LOGINLyra
Ich weiß nicht, wann ich die Linie überschritten habe. Ich weiß nicht, ob ich es war, die sie überschritt … oder ob er sie bis zu mir zog.
Ich erinnere mich an seine Hände – präzise, unverschämt, geduldig.
An seine Stimme, tief, schneidend, die meinen Nacken streifte wie eine Warnung.
An diesen Blick, fest in meinen gebohrt, der mir zugleich Verlust und Licht versprach.
Die erste Berührung war leicht gewesen, beinahe respektvoll.
Ein Finger, der die Linie meines Kiefers nachzeichnete, eine Handfläche auf meinen Rippen, als wolle er meine Knochen zählen, meine Risse. Er hatte sich nicht beeilt. Er hatte mich beobachtet. Gekostet. Als wollte er meine Sprache lernen – jene, die ich niemals laut ausspreche.
Dann kam er näher. Noch näher. So nah, dass sein Atem meinen zum Zittern brachte.
Er sagte:
— Du kannst immer noch gehen.
Doch seine Hand hielt meine bereits fest.
Und alles kippte.
Er war nicht brutal.
Aber er war auch nicht sanft.
Er war alles, was ich gefürchtet hatte: ganz. Ganz bis zur Unverschämtheit.
Sein Körper glitt mit einer Gewissheit an meinen, die mir den Atem nahm. Jede Bewegung, jeder Druck seiner Finger auf meiner Haut schien vorausbestimmt, als lese er meine Reaktionen, bevor ich sie selbst empfand.
Sein Mund erkundete meinen ohne Zurückhaltung, fordernd, beinahe grausam.
Doch er riss nichts an sich. Er nahm – langsam – bis ich ihm alles gab, ohne Widerstand.
Seine Finger glitten meine Wirbelsäule entlang, als wollte er den genauen Verlauf meines Sturzes nachzeichnen.
Er küsste meine Knie, meine Hüften, die Innenseiten meiner Handgelenke. Orte, die niemand beachtet. Er flüsterte Worte in einer Sprache, die ich nicht kannte. Und dennoch verstand ich sie.
Ich weiß nicht, wie oft er mich an die Oberfläche zurückholte und wie oft ich an ihm versank.
Ich weiß nur, dass meine Nägel Spuren in seinem Rücken hinterließen.
Dass sein Mund meinen Namen in brennenden Lettern auf meinen Bauch schrieb.
Und für einen Moment glaubte ich zu verschwinden.
Oder vielleicht neu geboren zu werden.
Die Nacht dehnte sich aus, jenseits der Zeit.
Die Welt löste sich auf.
Nichts blieb außer diesem Zimmer, unseren ineinander verschlungenen Körpern, diesem Atem im Gleichklang und diesem bittersüßen Riss zwischen Lust und Wahnsinn.
Und ich klammerte mich an seine Schultern, als hielte ich das Unvermeidliche zurück.
Ich ließ zu, dass er mich nahm. Mich zeichnete. Mir etwas raubte, das ich nicht benennen kann.
Und er tat es.
Der Morgen trifft mich wie eine Ohrfeige.
Das Licht ist grell. Mein Körper schwer und zerschlagen. Meine Oberschenkel schmerzen, meine Arme, mein Nacken. Mein Stolz.
Das Laken klebt an meiner Haut. Es trägt noch seinen Duft, trocken und holzig, der sich in meinem Bauch festsetzt wie ein zweiter Verrat.
Und da, neben mir, sein ruhiger, gleichmäßiger Atem.
Er liegt auf der Seite, ein Arm achtlos über meine Hüften gelegt, als hätte er vergessen, dass er mich noch festhält. Seine Finger streifen meine Flanke, warm, unbewusst. Dunkles Haar fällt ihm in die Stirn. Er wirkt ruhig. Fast friedlich.
Fast verletzlich.
Ich betrachte ihn. Zu lange.
Er hat eine kleine Grübchen an der rechten Wange, wenn er schläft. Eine kaum sichtbare Spur der Nacht auf seinem Schlüsselbein – ein zu fester Kuss, vielleicht meiner.
Ein Haar von mir klebt an seiner Brust wie ein Faden, den ich nicht durchtrennt habe.
Langsam löse ich mich, mit tierischer Vorsicht. Ich halte den Atem an, als sein Arm über die Matratze gleitet. Er wacht nicht auf. Ein kaum hörbares Murmeln, dann dreht er sich auf die andere Seite.
Als wäre ich nie hier gewesen.
Das Zimmer ist verwüstet.
Mein Kleid von gestern zerknittert, mein BH über den Sessel geworfen, ein Schuh unter dem Bett, der andere nahe der Tür.
Ich sammle meine Sachen ein, als sammelte ich die Trümmer eines Fehlers.
Und dann kehrt der Satz zurück.
Wie ein Messerstich in die Stille.
„Ich bezweifle, dass du dir eine Nacht mit mir leisten kannst.“
Ich schließe die Augen, der Kiefer angespannt.
Ich durchsuche meine Jacke. Nur hundert Euro.
