LOGINDrei Jahre einer kalten, leeren Ehe. Dann, an unserem Jahrestag, erwische ich meinen Mann dabei, wie er seine Sekretärin küsst. Sie ist schwanger. Und er zeigt nicht einmal Reue. Ich will die Scheidung, doch er weigert sich. Das Leben meines Vaters hängt vom Geld seiner Familie ab, und mein Mann weiß genau, wie er das gegen mich verwenden kann.Also kehre ich an den einzigen Ort zurück, an dem ich noch etwas zu sagen habe – in die Firma meines Vaters. Und genau dort kommt sein Onkel ins Spiel. Er ist älter. Mächtig. Gefährlich. Und aus irgendeinem Grund hört er nicht auf, mich zu beschützen. Seine Berührungen dauern zu lang. Seine Blicke verweilen zu lange auf mir. Und je mehr ich versuche, Abstand zu halten, desto schwieriger wird es, das zu ignorieren, was sich zwischen uns anbahnt.
View MoreDie Tür schwingt unter Bimbos Hand auf, und sie erstarrt.
„David!“ Er zuckt nicht einmal zusammen. Er dreht nur langsam den Kopf, als wäre sie diejenige, die im falschen Moment hereingekommen ist. Renata steht hinter ihm an die Wand gedrückt, ihre Bluse offen, seine Hand liegt noch immer auf ihrem Bauch. „Geh raus“, sagt Bimbo zu Renata. Ihre Stimme zittert, aber die Worte kommen hart heraus. Renata schnappt sich ihre Jacke und läuft an Bimbo vorbei, ohne sie anzusehen. Ihre Schritte verklingen auf dem Flur. David richtet sein Hemd, als wäre nichts passiert. „Bimbo—“ „Nenn mich nicht Bimbo.“ Sie hebt eine Hand. „Sag meinen Namen nicht so, als wäre ich diejenige, die etwas falsch gemacht hat.“ „Es ist nicht das, wonach es aussieht.“ „Es ist genau das, wonach es aussieht.“ Sie lacht, aber es liegt kein Humor darin. „Drei Jahre, David. Drei Jahre, in denen du mich kaum angesehen hast. Jetzt weiß ich, warum.“ Er geht auf sie zu. Sie weicht schnell zurück. „Sie ist schwanger“, sagt Bimbo. Es ist keine Frage. Sie hat gesehen, wo seine Hand lag. Davids Kiefer spannt sich an. Das ist Antwort genug. Bimbo hält sich die Hand vor den Mund. Ihre Beine fühlen sich schwach an. „Sag etwas“, flüstert sie. „Was willst du, dass ich sage?“ „Die Wahrheit. Einmal in deinem Leben.“ David fährt sich mit einer Hand über das Gesicht. Als er wieder spricht, ist seine Stimme ruhig und kalt, dieselbe Stimme, die er in Meetings benutzt, wenn er seine Entscheidung längst getroffen hat. „Die Wahrheit ist, dass diese Ehe nie echt war. Das weißt du. Ich weiß es. Wir haben geheiratet, weil es die Firma deines Vaters geschützt und meinen Vorstand zufriedengestellt hat. Mehr war das nie.“ „Für mich war es mehr.“ Sie hasst sich selbst, sobald sie es ausspricht. Etwas huscht über sein Gesicht, aber es ist verschwunden, bevor sie verstehen kann, was es bedeutet. „Ich will die Scheidung“, sagt sie. „Nein.“ „Das ist nicht deine Entscheidung.“ „Eigentlich schon.“ Er verschränkt die Arme. „Dein Vater steht auf der Transplantationsliste des Calder Health Network. Seine Ärzte, seine Medikamente, sein Krankenhauszimmer. Für all das wird über Konten bezahlt, die auf meinen Namen laufen. Geh durch diese Tür, reiche die Scheidung ein, und innerhalb einer Woche ziehe ich alles zurück.“ Bimbo starrt ihn an. „Das würdest du nicht tun.“ „Probier es aus.“ Das Leben ihres Vaters. Seine Behandlung. Er benutzt das alles, um sie gefangen zu halten. „Er stirbt, David. Er braucht diese Transplantation.“ „Dann bleib mit mir verheiratet.“ Er sagt es, als wäre es das Einfachste auf der Welt. „Nichts ändert sich. Wir spielen weiter die glückliche Ehe. Du behältst seine Behandlung. Ich halte meinen Vorstand zufrieden. Alle gewinnen.“ „Alle außer mir.“ „Du wirst es überleben. Das tust du doch immer.