DER JUNGE, DEN ICH VERGASS ZU LIEBEN

DER JUNGE, DEN ICH VERGASS ZU LIEBEN

last updateLast Updated : 2026-10-24
By:  D. LydiaUpdated just now
Language: Deutsch
goodnovel18goodnovel
Not enough ratings
7Chapters
33views
Read
Add to library

Share:  

Report
Overview
Catalog
SCAN CODE TO READ ON APP

DER JUNGE, DEN ICH VERGASS ZU LIEBEN An meinem ersten Arbeitstag habe ich Kaffee über meinen neuen CEO verschüttet. Ich hätte nicht erwartet, dass er mich ansieht, als hätte er ein Gespenst gesehen. Naomi Reyes braucht diesen Job. Sie braucht es ganz sicher nicht, dass Ezra Calloway sie so anstarrt, als versuche er, sich an ein Wort zu erinnern, dessen Schreibweise ihm entfallen ist oder dass er sie „Nomi“ nennt. Ein Name, den niemand mehr benutzt hat, seit jener Junge damals, im Sommer, als sie sieben wurde, spurlos aus ihrem Leben verschwand ohne ein einziges Wort des Abschieds. Ezra erkennt sie nicht. Nicht wirklich. Alles, was er hat, sind unerklärliche Déjà-vu-Erlebnisse, eine unerklärliche Anziehungskraft zu ihr und Gedächtnislücken, von denen er noch niemandem erzählt hat Lücken, die genau in jenem Alter beginnen, an das er sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Während sich ihre verbotene Büroaffäre vertieft sehr zum Missfallen seines dominanten Großvaters, zeigen sich erste Risse. Ein gefälschtes Foto, das sie entzweien soll. Ein treuer Familienangestellter, der in Wahrheit gar nicht so loyal ist, wie er scheint. Ein geschäftlicher Rivale, der eine jahrzehntealte Vendetta verfolgt und eine Warnung, die bis ins Mark trifft: „Frag deinen Großvater, was in dem Sommer passiert ist, als du sieben wurdest.“ Jemand hat jahrelang dafür gesorgt, dass Ezra niemals erfährt, wer er früher einmal war und was es bedeuten würde, wenn er sich wieder daran erinnern würde. Naomi verliebt sich nicht nur in ihren Chef. Sie verliebt sich in einen Jungen, den sie vor einer gefühlten Ewigkeit verloren hat verborgen unter dem Namen eines Fremden, darauf wartend, wiederentdeckt zu werden. Manche Geheimnisse sind nicht dazu bestimmt, für immer verborgen zu bleiben.

View More

Chapter 1

Der Zusammenstoß

KAPITEL EINS

„Vierzehn Minuten! Du darfst an deinem ersten Tag nicht zu spät kommen, Naomi!“

Ich schalt mich selbst lautstark, während meine Beine schneller wurden. Der Clip meines Namensschilds schnappte mir schon wieder aus den Fingern  zum dritten Mal heute. Ich stopfte ihn in meine Tasche; in der einen Hand hielt ich einen Kaffee, unter dem Arm einen Aktenordner, und rannte in vollem Tempo auf die Aufzüge zu.

Ich bog zu schnell um die Ecke und prallte gegen etwas Festes. Heftig. Der Deckel meines Bechers sprang ab. Kaffee spritzte überallhin über meine Hand, den Boden und seine Schuhe.

„Oh nein, nein, nein …“ Meine Hände schwebten hilflos über dem Malheur, auf der Suche nach Servietten, die natürlich nicht da waren.

„Lassen Sie es.“ Die Stimme kam von oben. Tief und ruhig. Ich legte den Kopf in den Nacken, um seinem Blick zu begegnen. Sein Anzug sah aus, als hätte er mehr gekostet als meine Miete. Sein Gesicht ließ mich erstarren. Er stand vollkommen regungslos da, seine Augen fest auf meine gerichtet.

„Es tut mir so leid!“ Ich wollte zu hastig aufstehen. Mein Knöchel knickte um, und ich konnte mich gerade noch an der Wand festhalten, bevor ich stürzte. „Erster Tag. Ich habe nicht aufgepasst.“

„Erster Tag“, wiederholte er langsam, als würde er mir nicht glauben. Ich wischte mir die Hand an meinem Rock ab und streckte sie ihm trotzdem entgegen. „Marketing. Dritter Stock. Naomi Reyes.“

Er betrachtete meine Hand, bevor er sie ergriff. Sein Griff war warm. Zu warm. Mir stockte der Atem.

„Ezra“, sagte er. „Calloway.“

Ich zog meine Hand ruckartig zurück. Mein Blick huschte zu den goldenen Buchstaben hinter dem Empfangstresen und dann zurück zu ihm. „Moment mal. Sie sind … *der* Calloway?“

Mir blieb die Luft weg. Ich hatte gerade heißen Kaffee über den Mann geschüttet, dessen Name auf meinem Gehaltsscheck stand.

„Soweit ich weiß.“ Ein halbes Lächeln huschte über seine Lippen, doch sein Blick blieb scharf. Seine Augen wanderten langsam über mein Gesicht, als würde er ein Rätsel lösen.

„Ich komme für den Schaden auf“, sagte ich. „Berechnen sie etwas für Marmorböden? Ich weiß nicht einmal …“

„Haben wir …“ Er hielt inne. Sein Kiefer spannte sich fest an. Ein Muskel zuckte in der Nähe seines Ohrs. Seine Hand bewegte sich halb auf mich zu, dann hielt er sie zurück und steckte sie in die Tasche.

