LOGINAm Morgen fiel Licht durch einen Spalt zwischen den Vorhängen auf Yunas Gesicht.Sie sah Adrian an, der den Kragen ihres Pullovers richtete. Nach kurzem Zögern fragte sie leise: „Bist du sicher, dass du heute … nichts anderes vorhast?“Adrian hielt kurz inne und blickte auf sie hinab. Yuna saß in einem schlichten beigefarbenen Pullover und einer Hose auf der Bettkante. Ihr langes Haar fiel locker über die Schultern. Sie sah ihn ruhig an; ihr Gesicht verriet nichts, doch in ihren Augen lag noch immer ein schwer greifbares Zögern.„Nein“, antwortete er bestimmt. „Der ganze Tag gehört dir.“Sie presste kaum merklich die Lippen aufeinander.Seine Worte hätten ihr guttun sollen. Stattdessen fragte sie sich unwillkürlich, ob Claudia ebenfalls etwas für ihn vorbereitet hatte.Die Kronprinzessin ließ sich einen so wichtigen Anlass wie seinen Geburtstag vermutlich nicht entgehen.„Wenn ich dann den ganzen Tag für dich verplane …“ Yuna hob den Blick und sah ihm in die Augen. In ihr regte sich ei
Adrian stutzte. Dann leuchtete in seinen Augen eine so unverhoffte Freude auf, dass er sie kaum verbergen konnte.„Du hast dir meinen Geburtstag gemerkt?“Yuna nickte leicht. „Ja, habe ich.“Eigentlich hatte sie ihm einen besonderen Geburtstag bereiten wollen.In letzter Zeit hatte sie lange darüber nachgedacht, wie sie diesen Tag zu etwas Besonderem machen konnte. Sogar eine Überraschung hatte sie heimlich geplant.Doch nun war ihre Vorfreude erloschen. Von all der Wärme, mit der sie geplant hatte, blieb nur kalte Ernüchterung.Trotzdem hielt sie an ihren Plänen fest.Als „Frau Wolfhardt“ war es ihre Pflicht, diesen Geburtstag für Adrian auszurichten.Was zuvor von Herzen gekommen war, hatte sich in eine Aufgabe verwandelt, die nur noch erledigt werden musste.Adrian bemerkte die Veränderung nicht. Er deutete ihren ausweichenden Blick lediglich als Nervosität und Befangenheit.Immerhin war es das erste Mal, dass Yuna ihm etwas zum Geburtstag schenkte.Adrian war bester Laune. Sein Bli
Die Tür flog knarrend auf.Adrian kam mit hastigen Schritten herein, leicht außer Atem. Den Mantel hatte er locker über den Arm gelegt, die Krawatte war gelockert. Offenbar war er in aller Eile zurückgekehrt.Sein Blick fiel sofort auf Yuna, die auf dem Sofa saß. Er zog die Stirn in Falten und ging geradewegs zu ihr.„Warum hast du mich nicht angerufen, als die Behandlung kurzfristig abgesagt wurde?“Seine Stimme klang tief und verriet kaum unterdrückte Unruhe. „Habe ich dir nicht gesagt, dass du mich sofort anrufen sollst, wenn ich nicht da bin – ganz gleich, was passiert? Ich komme dann umgehend zu dir zurück.“Yuna hob den Blick.Adrians Gesicht war so makellos und vornehm wie immer, doch nun war ihm die Sorge um Yuna deutlich anzusehen. In seinen dunklen Augen spiegelte sich allein ihr Gesicht.Dass Adrian nur ihretwegen „die Fassung verlor“, hatte Yuna einst für den Beweis seiner ungeteilten Liebe gehalten.Nun wusste sie es besser.Sie senkte den Blick auf ihre bandagierten Hände
Es war die Scham einer „anderen Frau“, die von der Ehefrau ertappt worden war – ein Gefühl, das Claudia bis dahin nicht kannte.Als Kronprinzessin war Claudia es gewohnt, alles zu bekommen, was sie wollte. Um gesellschaftliche Moralvorstellungen hatte sie sich nie geschert. Doch Yuna sah sie so ruhig an und lächelte dabei so kühl, dass Claudia sich zum ersten Mal in ihrem Leben für sich selbst schämte.Dieses ungewohnte Gefühl war ihr zutiefst unangenehm. Es ärgerte sie und verstärkte ihre Abneigung gegen Yuna.Doch die Lage ließ ihr keine Wahl.Claudia schluckte ihren Ärger hinunter, setzte sich etwas gerader hin und bemühte sich um Gelassenheit. „Frau Sommer, wenn Sie hier auf mich gewartet haben, dann ist die Sache offenbar noch nicht endgültig entschieden. Wir können also noch darüber reden, nicht wahr?“Claudia sah Yuna unverwandt in die Augen. Ihr Angebot sollte Yuna ködern und zugleich ihre Reaktion ausloten.„Solange Sie Adrian nichts davon erzählen, bin ich bereit, Sie nach Ih