“ Ihre Hände ballen sich zu Fäusten. Sie will das Weinglas vom Tisch nehmen und es ihm an den Kopf werfen. Sie bewegt sich nicht. Sie vertraut sich selbst nicht genug, um es zu tun. „Ich hasse dich“, sagt sie leise. David antwortet nicht. Sein Gesicht bleibt regungslos, und es interessiert sie nicht genug, um sich zu fragen, was er denkt. Sie dreht sich um und geht hinaus. Sie sieht nicht zurück. Sie weint erst, als sie in ihrem Auto sitzt, ihre Hände das Lenkrad so fest umklammern, dass ihre Knöchel weiß werden. Dann kommen die Tränen schnell und lassen die Lichter der Stadt durch die Windschutzscheibe verschwimmen. Ihr Handy vibriert. Eine Nachricht von Camila. Wie läuft das Jahrestagsessen? Sag David, ich wünsche ihm alles Gute zu drei Jahren, lol Bimbo lacht, aber daraus wird ein Schluchzen. Mit zitternden Fingern tippt sie. Er hat seine Sekretärin an die Wand gedrückt und sie geküsst. Sie ist schwanger. Ich will die Scheidung und er sagt nein wegen Dads Behandlung. Drei Punkte erscheinen sofort. WAS Wo bist du? Im Auto vor dem Restaurant. Beweg dich nicht. Ich komme. Bimbo lässt das Handy auf ihren Schoß fallen und starrt auf das Restaurant. Warmes Licht fällt durch die Fenster. Irgendwo drinnen ist leises Lachen zu hören. Wahrscheinlich sitzt David immer noch in diesem privaten Raum, seine Krawatte wieder ordentlich gerichtet, und tut so, als wäre nichts passiert. Sie legt ihre Stirn auf das Lenkrad und atmet. Ein. Aus. Ein. Er kann damit nicht durchkommen, sagt sie sich. Er kann nicht einfach alles behalten. Fünfzehn Minuten später leuchten hinter ihr Scheinwerfer auf. Camilas Auto fährt schnell vor und hält schief am Straßenrand. Sie steigt aus, noch bevor das Auto vollständig in Parkstellung ist, und läuft über den Parkplatz in hohen Schuhen, in denen sie offensichtlich nicht vorhatte zu rennen. Bimbo lässt das Fenster herunter. Camila beugt sich hinein, wirft einen Blick auf ihr Gesicht und stellt keine einzige Frage. Sie öffnet die Beifahrertür, steigt ein und zieht Bimbo über die Mittelkonsole hinweg in eine Umarmung. „Ich werde ihn umbringen“, sagt Camila an ihrer Schulter. „Ich meine es ernst. Ich kenne Leute.“ Bimbo lacht durch ihre Tränen. „Du kennst keine Leute.“ „Ich kenne einen Typen, der Leute kennt.“ Das bringt Bimbo ein weiteres Lachen hervor. Es ist klein, aber echt. Camila zieht sich zurück und nimmt Bimbos Gesicht in beide Hände. „Okay. Rede mit mir. Alles. Fang irgendwo an.“ Also tut Bimbo es. Sie erzählt ihr alles: Renata an der Wand, Davids kalte Stimme, die Drohung wegen der Behandlung ihres Vaters und dass er ihr die Scheidung verweigert. Camilas Gesicht wechselt von Schock zu Wut und wird dann ruhig und konzentriert. „Er kann das Leben deines Vaters nicht benutzen, um dich zu kontrollieren“, sagt Camila. „Das ist keine Ehe. Das ist eine Geiselnahme mit Ehering.“ „Ich weiß.“ Bimbo wischt sich mit dem Handrücken über das Gesicht. „Aber ich kann ihn nicht verlieren, Camila. Ich meine Dad. Ich kann nicht auch noch Dad verlieren.“ „Das wirst du nicht.“ Camila drückt ihre Hand. „Wir werden eine Lösung finden. Das tun wir doch immer.“ Bimbo nickt, obwohl sie es noch nicht glaubt. Davids ruhige Stimme ist noch immer in ihrem Kopf und sagt ihr, was passieren wird, wenn sie sich weigert, mitzuspielen.Der Anruf kommt am nächsten Morgen, während Bimbo an der Küchentheke steht. Ihr Kaffee wird in ihrer Hand langsam kalt, während sie ins Leere starrt. Beinahe nimmt sie den Anruf nicht an. Die Nummer ist ihr unbekannt, eine Festnetznummer.„Bimbo.“ Julians Stimme klingt wärmer als gewöhnlich, ganz anders als der steife Ton, den sie in den letzten drei Jahren von ihm gewohnt war. „Ich hoffe, ich störe nicht zu früh.