Masuk„Niemand wählt", sagte ich.Das Lächeln des Registrars blieb, wo es war. „So liest es sich im Hauptbuch nicht, meine Liebe."„Dann kann das Hauptbuch es noch einmal lesen. Du darfst nicht bestimmen, welcher meiner Gefährten in die Dunkelheit geht. Ich darf es auch nicht. Ich werde nicht hier stehen und einen alten Mann in einem geliehenen Mantel eine Kerze über die beiden halten lassen, während er wartet, welche Flamme ich auslösche."„Ich halte die Kerze nicht. Der Mond hält sie."„Du hältst sie sehr bequem für einen Boten."Etwas bewegte sich hinter seinen grauen Augen. Es war klein und schnell, und ich hatte es in Gunters Gesicht gesehen, an dem Tag, als ich aufhörte, auf das Wort Omega zu hören. Es war der Blick eines Mannes, dem von jemandem Nein gesagt wurde, den er bereits als Möbelstück abgeschrieben hatte.„Lukas", sagte ich. „Sieh Aldric an."Mein Sohn lag still an meiner Schulter. Seine grauen Augen waren weit offen, und sie hatten den Boden unter dem Fenster nicht verlasse
Vidars Schwert verließ die Scheide, bevor das letzte Wort beendet war.„Halt", sagte ich.„Alpha, er spricht mit der Stimme eines Toten."„Dann lasst ihn weitersprechen. Ein Toter, der redet, ist mehr wert als ein Lebender, der schweigt."Rainer hielt den Registrar bereits am Mantelaufschlag. Ich hatte ihn den Raum nicht durchqueren sehen. Der Mann hing dort, seine Stiefel berührten kaum den Boden, und er lächelte meinem Bruder mit Aldrics Mund ins Gesicht.„Da ist das Temperament", sagte die Stimme. „Das deiner Mutter. Ich habe es ihr hundertmal gesagt. Sie hat es mir nie geglaubt."„Setzt ihn ab", sagte Ilse.„Er wird mich absetzen, wenn er entschieden hat, ob ich ein Trick bin."„Seid Ihr einer", sagte ich.„Frag mich etwas."Ich dachte an ein Dutzend Fragen und verwarf elf. Ein Fälscher konnte alles beantworten, was in einer Akte lebte. Ich brauchte etwas, das nur in der Brust eines Kindes lebte.„Die Nacht des Rituals", sagte ich. „Wo haben wir uns versteckt."„Unter der Küchentr
Der Mann in meinem Hof sagte den Namen meines Sohnes, bevor ihn ihm jemand genannt hatte.Ich hörte ihn vom Torbogen aus, über den Stiefelschritten und den leisen Stimmen der Torwachen. Er stand neben einem schweißnassen Pferd unter den Fackeln, groß und hager, mit dunklem Haar, das an den Schläfen grau geworden war, und Tinte, tief in die Haut beider Hände eingearbeitet. Eine Lesebrille war ihm auf die Stirn geschoben. Er drehte eine versiegelte Ledertasche zwischen den Fingern.„Aldric Danek", sagte er zu der Wache, die ihm am nächsten stand. „Das ist der Name auf meinem Schriftstück. Ich würde es gern dem Vater des Kindes übergeben."„Vater", sagte die Wache. „Welcher Vater, Herr."„Der, der am wütendsten ist, würde ich denken."Ich trat aus dem Dunkel in das Fackellicht.Er blickte auf. Er nahm meine Größe in sich auf, meine verbundene linke Handfläche, die Art, wie sich meine andere Hand um leere Luft geschlossen hatte, wo ein Schwert gehangen hätte. Er trat nicht zurück.„Alpha
Ich sang den Anstieg.Ich wählte nicht, welches Kind er nehmen würde. Ich öffnete den Mund und ließ den vierten Ton aus dem dunklen Raum emporsteigen, in dem die anderen drei gefallen waren, und ich hielt beide Babys fester, als ich je etwas gehalten hatte.Rainer schrie meinen Namen.Der Ton erreichte die Spitze des Gewölbes, und das Gewölbe brach. Es zerbröckelte nicht wie Stein. Es sprang wie Glas. Eine einzige saubere Linie lief durch das Bernsteinlicht, durch das Gold, durch das Eisenbecken und durch die grauen Augen des alten Mannes in Aldrics Gesicht. Dann zerfiel der ganze Raum in lange, helle Scherben, die nach oben fielen statt nach unten.Kalte Luft traf meine Wange. Sie roch nach geschnittenem Gras und Holzrauch.Ein Baby seufzte an meiner Schulter.Ich öffnete die Augen.Der Mond hing voll über der Gartenmauer, weiß und riesig, und ich stand genau dort, wo ich gestanden hatte, bevor die Feder das Pergament berührte. Rainers Arm lag um meine Taille. Lukas' Handfläche ruhte
„Keins von beiden", sagte ich.Vater wandte Aldrics graue Augen auf mich. „Das ist keine der Möglichkeiten."„Du hast uns dein Wort oder ein Feuer angeboten, und keins von beidem hast du je gehalten." Ich stieg über die glühende Naht im Boden. „Du hast neunzig Sekunden, bevor die Türen nachgeben. Du trägst die Lungen eines einundsechzigjährigen Mannes. Sag mir, dass du den Rauch überlebst."Seine Hand ging an den Kragen von Aldrics Hemd. Es war eine kleine Geste, und sie sagte mir alles.„Er kann es nicht", sagte ich zum Raum. „Er braucht das Feuer gelöscht und den Ton fortgeschickt. Jeder Handel, den er angeboten hat, ist ein Weg, uns seine Arbeit machen zu lassen."„Klug", sagte Vater. „Und nutzlos. Ihr habt noch immer nicht den vierten Ton."„Wir haben jemanden, der ihn hat."Ich wandte mich Isolde zu.Sie hatte eine Hand auf Valdis' Ärmel und die andere gegen ihre Rippen gepresst. Sie wollte meinen Blick nicht treffen.„Du hast gesagt, niemand, der lebt, kennt ihn", sagte ich. „Er
„Das Erste, was deine Mutter dir beigebracht hat", sagte ich. „Ilse. Denk nach."„Ich denke nach."„Denk schneller."Vater ging bereits. Er durchquerte den glühenden Boden in Aldrics Körper mit dem lockeren, mühelosen Schritt eines Mannes, der von einer langen Krankheit freigelassen wurde, und beugte die tintenbefleckten Finger des Registrars einen nach dem anderen, und ich stellte mich zwischen ihn und die Treppe.„Geh zur Seite", sagte er.„Nein."„Deine Handfläche blutet noch, Rainer. Du hast es frei gegeben. Die Wirkung hält dich, und sie hält das Kind im Arm deiner Omega. Schlägst du diesen Körper, schlägst du ihn."Ich bewegte mich nicht. Meine Fäuste zitterten an meinen Seiten, und ich hasste, dass er es sehen konnte.„Lukas", sagte ich.„Ich bin hier."„Sag mir, was er mit dem Körper eines Registrars will."„Den Schlüssel", sagte Lukas. Seine Stimme war flach und schnell geworden, so wie sie es wurde, wenn die Antwort schon in seinem Kopf war und er sie nur prüfte. „Aldric häl







