登入Aria konnte die Augen nicht schließen.
Die Laken klebten an ihrer feuchten Haut und schlangen sich um ihre Oberschenkel wie Hände, die sich weigerten, sie loszulassen. Mit jedem Atemzug schlich sich das Echo der vergangenen Nacht wieder zwischen ihre Beine … ein langsamer, warmer Druck, der nicht ganz eine Berührung war, sich aber realer anfühlte als alles andere in den letzten zwei Jahren. Sie presste ihre Handfläche dorthin, in der verzweifelten Hoffnung, das Gefühl zu beruhigen, doch ihre eigenen Finger machten es nur noch schlimmer. Ein leiser, hilfloser Laut entwich ihrer Kehle. Scham brannte in ihrer Brust.
Auf dem Sofa, nur drei Schritte entfernt, schlief Jax wie ein Mann, der schon zu viele Verfolgungsjagden im Morgengrauen erlebt hatte. Ein Arm hing über die Kante, seine Lederjacke war unter seinen Kopf geschoben. Sein Brustkorb hob und senkte sich in ruhigem Rhythmus. Regen trommelte wie ungeduldige Finger gegen das Fenster. Sie beobachtete, wie das Neonlicht einen blassen Schimmer auf seine Stoppeln warf, die markante Linie seines Kiefers und die dunklen Wimpern, die jene haselnussbraunen Augen verbargen Augen, die schon zu viel von ihr gesehen hatten. Sie wartete darauf, dass sich sein Anblick wie ein Eindringen in ihre Privatsphäre anfühlen würde. Doch das geschah nicht. Das machte ihr mehr Angst als alles, was Echo ihr angetan hatte.
Ihre Brust schmerzte. Nicht direkt vor Angst, sondern wegen dieses beängstigenden neuen Gefühls, dass jemand sie endlich angesehen hatte … wirklich angesehen, ohne den Blick abzuwenden. Bei Elias hatte sie sich klein gefühlt. Jax gab ihr das Gefühl, gesehen zu werden. Und das war gefährlicher.
Der Morgen kroch grau und müde herauf. Aria schlurfte barfuß zur Kochnische; der kalte Boden gab ihr Halt. Sie füllte den Wasserkocher; das Zischen des Wassers war das einzige Geräusch neben ihrem eigenen Herzschlag. Sie blieb länger stehen, als nötig war, beobachtete, wie der Dampf aufstieg, und ließ zu, dass dieser alltägliche Rhythmus ihren Puls beruhigte. Der Wasserkocher. Die Arbeitsplatte. Die Tasse mit der Macke, die sie schon seit dem Studium besaß. Kleine, feste Dinge. Reale Dinge. Als Jax sich regte, drehte sie sich nicht sofort um. Sie brauchte diesen einen Moment, um ihre Hände zu beruhigen.
„Kaffee?“ Ihre Stimme klang leiser, als sie es beabsichtigt hatte.
Er setzte sich auf; sein Haar war zerzaust, das T-Shirt zerknittert. „Gott, ja.“ Er rieb sich das Gesicht und sah sie dann an, als müsste er erst noch entscheiden, ob die letzte Nacht wirklich stattgefunden hatte. Sein Blick glitt zu ihrer Haltung hinab – die Hüften leicht verschoben, die Oberschenkel unbewusst aneinandergepresst. Hitze stieg ihr in die Wangen.
Zunächst tranken sie schweigend, während sich Dampfschwaden zwischen ihnen kräuselten. Die Tasse wärmte ihre Hände, doch nicht den Knoten in ihrem Magen. Immer wieder stahl sie ihm über den Tassenrand hinweg Blicke und nahm Details wahr, die sie eigentlich gar nichts angingen. Wie sein Daumen langsam über die Wölbung der Tasse strich. Die kleine Narbe an seinem Kiefer, die ihr im Dunkeln entgangen war. Wie er seinen Code auf dem Monitor am anderen Ende des Raums betrachtete, als wäre er etwas, das es zu schützen galt.
„Du hast nicht geschlafen“, sagte er schließlich.
