LOGINARIA
Ich tat nur so, als wäre ich mutig. Ich wusste nicht wirklich, wie man rau oder schnell war. Ich wusste aber auch nicht, wie man sanft oder langsam war. Ich wusste nur, dass sein Blick immer wieder zu mir zurückkehrte, und mein Herz hatte seit dem Augenblick, als ich ihn bemerkte, nicht mehr langsamer geschlagen. Das war die erste Entscheidung, die ich je ohne Angst getroffen hatte. Ich wollte Kael. Ich würde ihn nie wiedersehen, und er würde der Einzige sein, der die Wahrheit kannte. Ein Geheimnis. Ich hatte kaum welche. Ich wollte dieses hier. Ich brauchte es. Etwas zum Aufbewahren. Eine Erinnerung, die ganz allein mir gehörte. Und Kael Nightborne aus Goldenreach würde reichen. Seine Hände bewegten sich über meine Haut, leicht, aber sicher, und mein Atem begann zu stocken. Als er sich näher beugte, zitterte mein Körper ohne meine Erlaubnis. „Änderst du deine Meinung?", fragte er sanft, während seine Hände unter mein Shirt glitten. Ich antwortete nicht. Ich zog das Shirt über meinen Kopf und ließ es auf den Boden fallen. Ich befeuchtete meine Lippen, aus Angst zu sprechen. Wenn ich es täte, würde ich ihm vielleicht sagen, dass er aufhören soll. Oder ich würde ihn vielleicht anflehen, weiterzumachen. Er war sehr gut darin, mich aus meinen Gedanken herauszuholen. Ich griff nach seinem Hemd und versuchte, es ihm auszuziehen. Der Größenunterschied machte es ungeschickt, aber er kommentierte es nicht. Er hob einfach seine Arme und ließ mich gewähren. Die meisten Gestaltwandler waren stark. Macht war Teil der Wandlung. Sein Körper war fest, fest gegründet. Das war es nicht, was meine Aufmerksamkeit fesselte. Es waren die Narben. Gestaltwandler heilten schnell. Narben verblassten normalerweise. Aber eine lange Narbe verlief über seine Brust von der Schulter bis zu den Rippen. Sie passte zu der Schramme, die seine Augenbraue teilte. „Soll ich es wieder anziehen?", fragte er behutsam. Ich reichte nach oben und fuhr die Narbe mit meiner Fingerspitze nach. Ich wollte fragen, wie er sie bekommen hatte. Aber ich hatte auch Narben. Kleinere, leise Narben. Im dämmrigen Licht hoffte ich, dass er sie nicht sehen würde. Und wenn doch, wollte ich keine Fragen. Also schüttelte ich den Kopf und hob mein Gesicht zu ihm empor. Ein tiefes Knurren entkam ihm, scharf genug, um mir einen Schauer über den Rücken zu jagen. Er packte meinen Hinterkopf und küsste mich hart. Ich keuchte, und er nutzte es aus, indem seine Zunge in meinen Mund drang. Als er sich löste, brannten seine Augen gold. Mein Magen drehte sich um. „Dein Geschmack. Dein Duft. Du hast etwas an dir", murmelte er, hob mein Kinn und betrachtete mein Gesicht, bevor er mich erneut küsste. Diesmal hatte ich keine Angst. Ich wartete. Neugierig. Wütend darauf zu wissen, was als Nächstes kommen würde. Ich stöhnte und griff nach seinem Hosenbund. Ich öffnete seine Hose und berührte ihn. Die Größe schockierte mich nicht. Ich hatte Erregung schon früher gesehen. Aber das war das erste Mal, dass ich sie spürte. Warm, fest, lebendig. Mein ganzer Körper erzitterte. Er stieß einen rauhen Laut aus und drückte sich in meine Hand. Ich schloss meine Finger, ohne nachzudenken. Er packte mein Handgelenk und zog meine Hand weg. „Wenn du heute Nacht irgendetwas lernst", sagte er tief und ruhig, „dann, dass du mich nicht ohne zu fragen berührst. Wenn du mich willst, fragst du. Du bittest darum." Mein Mund öffnete sich überrascht. Er ließ mich los und lächelte, genau wissend, was er tat. „Nun?" „Darf ich Dich berühren, Alpha?", fragte ich. „Beinahe", sagte er. „Versuch es noch einmal." „Bitte lass mich dich berühren", flüsterte ich. „Ich möchte, dass du dich