Share

Kapitel 23

last update publish date: 2026-10-27 04:01:06

Adrians Sichtweise

Ich kam mit schweren Schritten den Hügel hinunter und trieb meine Frustration in das kurze Gras. Jeder Schritt fühlte sich an wie eine weitere Erinnerung daran, wie der Abend geendet hatte. Trockene Blätter knackten unter meinen Stiefeln, und der Laut machte die Isolation nur schärfer.

„Wenn man darüber nachdenkt, war sie vorsichtig“, sagte Ragnar in mir, sein Ton zu ruhig für meine Stimmung. „Es ist gegen die Regeln, sich mit jemandem einzulassen, während sie im Turnier ist.
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • Die Verfluchte Luna    Kapitel 29

    KAPITEL 29Seraphinas SichtweiseMein Körper erstarrte in dem Moment, als ich sie sah. Ein kalter Schauer lief meinen Rücken hinab und stellte die feinen Härchen an meinen Armen auf. Die anderen Teilnehmerinnen gingen in kleinen Gruppen an mir vorbei, redeten und lachten, völlig unbemerkt davon, dass ich stehengeblieben war. Ich konnte nicht wegsehen. Die junge Frau im roten Kleid bewegte sich mit stiller Effizienz und richtete die Kissen auf den Gartenbänken zurecht, als wäre die Aufgabe gewöhnlich und vergessenswert. Für mich fühlte sie sich alles andere als gewöhnlich an.Ihr Haar war glatt und schwarz, so glänzend, dass das gefilterte Sonnenlicht es einfängt und scharfe Reflexionen zurückwarf. Ihre Augen waren schmal und klein, doch sie hielten eine Tiefe, die mich fragen ließ, welche Gedanken sich hinter ihnen bewegten. Ihre Haut trug einen warmen gelblich-beigen Ton, der klar gegen die tiefe Farbe ihres Kleides stand.Das Kleid selbst war schlicht – Baumwolle, praktisch, mit ein

  • Die Verfluchte Luna    Kapitel 28

    KAPITEL 28Seraphinas SichtweiseDer Raum, den ich betrat, war halb so groß wie die große Halle und weit zurückhaltender. Die Wände waren in dunkleren Tönen gestrichen. Die Dekoration war spärlich. Ein einziges Fenster, schmaler als die in der Haupthalle, ließ dennoch einen Strahl hellen Sonnenlichts und einen sanften Luftzug herein, der die Ränder der schweren Vorhänge bewegte.Fünf Älteste saßen hinter einem langen Tisch. Drei Frauen und zwei Männer. Ihre Alter reichten von den frühen Vierzigern bis zu den späten Sechzigern. Jedes Gesicht war zu derselben sorgfältigen Ernsthaftigkeit geformt, als wären sie aus demselben blassen Stein gemeißelt. Der Mann, der meinen Namen gerufen hatte, trug eine kleine goldene Plakette mit dem Namen Eldric Wycliffe.„Miss Seraphina, bitte nehmen Sie Platz“, sagte die Frau, die dem Zentrum am nächsten saß. Ihre Plakette nannte sie Eleanor Sinclair.Ich setzte mich auf den hölzernen Stuhl, der ihnen gegenüber stand, und legte die Hände in den Schoß. M

  • Die Verfluchte Luna    Kapitel 27

    Seraphinas SichtweiseAls ich den Fuß der Treppe erreichte, fiel die große Halle in eine seltsame, kollektive Stille. Kristalllüster hingen von der hohen gewölbten Decke und fingen das Licht ein, streuten es über den polierten Boden. Reiche Wandteppiche säumten die Wände, ihre tiefen Farben und sorgfältigen Stickereien verliehen dem Raum das Gewicht der Geschichte. Jedes Augenpaar im Raum schien sich auf einmal mir zuzuwenden – Teilnehmerinnen, Adlige und die Ältesten, die nahe dem vorderen Teil saßen. Überraschung huschte über viele Gesichter. Neugier folgte dicht darauf. Einige Leute neigten sich zueinander und flüsterten hinter erhobenen Händen.Hitze stieg in meine Wangen unter der plötzlichen Aufmerksamkeit. Ich erinnerte mich an die Lektionen meiner Mutter über Haltung und ließ ein sanftes, abgemessenes Lächeln auf meine Lippen sinken. Ich hielt mein Kinn gerade und meine Schultern fest. Etwas in der Luft schien sich mit dem Wechsel meiner Haltung zu verschieben, als reagiere de

