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Kapitel 3

Autor: Bless pen
last update Fecha de publicación: 2026-09-04 06:33:57

VOR DEM RUDEL ZURÜCKGEWIESEN

„Heute Nacht.“

Dieses Wort wollte einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden.

Ich starrte Lyra an und wartete darauf, dass sie lachte und mir sagte, dass sie nur einen Scherz gemacht hatte.

Doch das tat sie nicht.

„Was meinst du mit heute Nacht?“, fragte ich.

„Der Alpha hat die Zeremonie vorverlegt.“ Ihre Stimme wurde leiser. „Niemand weiß, warum.“

Mein Magen verkrampfte sich.

Die Paarungszeremonie sollte morgen stattfinden.

Nicht heute Nacht.

Ich hatte mir diesen Moment jahrelang vorgestellt, und nun, da er plötzlich gekommen war, fühlte ich mich alles andere als bereit.

Um uns herum herrschte in Blackthorn bereits ausgelassene Aufregung.

Wölfe eilten in ihren schönsten Kleidern zum zentralen Platz. Lachen erfüllte die Straßen. Familien gingen gemeinsam dorthin und sprachen aufgeregt darüber, wer wohl der Gefährte ihrer Kinder sein würde.

Alle schienen glücklich zu sein.

Alle außer mir.

„Was, wenn ich meinen Gefährten nicht finde?“

Die Frage entkam mir, bevor ich sie zurückhalten konnte.

Lyra drückte meine Hand.

„Das wirst du.“

„Aber was, wenn ich ihn finde …“

Ich zögerte.

„Was, wenn er mich nicht will?“

Ihr Lächeln verschwand langsam.

„Elara.“

„Ich meine es ernst.“

Ich blickte an mir hinunter.

Meine Kleidung war schlicht und abgetragen. An meinen Händen waren noch immer schwache Spuren der Arbeit zu sehen, die ich den ganzen Tag verrichtet hatte.

Ich schluckte.

„Ich bin eine Omega, Lyra.“

Der niedrigste Rang.

Das Mädchen, das jeder beleidigen konnte, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Das Mädchen, das den größten Teil ihres Lebens so behandelt worden war, als wäre sie eine Last.

„Wie soll jemand wie ich ein glückliches Ende bekommen?“

Lyra trat näher.

„Dann wäre derjenige, der für dich bestimmt ist, ein Narr, wenn er dich nicht wählen würde.“

Ein kleines Lächeln erschien auf meinen Lippen.

Ich wollte ihr glauben.

Wirklich.

Doch Hoffnung war mir gegenüber immer grausam gewesen.

Sie zeigte mir wunderschöne Möglichkeiten, nur um sie mir wieder zu entreißen, sobald ich nach ihnen griff.

---

Als die Sonne unterging, hatte sich das gesamte Rudel im zentralen Pavillon versammelt.

Das gewaltige Bauwerk war für die Zeremonie völlig verwandelt worden.

Silberne Laternen hingen von der Decke und tauchten die Menge in ein sanftes Licht. Halbmonde waren in die Wände geschnitzt, während filigrane silberne Verzierungen die zeremonielle Plattform schmückten.

In der Nähe des Eingangs spielte Musik.

Hunderte Wölfe füllten den Pavillon.

Familien hatten sich an den äußeren Bereichen versammelt.

Krieger standen am Rand und bewachten das Geschehen.

Und in der Mitte standen die unverpaarten Wölfe.

Auch ich.

Meine Handflächen waren feucht.

Mein Magen hatte sich so sehr zusammengezogen, dass ich nicht wusste, ob ich nervös war oder krank wurde.

Lyra stand neben mir.

Sie sah mich an.

„Du siehst aus, als würdest du gleich ohnmächtig werden.“

„Vielleicht werde ich das.“

Sie lachte leise.

„Du wirst es überleben.“

Ich schaffte ein schwaches Lächeln.

Dann veränderte sich ihr Gesichtsausdruck.

„Elara.“

Ich folgte ihrem Blick.

Die Menge begann sich zu teilen.

Mir stockte der Atem.

Alpha Kael war angekommen.

Jedes Gespräch im Pavillon verstummte augenblicklich.

Er trat durch die entstandene Öffnung mit der Selbstsicherheit eines Mannes, der wusste, dass dieses gesamte Gebiet ihm gehörte.

Er trug einen perfekt sitzenden schwarzen Anzug, der seine breiten Schultern betonte.

Sein dunkles Haar war ordentlich frisiert, und sein Gesichtsausdruck blieb so kalt und undurchschaubar wie immer.

