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Kapitel 3: 3 Uhr nachts

Penulis: Romance Addict
last update Tanggal publikasi: 2026-07-23 12:53:17

Ich wache um drei Uhr morgens auf. Sein Körper ist um meinen geschwungen, seine Hand liegt offen und warm auf meinem Bauch, und für eine desorientierte halbe Sekunde weiß ich nicht, wo ich bin.

Dann erinnere ich mich.

Falsches Zimmer. Richtiger Mann. Ein Abend, den ich niemandem erklären kann.

Er schläft. Tief und fest. Er atmet langsam und gleichmäßig an meinem Nacken, sein Gesicht ist entspannt. All das Selbstbewusstsein, die Intensität und die tiefe, gebietende Stimme sind zu genau dem hier geworden: ein Mann, der friedlich schläft, mit dem Arm um eine Frau, die er vor vier Stunden kennengelernt hat.

Ich sollte gehen.

Der Gedanke kommt klar, praktisch und vollkommen ausgeformt. Ich sollte mich unter seinem Arm hervorschieben, meine Kleidung im Dunkeln suchen, hinausschlüpfen, den Fahrstuhl zu meinem eigentlichen Stockwerk, meinem eigentlichen Zimmer und meinem eigentlichen Leben nehmen und diese ganze Nacht aus einer sicheren, verantwortungsvollen Distanz verarbeiten. Ich sollte gehen, bevor es noch komplizierter wird, als es ohnehin schon ist. Bevor Gefühle ins Spiel kommen. Bevor das hier anfängt, etwas zu bedeuten, was es nicht bedeuten sollte, denn wir sind Fremde und das hier war spontan, wunderschön und leichtsinnig. Es muss so enden, wie diese Dinge enden sollten: sauber, ohne Erwartungen, ohne dass man sich irgendetwas schuldet.

Ich bewege mich nicht.

Stattdessen liege ich da, höre ihm beim Atmen zu und denke nach.

Ich denke an den letzten Mann, mit dem ich geschlafen habe. Daniel. Vor acht Monaten. Ein vollkommen netter Mann von einer vollkommen netten Dating-App, der mich in ein vollkommen nettes Restaurant ausgeführt, mich vor meiner Tür zum Abschied geküsst hat, mit den Händen brav an seinen Seiten, und der meinen Puls nicht ein einziges Mal dazu gebracht hat, das zu tun, was Garrys Stimme allein heute Nacht von der anderen Seite des Raumes aus geschafft hat.

Ich war vier Mal mit Daniel aus. Er war lieb, zuverlässig und völlig austauschbar, und ich habe nichts gefühlt. Keine Abneigung. Keine Anziehung. Einfach... nichts. Eine Leere, wo ein Gefühl hätte sein sollen. Ich habe es ohne ein Gespräch beendet, weil es nichts gab, worüber man hätte sprechen können.

Vor Daniel gab es Michael. Acht Monate einer vorsichtigen, durchgeplanten, temperaturkontrollierten Beziehung, die auf dem Papier perfekt aussah und sich anfühlte wie ein Mantel, der fast passt, aber eben nie ganz. Wir haben uns an einem Mittwoch per Textnachricht getrennt, und am Donnerstag ging es mir schon wieder gut. Ich glaube, das sagt alles, was man wissen muss.

Vor Michael war die Universität, wo ich mit zwei Personen geschlafen habe, beide angenehm, beide undenkwürdig. Und davor war da nichts, weil ich damit beschäftigt war, Jahrgangsbeste zu sein und die Art von Leben aufzubauen, die von außen genau richtig aussah und sich von innen nach absolut nichts anfühlte.

Sechsundzwanzig Jahre alt. Vier Sexualpartner, einschließlich heute Nacht. Ein Job in der Unternehmensberatung, in dem ich gut bin und der mir meistens Spaß macht. Eine Eigentumswohnung in London mit einer Hypothek, bei deren Abzahlung ich der Zeit voraus bin. Eine Altersvorsorge. Ein Sparkonto. Ein Leben, das strukturiert, organisiert, verlässlich und vollkommen, verheerend, seelenzerstörend sicher ist.

Und dann hat eine Keycard die falsche Tür geöffnet, ein Fremder hat sich umgedreht und "Falsches Zimmer?" gesagt, mit einer Stimme, die mir direkt durch das Brustbein gegangen ist, und ich bin geblieben.

Ich bin geblieben.