„Haben wir was?“, fragte ich. „Es sah so aus, als wolltest du fragen, ob wir uns schon einmal begegnet sind.“

„Nein“, sagte er sofort. „Ich wüsste nicht, wie das möglich sein sollte.“ Er wandte sich zum Gehen. Dann hielt er inne, eine Hand am Türrahmen des Aufzugs abgestützt, als könnten ihn seine Beine nicht mehr tragen.

„Mr. Calloway?“ Ich richtete mich auf. „Geht es Ihnen gut?“

Er drehte sich wieder um; sein Gesicht war blass, die Augen weit aufgerissen.

„Nomi.“

Das Wort klang rau, kaum mehr als ein Flüstern. Ich rührte mich nicht. Ich hielt den Atem an. Niemand hatte mich so genannt, seit ich sieben war. Nur eine einzige Person hatte das je getan. Und diese Person war im selben Sommer verschwunden ohne ein Wort des Abschieds.

„Wie hast du mich genannt?“

Er blinzelte, und sein Gesicht verschloss sich wieder. „Naomi. Ich sagte Naomi. Ich habe es falsch ausgesprochen.“ Das hatte er nicht. Ich kenne meinen eigenen Namen.

„Schon gut“, sagte ich.

„Schon gut.“ Er trat zurück, und die Türen schlossen sich vor seinem Gesicht, noch bevor ich etwas anderes sagen konnte.

Zwei Wochen lang war er überall. Er rief mich in sein Büro, um ein Kampagnen-Briefing zu besprechen, das gar keine persönliche Erläuterung erfordert hätte. Er tauchte genau zu der Zeit bei den Aufzügen auf, zu der ich normalerweise Feierabend machte. Er fragte nach meinem Wochenende so, als wäre die Antwort tatsächlich von Bedeutung, hielt dann aber plötzlich inne und verstummte.

„Du machst es schon wieder“, sagte ich einmal zu ihm, als wir dicht beieinander in einem leeren Flur standen.

„Was mache ich?“

„Du starrst so, als würdest du versuchen, dich an ein Wort zu erinnern, das dir entfallen ist“, sagte ich.

Sein Kehlkopf bewegte sich, als er schluckte. „Vielleicht tue ich das ja.“

„Ezra.“ Sein Name fühlte sich seltsam auf meinen Lippen an viel zu vertraut für jemanden, den ich erst seit zwei Wochen kannte. „Wer ist Nomi für dich?“

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich für einen Moment, dann war es wieder vorbei. „Ich habe es dir doch gesagt. Du hast dich verhört.“

„Habe ich nicht.“

Er antwortete nicht. Er sah mich nur an, die Kiefer fest zusammengepresst, bevor er sich abwandte und in sein Büro zurückkehrte.

---

An jenem Abend stand ich in meiner kleinen Küche, eine unberührte Tasse Tee in der Hand, und ließ den Blick in seinen Augen, den er mir beim Weggehen zugeworfen hatte, immer wieder vor meinem geistigen Auge ablaufen.

„Hör auf damit, Naomi“, flüsterte ich mir selbst zu und stellte die Tasse mit einem lauten Klappern auf die Arbeitsplatte. „Er ist dein Chef. Er ist wohlhabend, mächtig und absolut unerreichbar. Du brauchst diesen Job du darfst ihn nicht wegen eines seltsamen Missverständnisses aufs Spiel setzen.“

Ich ging zum Fenster im Wohnzimmer und zog auf dem Sofa die Knie an die Brust. Ich zwang mich zu einem Versprechen: Morgen würde ich mich zurückhalten. Kein Herumlungern mehr in den Fluren. Keine persönlichen Fragen mehr. Ich würde mich wie eine ganz normale Angestellte verhalten und ihn in Ruhe lassen.

Regen prasselte gegen mein Fenster so heftig, dass die Scheiben klirrten. Ich saß in Jogginghose und mit zerzaustem Haar auf dem Sofa, als es plötzlich an der Tür klingelte. Ich sah auf den Monitor der Gegensprechanlage. Mir stockte der Atem.

Ezra. Völlig durchnässt, die Haare klebten an seiner Stirn, sein Blick direkt auf die Kamera gerichtet.

Ich öffnete die Tür. „Was machst du hier? Es ist fast Mitternacht …“

„Ich weiß es nicht.“ Seine Stimme überschlug sich, klang rau. „Ich konnte einfach nicht aufhören, an dich zu denken. Ich weiß nicht, warum. Ich verstehe das alles nicht.“

„Ezra …“

„Sag mir einfach, dass ich gehen soll. Sag mir, dass das verrückt ist und ich gehe.“

Ich stand da und hielt die Tür offen.

Er überbrückte den Abstand zwischen uns; von seiner Jacke tropfte noch immer Regen auf meinen Boden. Er hob die Hand und ließ sie einen Moment lang in der Nähe meines Kiefers schweben. Dann berührte er meine Haut. Seine Finger waren kalt, doch dort, wo er mich berührte, brannte es.

Keiner von uns sagte ein Wort, bevor seine Lippen auf meine trafen.

Seine kalten Finger vergruben sich tief in meinem Haar und zogen mich fest gegen seinen nassen Mantel. Die Kälte des Regens drang durch mein Shirt, doch dort, wo sein Körper an meinen gepresst war, brannte es. Er wich nur so weit zurück, dass seine Stirn an meiner ruhte; sein Brustkorb hob und senkte sich schwer gegen meine Rippen.

„Ich habe es versucht“, flüsterte er, während sein Gr

iff in meinem Haar fester wurde. „Nomi, ich habe versucht, mich von dir fernzuhalten.“

Expand
Next Chapter
Download

Latest chapter

More Chapters
No Comments
7 Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status