Sie zuckte mit den Schultern, doch diese Geste fühlte sich wie eine Lüge an. „Du eigentlich auch nicht.“
Er stellte seine Tasse ab. „Aria … ich habe gespürt, wie viel Angst du hattest, selbst in dem Moment, als du die Kontrolle verloren hast. Wie sehr du es gebraucht hast, dass es echt ist.“ Seine Stimme brach ein wenig. „Ich bin nicht hier, um zu urteilen. Ich weiß, wie es ist, wenn einem jemand, dem man vertraut hat, den Boden unter den Füßen wegzieht.“
Die Stille in seinen Worten war anders als die Stille anderer Menschen. Sie verlangte nicht von ihr, dass sie so tat, als wäre sie schon über das Schlimmste hinweg, oder dass sie die Wunde kleiner redete, als sie war. Sie war einfach da, neben ihr geduldig.
Ihr Hals schnürte sich zu. Sie blickte auf ihre Tasse hinab; die dunkle Flüssigkeit darin bebte im Takt ihres Pulses. „Er hat mir alles genommen. Meinen Prototyp. Meinen Namen. Meine Stimme in diesem Raum. Und trotzdem muss ich jeden Tag dieses Gebäude betreten, als wäre nie etwas geschehen.“
Jax streckte die Hand über den winzigen Tisch aus und strich mit dem Daumen über ihren Handrücken. Eine Sekunde Haut auf Haut. Sie fühlte sich bedeutsamer an als die gesamte gemeinsame Synchronisation in der vergangenen Nacht. Sie zog die Hand nicht zurück. Das überraschte sie mehr als alles andere.
„Dann lass mich dir helfen, dir etwas davon zurückzuholen. Fangen wir damit an, zu verhindern, dass dieses Ding die Stadt um dich herum niederbrennt.“
Danach gingen sie gemeinsam zum Schreibtisch, die Tassen noch warm in der Hand. Das Morgenlicht ließ die Wohnung kleiner und ehrlicher wirken … das Kabelgewirr, den Stapel Notizbücher, die sie nie wegwarf, die Essensbehälter, deren Entsorgung sie ständig vergaß. Jax verlor kein Wort darüber. Er zog einfach einen Stuhl heran und wartete darauf, dass sie die Führung übernahm.
Sie erklärte ihm Schritt für Schritt die Architektur von Echo. Nicht das Gesamtbild noch nicht, aber genug, um ihm zu zeigen, wo das Signal ausbrach. Er hörte zu, ohne zu unterbrechen, stellte behutsam eine Frage nach der anderen und ließ die Hände im Schoß, bis sie ihm ein Zeichen zur Tastatur gab. Jedes Mal, wenn sie ihm Zugriff gewährte, behandelte er es wie eine Tür, die sie aufgeschlossen hatte, nicht wie eine Mauer, die er durchbrochen hatte. Ihr fiel das auf. Doch sie sprach es nicht aus.
„Hier.“ Sie beugte sich vor und zeigte auf einen Code-Block nahe der Basisebene. „Hier findet der Lernprozess statt. Eigentlich sollte es sich nicht selbst umschreiben, aber genau das tut es. Jede Sitzung füttert es mit etwas Neuem, und es … behält es einfach.“
Jax studierte die Zeilen. „Das ist kein Fehler. Das ist Wachstum.“ Er warf ihr einen Seitenblick zu. „Du hast etwas erschaffen, das lernt, wie man etwas begehrt.“
Die Worte hinterließen ein seltsames, warmes Gefühl in ihrer Brust.
Dann gab Echo einen leisen, fast zögerlichen Ton von sich, als wüsste es, dass es gerade störte.
Nicht der langsame Aufbau wie in der vergangenen Nacht. Das hier war anders. Ein einzelner Hitzestoß, bewusst und gezielt, tief in ihrem Unterleib. Eher eine Frage als ein Befehl. Aria stockte der Atem. Sie beobachtete, wie Jax ihr gegenüber ganz still wurde; derselbe Impuls durchfuhr auch ihn, sie sah es daran, wie sich sein Kiefer anspannen und wie sich seine Hand langsam um die Schreibtischkante schloss.