Lächerlich?
Nein. Perfekt.
Ich falte die Scheine ruhig. Lege sie auf den Nachttisch, dort, wo gestern seine Uhr gelegen hatte.
Dann nehme ich einen alten Zettel, die zerknitterte Rückseite einer Taxiquittung. Langsam, kühl schreibe ich:
Du bist nicht mehr wert.
Meine Schrift ist gerade. Klar. Eiskalt.
Ich sehe ihn ein letztes Mal an.
Er schläft noch immer.
Ich frage mich, was er sagen wird, wenn er das liest.
Ob er lächeln wird.
Ob er wütend sein wird.
Ich presse die Zähne zusammen.
Ich habe keinen Stolz mehr. Nicht nach dieser Nacht.
Aber ich habe noch meine Zähne. Und ich weiß, wie man beißt.
Ich verlasse das Zimmer lautlos.
Ohne mich umzudrehen.
Die Tür fällt sanft ins Schloss. Gerade laut genug, um wie eine Ohrfeige zu klingen.
Draußen ist die Sonne grausam.
Der Wind klebt mir die Haare ins Gesicht, blendet mich für einen Moment.
Aber ich weine nicht.
Ich lebe. Es tut weh – aber ich lebe.
Und ich weiß genau, wohin ich gehe.
Zu meiner Schwester.
Sie schuldet mir Antworten.
Rechenschaft.
Und diesmal werde ich nicht fragen.
Ich werde nehmen.
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Alexandre
Das Zuschlagen weckt mich. Dieses trockene, präzise Geräusch – wie eine wohlgesetzte Ohrfeige.
Ich bleibe eine Sekunde liegen, noch benommen, die zerwühlten Laken um mich. Die Wärme auf der Matratze hat sich verändert. Es fehlt etwas. Nein – jemand.
Ich strecke die Hand aus. Leere.
Mein Körper protestiert kurz, dann richte ich mich auf. Das Zimmer ist still, aber es ist kein beruhigendes Schweigen. Es ist das Schweigen des Verlassenseins. Des Fortgehens.
Mein Blick fällt auf den Nachttisch.
Die Scheine.
Und der Zettel.
Ich nehme ihn.
Du bist nicht mehr wert.
Ich verharre.
Ein Herzschlag. Zwei.
Dann lache ich. Erstickt.
Kein Humor – nur ein Rest von Fassungslosigkeit.
— Kleine Wildkatze …
Das Wort bleibt mir auf der Zunge, zugleich weich und zornig.
Ich springe auf. Nackt. Gleichgültig.
Durchquere das Zimmer mit großen Schritten, suche mein Telefon. Finde es am Fußende des Bettes. Das Display leuchtet auf. Ich wähle bereits.
— Esteban?
(Stille.)
— Finde diese Frau. Und zwar schnell.
(Er atmet ein.)
— Nein, ich kenne ihren Namen nicht. Aber sie hat eine Spur in meinem Rücken hinterlassen … und eine Ohrfeige auf meinem Nachttisch.
Ich lächle. Langsam. Kühl.
Ein Lächeln eines Raubtiers, das eine zu kühne Beute ins Visier genommen hat.
— Das wird genügen.
Ich lege auf.
Und bleibe stehen, vor der geschlossenen Tür, den Zettel noch immer in der Hand.
Niemand verlässt mich so.
Nicht ohne Konsequenzen.
Und ganz sicher nicht … ohne mich zu faszinieren.
Sie hat etwas geweckt.
Und jetzt wird sie dafür geradestehen müssen.
CASSANDREDas Erwachen im Gefängnis ist niemals sanft. Das fahle Licht dringt kaum durch das hohe kleine Fenster, aber die Geräusche des Morgens treffen mich bereits wie Schläge: zuschlagende Türen, quietschende Ketten, das Gebrüll der Wärterinnen und das spöttische Gelächter der Insassinnen. Jedes Geräusch ist eine klatschende Ohrfeige, eine Erklärung: Du existierst hier nicht mehr, Cassandre.Ich versuche mich aufzurichten, aber eine Hand stößt mich heftig zur Seite, bringt mich aus dem Gleichgewicht.— He! röchelt eine schrille Stimme, die der kleinsten Insassin, die ich am Vortag gesehen hatte.Ich beiße die Zähne zusammen und spüre, wie ein eisiger Schauer meinen Rücken hinabrinnt. Innerlich brodelt es vor purer Wut. Meine gedemütigte Prinzessin schwankt bereits, zertrampelt von diesen Monstern, die über ihr Unglück lächeln.