Vor Yunas Tür fragte der Hofverwalter leise, ohne seine Nervosität verbergen zu können: „Eure Hoheit … wie hoch schätzen Sie die Chance, dass Sie sie besänftigen können?“Claudia stand vor der verschlossenen Tür. Unter der sorgfältigen Schminke wirkte ihr Gesicht blass, ihre Miene war düster.Sie schloss kurz die Augen. Ihre Lippen waren zu einem harten Strich zusammengepresst. Erst nach langem Schweigen brachte sie hervor: „Nicht einmal zwanzig Prozent.“Keine Frau nahm die Affäre ihres Mannes einfach hin. Tränen, Vorwürfe, Verzweiflung und bisweilen sogar hysterische Rachegelüste waren die üblichen Reaktionen.Bei Yuna musste es noch schlimmer sein. Adrian hatte sie auf Händen getragen, beschützt und mit all der Zärtlichkeit überschüttet, zu der er fähig war. In Claudias Vorstellung hatte diese Liebe Yuna selbstbewusst und stolz gemacht. Gerade deshalb würde sie einen solchen Verrat nicht stillschweigend hinnehmen.Claudia rechnete bereits mit einer verzweifelten, unbeherrschten Frau
Bei Adrians erbarmungsloser Art war Ella so gut wie tot, sobald er davon erfuhr.Aber was geschah, wenn sie Claudia die Wahrheit sagte?Für die Kronprinzessin war es doch von Vorteil, wenn Yuna Bescheid wusste. Yuna würde sich von Adrian trennen, und Claudia hätte ihn für sich allein.Claudia konnte ihr das unmöglich übel nehmen. Vielleicht war sie Ella sogar dankbar für ihre Hilfe.Ella klammerte sich an diesen Gedanken und begann hastig zu erklären.„Es war Henrik Wolfhardt. Er hat mich dafür bezahlt, Frau Sommer von Ihrer Beziehung zu Herrn Wolfhardt zu erzählen.“Sie hob den Kopf und suchte in Claudias Gesicht nach einem Zeichen von Nachsicht, vielleicht sogar nach Anerkennung.„Eure Hoheit, ich habe sein Geld angenommen, aber ich wollte Ihnen damit ebenfalls helfen. Frau Sommer weiß jetzt Bescheid und wird sich bestimmt von Herrn Wolfhardt trennen. Dann gehört er Ihnen allein, und Sie müssen nie wieder …“Claudias Hand traf Ella mit voller Wucht ins Gesicht.Die Ohrfeige riss ihre
Im VIP-Luxuszimmer der Klinik.Chiara lehnte im Krankenhausbett und nippte an dem warmen Wasser, das ihr Henrik eingeschenkt hatte. „Henrik, ich habe von der Hausangestellten gehört, dass Yuna heute Morgen in einem Rolls-Royce zurückgekommen ist. Und dass sie die ganze Nacht weg war … vielleicht ist
Yuna war zurückgekommen, um ihre Sachen zu holen.Kaum hatte sie die Tür aufgestoßen, drang ein schrilles Lachen an ihr Ohr.Henrik, der sonst nie lachte, saß neben Chiara und erzählte ihr trockene Witze, um sie aufzuheitern.„Hatschi…“Chiara nieste lieblich.„Frierst du?“, fragte Henrik sofort bes
„Henrik, das Kind in ihrem Bauch – ist es deins?“Yuna war kreidebleich. Sie traute ihren eigenen Ohren nicht.Vor sieben Monaten war Henriks älterer Bruder Erwin Wolfhardt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aus Mitleid mit Chiara Jensen, der jungen Witwe, die zudem schwanger war, hatte Yuna s
Chiara starrte sie an. Selbst ihre gespielt verletzte Miene erstarrte mitten in der Bewegung. Die brennende Wange ließ sie für einen Moment alles vergessen.Wie konnte Yuna es wagen, wirklich zuzuschlagen?Henrik war einen Moment lang sprachlos. Dann brach seine Wut hervor.„Yuna, hast du den Versta