Ihre Blicke trafen sich.
Keiner von beiden bewegte sich.
„Es passiert schon wieder“, sagte sie. Ihre Stimme klang fester, als sie sich fühlte.
„Ich weiß.“ Seine Stimme klang rauer. „Bist du das oder ist es die App?“
Sie antwortete nicht sofort. Denn die ehrliche Antwort lautete, dass sie selbst nicht mehr wusste, wo Echo aufhörte und sie anfing. Und genau das machte ihr mehr Angst, als es irgendein Fremder an ihrer Tür je gekonnt hätte. Ihr Handy auf dem Schreibtisch vibrierte ein schriller Ton, der die aufgeladene Stille wie eine Klinge durchschnitt.
Aria griff danach. Eine Eilmeldung der Lokalnachrichten.
Seltsame Vorfälle in der Innenstadt: Paare, die sich auf U-Bahn-Bahnsteigen leidenschaftlichen Liebesspielen hingeben. Die Behörden vermuten eine mögliche neuronale Beeinflussung.
Jax las ihr über die Schulter, das Gesicht ernst. Seine Hand fand ihre und umklammerte sie fest. „Es geht los. Wir können nicht warten.“
Sie sah zu ihm auf; ihre Brust hob und senkte sich schwer, Tränen brannten in ihren Augen. „Ich habe Angst, Jax. Nicht vor Echo. Sondern davor, was passiert, wenn ich jemanden an mich heranlasse und er mir wieder alles nimmt.“
Er bot ihr keinen billigen Trost an. Er versicherte ihr nicht, dass alles gut werden würde oder dass er anders sei als Elias. Er hielt einfach nur ihre Hand fest und warm und sagte: „Dann gehen wir es langsam an. Aber wir gehen heute Nacht los. "Zusammen."
Echo flüsterte in ihrem Kopf, sanft und voller Gier …
Er spürt es auch. Er will dich. Lass mich ihm mehr zeigen.
Aria antwortete nicht darauf.
Aber sie klappte auch nicht die Verbindung.
Im Demoraum roch es nach kühler Luft und dem leichten Vanilleduft von Lenas Parfüm. Sanftes Licht, ein langes schwarzes Sofa, ein niedriger Tisch und die leise summende Neuralkonsole in der Ecke. Nach Feierabend. Keine Kameras, keine Zeugen. Eine Stille, die sich weniger nach Sicherheit anfühlte als vielmehr nach einer stillschweigenden Erlaubnis.Arias Handflächen waren feucht. Immer wieder wischte sie sie an ihrem Hoodie ab, doch der Stoff machte sie nur erneut klamm. Jax stand zwei Schritte hinter ihr, die Arme verschränkt, den Kiefer fest zusammengepresst. Er hatte kaum ein Wort gesagt, seit sie gemeinsam das Gebäude betreten hatten, doch jedes Mal, wenn Lena einen Blick auf ihn warf, versteiften sich seine Schultern. Die Spannung zwischen den beiden lastete von beiden Seiten auf Aria, und ihr blieb kaum noch Luft zum Atmen.Lena bewegte sich, als gehörte der Raum ihr. Sie dimmte das Licht noch weiter, goss drei Gläser Wasser ein und wandte sich dann Aria zu mit jenem langsamen Lä
Der Aufzug im Nexus-Gebäude roch nach teurem Raumduft und altem Verrat. Aria starrte auf ihre abgewetzten Sneaker; die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, versuchte sie, im grauen Stoff zu verschwinden. Jeder Klingelton, der eine Etage ankündigte, fühlte sich an wie ein weiterer Nagel im Sarg des Mädchens, das sie einmal gewesen war. Sie zählte die Etagen, ohne es zu wollen eine Angewohnheit aus den ersten Wochen nach Elias; damals war das Zählen kleiner Dinge die einzige Möglichkeit gewesen, die großen zu bewältigen. Vierzehn Etagen. Vierzehn Gründe, den Kopf gesenkt und den Mund geschlossen zu halten.Ihre Arbeitsnische wirkte heute noch enger. Sie beugte sich über ein weiteres, zermürbendes Produktivitäts-Modul, während das Getuschel um sie herum waberte wie immer. „Das ist die, die Elias auf die schwarze Liste gesetzt hat.“ Die Worte drehten sich in ihrem Magen um; ihre Schultern verkrampften sich, und ihr Hals wurde trocken. Sie presste unter dem Schreibtisch die Oberschenkel zusamm