Damon ging neben ihm.

Hinter ihnen kam Luna Isolde.

Mein Blick wanderte sofort zu ihr.

Sie sah noch immer blass aus.

Der Zusammenbruch am Nachmittag war eindeutig keine gewöhnliche Ohnmacht gewesen.

Besorgnis zog sich durch meine Brust.

Dann wanderte Isoldes Blick über die Menge.

Als sie mich entdeckte, wurde ihr Gesicht weicher.

Sie lächelte.

Unwillkürlich erwiderte ich das Lächeln.

„Elara.“

Viviennes Stimme riss mich aus meinen Gedanken.

Ich drehte mich um.

Sie stand mit einigen ihrer Freundinnen in der Nähe.

Sie sah überhaupt nicht mehr aus wie die Frau, die mich früher an diesem Tag gequält hatte.

Heute Abend wirkte sie, als wäre sie für genau diese Zeremonie geboren worden.

Ihr silbernes Kleid schimmerte im Licht der Laternen und schmiegte sich perfekt an ihren Körper. Ihr Haar war kunstvoll frisiert, und mehrere unverpaarte Männer starrten sie offen an.

Sie bemerkte, dass ich sie ansah, und lächelte.

Dann glitt ihr Blick über mein schlichtes Kleid.

Ihr Lächeln wurde grausam.

„Was ist passiert?“, fragte sie.

Ich runzelte die Stirn.

„Was?“

„Konntest du dir nichts Besseres leisten?“

Ihre Freundinnen lachten.

Vivienne musterte mein Kleid erneut.

„Wenigstens hättest du versuchen können, einigermaßen vorzeigbar auszusehen.“

Meine Finger krümmten sich.

Bevor ich antworten konnte, trat Lyra vor.

„Lass sie in Ruhe.“

Vivienne seufzte theatralisch.

„Ich bin nur ehrlich.“

„Nein“, erwiderte Lyra. „Du bist grausam.“

Viviennes Augen verengten sich.

Doch bevor sie antworten konnte, hallte ein mächtiges Heulen durch den Pavillon.

Der Klang brachte jeden zum Schweigen.

Ein älterer Mann trat auf die zeremonielle Plattform.

Elder Aldric.

Sein langes weißes Haar fiel über seine Schultern, und trotz seines Alters strahlte seine Anwesenheit eine Autorität aus, die augenblicklich Respekt einforderte.

Er hob beide Hände.

„Die Paarungszeremonie beginnt jetzt!“

Der Pavillon brach in Jubel aus.

Mein Puls raste.

Das war es.

Der Moment, von dem ich jahrelang geträumt hatte.

Der Moment, der alles verändern konnte.

Elder Aldric deutete auf die Mitte.

„Alle unverpaarten Wölfe treten vor.“

Meine Beine fühlten sich plötzlich schwer an.

Lyra berührte meinen Arm.

„Es wird alles gut.“

Ich sah sie an.

„Ich hoffe es.“

„Das wird es.“

Ich nickte und trat gemeinsam mit den anderen nach vorn.

Die Menge um mich herum schien zu verschwinden.

Ich hörte nur meinen Herzschlag.

Bumm.

Bumm.

Bumm.

Elder Aldric begann, die uralten Worte der Zeremonie zu sprechen.

Die Sprache war älter als Blackthorn selbst.

Älter als die Blutlinien der Alphas.

Älter als jeder Wolf, der innerhalb dieser Mauern stand.

Allmählich veränderte sich die Luft.

Ein seltsamer Druck legte sich über den Pavillon.

Meine Haut begann zu kribbeln.

Mein Wolf regte sich in meinem Inneren.

Zuerst dachte ich, es lag an meiner Nervosität.

Dann—

erreichte mich ein Duft.

Alles stand still.

Mir stockte der Atem.

Warm.

Mächtig.

Vertraut.

Mein Wolf stürmte so heftig nach vorn, dass ich beinahe das Gleichgewicht verlor.

Gefährte.

Das Wort explodierte in meinem Kopf.

Mein Herz schlug heftig gegen meine Rippen.

Mein Gefährte.

Langsam drehte ich mich um.

Und die Welt verschwand.

Kael stand am anderen Ende des Pavillons.

Alpha Kael Draven.

Mein Alpha.

Mein Herz schien stehen zu bleiben.

Mehrere Sekunden lang konnte ich nichts anderes tun, als ihn anzusehen.

Sein Kopf hatte sich in meine Richtung gedreht.

Sein Gesichtsausdruck war nicht mehr kalt.