wohlfühlst." „Besser." Er nahm meine Hand, leckte langsam über meine Handfläche und drückte sie dann zurück gegen sich. „Halte mich. Mach mich hart für dich." Er beugte sich hinunter, biss mir in die Lippe und küsste mich erneut. Dieser Kuss war rau, hungrig. Er unterbrach ihn nur, um mir den Rest meiner Kleidung wegzuziehen. Ich war bloßgestellt. Nackt. Vor jemandem stehend, den ich kaum kannte. Für einen Moment fragte ich mich, ob mein Wolf in Panik geraten und fliehen würde. Er hielt nicht an. Seine Hand bewegte sich meinen Hals hinab, langsam und vorsichtig. Ich wartete darauf, ob er meine Kehle greifen würde. Ich hatte früher Monster gekannt. Ich vermutete, Kael war der gefährlichste Wolf, dem ich je begegnet war. Und trotzdem stand ich da. Nackt. Bereitwillig. Er könnte meinem Leben in diesem Raum ein Ende setzen. Niemand wusste, wo ich war. Und nach heute Nacht war ich mir nicht sicher, ob irgendjemand nach mir suchen würde. Seine Hände fuhren fort, über mein Schlüsselbein, über meine Brust. Ich keuchte, als seine Finger eine empfindliche Stelle streiften. Er wurde still. Ein wildes Knurren riss aus seiner Brust. Er packte meine Hüften und zog mich zurück. Bevor ich reagieren konnte, lag ich auf der Couch, mein Kopf sank in die Kissen. Er hob meine Beine und senkte seinen Mund zwischen sie. Als ich aufschrie, war es keine Angst. Die Lust traf mich hart und plötzlich, während sein Mund an mir arbeitete. Ich war vorher immer nur allein gewesen. Seine Hitze ließ mich schwindelig und schwach werden. „Dieser Geschmack", knurrte er und biss mir in den Oberschenkel. „Du bist süß." Seine Zunge fand mich, und mein Körper bäumte sich ihm entgegen. Ich keuchte. „Warte." Er hielt sofort inne. „Warum?" „Ich werde zu schnell kommen." „Schnell und hart", sagte er. „Das ist es, worum du gebeten hast. Und mach dir keine Sorgen. Ich kann noch einmal." Seine Augen glühten, als er zu mir aufsah. „Du gehörst mir bis zum Morgen. Komm für mich, Aria." Ich schluckte und nickte. Ich schloss die Augen und hob mich, während er weitermachte. Alles war zu intensiv. Zu real. Als es mich traf, hob sich mein Körper von der Couch. Er hob mich mühelos auf, hielt mich, während ich zitterte, und legte mich dann auf etwas Weiches. Ein Bett. Er gesellte sich einen Moment später zu mir, seine Kleidung war verschwunden. Er küsste mich, und ich schmeckte mich selbst auf seinem Mund. Er ließ sich zwischen meinen Beinen nieder, und ich wimmerte. „Willst immer noch mehr", murmelte er, während seine Zunge über meine Haut strich. Seine Hand glitt zwischen meine Oberschenkel. „Du bist schon nass." Ich war es. Selbst nachdem ich zerbrochen war, wollte ich ihn immer noch. Ich wollte ihn in mir. Ich wollte etwas zurückgeben. „Bitte", flüsterte ich und zog meine Nägel über seine Brust. „Dieser Mund", sagte er leise. „Lass mich hören, wie du es sagst." Seine Augen blitzten auf, als er sich in Position brachte und sich in mich drückte. Ich hob meine Knie, atmete schwer und versuchte mich anzupassen. Ich kannte Lust. Ich besaß Spielzeuge. Keines von ihnen fühlte sich so an. Keines fühlte sich an wie er. Er hielt inne, sein Atem ging schnell. „Du bist eng", sagte er. „Perfekt." „Ich halte das aus." „Du wirst alles von mir nehmen." Er küsste mich tief, fesselte meine Hände über meinem Kopf, zog sich zurück und stieß dann immer wieder zu, bis er mich mit einem rauen Laut vollständig ausfüllte. Ich schrie auf. Er wurde nicht langsamer. Er gab mir keine Zeit zum Nachdenken. Er zog sich zurück und stieß wieder hinein, immer und immer wieder. Hart. Schnell. Genau das, worum ich gebeten hatte. Hitze und Bewegung umgaben uns. Das Bett bebte. Die Laken