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Kapitel 6: Das Erwachen in den Trümmern

Penulis: Déesse
last update Terakhir Diperbarui: 2026-02-06 01:03:12

Élianor

Die Nacht hat mich verschlungen. Nachdem ich den Festsaal verlassen hatte, die Lacher an meiner Haut klebend wie eine Verbrennung, hatte ich nicht die Kraft, nach Hause zu gehen. Liora ins Gesicht sehen, die gedämpften Fragen meiner Eltern? Unmöglich. Mein Körper war nur noch eine leere Hülle, vibrierend vor Scham.

Ich fand mich vor einer heruntergekommenen Bar am Stadtrand wieder, einem Ort, an dem das Licht schwach und die Blicke gleichgültig waren. Ich drückte die Tür auf. Der Geruch von abgestandenem Bier und kaltem Tabak empfing mich. Es war perfekt.

Ich setzte mich an die Theke und bestellte ein Glas. Dann noch eines. Der Alkohol brannte in meiner Kehle, aber es war ein einfacher, klarer Schmerz, der den anderen ertränkte, den, der zerreißend war, durch Raphaëls Verrat. Jeder Schluck war ein vergifteter Balsam, der ein wenig mehr die Erinnerung an sein Lächeln, seine sanften Worte, seine Lügen auslöschte.

Die Lichter der Bar wurden verschwommen. Die Stimmen verwandelten sich in ein fernes Summen. Ich dachte nicht mehr. Ich fühlte nichts mehr. Ich war ein Schiffbruch, das sich sinken ließ, betrunken von Schmerz und billigem Whisky. Silhouetten kamen, um mit mir zu sprechen. Dicke Lacher. Hände, die über meine Schulter strichen. Es war verschwommen, fern. Ich erinnere mich an kein bestimmtes Gesicht. Nur an eine männliche Präsenz, eine tiefe Stimme, die Dinge sagte, die ich nicht hörte. Ich klammerte mich an diese anonyme Präsenz wie an einen Rettungsring in meinem Meer der Not. Es war besser als die Einsamkeit, die schreckliche Leere.

Dann, nichts mehr. Ein schwarzes Loch.

Das Tageslicht durchbohrt meine Augenlider wie eine Klinge. Ein dumpfer Schmerz pulsiert an meinen Schläfen, und eine saure Übelkeit windet sich in meinem Magen. Ich liege. Es ist nicht mein Bett.

Der Geruch ist das Erste, was mich trifft. Es ist nicht der Geruch meines Zimmers. Es ist ein Geruch von Mann, von Schweiß, von abgestanden, von kaltem Tabak. Ein unbekannter Geruch.

Langsam öffne ich die Augen, der Kopf schwer. Die Decke ist niedrig, rissig. Der Raum ist klein, unordentlich. Schmutzige Kleidung liegt auf einem Stuhl. Eine leere Bierflasche steht auf dem Nachttisch.

Und ich bin nackt.

Eine eisige Kälte, viel schlimmer als der Kater, ergreift mich plötzlich. Ich richte mich abrupt auf, das Herz schlägt mir bis zum Hals, die Decke bis zum Kinn hochgezogen. Die Bewegung weckt einen stechenden, diffusen Schmerz zwischen meinen Oberschenkeln. Einen Schmerz, den ich noch nie gekannt hatte.

Mein panischer Blick durchkämmt den Raum. Es ist niemand da.

Aber auf dem Kissen neben mir, ein Abdruck. Der Eindruck eines Kopfes. Das Kissen ist zerknittert. Und auf dem Laken, ein Fleck. Ein kleiner bräunlicher Fleck, rostig, der wie getrocknetes Blut aussieht.

Das Blut.

Die Realität trifft mich mit voller Wucht, gewaltsam, obszön.

Ich bin nie nach Hause gegangen. Ich habe mich betrunken. Ein Mann hat mich hierher gebracht. Und dieser Schmerz... dieser Fleck...

Ich bin nicht mehr Jungfrau.

Mir bleibt der Atem weg. Der Raum beginnt sich zu drehen. Die Übelkeit steigt, unwiderstehlich, und ich beuge mich über das Bett und erbreche einen Mix aus Alkohol und Galle auf den schmutzigen Boden. Mein ganzer Körper zittert, erschüttert von stillen, schluchzenden Weinen.

Es hätte schön sein sollen. Es hätte ein Geschenk, ein Akt der Liebe sein sollen. Nicht das. Nicht im ethylischen Vergessen, mit einem Unbekannten, dessen Gesicht ich nicht einmal erinnere, in einem schäbigen Bett. Auch das wurde mir geraubt. Man hat mir mein erstes Mal gestohlen, wie man mir meine Würde geraubt hat.

Ich stehe auf, wankend, in die schmutzige Decke gehüllt. Ich hebe meine Kleidung auf, die auf dem Boden verstreut liegt. Mein Kleid, das ich für „meine Überraschung“ angezogen hatte, ist zerknittert, beschmutzt. Jede Bewegung ist eine Agonie. Jeder Atemzug erinnert mich an den Geruch dieses Raumes, den Geruch dieses Mannes, den Geruch meines eigenen Verfalls.

Ich ziehe mich hastig an, die Finger zittern. Ich will keine Sekunde länger hier bleiben. Ich verlasse das Zimmer, gehe durch ein kleines, heruntergekommenes Wohnzimmer und finde mich auf der Straße wieder, bei Tageslicht. Das Sonnenlicht ist grausam, obszön.

Ich gehe, die Beine zittern, der Körper schmerzt, die Seele in Fetzen. Die Scham von gestern, der Verrat von Raphaël, wird jetzt überlagert, erdrückt von einer tieferen, intimeren, schmutzigeren Scham.

Ich schlüpfe heimlich in mein Haus. Glücklicherweise ist niemand da. Ich gehe direkt ins Badezimmer, schaue in den Spiegel. Meine Augen sind geschwollen, mein Gesicht ist von Tränen und Alkohol geschwollen. Ich ziehe mich aus und gleite unter die heiße Dusche. Ich reibe mich, reibe mich, bis die Haut rot, wund ist, als wollte ich die Schmutz, den Geruch, die Erinnerung an diese Nacht abreißen.

Aber es geht nicht weg. Der Schmerz zwischen meinen Oberschenkeln ist ein ständiger Reminder. Der Fleck auf dem Laken ist wie ein Brandmal in meinem Gedächtnis eingeprägt.

Ich glaubte, nach Raphaëls Verrat am Ende des Brunnens zu sein. Ich lag falsch. Er hatte mich nur bis zum Rand gestoßen. Diese Nacht, in diesem unbekannten Bett, habe ich den Grund berührt. Einen schlammigen, eiskalten Grund, wo nichts mehr zählt. Wo man nichts mehr ist.

Ich breche in der Badewanne zusammen, das warme Wasser rinnt über meinen Körper, der nicht mehr ganz der meine ist. Und im Rauschen des Wassers schwört sich ein neuer Schwur, dunkler, endgültiger als alle anderen. Ein Schwur der Stille, des Überlebens. Und der Rache.

Diese Stadt, diese Menschen, haben mir alles genommen. Meine Würde, meine Unschuld, meine Hoffnung.

Eines Tages werde ich zurückkommen. Und ich werde ihnen alles zurücknehmen.

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