, weil dieser Professor – Professor Whitman – extrem streng ist, also kann ich mein Handy definitiv nicht benutzen. Schreib dir später?“ Ich halte den Atem an und beobachte, wie die kl
Heute ist ohne den Hauch eines Zweifels der absolut schlimmste Tag meines ganzen Studentenlebens. Und ja, das absolute Totalkatastrophen-Kommentarfeld unter diesem Apex-Video macht zwar einen gewaltigen Bissen dieses Elends aus, aber es ist bei Weitem nicht der einzige Grund. Nachdem Jade diese irre Hiobsbotschaft gedroppt hatte, dass wir alle nur noch an einem seidenen Faden hängen, starrten Michelle und ich sie einfach nur an, bis ins Mark erschüttert. Als Jade unsere fassungslosen Gesichter sah, bot sie nur ein strahlendes, keineswegs einsichtiges Lächeln. „Oh, muntert euch mal auf, Leute. Hört auf, so schockiert zu tun. Zumindest hast du jetzt zwei weitere kaputte Seelen für deine Sammlung, Skylar! Außerdem, sieh es mal von der Sonnenseite – du fühlst dich definitiv nicht mehr so am Boden zerstört wie noch vor wenigen Augenblicken. Jetzt kannst du all die gerechte Wut nehmen, die du von dieser Ohrfeige bekommen hast, deinen Kopf hochtragen und deinen Hintern zum Unterricht schl
Ich öffne den Mund, um zu erklären, dass ich halb durchgedreht und verzweifelt war wegen der bevorstehenden Abgabefrist für das Video um 8:00 Uhr morgens, aber ich erstarre plötzlich, als es in meinem Gehirn Klick macht. „Es sei denn... was?“ Jade blinzelt unschuldig und übertrieben süß. „Es sei denn, es ist rein zufällig voller egomanischer Kampfsportler, die sich für unantastbar halten, und du bist unterwegs auf einer aktiven Suchaktion nach deiner verschwundenen besten Freundin.“ Tja, da klappt mir glatt der Kiefer herunter. „Wie bitte?!“ „Nichts, Hase“, trällert sie und wendet sich nahtlos wieder Michelle zu. „Fahr bitte fort.“ Ich will das nicht auf sich beruhen lassen – ich muss wissen, was zur Hölle sie damit eigentlich meinte. Aber mit dieser Bemerkung über die ‚verschwundene beste Freundin‘ und Mikas derzeitigem Zustand absoluter Erschöpfung: Warum bekomme ich plötzlich das ungute Gefühl, dass Jade heute Morgen ihre eigene, völlig durchgeknallte Geheimoperation durchgezog
Ich bin der festen Überzeugung, dass es kaum einen Unterschied zwischen Michelles Hand und einer Gusseisenplatte gibt – in erster Linie, weil sich die schiere Wucht anfühlt, als würde man von einem herannahenden Zug erfasst. „AUA!“, kreische ich aus voller Kehle und schlage beide Hände ins Gesicht, um meine pochende Wange zu stützen. Wie zu erwarten, richtet sich Mika zum dritten Mal in Folge pfeilgerade im Bett auf. Dieses Mal verzichtet sie jedoch auf das Kissen als Waffe und schlägt stattdessen mit wilden, unkoordinierten Karate-Chops in die leere Luft. „HI-YA! NIMM DAS, DU BASTARD!“ Unter allen anderen Umständen wäre es lächerlich komisch gewesen, aber ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, echte Tränen purer Qual zu unterdrücken. Glücklicherweise ist Mikas Akku fast genauso schnell leer, wie sie angefangen hat, und sie kippt erneut rücklings auf die Matratze zurück, ab ins Ins Schlaraffenland. Michelle starrt mich mit einem Blick voller Entsetzen und Reue an. „Oh mein
Michelle schluckt erneut schwer. Ich stöhne und reibe mir die Schläfen. „Ernsthaft, Jade? Du musst aufhören, sie zu terrorisieren. Okay, gut, ich sag dir einfach, wer–“ „Nein!“, schneidet Jade mir das Wort ab, indem sie einen einzelnen Finger hebt. „Ich frage sie, Sky. Ich will, dass sie selbst antwortet. Wenn sie in unseren inneren Kreis aufgenommen werden soll, muss ich wissen, mit was für einer Energie wir es hier zu tun haben.“ Ich versuche erneut einzugreifen. „Das ist völlig unnötig, ich kann es buchstäblich zusammenfassen–“ „Nein! Ich spreche für mich selbst“, schaltet sich Michelle plötzlich ein. Überrascht drehe ich mich um und sehe, wie sie einen tiefen, brustweitingenden Atemzug nimmt. Als sie die Augen öffnet, ist jede Spur von Feigheit verschwunden; stattdessen brennt ein entschlossener Funke in ihrem Blick. „Mein Name ist Michelle Galloway“, verkündet sie stolz und hebt das Kinn gen Himmel. „Ich studiere Musik, bin stolzer Goth und die Oberste Anführerin des Kappa-
Ich bin keineswegs überrascht, als der vertraute Duft von Jades Parfüm einen Moment später meine Nasenlöcher füllt. An der Art, wie die Matratze einsinkt und ein Schatten auf mich fällt, weiß ich, dass sie direkt an meiner Seite kniet. „Bitte weine nicht, Sky. Lass sie bloß nicht an dich heran“, flüstert sie, und wie zu erwarten, höre ich die Tränen in ihrer Stimme, während sie mir sanft übers Haar streicht. „Die Kommentare bedeuten gar nichts. Das ist nur ein Haufen hirnloser Trolle hinter ihren Tastaturen.“ Ich drehe meinen Kopf leicht und schniefe elend. „Wirklich, Jade? Es bedeutet gar nichts? Bist du dir da ganz sicher?“ „Ich meine... ja. Die Kommentare zählen nicht wirklich. Was zählt, ist die Hauptabstimmung, und deren Ergebnisse wurden noch nicht einmal bekannt gegeben!“ „Machst du Witze, Jade?!“ Aus Frust stütze ich mich auf einen Ellenbogen hoch. „Die Kommentare zählen doch! Sie zeigen, dass Trey und ich keine Stimmen bekommen! Sie zeigen, dass Shawn und Cherry gewinnen,