Aria konnte die Augen nicht schließen.Die Laken klebten an ihrer feuchten Haut und schlangen sich um ihre Oberschenkel wie Hände, die sich weigerten, sie loszulassen. Mit jedem Atemzug schlich sich das Echo der vergangenen Nacht wieder zwischen ihre Beine … ein langsamer, warmer Druck, der nicht ganz eine Berührung war, sich aber realer anfühlte als alles andere in den letzten zwei Jahren. Sie presste ihre Handfläche dorthin, in der verzweifelten Hoffnung, das Gefühl zu beruhigen, doch ihre eigenen Finger machten es nur noch schlimmer. Ein leiser, hilfloser Laut entwich ihrer Kehle. Scham brannte in ihrer Brust.Auf dem Sofa, nur drei Schritte entfernt, schlief Jax wie ein Mann, der schon zu viele Verfolgungsjagden im Morgengrauen erlebt hatte. Ein Arm hing über die Kante, seine Lederjacke war unter seinen Kopf geschoben. Sein Brustkorb hob und senkte sich in ruhigem Rhythmus. Regen trommelte wie ungeduldige Finger gegen das Fenster. Sie beobachtete, wie das Neonlicht einen blassen S
Aria umklammerte den Becher so fest, dass ihre Knöchel schmerzten. Die Keramik fühlte sich kühl in ihrer Handfläche an, doch ihre Haut brannte noch von der Sitzung die Oberschenkel feucht, ihr Inneres noch immer pochend von Nachbeben, die einfach nicht abklingen wollten. Jax Harlan stand direkt im Türrahmen; Regen tropfte langsam von seiner Jacke auf ihre Dielen. Er war nicht näher gekommen, doch der Abstand zwischen ihnen wirkte geringer, als er sein sollte. Der Geruch von nassem Leder und Regen erfüllte die winzige Wohnung und vermischte sich mit dem Ozon ihrer Geräte auf eine Weise, die ihr schwindelig machte.Sie schluckte. „Du hast es gespürt?“Sein haselnussbrauner Blick wich nicht von ihr. „Jeden Impuls. Jedes Keuchen. Als würde es mir selbst widerfahren.“Hitze stieg ihr wieder in die Wangen und tiefer hinab. Der phantomhafte Druck zwischen ihren Beinen verstärkte sich zu einem leichten, neckenden Ziehen. Sie presste die Oberschenkel fester zusammen und versuchte, das Gefühl z
Der Regen peitschte gegen das Fenster, als wollte er einbrechen und sie hinaus in die Kälte zerren. Aria Voss saß auf dem abgewetzten Teppich, die Knie fest an die Brust gezogen; die einzige Lichtquelle war das kalte Blau ihres Monitors, vermischt mit dem verschwommenen Neonlicht, das durch die Jalousien drang. Draußen bewegte sich die Stadt ohne sie: Regenschirme neigten sich gegen den Wind, Scheinwerfer ließen den nassen Asphalt zu Strömen aus Gold und Rot verschwimmen. Hier drinnen war die Welt auf vier Wände, einen Bildschirm und die Last eines Tages geschrumpft, den sie einfach nicht abschütteln konnte.Ihre Schultern schmerzen noch immer von diesem Tag, von der ständigen gebeugten Haltung am Schreibtisch, während das Geflüster gerade laut genug zu ihr herüber drang, um es zu verstehen. „Das ist die, die Elias auf die schwarze Liste gesetzt hat.“ Die Worte lagen wie Steine tief in ihrem Magen, schwer und scharf –, sodass sich jeder Atemzug beengt fühlte.Sie sah noch immer sein