Das ist der Teil, der sich immer wieder im Kreis dreht. Nicht der Sex, obwohl der Sex mit Abstand der beste meines Lebens war, um einen Betrag, den ich gar nicht ausrechnen will. Nicht sein Körper, obwohl sein Körper in nächster Zeit eine Hauptrolle in meinen privaten Gedanken spielen wird. Die Tatsache, dass ich geblieben bin. Dass ein Teil von mir, von dessen Existenz ich nicht einmal etwas wusste, auf eine verschlossene Tür und einen nackten Fremden geblickt hat und beschlossen hat zu bleiben, anstatt zu rennen. Dieser Teil von mir fühlte sich mehr nach dem echten Ich an als die Version, die ihre Steuern früh erledigt und sich zwei Wecker stellt.

Garry bewegt sich im Schlaf. Sein Arm zieht sich um mich enger zusammen, zieht mich näher an sich heran, und er gibt ein tiefes Geräusch an meinem Haar von sich. Etwas zwischen einem Seufzer und einem Murmeln. Keine Worte. Nur Wärme. Nur das unbewusste Greifen eines Körpers, der weiß, dass da jemand ist, und nicht will, dass dieser jemand geht.

Mein Hals schnürt sich zu.

Ich will das nicht fühlen. Ich sollte das nicht fühlen. Das hier sollte eine einzige leichtsinnige Nacht mit einem wunderschönen Fremden sein, eine Geschichte, die ich meiner besten Freundin bei einem Glas Wein erzählen und nie wiederholen würde. Eine Abweichung vom Plan. Kein Gefühl. Nicht dieses Gefühl. Nicht die Art, wie meine Brust schmerzt, wenn sein Arm mich näher heranzieht. Nicht die Art, wie ich mich umdrehen, sein schlafendes Gesicht ansehen und es mir einprägen will, weil ich weiß, dass ich in ein paar Stunden weggehen werde und es vielleicht nie wiedersehe.

Ich bin nicht diese Frau.

Außer jetzt, um drei Uhr morgens, in einem Hotelzimmer, das mir nicht gehört. Hier bin ich exakt diese Frau, und sie ist vielleicht die wahrhaftigste Version meiner selbst, die ich je kennengelernt habe.

Ich drehe mich vorsichtig um. Sein Arm passt sich an, lässt aber nicht los. Und jetzt liegen wir uns im Dunkeln gegenüber, seine Züge durch den Schlaf gemildert, und ich sehe ihn an.

Er ist wunderschön. Nicht auf diese glatte, symmetrische Art, die auf Fotos gut aussieht. Wunderschön auf die Art, wie echte Dinge wunderschön sind: interessant, spezifisch, leicht unperfekt, vollkommen er selbst. Die Tätowierungen, die an seinen Schultern beginnen und seine Arme hinabgehen, abstrakte Formen und feine Linien, die ich bei Tageslicht mit den Fingern nachfahren möchte. Der leichte Knick in seiner Nase, der vermuten lässt, dass sie mindestens einmal gebrochen war. Die Art, wie sein Mund liegt, wenn er entspannt ist, weicher als im wachen Zustand, weniger sicher, verletzlicher.

Ich greife hinaus und berühre seinen Kiefer. Ganz leicht. Nur um die Wärme seiner Haut unter meinen Fingerspitzen zu spüren.

Seine Augen öffnen sich.

Nicht erschrocken, sondern langsam. Als wäre er ohnehin schon halb wach gewesen und hätte nur auf einen Grund gewartet, an die Oberfläche zu kommen.

"Hey", sagt er. Seine Stimme ist rau vom Schlaf, leise und warm, und sie macht mir im Liegen immer noch die Beine weich.

"Hey."

"Wie viel Uhr ist es?"

"Drei Uhr irgendwas."

Er sieht mich an. Muster mein Gesicht im Dunkeln mit diesen grauen Augen, die auch ohne Licht vollkommen zu funktionieren scheinen.

"Du denkst nach", sagt er.

"Ich denke immer nach."

"Du denkst darüber nach zu gehen."

Ich streite es nicht ab.

Sein Daumen fährt die Linie meines Kiefers nach. Langsam. Als würde er sich die Form für später einprägen.

"Wann fährt dein Zug?", fragt er.

"Um neun."

"In welche Stadt?"

"London."

"Ich wohne in London", sagt er. "Hackney."

Mein Herz tut etwas ausgesprochen Unpraktisches.

"Ich wohne in Bermondsey", antworte ich. Das ist keine Information, die er braucht, und genau die Art von Information, die aus einem One-Night-Stand etwas mit einer Postleitzahl und einer potentiellen Zukunft macht. Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade gesagt habe.

In seinem Gesicht verändert sich etwas. Wieder dieses Fast-Lächeln, das an seinem Mundwinkel liegt wie ein Versprechen, das er noch nicht abgegeben hat.

"Von Bermondsey nach Hackney", sagt er. "Overground. Vierzig Minuten."