“„Mr. Calder.“ Sie stellt ihre Tasse ab und ist überrascht, von ihm zu hören. „Ist alles in Ordnung?“„Alles bestens. Ich habe mich gefragt, ob du heute Morgen mit mir Kaffee trinken möchtest. Nur wir beide.“ Er macht eine kurze Pause. „Es gibt Dinge, die ich dir sagen möchte, aber nicht bei einem Familienessen besprechen will.“Sie ist kurz davor, abzulehnen. Nach der vergangenen Nacht und Davids Geständnis ist ein weiteres schwieriges Gespräch mit einem Calder das Letzte, was sie gebrauchen kann. Doch irgendetwas an Julians Stimme lässt sie zögern.„In Ordnung. Um wie viel
Davids Penthouse liegt dreißig Stockwerke über der Straße, und selbst jetzt, wo zwischen ihnen alles auseinanderzubrechen droht, hat Bimbo sich noch immer nicht an die Stille hier oben gewöhnt. Kein Verkehrslärm. Keine Stimmen aus den umliegenden Gebäuden. Nur Glas, Stahl und das leise Summen der Stadt weit unter ihnen.Als David sie hereinlässt, steht sie bereits am Fenster, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie macht sich nicht einmal die Mühe, ihren Mantel auszuziehen. Wenn dieses Gespräch so verläuft, wie sie es erwartet, wird sie ohnehin nicht lange bleiben.„Du wolltest reden“, sagt sie. „Also, rede.“David schließt die Tür hinter ihr. Er hat sein Sakko gegen einen dunklen Pullover getauscht, dessen Ärmel er bis zu den Unterarmen hochgeschoben hat. Für einen Moment sieht er beinahe wie ein anderer Mann aus. Jemand Sanfteres. Jemand, der nicht seit drei Jahren so tut, als wäre ihre Ehe nichts weiter als eine geschäftliche Vereinbarung.Der Gedanke verschwindet so schnell, wie e
„Warte.“Camilas Hand erstarrt am Schalthebel. Das Auto steht noch immer vor dem Café, der Motor läuft. Einen Moment lang starrt sie durch die Windschutzscheibe, als würde sie versuchen, etwas zusammenzusetzen.„Warte, was?“ Bimbo legt den Sicherheitsgurt an. Die letzten zehn Minuten hatten sie völlig aufgewühlt, und Renatas blasses Gesicht war ihr noch immer deutlich vor Augen.„Die Schwangerschaft.“ Camila dreht sich zu ihr um. Ihr Blick ist plötzlich scharf. „Wenn die Affäre inszeniert war. Eine einzige Nacht. Ein geplanter Moment, in dem du die beiden zusammen erwischen solltest. Wie kann sie dann bereits schwanger sein?“Bimbo blinzelt. „Was?“„Bimbo, eine Schwangerschaft entsteht nicht über Nacht und wird erst Wochen später bestätigt. Wenn sie schon so weit ist, dass sie anderen davon erzählt, auch dir, dann muss die Schwangerschaft bereits vor jener Nacht begonnen haben. Das bedeutet …“„Das bedeutet, dass es nicht nur diese eine Nacht war.“ Bimbos Magen zieht sich zusammen. „Oh
„Die letzte Chance, dass ich mit dir hineinkomme.“Camilas Wagen steht vor einem kleinen Café am Stadtrand. Der Motor läuft noch. Sie sieht Bimbo an, als wäre diese im Begriff, direkt auf eine belebte Straße zu laufen.„Die Frau hat um Privatsphäre gebeten, Camila.“„Sie hat auch mit deinem Mann geschlafen. Privatsphäre hat sie sich nicht verdient.“„Ich weiß.“ Bimbo betrachtet ihr Spiegelbild im Seitenspiegel, streicht sich die Haare zurück und atmet langsam ein. „Aber wenn sie dich am Nebentisch sitzen sieht, sagt sie vielleicht kein einziges Wort. Ich muss sie zum Reden bringen.“„Na schön.“ Camila stößt einen langen Seufzer aus. „Schreib mir alle zehn Minuten eine Nachricht, sonst komme ich trotzdem rein.“„Abgemacht.“Bimbo steigt aus und betritt allein das Café. Es ist klein und ruhig, genau die Art von Ort, an dem niemand Wichtiges auf die Idee kommen würde, nach jemandem zu suchen. Wahrscheinlich hat Renata ihn deshalb ausgewählt.Bimbo entdeckt sie in einer Sitznische ganz hi





