LOGINAdrians Lächeln wurde immer deutlicher. In dem düsteren Zimmer, mit der schrecklich geschminkten Geisterbraut im Arm, wirkte sein zärtlicher Blick beinahe unwirklich.Claudia starrte die beiden an. Ein Mundwinkel zuckte; sie begriff beim besten Willen nicht, was sie da sah.Hatte der Schreck ihm den Verstand geraubt? Oder gefiel ihm dieser Anblick tatsächlich? Vielleicht stand er heimlich auf solche grässlichen Gestalten. Claudia schauderte bei dem Gedanken.Die Geisterbraut schien genug von ihrer Rolle zu haben. Mit einer in roten Stoff gehüllten Hand griff sie nach den Haaren, die ihr ins Gesicht hingen. „Woran hast du mich erkannt?“Adrian kam ihr zuvor und strich die wirren, verklebten Strähnen ihrer Perücke behutsam zurück.„Ich erkenne mich mit dieser Schminke nicht einmal selbst im Spiegel.“ Sie betrachtete missmutig ihr Gesicht in dem blinden Spiegel auf dem Schminktisch. Dann sah sie zu Claudia hinüber, die mit finsterer Miene dastand. „Claudia habe ich jedenfalls ganz schön e
Da schoss hinter dem Bett eine Gestalt in Rot hervor. Die Frau trug ein altmodisches Brautkleid, dessen leuchtend roter Stoff mit dunkelbraunen Flecken übersät war, die wie getrocknetes Blut aussahen. Langes Haar verdeckte ihr Gesicht bis auf einzelne Stellen gespenstisch blasser Haut, auf denen sich bläuliche Linien abzeichneten. Am schlimmsten waren die Augen: Im Halbdunkel wirkten sie wie schwarze Löcher, aus denen dunkelrote Tränen liefen.„Aaaah!“, schrie Claudia und taumelte mehrere Schritte zurück. Sie knickte auf ihren hohen Absätzen um und wäre beinahe gestürzt. Gerade noch konnte sie sich an der Wand abstützen. Ihr Herz raste.Sie hatte doch befohlen, alle Darsteller aus dem Zimmer zu holen. Woher kam diese Frau? Hatte sie es womöglich mit einem echten Geist zu tun? Erst als Claudia wieder zu Atem kam, erkannte sie die Verkleidung. Der Schreck saß ihr trotzdem noch in den Gliedern.Die Geisterbraut wandte sich langsam von ihr ab. Mit steifen Bewegungen drehte sie sich zu A
Claudia blieb stehen und sah ihm nach. Erst einige Schritte weiter drehte Adrian sich um. Im grünen Licht wirkte sein Blick noch abweisender. „Kommst du? Weglaufen kannst du doch, oder?“Claudia war so empört, dass sie zunächst kein Wort herausbrachte. Ein verkleideter Darsteller machte Adrian gewiss keine Angst. Er hatte nur die Gelegenheit genutzt, ihr auszuweichen.Sie unterdrückte ihren Zorn und gab die Versuche, ihn beiläufig zu berühren, fürs Erste auf. Da entdeckte sie vor ihnen eine geschnitzte Holztür. Laut dem Plan des Geisterhauses, den sie sich zuvor besorgt hatte, lag dahinter ein Rätselraum zum Thema Geisterhochzeit. Schon hatte sie eine neue Idee.Leise sprach sie in ihr Headset: „Hört zu. Sobald wir im Hochzeitszimmer sind, schließt ihr die Tür von außen ab. Auch wenn wir alle Rätsel lösen, darf sie sich nicht öffnen. Holt vorher sämtliche Darsteller heraus. Ich will dort niemanden mehr sehen.“War die Tür erst einmal zu, konnte Adrian nicht weg. Ohne Darsteller ware