"Berechnest du gerade Fahrtzeiten?"

"Ich berechne gerade alles." Seine Augen halten die meinen fest. "Seit du durch diese Tür gelaufen bist."

Die Luft zwischen uns verändert sich. Nicht mehr so geladen wie zuvor, als alles elektrisch und dringlich war und auf das Unvermeidliche zusteuerten. Etwas Leises als das. Etwas, das sich weniger nach Verlangen anhört und mehr nach Wiedererkennen. Wie zwei Menschen, die sich im Dunkeln ansehen und gleichzeitig begreifen, dass das hier vielleicht nicht nur eine einzige Nacht ist.

"Garry", sage ich.

"Dara."

"Das ist verrückt."

"Vollkommen."

"Ich bin in das falsche Zimmer gelaufen."

"Das beste falsche Zimmer meines Lebens."

"Ich kenne deinen Nachnamen nicht einmal."

"Ashworth. Garry Ashworth. Bauingenieur. Einunddreißig. Hackney. Schwester in Edinburgh. Keine Haustiere, weil meine Arbeitszeiten unvorhersehbar sind. Lieblingsbuch wechselt wöchentlich. Lese gerade die Hälfte eines Thrillers, den ich nicht mag, aber ich weigere mich aufzugeben, weil ich stur bin, wenn es darum geht, Dinge zu beenden."

Ich starre ihn an.

"Ich mache sehr gute Omeletts", fährt er fort. "Ich kann keine Spannbettlaken falten. Ich war in einer ernsthaften Beziehung, die vor vierzehn Monaten endete, weil sie nach Toronto ziehen wollte und ich nicht. Keiner von uns lag falsch, aber es hat trotzdem wegetan. Ich schlafe auf der linken Seite. Man sagt mir nach, dass ich nicht schnarche. Mir ist noch nie in meinem Leben eine Fremde ins Hotelzimmer gelaufen, und ich war noch nie so froh darüber, mich in etwas geirrt zu haben."

Der Riss in meiner Brust von vorhin bricht weiter auf. Luft strömt herein. Licht.

"Warum erzählst du mir das alles?", frage ich. Meine Stimme tut etwas, was sie nicht tun sollte. Sie wird belegt.

"Weil du gesagt hast, dass du mich nicht kennst." Seine Hand wandert von meinem Kiefer zu meinem Nacken. Seine Finger sind warm auf meiner Haut und halten mich sanft fest. "Und ich möchte, dass du mich kennst."

"Wir hatten Sex. Menschen haben Sex. Das muss nichts bedeuten..."

"Muss es nicht", stimmt er zu. "Aber das tut es. Du weißt, dass es das tut. Deshalb bist du um drei Uhr morgens immer noch hier, anstatt drei Stockwerke höher in deinem eigenen Bett."

Darauf habe ich keine Antwort, weil er recht hat und wir es beide wissen.

"Ich verlange gar nichts", sagt er. "Ich bitte dich nicht, deine Pläne zu ändern, deinen Zug zu verpassen oder dein vernünftiges, organisiertes, sorgfältig aufgebautes Leben umzukrempeln. Ich sage dir nur, wer ich bin, damit du, wenn du dich entscheidest, mit allen Informationen entscheidest."

"Was entscheiden?"

"Ob das hier beim Auschecken endet. Oder ob es erst anfängt."

Im Zimmer ist es sehr still. Die Stadt summt weiter unten. Vierzig Stockwerke aus Glas und Stahl, eine Million Menschen, die schlafen, und wir zwei, die wach sind und sich ansehen, während etwas zwischen uns wächst, das nach vier Stunden eigentlich kein Recht hat zu existieren und das absolut, unbestreitbar und unpraktischerweise real ist.

"Ich muss schlafen", sage ich schließlich.

"Okay."

"Ich entscheide gar nichts um drei Uhr morgens."

"Okay."

"Hör auf, so vernünftig zu sein. Das macht es nur noch schlimmer."

Er lacht. Leise. Echt. Der Klang wandert durch seine Brust in meine, weil wir uns so nah sind, und ich spüre, wie er sich irgendwo warm niederlässt.

"Schlaf jetzt, Dara", sagt er.

Ich schließe die Augen. Seine Hand bleibt an meinem Nacken. Sein Atem wird gleichmäßiger als meiner.

Ich liege da im Dunkeln und denke an vierzig Minuten in der Overground, an einen Mann, der keine Spannbettlaken falten kann, und an die Tatsache, dass sich meine Brust seit Jahren nicht mehr so offen

angefühlt hat.

Ich schlafe ein.

Ich träume nicht.

Das muss ich auch gar nicht.

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