  • Die Verfluchte Luna    Kapitel 26

    Seraphinas SichtweiseIch hatte Julian seit der Nacht auf dem Hügel nicht mehr gesehen, und die Stille um seine Abwesenheit hatte sich zu etwas Schwerem und Kompliziertem verdichtet. Erleichterung vermischte sich mit einem stillen Schmerz, der nicht weichen wollte. Ich vermisste den stetigen Klang seiner Stimme und die Art, wie er mich ansah, als wäre ich es wert, angehört zu werden. Bruchstücke unseres Gesprächs kehrten ohne Vorwarnung zurück – die sanfte Berührung seines kleinen Fingers über meinem, der beinahe-Kuss, der meine Wangen noch immer erwärmte, wann immer ich daran dachte. Die Erinnerung war zugleich süß und scharf. Einsamkeit schlich sich in den Stunden ein, in denen ich nicht lernte, und dehnte die Zeit, bis jede Minute länger erschien, als sie sein sollte. Fragen kreisten und wollten sich nicht setzen. War er wütend auf mich, weil ich mich abgewandt hatte? Dachte er jetzt weniger von mir? Hatte ich das fragile Verständnis, das zwischen uns begonnen hatte, zerstört?Die

  • Die Verfluchte Luna    Kapitel 25

    Seraphinas SichtweiseIch schob die nachhängenden Gedanken beiseite und legte ein Stück des Rehfleisches in den Mund. Das Fleisch war zart und reich, der Geschmack tief genug, um für einen Moment meine volle Aufmerksamkeit zu fordern.„Erzähl mir von der nächsten Prüfung“, sagte Clara, echte Neugier in ihrer Stimme, während sie einen kleinen Schluck Wein nahm. „Ich habe im Palast gehört, dass es um das Wissen über das Nachbarkönigreich geht.“Ich nickte vorsichtig. „Ja. Über Eldoria.“ Den Namen auszusprechen trug noch immer einen stillen Schmerz.„Ich wollte schon immer andere Königreiche besuchen“, fuhr Clara fort, ihr Ton weich und verträumt. „Warst du jemals dort?“Ich erstarrte für eine Sekunde. Die Frage lag schwer in der Luft. Ich griff nach meinem eigenen Glas und nahm einen langsamen Schluck, bevor ich antwortete.„Nein. Ich war nie dort.“ Die Worte kamen schnell und leise heraus, als könnten die Wände selbst mithören.Niemand hier wusste, wer ich wirklich war oder woher ich k

  • Die Verfluchte Luna    Kapitel 24

    KAPITEL 24Seraphinas SichtweiseIch spürte immer noch Julians Blicke auf mir, während ich wegging. Sie folgten jedem Schritt, schwer und suchend. Mein Magen zog sich vor Nervosität zusammen und mein Mund wurde trocken, aber ich ging so schnell über den Rasen, wie ich konnte, ohne in einen Lauf zu verfallen.Ich weigerte mich, zurückzublicken. Egal wie sehr mein Körper sich umdrehen wollte, egal wie stark mein Herz zu ihm zog, ich würde mir diese zusätzliche Scham nicht gönnen. Ich würde ihn nicht sehen lassen, dass ich noch nie geküsst worden war, dass ich in jeder Hinsicht, die zählte, immer noch nur ein nervöses, unerfahrenes Mädchen war.Im Palast standen ein paar der anderen Teilnehmerinnen und unterhielten sich in der Eingangshalle. Ihre Augenbrauen hoben sich, als sie mich bemerkten. Ich erstarrte für eine Sekunde, überrascht, dass um diese Stunde noch jemand unterwegs war. Ich zwang mich, langsam durchzuatmen und meinen Ausdruck zu beruhigen.„Angenehme Nacht, Seraphina?“, fra

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status