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Kapitel 5

作者: Bless pen
last update publish date: 2026-09-04 06:34:45

ELARAS POV

„Luna Isolde?“

Die Worte verließen meinen Mund kaum mehr als ein Flüstern.

Der Krieger nickte.

Sein düsterer Gesichtsausdruck sagte mir alles, was seine Worte nicht aussprechen konnten.

Damon richtete sich neben mir sofort auf.

„Was ist passiert?“

„Sie ist wieder zusammengebrochen“, antwortete der Krieger, während er noch immer mühsam nach Luft rang. „Es geschah kurz nachdem sie in die Residenz des Alphas zurückgekehrt war.“

Damons Gesicht verhärtete sich.

„Wie schlimm ist es?“

Der Krieger zögerte.

Er musste nicht antworten.

Dieses Zögern war Antwort genug.

Mein Magen verkrampfte sich.

Isolde.

Von allen Wölfen im Blackthorn-Rudel war sie die einzige Person, die mich niemals mit Abscheu angesehen hatte. Sie hatte mich nie behandelt, als wäre ich weniger wert, nur weil ich eine Omega war.

Sie hatte sanft mit mir gesprochen.

Sie hatte mich auf kleine, unauffällige Arten verteidigt, wenn niemand sonst es bemerkte.

Und jetzt kämpfte sie um ihr Leben.

Damon blickte in Richtung des Rudelgebiets.

„Wir gehen zurück.“

Meine Füße blieben wie angewurzelt stehen.

Allein der Gedanke an eine Rückkehr ließ meine Brust schmerzen.

Zurückzugehen bedeutete, mich den Wölfen zu stellen, die gesehen hatten, wie Kael mich zurückwies.

Es bedeutete, durch ein Gebiet zu laufen, in dem jedes Geflüster mich an das Geschehene erinnern würde.

Es bedeutete, ihn wiederzusehen.

Und Vivienne.

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich kann nicht.“

Damon wandte sich mir zu.

„Elara.“

„Ich kann nicht.“

Diesmal kamen die Worte entschlossener über meine Lippen.

Er musterte mich einen Moment lang, bevor er schwer seufzte.

Dann wurde seine Stimme sanfter.

„Hier geht es nicht um Kael.“

Ich wandte den Blick ab.

„Bei mir geht es immer um Kael.“

„Nein.“

Damons Blick blieb fest auf mir ruhen.

„Diesmal nicht.“

Schließlich sah ich ihn an.

„Es geht um Isolde.“

Seine Worte trafen einen tiefen Punkt in mir.

Ich hasste es, dass er recht hatte.

Ich schloss die Augen.

Einige Sekunden lang stand ich einfach da und kämpfte gegen den Krieg in meiner Brust an.

Ich wollte nicht zurück.

Aber ich konnte die Frau nicht im Stich lassen, die mir Freundlichkeit gezeigt hatte, nur weil ihr Sohn mein Herz gebrochen hatte.

Meine Schultern sanken.

Einmal nickte ich.

„Gehen wir.“

Erleichterung glitt über Damons Gesicht.

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zurück zum Blackthorn-Rudel.

Schon in dem Moment, in dem wir das Rudelgebiet betraten, wusste ich, dass sich etwas verändert hatte.

Das Rudel fühlte sich anders an.

Schwer.

Unruhig.

Überall waren Wölfe, doch niemand sprach mehr über die Paarungszeremonie.

Vor der Residenz des Alphas standen Gruppen beisammen und tauschten sich mit gedämpften Stimmen aus.

Heiler eilten durch die Straßen und trugen Körbe mit Kräutern und medizinischen Vorräten.

Diener hasteten zwischen den Gebäuden hin und her.

Krieger bewachten den Eingang zur Residenz des Alphas.

Die Feierlichkeiten, die anlässlich der Paarungszeremonie geplant worden waren, waren vollständig vergessen.

Niemand interessierte sich mehr dafür.

Das gesamte Rudel sorgte sich nur um eine Person.

Luna Isolde.

Als Damon und ich uns der Residenz näherten, wichen die Wölfe zur Seite.

Ihre Blicke folgten mir.

Einige sahen mich mitleidig an.

Andere starrten mich neugierig an.

Ein paar machten sich nicht einmal die Mühe, ihre Schadenfreude zu verbergen.

Ich hielt den Kopf gesenkt.

Ich war diese Nacht bereits genug gedemütigt worden.

Ich würde ihnen nicht auch noch die Genugtuung geben, mich erneut zerbrechen zu sehen.

Im Inneren der Residenz war das Chaos noch schlimmer.

Die Flure waren von hastigen Schritten und angespannten Stimmen erfüllt.

Heiler eilten von einem Raum zum nächsten.

Diener trugen Schalen mit Wasser, frische Tücher und Bündel voller Kräuter.

