LOGINEr heiratete meine beste Freundin. Ich heiratete seinen Vater. Sienna Hale opferte Julian Thorne sechs Jahre ihres Lebens und ihren Traum, in Paris Architektur zu studieren. Dann fand sie ihn im Bett mit Camille Rowe, der Freundin, die ihre Hand gehalten hatte, als Siennas Vater beerdigt wurde. Wenige Wochen später heiratete Julian Camille. Sienna erschien lächelnd auf der Hochzeit. Drei Monate später wurde sie zu Mrs. Adrian Thorne. Adrian war zweiundvierzig, ein Milliardär, der noch nie einen Geschäftsabschluss verloren und nie jemanden wirklich an sich herangelassen hatte. Sein Angebot war einfach: sechs Monate. Getrennte Schlafzimmer. Keine Gefühle. Keine Fragen. Sienna wollte Rache. Adrian wollte, dass sein Sohn sie zu spüren bekam. Doch der Mann, der eigentlich eiskalt sein sollte, wartete auf sie, wenn sie spät nach Hause kam. Er beendete eine Vorstandssitzung, sobald sie aufgelöst den Raum betrat. Er sprach den Namen ihres Vaters aus, als hätte er ihn gekannt. Dann fand Sienna die Schlüsselkarte, mit der in jener Nacht die Tür des Hotelzimmers geöffnet worden war. Sie war auf ihren Namen ausgestellt worden. Julian will sie zurück. Camille verliert die Kontrolle. Und Adrian wird sie nicht gehen lassen. „Pass auf, wie du mit meiner Frau sprichst, Sohn.“ Sein Arm schloss sich fester um ihre Taille. „Sie ist jetzt deine Stiefmutter.“
View MoreSienna Hale reichte dem Platzanweiser ihre Einladung und betrat mit einem Lächeln im Gesicht die Hochzeit ihres Ex-Verlobten.
„Miss Hale?“ Der Platzanweiser überprüfte seine Liste und sah dann erneut zu ihr auf. „Ich kann Sie hier nicht finden …“
„Auf der Seite der Braut. Tisch vier.“ Sie tippte auf die cremefarbene Karte. „Camille hat meinen Namen eigenhändig darauf geschrieben.“
Das hatte sie tatsächlich getan. Ein goldener Rand, verschnörkelte Kalligrafie. Sienna hatte die Einladung gestern Abend elfmal gelesen, nur um sicherzugehen, dass sie echt war.
Der Platzanweiser trat zur Seite.
Der Ballsaal roch nach weißen Lilien und teurem Parfüm. Ein Streichquartett mühte sich mit einer süßlichen Melodie ab. Zweihundert Gäste drehten sich reihenweise nach ihr um, und noch bevor sie die Türschwelle ganz überschritten hatte, begann das Getuschel.
„Ist das etwa sie?“
„Die Ex. Sie ist tatsächlich gekommen.“
„Ich habe gehört, sie hat die beiden in flagranti erwischt.“
„Die Arme.“
„Die Arme, von wegen. Seht euch dieses Kleid an.“
Smaragdgrün, schulterfrei, gekauft von ihrem ersten Gehaltsscheck, den sie sich seit sechs Jahren selbst gegönnt hatte. Sienna hielt das Kinn erhoben und krümmte die Finger so fest, dass ihre Nägel halbmondförmige Abdrücke in ihren Handflächen hinterließen.
„Sienna!“
Julian Thorne überquerte den Marmorboden beinahe im Laufschritt. Sein Smoking saß schief, und seine mit Gel gestylten Haare begannen sich bereits zu lösen. Er packte sie am Ellbogen.
„Was machst du hier?“
Sie blickte auf seine Hand hinunter, bis er sie losließ.
