ANMELDENKriegstrommelnDas gesprungene Display des Handys warf ein hartes Licht auf Sandros Gesicht und lieĂ seine ZĂŒge geradezu dĂ€monisch wirken. Elena beobachtete, wie ihm sĂ€mtliche Farbe aus dem Gesicht wich, als der Ăberwachungsclip endete und nur das belastende Standbild zurĂŒckblieb, auf dem Luca den USB-Stick ĂŒbergab, als wĂ€re es die selbstverstĂ€ndlichste Sache der Welt.âVerdammter Bastardâ, knurrte Sandro mit leiser, tödlicher Stimme. Dieses Mal legte er das beschĂ€digte Handy vorsichtig auf den Tisch, obwohl seine Finger noch einen Moment darauf verharrten, als wolle er es zu Staub zerquetschen. Der zĂ€rtliche Mann, der sie eben noch unter der Dusche verehrt hatte, war verschwunden. An seiner Stelle stand der Don â kalt, berechnend und bereit fĂŒr den Krieg.Elena zog den Seidenbademantel enger um sich, wĂ€hrend ihr Herz hĂ€mmerte. Der Kontrast traf sie mit voller Wucht: Noch vor wenigen Minuten hatten sie sich unter heiĂem Wasser ineinander verloren und nach Trost und NĂ€he gesucht. Jetzt
Versöhnung unter der DuscheDie Skyline von Manhattan glitzerte wie ein Bett aus zerbrochenem Glas, wĂ€hrend der private Aufzug zum Penthouse hinauffuhr. Elenas Körper schmerzte vor Erschöpfung und dem nachwirkenden Adrenalin. Der Hinterhalt in Sizilien fĂŒhlte sich inzwischen wie ein Fiebertraum an â weit entfernt und doch mit dem Geruch von SchieĂpulver und Sandros blutbespritzter Weste unauslöschlich in ihre Haut eingebrannt.Vier zusĂ€tzliche bewaffnete Wachen flankierten sie im Aufzug. Das Penthouse hatte sich wĂ€hrend ihrer Abwesenheit verĂ€ndert: verstĂ€rkte TĂŒren, neue Ăberwachungspaneele, die an jeder Wand leuchteten, und eine Anspannung, die so dicht war, dass sie gegen ihre Brust drĂŒckte. Seit ihrer Landung hatte Sandro ihre Seite nicht verlassen. Seine Hand ruhte auf ihrem unteren RĂŒcken, sein Daumen zeichnete langsame, beruhigende Kreise, wĂ€hrend seine Augen jede Ecke wie die eines Raubtiers absuchten, das jederzeit mit Gespenstern rechnete.In dem Moment, als sich die Aufzugst
Angriff auf den KonvoiDas Chaos verschlang die sizilianische Nacht.Die zweite Explosion riss durch den OstflĂŒgel der Villa und lieĂ Putzstaub wie Asche herabregnen. Elena kauerte im begehbaren Kleiderschrank, ihr Herz hĂ€mmerte so heftig, dass sie Kupfer schmecken konnte. DrauĂen knatterten SchĂŒsse â scharf, unaufhörlich. Rufe auf Italienisch und Englisch zerrissen die Dunkelheit, wĂ€hrend Sandros MĂ€nner die Angreifer bekĂ€mpften.âBleib hinter mirâ, befahl Sandro mit einer Stimme aus Stahl. Er hatte sich eine kugelsichere Weste ĂŒber den nackten Oberkörper gezogen und drĂŒckte ihr eine kompakte Pistole in die zitternden HĂ€nde. âWenn jemand an mir vorbeikommt, schieĂt du zuerst und stellst spĂ€ter Fragen. Ziel auf die Körpermitte.âElena nickte, ihre Finger umklammerten den Griff mit weiĂ hervortretenden Knöcheln. Das Gewicht der Waffe fĂŒhlte sich fremd und erschreckend an â doch die Alternative war noch schlimmer. Vor wenigen Minuten hatten sie sich noch in verzweifelter Versöhnung inein
