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Kapitel 2

Penulis: Moore
Ich ging wie betäubt nach oben und warf den Blumenstrauß achtlos auf den Schminktisch.

Seths Art, Liebe zu zeigen, war immer einfach.

Ein Blatt, das er unterwegs aufhob. Eine Blume, die er irgendwo pflückte. Oder eine einfache Kritzelei auf Papier.

Ich bewahrte jedes Geschenk meines Sohnes wie einen Schatz auf. Ich glaubte, genau das waren seine kostbarsten Gaben an mich.

Doch erst heute verstand ich: Wenn Seth jemanden wirklich liebte, dann gab er dieser Person alles.

Ich schluckte meine Tränen hinunter und zog die Kiste hervor, in der ich all seine Geschenke aufbewahrte.

Früher war das meine wertvollste Sammlung. Ich wollte sie ein Leben lang behalten.

Aber jetzt wollte ich nichts davon mehr.

„Liebling, was räumst du da auf?“

Louis stieß die Tür auf und trat ein. Als er das Chaos auf dem Boden sah, runzelte er die Stirn.

Meine Hände hielten kurz inne. Dann sagte ich beiläufig:

„Hier ist es zu unordentlich. Ich räume nur etwas auf.“

Louis kam näher und zog mich in seine Arme.

„Das können die Dienstmädchen machen. Du musst das nicht selbst tun. Deine Gesundheit war nie besonders gut. Du solltest dich mehr ausruhen.“

Er warf einen Blick durch das leerer gewordene Zimmer. Plötzlich lächelte er.

„Machst du extra Platz für unsere Geschenke zum fünften Hochzeitstag?“

Louis kniff mir leicht in die Nase. In seinen Augen lag unverhohlene Erwartung.

„Zum Glück habe ich genug Geschenke vorbereitet. Damit kann ich dein ganzes Zimmer füllen.“

„Ich kann den morgigen Tag kaum erwarten.“

Ich zögerte lange. Am Ende fragte ich doch: „Louis, wirst du morgen die ganze Zeit bei mir bleiben?“

Louis erstarrte kurz. Dann lächelte er und küsste mich auf die Stirn.

„Was redest du denn für Unsinn? An welchem unserer Jahrestage war ich nicht von Anfang bis Ende bei dir? Das ist unser wichtiger Tag.“

Ich gab noch immer nicht auf.

„Und wenn etwas sehr Wichtiges passiert? Würdest du dann gehen?“

Louis senkte den Kopf. In seinen grau-blauen Augen spiegelte sich nur mein Gesicht.

„Nichts ist wichtiger als du. Nicht meine Macht. Nicht mein Rang. Nichts davon bringt mich dazu, dich an so einem wichtigen Tag allein zu lassen.“

Die Liebe in seinen Augen war so deutlich, dass ich für einen Moment fast daran glaubte.

Fast glaubte ich, ich war seine ganze Welt.

Ich senkte den Kopf und unterdrückte den bitteren Schmerz in meiner Brust.

Louis, das ist meine letzte Chance für dich.

Ich hoffe, du enttäuschst mich nicht.

Gerade erst wurde mein Herz wegen Louis’ Worten weich. Doch noch am selben Abend erhielt ich eine Nachricht von Janelle.

Dazu kam ein Foto.

Auf dem Foto feierte sie mit Louis und Seth ihren Geburtstag.

Janelle hielt zwei Geschenkboxen mit dem Cartier-Logo in den Händen. Ihr Lächeln war strahlend.

Ihre Worte waren stolz und frech.

„Und du willst immer noch nicht verschwinden? Dein Mann und dein Sohn mögen mich nun mal lieber. Wie hast du überhaupt noch die Frechheit, dich an den Platz der Donna zu klammern?“

Janelle Worte bohrten sich wie ein scharfes Messer in mein Herz.

Der Schmerz nahm mir fast die Luft.

Ja. Janelle und ich standen die ganze Zeit in Kontakt.

Bei jedem Seitensprung von Louis sorgte sie dafür, dass ich es erfuhr. Immer auf die gleiche provokante Art.

Louis konnte unmöglich ahnen, dass alles, was er so verzweifelt vor mir verbarg, längst von seiner Geliebten brutal aufgedeckt wurde.

Janelle war Louis’ Freundin aus Kindertagen. Vor fünf Jahren ging sie zum Studieren ins Ausland und verließ Italien.

Alle sagten, Janelle und ich sahen uns sehr ähnlich.

Sie sagten, Louis fand in mir nur einen Ersatz für sie.

Selbst Janelle glaubte das.

Deshalb war sie sich sicher, als sie vor zwei Jahren mit voller Wucht zurückkam: Louis würde sich von mir scheiden lassen und mit ihr zusammen sein.

Zwei Jahre lang brachte sie Louis und Seth dazu, sich immer mehr auf ihre Seite zu stellen.

Jetzt war sie es leid, sich im Dunkeln zu verstecken.

Sie wollte mich offen ersetzen.

Sie wollte alles nehmen, was mir gehörte.

Als ich Janelle Provokation sah, wollte ich sie zuerst wie immer ignorieren.

Doch dann dachte ich an Louis’ Versprechen von eben.

Wie von etwas getrieben schrieb ich Janelle zurück: „Morgen ist unser fünfter Hochzeitstag. Wenn du es schaffst, ihn an diesem Tag von mir wegzurufen, gebe ich dir den Platz der Donna.“

Janelle schien es kaum glauben zu können.

Doch schon kurz darauf kam ihre Antwort:

„Ich hoffe, du hältst dein Wort. Egal wann. Ein Anruf von mir genügt, und er lässt alles stehen und liegen, um zu mir zu kommen.“
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