„Dir gratulieren. Ist das etwa verboten?“
„Du kannst nicht hier sein. Camille würde …“
„Camille hat mich eingeladen.“
„Was hat sie?“
„Cremefarbene Karte. Goldener Rand.“ Siennas Lächeln blieb unverändert. „Du solltest deine eigene Gästeliste lesen, Jules. Sie ist wirklich gut.“
Seine Stimme wurde leiser. „Ich wollte nie, dass du es auf diese Weise erfährst.“
„Du wolltest überhaupt nicht, dass ich es erfahre.“
Er zuckte zusammen. Sie hatte sich diesen Moment hundertmal ausgemalt, und nun fühlte sich seine Reaktion viel unbedeutender an, als sie gehofft hatte.
„Sienna!“ Camille Rowe schwebte in einem Meerjungfrauenkleid heran, das mehr gekostet hatte als Siennas altes Auto. Ihre Arme waren bereits ausgebreitet, ihre Locken zu einer perfekten Kaskade hochgesteckt. Sie hatte dieselben großen, tränenfeuchten Augen aufgesetzt wie bei der Beerdigung von Siennas Vater. „Du bist gekommen! Ich hatte solche Angst, dass du nicht kommen würdest!“
Die Umarmung roch nach Lavendel. Sienna hielt den Atem an, bis sie vorbei war.
„Ich hatte einfach gehofft, dass wir trotzdem Freunde bleiben könnten“, flüsterte Camille. „Nach allem, was passiert ist.“
„Freunde.“ Sienna ließ das Wort zwischen ihnen stehen. „Du hast auf dem Friedhof am Grab meines Vaters meine Hand gehalten, Cam. Ich glaube nicht, dass wir noch Freunde sein können.“
Ein feiner Riss zog sich durch Camilles Lächeln, bevor es sich wieder schloss.
„Ich habe ein Geschenk mitgebracht.“ Sienna holte eine flache Samtschachtel aus ihrer Clutch und drückte sie Julian in die Hand. „Für den Bräutigam.“
Er öffnete sie. Darin lag der Ring, mit dem er ihr einst einen Heiratsantrag gemacht hatte. Der winzige Diamant fing das Licht des Kronleuchters ein.
„Sienna, ich …“
„Er ist versichert. Verkauf ihn.“ Sie klopfte ihm auf das Revers. „Für die Flitterwochen könnt ihr das Geld bestimmt gebrauchen.“
Camille stieß einen leisen Laut aus. Überall drehten sich Köpfe zu ihnen um. Jemand hatte bereits sein Handy gezückt.
„Du genießt das hier“, zischte Julian.
Das tat sie nicht. Ihre Kehle brannte, als hätte sie ein Streichholz verschluckt. Der Brief einer Pariser Architekturschule lag noch immer dreifach gefaltet in ihrer Nachttischschublade. Es war der Brief, dessen Angebot sie ausgeschlagen hatte, damit Julian sein Start-up aufbauen konnte. Und das Einzige, was sie heute dafür bekommen hatte, war ein Ring in einer Schachtel.
„Nicht im Geringsten“, sagte sie, und das war die Wahrheit.
„Julian.“
Die Stimme kam von hinter ihr. Tief. Ruhig. Sie verlangte keine Aufmerksamkeit, sie nahm sie sich einfach. Das Geflüster verstummte.
Neben Sienna stand ein Mann in einem anthrazitfarbenen Anzug, die Hände in den Taschen. Vierzig, vielleicht etwas älter. Schwarzes Haar mit einem Hauch Silber an den Schläfen, ein Kiefer wie aus Stein gemeißelt und Augen von dem flachen Grau winterlichen Wassers. Er sah seinen Sohn nicht an. Sein Blick ruhte auf der Ringschachtel in Julians Hand.
„Dad“, sagte Julian. „Es ist nicht so, wie …“
„Nicht.“
Julian verstummte. Camille fand plötzlich etwas auf dem Boden ausgesprochen faszinierend.
Der Mann wandte sich Sienna zu.
