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Kapitel 2

Author: Author Light
last update publish date: 2026-09-26 20:26:25

Kapitel 2

Isabella

Ich schlief nicht. Ich konnte nicht, also lag ich neben ihm, starrte in die Dunkelheit und lauschte dem gleichmäßigen Rhythmus seines Atems, als gehöre er einem Fremden – denn vielleicht … tat er das ja.

Der Mann, der in dieses Badezimmer gegangen war, der Mann, der ihren Namen geflüstert hatte, als bedeute er etwas Heiliges – das war nicht mein Mann.

Oder vielleicht war er es nie gewesen.

Ich drehte meinen Kopf leicht zur Seite und beobachtete ihn im schwachen Licht, das durch die Vorhänge drang. Sein Gesicht war jetzt entspannt, frei von Anspannung, frei von Schuldgefühlen und – schlimmer noch – frei von mir.

Ein Arm lag über seinem Kopf, seine Brust hob und senkte sich in einem langsamen, gleichmäßigen Rhythmus. Er sah friedlich aus, sichtlich unberührt von dem, was er getan hatte und was ich gehört hatte.

Meine Finger umklammerten die Decke ein wenig fester, während meine Gedanken umherwanderten.

Drei Jahre. Drei Jahre Ehe, und er hatte mich nicht ein einziges Mal so berührt. Nicht einmal annähernd.

Es lag also nicht daran, dass er keine Intimität wollte. Es lag nicht daran, dass er müde war oder versuchte, mich zu „beschützen“.

Nein. Er wollte mich einfach nicht.

Der Gedanke setzte sich in meiner Brust fest, schwer und kalt, als hätte er dort schon die ganze Zeit gewartet. Ich presste die Augen fest zusammen, doch der Schlaf wollte nicht kommen. Jedes Mal, wenn ich kurz davor war einzuschlafen, hörte ich es wieder: Elisa.

Mir schnürte sich die Kehle zu. Ich drehte mich auf die Seite, mit dem Rücken zu ihm, und zog die Decke enger um mich, als könnte sie mich vor der Wahrheit schützen.

Das tat sie nicht, nichts tat es. Ich war noch immer in Gedanken versunken, als das Geräusch plötzlich erklang.

Meine Augen flogen sofort auf, als das leise Piepen den Raum erfüllte. Einen Moment lang dachte ich, ich hätte es mir eingebildet, doch dann ertönte es erneut.

Ich runzelte leicht die Stirn und warf einen Blick auf den Nachttisch, aber William rührte sich nicht.

Natürlich tat er das nicht.

Vorsichtig richtete ich mich auf und bewegte mich langsam, um ihn nicht zu wecken. Mein Bein protestierte sofort, ein dumpfer Schmerz schoss durch mich, als sich mein Gewicht verlagerte, aber ich ignorierte ihn. Ich hatte schon vor langer Zeit gelernt, trotz Schmerzen zu bewegen.

Ich griff nach seinem Handy, zögerte dann aber – allerdings nur für eine Sekunde. Ich kannte sein Passwort, das hatte ich schon immer, aber ich hatte es noch nie benutzt. Ich vertraute ihm, daher gab es keinen Grund, sein Handy zu durchstöbern, aber nach dem, was heute Nacht passiert war …

Eine weitere Benachrichtigung erhellte den Bildschirm und unterbrach mich. Mein Blick fiel darauf und ich erstarrte.

Elisa. 

Der Name starrte mich an, als hätte er darauf gewartet. Meine Finger umklammerten das Handy fester, als eine weitere Nachricht folgte, dann noch eine.

Ich schluckte.

Der Bildschirm leuchtete immer wieder auf, ihr Name erschien immer wieder, wie ein leises, beharrliches Klopfen, das ich nicht ignorieren konnte.