Adrian sah auf die Uhr. „Wenn wir hier ohnehin nichts fahren können, sollten wir gehen. Die Zeit ist fast um.“ Seine Stimme klang kühl. Er wandte sich bereits zum Ausgang.„Warte!“ Claudia trat ihm in den Weg. „Was hast du es so eilig? Der Park ist groß. Hier gibt es mehr als Fahrgeschäfte, die Strom brauchen.“Ihr Blick fiel auf ein Geisterhaus in der Nähe. Über dem Eingang hing ein Plakat mit furchteinflößenden Gestalten. Claudia lächelte und deutete darauf. „Komm, wir gehen da hinein.“Claudia dachte an denjenigen, der hinter den Ausfällen steckte. Von ihr aus konnte er auch im Geisterhaus das Licht ausschalten. Bei all den Schreckensgeräuschen und in den engen, dunklen Gängen hatte sie den besten Vorwand, Angst vorzuspielen. Dann konnte sie sich an Adrian lehnen, nach seinem Arm greifen und ihn schließlich ganz „aus Versehen“ umarmen. Hier kam sie ihm leichter nahe als in einem Fahrgeschäft.Adrian sah zum Geisterhaus hinüber. Der Eingang glich dem weit geöffneten Maul eines Dämo
Claudia schluckte ihren Ärger hinunter und zwang sich zu einem Lächeln. „Schon gut. Sicherheit geht vor. Seht euch alles gründlich an und nehmt euch für die Reparatur die nötige Zeit.“Sie gab sich so verständnisvoll, wie es sich für die Kronprinzessin gehörte. Dann wandte sie sich mit heiterer Stimme an Adrian. „Wenn das Riesenrad vorerst ausfällt, fahren wir eben mit etwas anderem. An Attraktionen fehlt es hier ja nicht.“Wenn sie sich beeilte, blieb noch Zeit, mit Adrian ein paar Attraktionen für Paare auszuprobieren. „Komm, Adrian.“ Sie zeigte auf die verschlungenen Schienen in einiger Entfernung. Von dort drangen immer wieder Schreie herüber. „Fahren wir mit der Achterbahn. Da können wir nebeneinander sitzen.“Adrian sah noch einmal zu den Technikern hinüber, die hektisch umherliefen, und musterte sie mit einem schwer zu deutenden Blick. Er sagte nichts und ging zum Eingang der Achterbahn. Claudia atmete heimlich auf und eilte ihm nach.Doch dann passierte es schon wieder.Claudia
In den geschlossenen Gondeln des Riesenrads waren Paare für eine Weile ganz unter sich. Während der langsamen Fahrt bot die Enge Gelegenheit, einander näherzukommen. Claudia wollte genau deshalb mit Adrian einsteigen.Adrian folgte ihrem Finger mit dem Blick. Bunte Lichterketten schmückten das Riesenrad, doch sein Stahlgerüst wirkte selbst im Sonnenlicht kalt. Seinen Widerwillen konnte er kaum verbergen. Trotzdem beherrschte er sich, presste die Lippen aufeinander und ging wortlos zum Einstieg.Claudia sah ihm nach. Obwohl er offensichtlich keine Lust hatte, hielt er sich an ihre Vereinbarung. Der Gedanke löste widersprüchliche Gefühle in ihr aus. Doch bald überwog ihr Ehrgeiz, Adrian doch noch für sich einzunehmen. Sie schloss rasch zu ihm auf und ging neben ihm her.Die Wartenden machten ihnen Platz. Neugierige, bewundernde Blicke folgten ihnen bis zum Einstieg.Gerade als die beiden die Einstiegsplattform betreten wollten, knackte es laut. Das Riesenrad hielt ruckartig an. Die bunte
Chiara starrte sie an. Selbst ihre gespielt verletzte Miene erstarrte mitten in der Bewegung. Die brennende Wange ließ sie für einen Moment alles vergessen.Wie konnte Yuna es wagen, wirklich zuzuschlagen?Henrik war einen Moment lang sprachlos. Dann brach seine Wut hervor.„Yuna, hast du den Versta
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Ta
Im VIP-Luxuszimmer der Klinik.Chiara lehnte im Krankenhausbett und nippte an dem warmen Wasser, das ihr Henrik eingeschenkt hatte. „Henrik, ich habe von der Hausangestellten gehört, dass Yuna heute Morgen in einem Rolls-Royce zurückgekommen ist. Und dass sie die ganze Nacht weg war … vielleicht ist