„Miss Hale. Kommen Sie mit mir.“
„Das würde ich lieber nicht, Mr. Thorne.“
„Ich habe nicht gefragt.“ Ein Mundwinkel zuckte. „Ihr Lächeln übrigens auch nicht.“
Trotzdem folgte sie ihm. Durch die Glastüren hinaus auf eine Steinterrasse, die mit Lichterketten geschmückt war. Der Lärm aus dem Ballsaal sank zu einem gedämpften Murmeln herab. Die kühle Luft strich über ihre nackten Schultern, und sie fröstelte. Er bot ihr nicht seine Jacke an, was sie ihm hoch anrechnete.
„Wenn Sie mich bitten wollen zu gehen“, sagte sie, „hatte ich das ohnehin schon vor.“
„Das werde ich nicht.“ Adrian Thorne lehnte sich gegen die Balustrade. „Sie zittern seit zwanzig Minuten.“
„Mir ist kalt.“
„Ihre Hände. Seit Sie hereingekommen sind, halten Sie sie hinter Ihrer Clutch versteckt.“ Er nickte in ihre Richtung. Sie hatte es schon wieder getan und die Hände hinter ihrem Rücken verborgen. „Sie haben gelächelt, damit Sie nicht schreien mussten. Ich hätte dasselbe getan.“
Ihre Kehle schnürte sich zu. „Sie kennen mich nicht.“
„Ich weiß, dass Sie seine erste Büromiete bezahlt haben.“ Seine Stimme blieb nüchtern, ohne jede Betonung. „Und die Gehälter seiner ersten beiden Mitarbeiter. Außerdem die Serverkosten, die sein Unternehmen vorletzten Winter am Leben gehalten haben. Er erzählt den Leuten, er habe alles allein aufgebaut. Ich habe die Kontoauszüge gelesen.“
„Warum sollten Sie seine Kontoauszüge lesen?“
„Ich lese alles.“ Er musterte sie. „Eine Frau, die sechs Jahre lang einen Mann finanziert hat, erscheint nicht mit leeren Händen auf seiner Hochzeit. Also frage ich Sie: Was wollen Sie?“
Beinahe hätte sie gesagt, nichts. Doch das Wort wollte ihr nicht über die Lippen kommen. Stattdessen kam die Wahrheit, leise und ungeschönt.
„Ich will, dass er erfährt, wie sich das anfühlt.“
„Gut.“ Er klang beinahe zufrieden. „Die Tochter von Daniel Hale würde sich mit weniger nicht zufriedengeben.“
Auf der Terrasse wurde es vollkommen still.
„Ich habe Ihnen nie den Namen meines Vaters genannt“, sagte Sienna.
Für den Bruchteil einer Sekunde veränderte sich nichts in seinem Gesicht. Dann war es wieder glatt wie Glas.
„Es gehört zu meinem Geschäft, zu wissen, wer auf der Hochzeit meines Sohnes sitzt.“
Es war eine gute Antwort. Gleichzeitig war es das Erste, was er an diesem Abend gesagt hatte und dabei einstudiert klang.
Hinter ihnen im Ballsaal holte das Streichquartett tief Luft und begann den Hochzeitsmarsch.
