LOGINAngriff auf den KonvoiDas Chaos verschlang die sizilianische Nacht.Die zweite Explosion riss durch den Ostflügel der Villa und ließ Putzstaub wie Asche herabregnen. Elena kauerte im begehbaren Kleiderschrank, ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie Kupfer schmecken konnte. Draußen knatterten Schüsse – scharf, unaufhörlich. Rufe auf Italienisch und Englisch zerrissen die Dunkelheit, während Sandros Männer die Angreifer bekämpften.„Bleib hinter mir“, befahl Sandro mit einer Stimme aus Stahl. Er hatte sich eine kugelsichere Weste über den nackten Oberkörper gezogen und drückte ihr eine kompakte Pistole in die zitternden Hände. „Wenn jemand an mir vorbeikommt, schießt du zuerst und stellst später Fragen. Ziel auf die Körpermitte.“Elena nickte, ihre Finger umklammerten den Griff mit weiß hervortretenden Knöcheln. Das Gewicht der Waffe fühlte sich fremd und erschreckend an – doch die Alternative war noch schlimmer. Vor wenigen Minuten hatten sie sich noch in verzweifelter Versöhnung inein
ZerreißprobeDer Rückweg zur Hauptvilla schien endlos.Elenas Beine waren von der Begegnung in der steinernen Nische noch immer wackelig, ihr Körper vibrierte noch von den Nachwirkungen ihrer wütenden Vereinigung, doch ihr Geist war ein Schlachtfeld.Sandros Hand ruhte fest auf ihrem unteren Rücken und führte sie durch die Schatten, als könnte er ihre auseinanderbrechende Welt allein durch diese Berührung zusammenhalten. Lucas Nachricht brannte wie Säure in ihren Gedanken.Die Wände haben Ohren.Wie viele ihrer geflüsterten Zweifel, ihrer heimlichen Nachforschungen, waren bereits an den Feind weitergegeben worden?Kaum hatten sie den privaten Flügel des Anwesens betreten und war die schwere Eichentür hinter ihnen ins Schloss gefallen, brach der Damm.Elena riss sich sofort von ihm los.Das luxuriöse Schlafzimmer, dessen Seidenlaken noch immer vom Morgen zerwühlt waren und in dem noch der schwache Duft ihrer gemeinsamen Dusche hing, fühlte sich nun wie eine Gefängniszelle an, eingehüll
Tödlicher VerdachtDas Telefon fühlte sich in Elenas Hand an wie ein glühendes Stück Kohle.Sie drückte nicht auf „Abspielen“. Das musste sie auch nicht. Das eingefrorene Bild genügte. Sandro, jünger, mit vor Gewalt lodernden Augen, umgeben von einem Gemetzel, das direkt aus einem Albtraum stammen konnte. Das goldene Licht der Gala wirkte plötzlich grell und höhnisch, als würde es den zerbrechlichen Frieden verspotten, den sie sich noch vor wenigen Augenblicken in diesem Badezimmer gestohlen hatten.Sandros Hand schloss sich sanft, aber bestimmt um ihre und nahm ihr das Telefon ab. Sein Gesicht blieb eine Maske kontrollierter Wut, doch sie bemerkte das Flackern in seinen Augen. Wiedererkennen. Resignation.„Nicht hier“, sagte er leise und führte sie mit einer Hand an ihrem unteren Rücken von der flüsternden Menschenmenge fort. Sie gingen die Weinbergpfade entlang, der schwere Duft zerdrückter Trauben hing in der Luft, bis sie eine abgeschiedene steinerne Nische erreichten, die auf die
Öffentliche RivalitätDer Ehevertrag lag auf dem Mahagonitisch wie eine giftige Schlange, seine Seiten noch warm von Elenas zitternden Fingern. Valentinas elegante Schrift verspottete sie aus der letzten Notiz: Manche Verträge enden nie wirklich. Frag deine Frau, was ihr Vater wirklich für seine Schulden eingetauscht hat. Die Wahrheit kommt, Liebling.Sandro hatte seit dem Lesen kein Wort gesprochen. Er hatte die Papiere einfach mit bedachter Sorgfalt zusammengefaltet, als könnte eine zu grobe Berührung die Vergangenheit in die Gegenwart bluten lassen. Doch Elena sah den Sturm in seinen Augen, denselben, der sie vor kaum einer Stunde in der Dusche eingenommen hatte. Dieses zärtliche, anbetende Inbesitznehmen fühlte sich jetzt wie ein ferner Traum an.„Wir werden heute Abend auf dem Gala der Villa erwartet“, sagte er schließlich mit tiefer, rauer Stimme. „Alte Verbündete. Europäische Partner. Du wirst an meiner Seite stehen, Ehefrau.“Elena wollte ablehnen. Die Worte Ich hasse dich lag
Heilende BerührungDie sizilianische Nacht erstreckte sich dunkel und endlos hinter den Fenstern. Doch innerhalb der Villa begann der eigentliche Sturm gerade erst.Elena lag im Bett, die Laken noch warm von ihrer gemeinsamen Hingabe. Der sanfte Liebesakt hatte ihr einen flüchtigen Moment des Friedens geschenkt, doch er konnte die Beklemmung, die sich in ihrem Magen zusammenzog, nicht vertreiben.Valentina setzte gerade zu ihrem bislang größten Spiel an. Die Frau, die versucht hatte, Sandro beim Abendessen zu verführen und ihren Geist mit Halbwahrheiten vergiftet hatte, verlangte nun eine private Unterredung im Herzen des Rossi-Territoriums. Das Timing war zu perfekt. Zu gefährlich.Sie konnte nicht im Bett bleiben. Die Villa fühlte sich zu still an, zu einengend, während das Gewicht ihrer Entdeckungen auf ihre Brust drückte, bis ihr das Atmen schwerfiel. Sie zog einen leichten Morgenmantel über und wanderte durch die Flure. Der Marmorboden war kühl unter ihren nackten Füßen. Das Anwe
Chemisches VermächtnisSandro stand in der Tür, seine Augen scharf, während sie den Raum musterten. „Du bist seit dem Vorfall im Innenhof so still. Was verheimlichst du jetzt schon wieder vor mir?“Die Luft zwischen ihnen wurde schwer von unausgesprochenen Anschuldigungen. Elena erwiderte seinen Blick, während das Gewicht ihrer Entdeckungen sie wie Steine niederdrückte. Der Mann, den sie liebte, war ein Monster. Und ihr gingen langsam die Orte aus, an denen sie die Wahrheit noch verstecken konnte.„Ich kann das nicht länger“, sagte sie mit zitternder Stimme, die jedoch zunehmend an Stärke gewann. „Die Lügen. Die Halbwahrheiten. Die Art, wie du mich ansiehst, als wäre ich gleichzeitig jemand, den du beschützen und kontrollieren musst. Ich habe weitere Akten gefunden, Sandro. Claires Blutwerte – es geht nicht nur um ihre Behandlung. Sie stehen mit alten Rossi-Operationen in Verbindung. Mit der Arbeit meines Vaters. Du hast ihren Zustand die ganze Zeit als Druckmittel benutzt, nicht wahr