verdrehten sich. Ich kam erneut, meine Nägel durchdrangen seine Haut. Sein Brüllen erfüllte den Raum, als er in mir kam. Er zog sich frei und drehte mich um, hielt mich fest und spreizte mich auf, während er sich eng an mich drückte. Sein Atem war heiß an meinem Ohr. Sein Körper zitterte. Das Bett war durchnässt. Ich bewegte mich und versuchte, eine trockene Stelle zu finden. Er war wieder hart. Er fluchte leise. „Noch einmal", flüsterte er. „Bleib so. Ich will spüren, wie du reagierst, wenn ich dich berühre." Mein Atem stockte. „Sag es", sagte er. „Sag mir, was du willst." „Bitte", sagte ich. „Ich will dich." Er glitt noch einmal in mich hinein. Und ich hielt mich fest.ARIANachdem ich mir die Wangen abgewischt hatte, verließ ich diesen Ort und ging zurück in mein Zimmer.Es hatte keinen Sinn, dort zu bleiben. Nichts weiter würde gesagt werden. Nichts würde sich ändern.Nur das Nötigste kam in meine Tasche. Kleidung. Wasser. Ein kleines Set. Mein Messer. Die Schlüssel zu einem der Jeeps, die uns hierher gebracht hatten, hingen noch neben der Tür. Ich nahm sie. Dann schrieb ich eine kurze Nachricht für Kael.Nicht alles. Nicht die Angst. Nicht die Wut. Nur genug. Genug, um ihm zu sagen, dass ich in Sicherheit sein würde. Dass ich nachdenken würde, bevor ich handelte. Dass dies nicht leichtsinnig war.Der Plan blieb klar in meinem Kopf.Victor Blackwood würde gestehen. Ich würde dafür sorgen. Ich würde seine Worte aufnehmen lassen. Und wenn die Wahrheit heraus wäre, könnte Kael ihn vor allen Menschen töten.Öffentlich. Sauber. Endgültig.Und Victor würde mich nicht anrühren.Nicht, wenn er erfuhr, dass ich Kaels Kind austrug.Gegen Mittag glitt ich au
ARIAEine Panikattacke. Das war es gewesen. Eine volle.Nachdem ich aus dem Konferenzraum geschlüpft war, bewegten sich meine Füße, bevor mein Verstand schalten konnte. Ich rannte. Nicht schnell, zwei Beine waren mir immer noch fremd – aber schnell genug, um das Ziehen in meinen Seiten zu spüren. Ich brauchte Abstand. Abstand zu ihren Gesichtern. Zu den Worten. Zu dem, was ich gerade erfahren hatte.Die Steinpfade von Veilshade Peak verschwommen. Kalte Luft kratzte in meiner Kehle. Mein Herz wollte nicht langsamer werden. Es fühlte sich an, als versuche es, aus meinen Rippen auszubrechen.Erst als meine Lunge zu brennen begann, hielt ich an.Ich beugte mich nach vorne, die Hände auf den Knien, nahe daran, mich zu übergeben. Flecken tanzten in meinem Blickfeld. Der Boden fühlte sich uneben unter mir an.Nyssa blieb neben mir stehen. Sie war kaum außer Atem.„Ich schiebe es auf das Baby“, sagte sie und musterte mich. „Denn wenn nicht, bist du in menschlicher Gestalt in einer furchtbaren
KAELSie lächelten mich beide an, warm und offen, und etwas in meiner Brust verschob sich. Ich hatte nicht realisiert, wie viel ich Rowan bis zu diesem Moment schuldete. Dankbarkeit drängte sich auf, schwer und stetig.Vor Jahren waren zwei seiner Soldaten bei einer Patrouille während eines harten Winters durch den Schnee gezogen. Sie fanden meine Schwestern halb im Weiß begraben, zitternd und kaum atmend. Sie hätten vorbeigehen können. Das taten sie nicht. Sie trugen sie den ganzen Weg zurück zum Veilshade Peak. Rowan gab ihnen Unterschlupf, ohne Antworten zu verlangen.Ein Jahr später machte er sie zu offiziellen Mitgliedern seines Rudels, obwohl sie nie jemandem erzählten, woher sie kamen. Ein verpaartes Paar nahm sie auf und zog sie wie Töchter groß. Der Rest des Rudels schloss die Reihen um sie. Fütterte sie. Trainierte sie. Sorgte dafür, dass sie sich sicher fühlten.Während ich in Blut und Rache ertrunken war, waren sie geliebt worden.Die Tür öffnete sich und riss mich zurück.
