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Der Anruf kommt am nächsten Morgen, während Bimbo an der Küchentheke steht. Ihr Kaffee wird in ihrer Hand langsam kalt, während sie ins Leere starrt. Beinahe nimmt sie den Anruf nicht an. Die Nummer ist ihr unbekannt, eine Festnetznummer.„Bimbo.“ Julians Stimme klingt wärmer als gewöhnlich, ganz anders als der steife Ton, den sie in den letzten drei Jahren von ihm gewohnt war. „Ich hoffe, ich störe nicht zu früh.“„Mr. Calder.“ Sie stellt ihre Tasse ab und ist überrascht, von ihm zu hören. „Ist alles in Ordnung?“„Alles bestens. Ich habe mich gefragt, ob du heute Morgen mit mir Kaffee trinken möchtest. Nur wir beide.“ Er macht eine kurze Pause. „Es gibt Dinge, die ich dir sagen möchte, aber nicht bei einem Familienessen besprechen will.“Sie ist kurz davor, abzulehnen. Nach der vergangenen Nacht und Davids Geständnis ist ein weiteres schwieriges Gespräch mit einem Calder das Letzte, was sie gebrauchen kann. Doch irgendetwas an Julians Stimme lässt sie zögern.„In Ordnung. Um wie viel
Davids Penthouse liegt dreißig Stockwerke über der Straße, und selbst jetzt, wo zwischen ihnen alles auseinanderzubrechen droht, hat Bimbo sich noch immer nicht an die Stille hier oben gewöhnt. Kein Verkehrslärm. Keine Stimmen aus den umliegenden Gebäuden. Nur Glas, Stahl und das leise Summen der Stadt weit unter ihnen.Als David sie hereinlässt, steht sie bereits am Fenster, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie macht sich nicht einmal die Mühe, ihren Mantel auszuziehen. Wenn dieses Gespräch so verläuft, wie sie es erwartet, wird sie ohnehin nicht lange bleiben.„Du wolltest reden“, sagt sie. „Also, rede.“David schließt die Tür hinter ihr. Er hat sein Sakko gegen einen dunklen Pullover getauscht, dessen Ärmel er bis zu den Unterarmen hochgeschoben hat. Für einen Moment sieht er beinahe wie ein anderer Mann aus. Jemand Sanfteres. Jemand, der nicht seit drei Jahren so tut, als wäre ihre Ehe nichts weiter als eine geschäftliche Vereinbarung.Der Gedanke verschwindet so schnell, wie e
„Warte.“Camilas Hand erstarrt am Schalthebel. Das Auto steht noch immer vor dem Café, der Motor läuft. Einen Moment lang starrt sie durch die Windschutzscheibe, als würde sie versuchen, etwas zusammenzusetzen.„Warte, was?“ Bimbo legt den Sicherheitsgurt an. Die letzten zehn Minuten hatten sie völlig aufgewühlt, und Renatas blasses Gesicht war ihr noch immer deutlich vor Augen.„Die Schwangerschaft.“ Camila dreht sich zu ihr um. Ihr Blick ist plötzlich scharf. „Wenn die Affäre inszeniert war. Eine einzige Nacht. Ein geplanter Moment, in dem du die beiden zusammen erwischen solltest. Wie kann sie dann bereits schwanger sein?“Bimbo blinzelt. „Was?“„Bimbo, eine Schwangerschaft entsteht nicht über Nacht und wird erst Wochen später bestätigt. Wenn sie schon so weit ist, dass sie anderen davon erzählt, auch dir, dann muss die Schwangerschaft bereits vor jener Nacht begonnen haben. Das bedeutet …“„Das bedeutet, dass es nicht nur diese eine Nacht war.“ Bimbos Magen zieht sich zusammen. „Oh
„Die letzte Chance, dass ich mit dir hineinkomme.“Camilas Wagen steht vor einem kleinen Café am Stadtrand. Der Motor läuft noch. Sie sieht Bimbo an, als wäre diese im Begriff, direkt auf eine belebte Straße zu laufen.„Die Frau hat um Privatsphäre gebeten, Camila.“„Sie hat auch mit deinem Mann geschlafen. Privatsphäre hat sie sich nicht verdient.“„Ich weiß.“ Bimbo betrachtet ihr Spiegelbild im Seitenspiegel, streicht sich die Haare zurück und atmet langsam ein. „Aber wenn sie dich am Nebentisch sitzen sieht, sagt sie vielleicht kein einziges Wort. Ich muss sie zum Reden bringen.“„Na schön.“ Camila stößt einen langen Seufzer aus. „Schreib mir alle zehn Minuten eine Nachricht, sonst komme ich trotzdem rein.“„Abgemacht.“Bimbo steigt aus und betritt allein das Café. Es ist klein und ruhig, genau die Art von Ort, an dem niemand Wichtiges auf die Idee kommen würde, nach jemandem zu suchen. Wahrscheinlich hat Renata ihn deshalb ausgewählt.Bimbo entdeckt sie in einer Sitznische ganz hi
„Du hast einen Ermittler gerufen, ohne mir Bescheid zu sagen?“ Camila lässt sich mit einem Kaffee in der Hand auf den Stuhl gegenüber Bimbos Schreibtisch fallen und zieht die Augenbrauen hoch. „Ich sage es dir doch jetzt.“ „Das ist nicht dasselbe, wie es mir zu sagen, bevor er bereits im Gebäude ist.“ Camila wirft einen Blick zur Glaswand des Konferenzraums, wo ein Mann in einer schlichten grauen Jacke gerade einen Laptop auf den Tisch stellt. „Wer ist er?“ „Diego Salinas. Privatdetektiv. Eigentlich hat Davids Anwalt ihn empfohlen, was sich immer noch seltsam anhört, wenn ich es laut sage.“ „David hilft dir jetzt dabei, einen Privatdetektiv zu engagieren?“ Camilas Augenbrauen wandern noch höher. „Okay. Seit ich das letzte vollständige Update bekommen habe, ist offenbar einiges passiert.“ „Einiges“, stimmt Bimbo zu, steht auf und streicht ihren Blazer glatt. „Komm. Das solltest du auch hören.“ Sie gehen gemeinsam in den Konferenzraum. Diego blickt auf und nickt ihnen ku
„Wir müssen reden.“ Bimbo blickt von den Papieren auf, die über ihren Schreibtisch bei Duarte Biogenics verteilt liegen. Sie ist so überrascht, dass ihr Stift mitten während einer Unterschrift stehen bleibt. David steht in der Tür ihres Büros, seine Krawatte ist gelockert und seine Jacke hat er ausgezogen. Er sieht aus wie ein Mann, der seit dem Abendessen auf dem Anwesen der Calders kaum geschlafen hat. „Normalerweise klopfst du nicht“, sagt sie. „Oder hast du vergessen, wie Türen in meinem Büro funktionieren?“ „Ich habe geklopft. Du hast mich nicht gehört.“ „Ich war beschäftigt.“ „Das sehe ich.“ Sein Blick wandert zu den Papieren auf ihrem Schreibtisch. „Ist das die Änderung?“ „Die Änderung von deinem Anwalt, ja.“ Sie schiebt den Stapel zu ihm, ihr Gesichtsausdruck kalt. „Die neue Klausel zum öffentlichen Verhalten. Ich soll jede Zeile lesen und bis Freitag unterschreiben, oder du verhängst Strafen gegen die Behandlung meines Vaters. Habe ich das richtig verstanden?“