An jedem Eingang standen Krieger Wache.

Damon führte mich nach oben.

Mit jedem Schritt zog sich der Knoten in meinem Magen enger zusammen.

Als wir Isoldes Gemächer erreichten, stand die Tür bereits offen.

Mehrere Heiler standen um das Bett versammelt.

Ihre Gesichter waren düster.

Und dann sah ich ihn.

Kael stand nahe am Fenster.

Sein Anblick ließ sich meine Brust zusammenziehen.

Für einen beschämenden Moment regte sich meine Wölfin.

Die Gefährtenbindung reagierte auf seine Nähe, als wäre bei der Zeremonie nie etwas geschehen.

Als hätte er mich nicht zurückgewiesen.

Als hätte er nicht vor dem gesamten Rudel erklärt, dass er mich niemals akzeptieren würde.

Ich hasste meine Wölfin dafür, dass sie ihn noch immer wollte.

Kael drehte sich um.

Unsere Blicke trafen sich.

Alles andere schien für einen Augenblick zu verschwinden.

Etwas in seinem Gesicht war anders.

Kein Zorn.

Nicht die Kälte, mit der er mich zuvor angesehen hatte.

Angst.

Echte Angst.

Dann erinnerte ich mich daran, was er getan hatte.

Mein Blick sank zu Boden.

In diesem Moment war er nicht mein Alpha.

Er war einfach nur der Mann, der mir das Herz gebrochen hatte.

Einer der Heiler trat vorsichtig auf ihn zu.

„Alpha …“

Kael wandte sich ihm zu.

„Was?“

Der Heiler schluckte.

„Wir haben jede Behandlung ausgeschöpft, die wir kennen.“

Kaels Augen wurden härter.

„Was genau soll das heißen?“

Der Heiler senkte den Blick.

„Es bedeutet, dass wir noch immer nicht wissen, was ihren Zustand verursacht.“

Stille verschluckte den Raum.

Kaels Kiefer spannte sich an.

„Meine Mutter wird immer schwächer.“

Niemand antwortete.

Er trat einen Schritt vor.

„Ich habe nicht gefragt, ob es ihr schlechter geht. Ich habe nach einer Lösung gefragt.“

„Wir tun alles, was wir können, Alpha.“

„Dann tut mehr.“

Seine Stimme peitschte durch den Raum.

„Versucht eine andere Behandlung. Ruft einen weiteren Heiler. Durchsucht die Archive, wenn es sein muss.“

Der Heiler verbeugte sich.

„Ja, Alpha.“

Ich blickte zum Bett.

Isolde war kaum wiederzuerkennen.

Ihre Haut war blass.

Viel zu blass.

Ihre Lippen hatten jegliche Farbe verloren, und selbst ihr Atem wirkte schwach und zerbrechlich.

Ein seltsamer Schmerz breitete sich in meiner Brust aus.

Ich verstand nicht, warum ihr Anblick mir so weh tat.

Vielleicht, weil sie freundlich zu mir gewesen war, obwohl sie keinen Grund dazu gehabt hatte.

Vielleicht, weil sie mich in einem Rudel, in dem ich mich jahrelang unsichtbar gefühlt hatte, einmal hatte spüren lassen, dass mich jemand wirklich sah.

Plötzlich bewegte Isolde sich.

Sofort eilten alle Heiler zu ihr.

Kael wirbelte herum.

„Mutter?“

Hoffnung flackerte durch den Raum.

Ein Heiler überprüfte ihren Puls.

Ein anderer beugte sich näher, um ihren Atem zu kontrollieren.

Kael trat an das Bett.

„Mutter, kannst du mich hören?“

Ihre Lider flatterten.

Für einen wunderschönen Augenblick glaubte ich, sie würde erwachen.

Dann wurde ihr Körper wieder reglos.

Die Hoffnung verschwand fast so schnell, wie sie gekommen war.

Die Heiler wechselten hilflose Blicke.

Kael wandte sich ab.

Ich sah sein Gesicht in dem Moment, in dem er glaubte, niemand würde ihn beobachten.

Der rücksichtslose Alpha war verschwunden.

Dort stand nur ein Sohn, der hilflos dabei zusehen musste, wie er seine Mutter vielleicht verlieren würde.

Etwas an diesem Anblick verunsicherte mich.

Trotz allem konnte ich ihn in diesem Moment nicht hassen.

Bevor sich die Stille wieder über den Raum legen konnte, öffnete sich die Tür.

Vivienne betrat den Raum.

Ihr Blick wanderte durch die Gemächer, bevor er auf mir hängen blieb.

Ihr Gesicht veränderte sich sofort.

„Du?“

Der Abscheu in ihrer Stimme war unverkennbar.

Mehrere Heiler warfen sich verstohlene Blicke zu.