KAELEmily und Gemma stimmten zu, mich zu sehen. Die Nachricht kam am nächsten Morgen. Es fühlte sich unrealistisch an. Ohne nachzudenken, hätte ich beinahe Nyssas Tür aus den Angeln gerissen.Aria öffnete sie. Sie sah blass aus. Ihre Augen waren müde, als hätte sie überhaupt nicht geschlafen.„Kael?“„Sie empfangen mich in einer halben Stunde. Ich will, dass du dabei bist.“Sie zögerte. „Ich...“„Du bist die Mutter meines Kindes. Du solltest dabei sein.“Ihre Augen füllten sich leicht mit Tränen. Sie blinzelte sie zurück und nickte. „Gib mir eine Minute, um mich zu fassen. Warum lasse ich dich sie nicht zuerst alleine sehen? Ich komme in einer Stunde nach.“„Nachkommen?“„Ja. Sie haben dich seit Jahren nicht gesehen. Sie müssen dich nicht zusammen mit jemandem stehen sehen, den sie nicht kennen. Lass sie dich zuerst für sich alleine haben.“Sie klang sicher. Ruhig. Es ergab Sinn. Mein Wolf wollte sie an meiner Seite haben. Wollte den Trost. Aber hier ging es nicht um mich. Es gab zu
KAEL „Vielleicht solltest du laufen gehen. Verbrenn etwas von dieser Energie“, sagte Aria mit leiser Stimme. „Wenn du weiter so hin und her gehst, staut sich nur noch mehr Wut in dir an.“Die Dielen hatten unter meinen Stiefeln zu knarren begonnen. Hin und her. Hin und her. Die Wände der Nachtfall-Festung fühlten sich zu eng an.Ich drehte mich schnell zu ihr um. Die scharfe Antwort lag mir bereits auf der Zunge. Sie wäre mir fast herausgerutscht. Aber sie wich nicht zurück. Sie zuckte nicht einmal zusammen.Aria war an meiner Seite gestanden, während Calder und Rowan sich durch die Wahrheit arbeiteten. Während sie bestätigten, wer meine Schwester innerhalb seines Rudels war. Sie war da gewesen, als Rowan mir in einem ruhigen und festen Ton sagte, dass ich sie nicht sehen würde, bevor er nicht zuerst mit ihr gesprochen hatte.Sie hatte mich davon abgehalten, jeden Wolf in diesem Rudel herbeizurufen und sie zu zwingen, zu knien. Antowrten aus ihnen herauszupressen.Ein tiefes Geräusch
ARIA Durch einen tiefen, langsamen Atemzug getrieben, schob Calder das Notizbuch über den Tisch. Seine Finger blieben noch für einen Sekunde auf dem Einband liegen, bevor er losließ.„In diesem Buch gibt es eine Liste mit Namen und Daten“, sagte er. Seine Stimme war angespannt. „Weibliche Namen stehen in einer Spalte. Einige haben keine Namen. Nur Nummern. In der nächsten Spalte stehen Männernamen. Meistens Ausgestoßene. Ich habe Monate gebraucht, um einige von ihnen aufzuspüren und zu befragen. So begann ich zu verstehen, was diese Namen bedeuteten.“Er atmete erneut ein. Die Worte lagen bereit, aber er hatte immer noch Mühe, sie auszusprechen.„Varik hat junge Wölfinnen in die Hohe Wildnis geschleust. Die meisten von ihnen wurden Ausgestoßenen übergeben“, sagte er leise.Kael berührte das Notizbuch nicht. Er starrte es nur an. Die Luft im Raum fühlte sich schwer an. Schwer zu atmen.Rowans Stimme sank zu einem Flüstern. „Was zum Teufel, Calder? Ist das dein Ernst? Warum hast du uns