„Das ist es, was ich will“, sagte Adrian. „Mein Sohn soll gedemütigt werden. Seine Braut soll als das entlarvt werden, was sie ist. Und Sie sollen endlich einmal auf der Gewinnerseite stehen.“ Er richtete sich auf und hielt ihrem Blick stand. „In vierzig Minuten wird die Hochzeitstorte angeschnitten. Bis dahin möchte ich Ihre Antwort.“
„Meine Antwort worauf?“
„Heiraten Sie mich, Miss Hale.“
Samuel Voss sollte tot sein.Und doch hatte jemand in seinem Namen ein Dokument entgegengenommen.Sienna starrte auf die gescannte Empfangsbestätigung auf ihrem Laptop. Ihre Finger ruhten auf der Tischkante.Adrian stand hinter ihr.„Könnte es die Unterschrift von jemand anderem sein?“„Genau das werden wir herausfinden.“„Du hast seinen Namen sofort erkannt.“„Ich erinnere mich an seine Handschrift aus der alten Korrespondenz meines Vaters. Aber eine Unterschrift wiederzuerkennen, ist nicht dasselbe, wie beweisen zu können, wer sie geschrieben hat.“Adrian zog einen Stuhl heran.„Meine Mutter wusste etwas darüber.“„Sie wusste genug, um die Abholung des Dokuments zu veranlassen.“„Und sie hat sich geweigert, uns zu sagen, wer es abgeholt hat.“Sienna wandte sich ihm zu.„Dann finden wir es selbst heraus.“Sie nahm ihr Handy und rief Marcus an.„Ich möchte die vollständigen Zustell- und Übergabeunterlagen der Anwaltskanzlei. Alles, was mit dieser Empfangsbestätigung zusammenhängt. Das
Das Beängstigendste war nicht, dass jemand Adrians Namen benutzt hatte. Sondern dass diese Person genau gewusst hatte, wann er noch zu jung gewesen war, um es zu hinterfragen. Sienna beobachtete, wie er mit dem Handy noch immer in der Hand nach dem Anruf von Marcus durch die Bibliothek auf und ab ging. „Sag etwas“, forderte sie ihn schließlich auf. Adrian blieb stehen. „Was soll ich sagen? Dass ich nicht verstehe, wie mein Name auf einem Dokument gelandet ist, das ich nie angefordert habe?“ „Ich möchte, dass du gründlich nachdenkst. Wer kümmerte sich um die rechtlichen Angelegenheiten deines Vaters, als er starb?“ „Meine Mutter.“ „Hat sie dich jemals gebeten, etwas zu unterschreiben?“ Er wandte den Blick ab. „Ich war siebzehn, Sienna. Ich hatte gerade meinen Vater verloren. An
Die Unterschrift eines Toten konnte beinahe alles genehmigen, wenn die richtige Person wusste, wie sie sie einsetzen musste.Sienna starrte auf das Dokument auf ihrem Handy. Das Datum neben Edmund Thornes Unterschrift ließ sie einfach nicht los.Adrian stand ihr gegenüber. Sein Gesichtsausdruck war angespannt.„Das kann nicht stimmen.“„Dann müssen wir herausfinden, warum es so aussieht.“„Mein Vater war tot. Er konnte nichts mehr genehmigen.“„Seine Handschrift könnte echt sein, Adrian. Das bedeutet aber nicht, dass er genau dieses Dokument an diesem Datum unterschrieben hat.“Er sah sie an.„Du vermutest, dass jemand seine Unterschrift kopiert hat?“„Ich ziehe mehrere Möglichkeiten in Betracht. Jemand könnte ein früher unterschriebenes Dokument verwendet, seine Unterschrift auf eine separate Anweisung übertragen oder das Datum manipuliert haben. Solange wir das Original nicht untersucht haben, wissen
Die Unterschrift war vertraut. Ihre Bedeutung hingegen nicht.Sienna starrte auf das Foto auf ihrem Handy und betrachtete Evelyn Thornes Handschrift unter der Anweisung, ein privates Treffen auf dem Anwesen zu organisieren, auf dem Edmund gestorben war.Adrian stand ihr gegenüber. Sein Gesichtsausdruck war unergründlich.„Sie hat an dem Tag, an dem mein Vater starb, dort ein Treffen arrangiert“, sagte er.„Das scheint das Dokument zumindest nahezulegen.“„Glaubst du, sie wusste, was passieren würde?“„Ich glaube, wir müssen erst herausfinden, was genau sie genehmigt hat, bevor wir irgendjemanden beschuldigen.“Er lachte freudlos.„Du verlangst von mir, ruhig und vernünftig zu bleiben, obwohl dieses Dokument meine Mutter mitten in die letzten Stunden meines Vaters rückt.“„Ich bitte dich nur, nicht denselben Fehler zu machen wie vor siebzehn Jahren. Akzeptiere keine Erklärung, nur weil sie von jemandem k