Schock zeichnete sich auf seinen Zügen ab.

Er hatte es ebenfalls gespürt.

Es gab keinen Zweifel.

Die Mondgöttin hatte ihn für mich ausgewählt.

Den stärksten Wolf in ganz Blackthorn.

Den Mann, den ich seit Jahren heimlich aus der Ferne bewundert hatte.

Meinen Gefährten.

Tränen stiegen sofort in meine Augen.

Nach allem, was ich durchgemacht hatte, nach jeder einsamen Nacht, jeder Beleidigung und jedem Moment, in dem ich mich gefragt hatte, ob sich jemals jemand für mich entscheiden würde—

hatte ich ihn endlich gefunden.

Oder vielmehr hatte er mich gefunden.

Wärme breitete sich in meiner Brust aus.

Zum ersten Mal seit Jahren fühlte sich Hoffnung nicht unmöglich an.

Vielleicht würde sich jetzt alles verändern.

Vielleicht müsste ich nie wieder allein sein.

Vielleicht würde Kael mich jetzt mit anderen Augen sehen.

Vielleicht würde er mich beschützen.

Vielleicht—

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.

Der Schock verschwand.

Seine Gesichtszüge verhärteten sich.

Die Wärme, die für einen kurzen Moment in seinen Augen gelegen hatte, erlosch.

Mein Lächeln verblasste.

Verwirrtes Flüstern breitete sich im Pavillon aus.

„Habt ihr das gespürt?“

„Der Alpha hat seine Gefährtin gefunden.“

„Wer ist sie?“

„Warte …“

„Ist das Elara?“

„Das kann nicht sein.“

„Sie ist seine Gefährtin?“

Mein Magen sank.

Kael trat vor.

Jeder Wolf wandte sich ihm zu.

Langsam kam er auf mich zu.

Mit jedem seiner Schritte wurde mein Herzschlag schneller.

Ich wollte ihn anlächeln.

Ich wollte etwas sagen.

Irgendetwas.

Doch etwas in seinem Gesicht hielt mich davon ab.

Schließlich blieb er einige Schritte vor mir stehen.

Seine grauen Augen bohrten sich in meine.

Ich konnte nicht atmen.

„Alpha?“, fragte Elder Aldric vorsichtig.

Der gesamte Pavillon verstummte.

Kael antwortete nicht sofort.

Er starrte mich einfach an.

Dann öffneten sich seine Lippen.

„Elara Veyne.“

Mein Name aus seinem Mund ließ Wärme durch meine Brust strömen.

Beinahe lächelte ich.

Vielleicht war er nervös.

Vielleicht brauchte er einfach nur einen Moment.

Vielleicht—

„Die Mondgöttin hat einen Fehler gemacht.“

Die Worte zerstörten alles.

Ich hörte auf zu atmen.

Einen Moment lang verstand ich nicht.

Entsetzte Rufe gingen durch den Pavillon.

Jemand ließ ein Glas fallen.

Einige Wölfe flüsterten ungläubig miteinander.

Mein Kopf wurde vollkommen leer.

Ein Fehler?

Nein.

Das konnte nicht sein.

Die Gefährtenbindung war heilig.

Die Mondgöttin machte keine Fehler.

Ich starrte ihn an und suchte verzweifelt in seinem Gesicht nach irgendeinem Zeichen, dass er es nicht so gemeint hatte.

Da war nichts.

Kaels Gesicht blieb kalt.

Dann sprach er erneut, als wäre der erste Schlag nicht schon grausam genug gewesen.

„Ich werde Elara Veyne niemals als meine Gefährtin akzeptieren.“

Die Worte hallten durch den Pavillon.

Lauter als die Musik.

Lauter als das Flüstern.

Lauter als mein eigener Herzschlag.

Meine Sicht verschwamm.

Die Hoffnung, die ich mir nur wenige Augenblicke zuvor erlaubt hatte, zerbrach in mir.

Vor den Augen des gesamten Rudels.

Vor all jenen, die mich jahrelang dabei beobachtet hatten, wie ich kämpfte.

Die Mondgöttin hatte mir das eine gegeben, wonach ich mich immer gesehnt hatte.

Und mein Gefährte hatte es gerade von sich gestoßen.

Etwas in mir zerbrach.

Zum ersten Mal verstand ich, dass seinen Gefährten zu finden nicht immer bedeutete, sein Glück zu finden.

Manchmal konnte das Schicksal einem den Menschen schenken, der für einen bestimmt war …

und einen trotzdem vollkommen allein zurücklassen.

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