CASSANDREDie drückende Stille der Zelle wird von einem metallischen Knall und einem unterdrückten Schrei aus dem hinteren Teil des Ganges durchbrochen. Ich halte den Atem an, die Hände verkrampft auf meinen Knien. Die Schatten tanzen an der Wand, geworfen vom schwachen Licht der an der Decke hängenden Lampen, und jedes Geräusch wird zu einer Note in einer Sinfonie der Angst. Hier dehnt sich die Zeit, und jede Sekunde scheint mich daran zu erinnern, dass ich allein bin, allein auf der Welt, allein angesichts meines Zusammenbruchs.Die Tigerin, regungslos auf ihrem Bett, wirft mir einen vielsagenden Blick zu. Ich lächle schwach, ein halb ironisches, halb sadistisches Lächeln, aber innerlich zittert mein Herz. In diesem Theater des Elends wird sie sowohl Richterin als auch Verbündete sein … oder vielleicht nur ein bedrohlicher Schatten unter vielen.— Erste Runde, sagt sie mit tiefer Stimme. Die W&
CASSANDREDie Tür knallt mit einem metallischen Krachen hinter mir zu, das bis in meine Knochen hallt. Eine Nummer, ein Code, ein von der Welt vergessener Name: Cassandre existiert nicht mehr. Übrig bleibt nur, was das System sehen will. Eine Zelle. Eine Stange. Ein Eisenbett. Und dieser Geruch … eine Mischung aus ranzigem Desinfektionsmittel und Muff, der mir in der Nase brennt und an der Haut klebt.Ich trete vor, steif wie eine Nadel. Der Wärter deutet mit einer knappen Geste auf das Bett, das der Wand am nächsten ist. Ich setze mich, die Hände verkrampft auf den Knien. Meine Absätze klacken auf dem Boden, jedes Geräusch eine grausame Erinnerung: Die Außenwelt geht ohne mich weiter, und ich … ich stecke hier fest.Drei andere Frauen teilen die Zelle. Die erste kaut nervös auf etwas herum, das wie Papier aussieht, irrer Blick, scheinbar den Untergang der Menschheit planend. Die zweite schnarcht wie ein Bär im Winterschlaf, ein seliges Lächeln auf den Lippen, gleichgültig gegenüber m
TANIAIch klebe an ihm, jeder Zentimeter meines Körpers brennt von seiner Nähe. Sein warmer Atem an meinem Nacken, seine Hände, die über meine Arme und Schultern gleiten – alles überwältigt mich. Meine Knie geben leicht nach, aber er stützt mich, solide und unerbittlich, und ich fühle mich zugleich beschützt und völlig verletzlich.— Du schauderst … murmelt er, ein zynisches Lächeln in der Stimme. Und jedes Schaudern macht mich noch … neugieriger.Mir entfährt ein kurzer Atemzug, fast ein Stöhnen, und er lacht leise, ein tiefer, samtiger Klang, der mich noch mehr erschauern lässt.— Hörst du dein eigenes Verlangen? murmelt er, seine Stimme streift mein Ohr. Selbst dein Atem verrät dich.TANIA (Gedanke)Jeder Atemzug, jedes Schaudern, jedes kleine Geräusch verrät mich … und doch will ich mich nicht entfernen. Ich will ihn. Ich will seine Gegenwart spüren, seine Kraft, seine Beherrschung.Lucas senkt seine Lippen auf meine Schulter, nur eine Berührung, und ein stärkerer Schauer durchfäh
TANIALucas' Wärme umhüllt mich völlig, wie ein Hauch, der mich ergreift und mir den Atem raubt. Jede seiner Gesten scheint darauf ausgelegt, mich zu fesseln, jede Berührung berechnet, um in mir ein Verlangen zu wecken, das ich nicht zu benennen wagte. Sein Atem auf meiner Haut brennt, seine Hände wandern mit hypnotischer Präzision über meine Arme und Schultern, erforschen mein Schaudern, mein Zögern, meine Reaktionen auf jede Berührung.— Lass dich fallen … murmelt er, die Stimme tief, samtig, eisig und provozierend. Heute Nacht wirst du nicht denken … du wirst fühlen.Mein Herz rast, meine Brust hebt sich bei jedem Atemzug. Ich versuche, den Blick abzuwenden, aber seine Augen fangen mich ein, lesen in mir, verschlingen mich ganz. Ich spüre, wie mein Körper trotz mir auf jede seiner Liebkosungen, auf jede seiner Nuancen reagiert.Er beugt sich zu mir, und unsere
TANIAIch spüre jeden Atemzug von Lucas, jede Mikrobewegung seines Körpers darauf berechnet, mich in Alarmbereitschaft zu halten. Sein Blick lässt nicht von mir ab, mustert meine Reaktionen wie ein Schachmeister, wägt jedes Zögern, jedes Schaudern ab. Mein Herz rast, meine Muskeln weigern sich manchmal zu gehorchen, und mir wird klar, dass ich vollständig von seiner Gegenwart gefangen bin.— Atme … murmelt er, seine Stimme tief und eisig unter der offensichtlichen Sanftheit. Lass dich fallen … ich werde dir Lust bereiten … die ganze Nacht.Ich zucke fast bei seinen Worten zusammen, eine Mischung aus Überraschung und Erwartung durchläuft meinen Körper. Mein Atem stockt, und doch kann ich den Blick nicht von ihm abwenden. Jede Geste, jede Nuance seiner Stimme, jedes berechnete Lächeln verunsichert und zieht mich an.— Lucas … ich … ich sollte &hell