Vivienne durchquerte den Raum und ging direkt zu Kael.

Sie hakte sich in seinen Arm ein.

Besitzergreifend.

Absichtlich.

Kael wich ihr nicht aus.

Meine Brust zog sich zusammen.

Ich hasste es, dass es noch immer wehtat.

Vivienne lehnte sich an ihn, als hätte sie jedes Recht, an seiner Seite zu stehen.

Dann glitt ihr Blick über mich.

„Seit wann dürfen Diener die Gemächer der Luna betreten?“

Die Beleidigung klang sanft.

Fast spielerisch.

Aber ich hörte sie.

Jeder hörte sie.

Ich antwortete nicht.

Es hatte keinen Sinn.

Ich drehte mich einfach um und verließ den Raum.

Ich konnte dort nicht länger atmen.

Ich konnte es nicht ertragen, sie dabei zu beobachten, wie sie ihn berührte.

Ich konnte nicht ertragen, dass mein Herz trotz allem noch immer auf seine Nähe reagierte.

Der Flur draußen war seltsam still.

Ich ging weiter.

Ein Schritt.

Dann noch einer.

Ich wusste nicht, wohin ich ging.

Ich wusste nur, dass ich Abstand brauchte.

„Elara.“

Ich blieb stehen.

Ich kannte diese Stimme.

Ich drehte mich um.

Lyra stand am anderen Ende des Flurs.

Ihr Gesicht war voller Sorge.

Sie eilte auf mich zu.

„Elara …“

Sie nahm meine Hände.

Sobald sie mein Gesicht sah, wurde ihr Ausdruck weicher.

„Oh, Elara.“

Ich wandte sofort den Blick ab.

„Nicht.“

Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen.

„Was nicht?“

„Sieh mich nicht so an.“

„Wie?“

„Als würdest du Mitleid mit mir haben.“

Lyras Finger schlossen sich fester um meine Hände.

„Ich bemitleide dich nicht.“

Ich schwieg.

Sie zögerte.

„Ich habe dich gesucht.“

Etwas in ihrer Stimme ließ meinen Magen sich zusammenziehen.

Ich sah sie an.

„Was ist passiert?“

Lyra blickte über ihre Schulter.

Der Flur war leer.

Trotzdem senkte sie die Stimme.

„Ich muss dir etwas sagen.“

Mein Herz begann schneller zu schlagen.

„Was?“

Sie wirkte nervös.

Fast verängstigt.

„Lyra?“

Sie schluckte.

„Ich habe Vivienne mit Elder Aldric sprechen hören.“

Mein Magen sackte ab.

„Worüber haben sie gesprochen?“

Lyras Griff um meine Hände wurde fester.

Ich konnte die Antwort bereits in ihren Augen erkennen, noch bevor sie sie aussprach.

„Die Ältesten bereiten eine offizielle Luna-Verkündung vor.“

Einen Moment lang verstand ich nicht, was sie meinte.

Dann traf mich die Bedeutung.

„Wann?“

Lyras Augen füllten sich mit Mitgefühl.

„In drei Tagen.“

Drei Tage.

Die Zahl hallte in meinem Kopf wider.

Drei Tage, bis Kael vor dem gesamten Rudel stehen und Vivienne offiziell zu seiner zukünftigen Luna erklären würde.

Drei Tage, bis alle die Frau feiern würden, die er mir vorgezogen hatte.

Drei Tage, bis ich gezwungen wäre, dabei zuzusehen, wie das Leben, von dem ich heimlich geträumt hatte, einer anderen in die Hände gelegt wurde.

Mein Hals schnürte sich zu.

Doch Lyra war noch nicht fertig.

„Elara …“

Ihre Stimme zitterte.

Ich sah sie an.

„Was?“

Sie sah aus, als wünschte sie sich, sie könnte die nächsten Worte zurücknehmen.

„Ich habe gehört, wie Vivienne zu Elder Aldric gesagt hat, dass sie dich nach der Zeremonie …“

Sie brach ab.

Mein Herz begann noch schneller zu schlagen.

„Nach der Zeremonie was?“

Tränen traten in Lyras Augen.

„Sie werden dich fortschicken.“

Ich starrte sie an.

Sie drückte meine Hände.

„Aus Blackthorn.“

Alles in mir erstarrte.

Der Flur schien zu verschwinden.

Die Stimmen im Erdgeschoss verstummten.

Selbst der Schmerz der Gefährtenbindung rückte in weite Ferne.

Drei Tage.

In drei Tagen würde Kael Vivienne wählen.

Und danach würde ich hier keinen Platz mehr haben.

Jahrelang hatte ich geglaubt, Blackthorn sei das einzige Zuhause, das ich besaß.

Jetzt blieben mir drei Tage, um es zu verlieren.

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