„Das solltest du nicht“, flüsterte ich mir selbst zu, kaum hörbar. „So bist du doch gar nicht.“

Aber dieser Name – nach dieser Nacht, nach allem – reichte mehr als aus, um meinen Entschluss zu erschüttern. Langsam und vorsichtig schlüpfte ich aus dem Bett und warf einen Blick zurück, um sicherzugehen, dass er noch schlief.

Er rührte sich nicht.

Ich trat aus dem Zimmer hinaus auf den Flur, wo der kalte Boden an meinen nackten Füßen biss, während ich mich auf den Weg zum Arbeitszimmer machte.

Jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der vorherige, als wüsste ich bereits, was mich erwarten würde … und ginge trotzdem darauf zu.

Ich blieb erst stehen, als die Tür leise hinter mir ins Schloss fiel. Das Arbeitszimmer war dunkel, das einzige Licht kam von dem Handy, das noch immer in meiner Hand leuchtete.

Ich setzte mich langsam hin, mein Griff wurde fester, während ich auf den Bildschirm starrte. Eine Nachricht stach hervor. Es war ein Video, das erst vor wenigen Augenblicken gesendet worden war. Mein Herz begann zu pochen, langsam und unregelmäßig.

Öffne es nicht.

Ich hätte das Handy weglegen sollen, ich hätte weggehen sollen, doch stattdessen tippte ich auf „Abspielen“.

Gelächter erfüllte den stillen Raum. Es klang hell und lebhaft, und mir entging nicht, wie sich meine Brust zusammenzog. Die Kamera bewegte sich unruhig und fing flüchtige Eindrücke eines überfüllten Raums ein: Menschen, die sich unterhielten, klirrende Gläser, leise im Hintergrund summende Musik.

Es war eindeutig eine Feier, und dann sah ich William. Er stand in der Mitte, ein Glas in der Hand erhoben, und sein Gesichtsausdruck war anders.

In seinen Augen lag Wärme, echte Wärme. Die Art von Wärme, die ich schon lange nicht mehr – wenn überhaupt jemals – in seiner Richtung gesehen hatte.

„Elisa.“

„Willkommen zu Hause“, sagte er, seine Stimme klang selbst durch die Aufnahme klar.

Er lächelte – nicht das höfliche Lächeln, das er mir schenkte, nicht das müde, sondern ein echtes. Der Raum brach in Jubel aus, jemand drehte die Kamera, und da erschien sie.

Ich brauchte keine Vorstellung, ich brauchte keine Bestätigung. Ich wusste es einfach. Sie stand dicht neben ihm, ihr Lächeln strahlend und ungezwungen, als gehöre sie genau dorthin. Sie umarmten sich und gaben sich einen Kuss auf die Wange, bevor das Video endete.

Willkommen zu Hause.

Im Raum wurde es wieder still, doch das Echo seiner Stimme hallte nach.

Meine Finger zitterten, als ich das Handy leicht absenkte; mein Blick verschwamm. Dort war er also gewesen – nicht in einer Besprechung und auch nicht in der Arbeit gefangen.

Er war dort gewesen, bei ihr, und hatte ihre Rückkehr gefeiert, während ich allein dasaß, wartete und zusah, wie die Kerzen auf einem Kuchen herunterbrannten, den ich mir selbst gebacken hatte.

Ein erstickter Laut entfuhr mir, bevor ich ihn zurückhalten konnte. Meine Hand flog zu meinem Mund und drückte fest darauf, als könnte ich ihn so wieder zurückdrängen, doch die Tränen kamen trotzdem und ließen alles verschwimmen.

Meine Schultern zitterten, während ich leise schluchzte, um William nicht zu wecken. Selbst jetzt wollte ich nicht, dass er merkte, dass ich die Wahrheit kannte.

Ich hatte gehofft, es sei nur ein böser Traum gewesen, dass er eine Entschuldigung für das Geschehene haben würde, aber ich schätze, ich habe mich sehr, sehr getäuscht.

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