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Kapitel 8

Author: Faithful
last update publish date: 2026-11-05 10:26:32

Serenas Sicht

Ich bin überrascht, wie freundlich Doris plötzlich zu mir ist. Doch dann wird mir klar, dass sie wahrscheinlich nur so tut, als wäre sie nett, weil die anderen dabei sind.

Im Aufenthaltsraum sehe ich Doris in ihren Sachen herumwühlen. Schließlich zieht sie ein sauberes Designerhemd mit einem auffälligen Muster heraus und reicht es mir.

Ich nehme es entgegen und sage: „Danke. Aber du kannst jetzt aufhören, so zu tun, als wärst du nett. Deine Hörner kann ich von hier aus immer noch sehen.“

Als ich das Hemd anziehe, bemerke ich, wie Doris’ Gesichtsausdruck sich verändert. Aus gespielter Besorgnis wird ein gehässisches Grinsen. Gerade als ich den Stoff zurechtrücke, wirft sie mir einen bissigen Kommentar entgegen.

„Selbst teure Kleidung sieht an dir billig aus.“

Ich kontere: „Doris, du kannst noch so viel teure Kleidung tragen und dich noch so sehr als Opfer aufspielen. Am Ende des Tages ist Bill immer noch mit mir verheiratet.“ Dann schnuppere ich demonstrativ in der Luft und füge spöttisch hinzu: „Oh, dein Parfüm riecht interessant … heißt das etwa ‚Verzweiflung‘?“

Doris schlägt noch härter zurück.

„Weißt du, Serena, vielleicht würde Bill sich nicht so sehr dafür schämen, dich den Investoren als seine Frau vorzustellen, wenn du dich mal ordentlich anziehen und schminken würdest“, sagt sie. „Man sollte meinen, die Frau eines Milliardärs hätte wenigstens ein bisschen Stil.“

Ihre Worte treffen mich mitten ins Herz. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, doch ein Kloß bildet sich in meinem Hals. Ich wende den Blick ab und fühle mich plötzlich klein und fehl am Platz – genau wie so oft in Bills glamouröser Welt.

Doris bemerkt mein Schweigen und nutzt die Gelegenheit, um nachzulegen.

„Sieh es endlich ein, Serena. Du bist einfach nicht gut genug, um Bills Frau zu sein.“

Ich atme tief durch und antworte: „Na schön, dann kannst du ihn haben, Doris. Ich lasse mich sowieso von ihm scheiden.“

Doris reißt überrascht die Augen auf und wirft einen schnellen Blick auf die Papiere in meiner Hand.

„Ist das also der Grund, warum du die dabeihast?“, fragt sie ungläubig. „Na, das hat ja auch lange genug gedauert“, fügt sie hinzu.

Doch Doris ist noch nicht fertig. Sie macht einen weiteren gehässigen Kommentar.

„Und was ist dein Plan bei der Scheidung? Willst du Bill ordentlich ausnehmen, Serena?“

„Geld? Das ist das Letzte, woran ich denke. Weißt du, ich hatte nie vor, Bill zu heiraten. Das Ganze ist in Las Vegas einfach spontan passiert. Aber im Gegensatz zu manchen Menschen messe ich Beziehungen nicht in Dollar und Cent. Ich gehe, weil es für uns beide das Richtige ist“, erwidere ich scharf.

Doris fährt mich an: „Ach, hör doch auf mit deiner Unschuldsmiene! Du bist Bill doch nur wegen seines Geldes nähergekommen, oder? Wenn ich damals in Las Vegas nicht mit den Drogen herumgepfuscht hätte … Ich hätte Bill heiraten sollen!“

Als ich Doris’ Geständnis höre, klappt mir der Mund auf. Die Wut steigt mir ins Gesicht.

„Du hast das alles verursacht?“, stoße ich hervor. Meine Stimme zittert. Ich bin so wütend, dass ich kaum noch klar denken kann. „Wie kannst du es wagen, du Schlampe?“

Ich erinnere mich an all die Male, in denen Bill geglaubt hat, ich wäre für jene Nacht in Las Vegas verantwortlich gewesen. Ich habe versucht, ihm die Wahrheit zu erklären, doch er hat mir nie geglaubt. Und jetzt erfahre ich, dass Doris die ganze Zeit dahintersteckte.