ZerreiĂprobeDer RĂŒckweg zur Hauptvilla schien endlos.Elenas Beine waren von der Begegnung in der steinernen Nische noch immer wackelig, ihr Körper vibrierte noch von den Nachwirkungen ihrer wĂŒtenden Vereinigung, doch ihr Geist war ein Schlachtfeld.Sandros Hand ruhte fest auf ihrem unteren RĂŒcken und fĂŒhrte sie durch die Schatten, als könnte er ihre auseinanderbrechende Welt allein durch diese BerĂŒhrung zusammenhalten. Lucas Nachricht brannte wie SĂ€ure in ihren Gedanken.Die WĂ€nde haben Ohren.Wie viele ihrer geflĂŒsterten Zweifel, ihrer heimlichen Nachforschungen, waren bereits an den Feind weitergegeben worden?Kaum hatten sie den privaten FlĂŒgel des Anwesens betreten und war die schwere EichentĂŒr hinter ihnen ins Schloss gefallen, brach der Damm.Elena riss sich sofort von ihm los.Das luxuriöse Schlafzimmer, dessen Seidenlaken noch immer vom Morgen zerwĂŒhlt waren und in dem noch der schwache Duft ihrer gemeinsamen Dusche hing, fĂŒhlte sich nun wie eine GefĂ€ngniszelle an, eingehĂŒll
Tödlicher VerdachtDas Telefon fĂŒhlte sich in Elenas Hand an wie ein glĂŒhendes StĂŒck Kohle.Sie drĂŒckte nicht auf âAbspielenâ. Das musste sie auch nicht. Das eingefrorene Bild genĂŒgte. Sandro, jĂŒnger, mit vor Gewalt lodernden Augen, umgeben von einem Gemetzel, das direkt aus einem Albtraum stammen konnte. Das goldene Licht der Gala wirkte plötzlich grell und höhnisch, als wĂŒrde es den zerbrechlichen Frieden verspotten, den sie sich noch vor wenigen Augenblicken in diesem Badezimmer gestohlen hatten.Sandros Hand schloss sich sanft, aber bestimmt um ihre und nahm ihr das Telefon ab. Sein Gesicht blieb eine Maske kontrollierter Wut, doch sie bemerkte das Flackern in seinen Augen. Wiedererkennen. Resignation.âNicht hierâ, sagte er leise und fĂŒhrte sie mit einer Hand an ihrem unteren RĂŒcken von der flĂŒsternden Menschenmenge fort. Sie gingen die Weinbergpfade entlang, der schwere Duft zerdrĂŒckter Trauben hing in der Luft, bis sie eine abgeschiedene steinerne Nische erreichten, die auf die
Ăffentliche RivalitĂ€tDer Ehevertrag lag auf dem Mahagonitisch wie eine giftige Schlange, seine Seiten noch warm von Elenas zitternden Fingern. Valentinas elegante Schrift verspottete sie aus der letzten Notiz: Manche VertrĂ€ge enden nie wirklich. Frag deine Frau, was ihr Vater wirklich fĂŒr seine Schulden eingetauscht hat. Die Wahrheit kommt, Liebling.Sandro hatte seit dem Lesen kein Wort gesprochen. Er hatte die Papiere einfach mit bedachter Sorgfalt zusammengefaltet, als könnte eine zu grobe BerĂŒhrung die Vergangenheit in die Gegenwart bluten lassen. Doch Elena sah den Sturm in seinen Augen, denselben, der sie vor kaum einer Stunde in der Dusche eingenommen hatte. Dieses zĂ€rtliche, anbetende Inbesitznehmen fĂŒhlte sich jetzt wie ein ferner Traum an.âWir werden heute Abend auf dem Gala der Villa erwartetâ, sagte er schlieĂlich mit tiefer, rauer Stimme. âAlte VerbĂŒndete. EuropĂ€ische Partner. Du wirst an meiner Seite stehen, Ehefrau.âElena wollte ablehnen. Die Worte Ich hasse dich lag