„Du und Bill kommt euch viel zu nahe. Ich kann nicht zulassen, dass er sich völlig in dich verliebt“, gibt Doris zu. „Du bist billig und widerlich, Serena. Selbst wenn es Bill nicht gewesen wäre, hättest du dir eben irgendeinen anderen reichen Kerl gesucht, an den du dich klammern kannst.“

Ich funkle Doris wütend an.

„Fahr zur Hölle, Doris!“

Bevor sie etwas erwidern kann, verpasse ich ihr eine Ohrfeige. Das scharfe Klatschen hallt durch den Raum.

Noch immer vor Wut kochend, drehe ich mich um und stürme hinaus. Dabei stoße ich mit Bill zusammen, doch ich bleibe nicht stehen, um ihn anzusehen. Ich renne einfach weiter.

Ich kann mir bereits vorstellen, wie Doris erneut die Unschuldige spielen und die Geschichte verdrehen wird, damit ich in Bills Augen als die Böse dastehe. Ihre Fähigkeit, jede Situation zu ihrem Vorteil auszunutzen, kenne ich nur zu gut.

Bills Sicht

Da Doris nicht zurückkommt, beschließe ich, mit der Besprechung fortzufahren. Um ihre unerwartete Abwesenheit zu erklären, teile ich allen mit, dass sie wegen eines Notfalls kurz wegmusste.

Obwohl ich etwas nervös bin, sorge ich dafür, dass die Besprechung planmäßig verläuft. Immer wieder werfe ich einen Blick auf meine Uhr und frage mich, ob es Serena gut geht.

Nachdem die Besprechung beendet ist, mache ich mich auf den Weg zum Aufenthaltsraum, um nach Doris und Serena zu sehen.

Serena stürmt heraus, Tränen laufen ihr über das Gesicht. Besorgt rufe ich ihr nach: „Serena!“

Doch sie ist bereits zu weit entfernt. An ihren hastigen Schritten erkenne ich, wie aufgewühlt sie ist.

Aus dem Aufenthaltsraum höre ich Doris’ Stimme.

„Bill, bist du da?“, ruft sie. Ihre Stimme klingt etwas angestrengt.

Ich halte vor der Tür inne und antworte: „Ja. Kann ich reinkommen?“

Für einen kurzen Moment herrscht Stille, bevor Doris mit ungewöhnlich schwacher Stimme antwortet: „Ja.“

Als ich den Aufenthaltsraum betrete, fällt mein Blick sofort auf Doris. Sie wirkt völlig aufgewühlt, Tränen schimmern in ihren Augen. Ihre linke Wange ist gerötet, als hätte sie gerade eine Ohrfeige bekommen.

Ich gehe schnell auf sie zu und beuge mich vor, um die Stelle genauer zu betrachten.

Besorgt frage ich: „War das Serena?“

Doris nickt, während ihr noch immer Tränen in den Augen stehen.

„Ich verstehe das nicht. Ich wollte ihr doch nur helfen, sich sauber zu machen. Ich habe ihr sogar mein Hemd geliehen“, sagt sie mit zittriger Stimme. „Und dann hat sie mich plötzlich einfach geschlagen.“

Normalerweise halte ich persönliche Angelegenheiten aus dem Arbeitsumfeld heraus, doch diesmal ist es anders.

„Ich weiß nicht, warum Serena sich so verhält“, gebe ich zu. Meine Stimme klingt frustriert. „Es tut mir leid, dass sie sich so benommen hat.“

Doris schaut mich besorgt an.

„Hör mal, ich will mich ja nicht einmischen, aber Serena verhält sich in letzter Zeit wirklich irrational. Hast du jemals über eine Scheidung nachgedacht?“

Ich werfe Doris einen überraschten Blick zu. Ihre Dreistigkeit geht eindeutig zu weit. Die Probleme zwischen Serena und mir gehen nur uns etwas an. Niemand sonst hat sich da einzumischen.

„Wovon redest du? Serena gehört zu mir. Ich werde mich nicht von ihr scheiden lassen“, sage ich entschieden.

„Bist du dir da sicher? Und was, wenn sie diejenige ist, die dich verlassen will?“

In Doris’ Augen liegt ein Ausdruck, den ich nicht deuten kann. Er verschwindet so schnell, wie er aufgetaucht ist.

Doch ihre Worte treffen mich mitten ins Herz.

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