LOGINAlexandre
Sie bricht ohne Vorwarnung in meinen Armen zusammen, wie ein Stück Seide, getränkt in Fieber.
Mein erster Reflex ist, sie von mir zu stoßen. Sie riecht nach Alkohol, nach Chaos, nach Dringlichkeit.
Und doch bleibe ich stehen.
Ihr zerbrechlicher Körper schmiegt sich an meinen mit einer entwaffnenden Vertrautheit. Ich sollte angewidert sein.
Bin ich auch. Aber nicht auf die gewohnte Weise. Nicht mit jener kalten Abscheu, die Frauen in mir auslösen, die sich dem ersten reichen Mann an den Hals werfen wie läufige Hündinnen.
Sie ist anders.
Zum ersten Mal sehe ich sie wirklich an.
Und ich erstarre.
Dieses Kleid – zu brav für diese Bar. Dieses unbeholfene Make-up. Diese zerzausten, beinahe kindlichen Haare. Und dieser Blick … Mein Gott. Dieser Blick. Vom Alkohol verschleiert, aber nicht leer. Ein Blick, der fleht, der nach Halt sucht. Nach einer letzten Chance, irgendetwas zu fühlen. Anders gesehen zu werden.
— Du bist wirklich schön, murmelt sie und klammert sich an meinen Kragen, die Stimme schwer. Wie viel willst du … um die Nacht mit mir zu verbringen?
Ich spüre, wie sich meine Schläfen anspannen.
— Suchst du dir so einen Mann? Torkelnd?
— Natürlich … Warum sollte ich dich das sonst fragen? Hast du das Prinzip nicht verstanden? Ich habe beschlossen, heute Abend jemand anderes zu sein …
Ein Lachen entweicht ihr. Nervös. Schmerzhaft. Als wollte sie einen Schrei ersticken.
— Sehr gut, sage ich eisig. Aber ich bezweifle, dass du dir eine Nacht mit mir leisten kannst.
Sie antwortet nicht. Sie weicht einen Schritt zurück, stößt gegen die Wand des Aufzugs, den ich bereits gerufen habe. Ihre Finger streifen mein Hemd, gleiten wie versehentlich über meine Haut. Sie schwankt.
Und ich fange sie wieder auf.
Der Aufzug schließt uns in seinem metallischen Kokon ein. Sie taumelt gegen mich, eine flackernde kleine Flamme. Ihre Finger krallen sich an meiner Jacke fest wie an einer Rettungsboje. Und plötzlich, ohne Vorwarnung, küsst sie mich.
Kein verführerischer Kuss. Keine Provokation.
Ein Hilferuf.
Ihre Lippen zittern auf meinen, ungeordnet, brennend. Ich spüre ihren kurzen, fiebrigen Atem. Sie stöhnt leise, kaum hörbar – und doch trifft das Geräusch mich mitten ins Innerste. Ich sollte sie wegstoßen. Aus tausend Gründen. Aber ich rühre mich nicht.
Ich stütze sie. Ich hebe sie hoch.
Ich trage sie in meine Suite, als trüge ich einen verfluchten Schwur.
Ihre Arme schließen sich um meinen Nacken. Ihre Wange liegt an meiner Brust. Die biometrische Tür öffnet sich mit einem lautlosen Klicken. Gedämpftes Licht gleitet über dunkles Holz, klare Linien, das schwarze Leder des Sofas.
Ich lege sie vorsichtig auf die Laken.
Sie stöhnt. Wölbt sich.
Ihre Haut brennt. Ihr Kleid klebt an ihren Schenkeln. Sie greift nach mir, zieht an meinem Hemd.
— Mir ist heiß … bitte … hilf mir …
Ich knie mich neben sie. Mein Blick tastet ihr Gesicht ab. Schweiß auf der Stirn. Erweiterte Pupillen. Unregelmäßiger Atem.
— Du wurdest unter Drogen gesetzt!
Sie blinzelt, verschwommen.
— Man hat dir etwas ins Glas gemischt. Verdammt, du Närrin … du hast es nicht einmal gemerkt.
Sie stöhnt erneut. Ihre Hand sucht meinen Nacken. Sie küsst mich, atemlos. Ihre Lippen kleben an meinen, dringlich. Ihr Körper spannt sich gegen meinen mit einer Kraft, die sie längst nicht mehr beherrscht.
— Ich will nur … vergessen … mich lebendig fühlen …
Ich kämpfe.
Ich umfasse ihre Handgelenke. Sie stöhnt frustriert. Aber in ihrem Blick liegt keine Angst. Kein Fluchtreflex. Sie sieht mich mit einer seltsamen Klarheit an, als würde das Gift in ihrem Blut nur offenbaren, was sie wirklich ist: ein verwundetes Tier, das lautlos schreit.
Und ich wanke.
Mein Mund presst sich auf ihren. Ein härterer, roherer Kuss. Meine Hände gleiten langsam über ihre Haut, erkunden ihre Schultern, ihren Nacken, die fragile Linie ihres Schlüsselbeins. Sie spannt sich unter mir, und ich spüre, wie ihr Schenkel meinen streift.
Ich öffne die Knöpfe ihres Kleides. Langsam. Einen nach dem anderen.
Sie hilft mir. Ihre Bewegungen sind ungeordnet, aber ungeduldig. Ihre Haut schimmert wie Satin, von Gänsehaut überzogen. Ich entkleide sie, als würde ich ein Geheimnis enthüllen.
Ihr Körper ist wunderschön. Aber das ist nicht, was mich den Halt verlieren lässt.
Es ist diese Art, wie sie sich hingibt. Ohne Scham. Ohne Forderung. Nur … diese Dringlichkeit zu leben. Zu brennen.
— Sag mir deinen Namen, flüstere ich, verloren.
Sie lacht leise, beinahe grausam:
— Und du glaubst zu wissen, wer ich bin? Ich schlafe nicht für Geld. Und nicht aus Lust. Ich schlafe, um mich zu bestrafen.
Diese Worte treffen mich wie eine Ohrfeige. Aber ich bin bereits zu weit gegangen.
Ich streife mein Hemd ab. Alles andere folgt. Unsere nackten Körper suchen einander, berühren sich, finden ihren Rhythmus.
Ich nehme sie langsam. Ihre Hitze umschließt mich, brennend, beinahe unwirklich. Sie stöhnt, den Kopf zurückgeworfen, ihre Arme ziehen mich fester an sich. Jede Bewegung ist ein Riss. Jeder Stoß ein unterdrückter Schrei.
Ich küsse sie. Ihren Hals, ihre Schultern. Ihre Brüste. Ihren Mund. Sie stöhnt erneut, ihr Rücken wölbt sich, ihre Hüften suchen den Rhythmus – und ich gebe ihn ihr.
Ich nehme sie wie ein Verurteilter seinen letzten Atemzug.
Unsere Körper prallen aufeinander, antworten einander, versinken. Ihre Stimme bricht in einem scharfen Laut, als sie kommt, die Nägel in meinen Rücken gekrallt. Kurz darauf folge ich ihr, atemlos, die Lippen an ihrer Kehle.
Ich bleibe lange in ihr.
Als würde sie verschwinden, sobald ich mich von ihr löse.
CASSANDREDas Erwachen im Gefängnis ist niemals sanft. Das fahle Licht dringt kaum durch das hohe kleine Fenster, aber die Geräusche des Morgens treffen mich bereits wie Schläge: zuschlagende Türen, quietschende Ketten, das Gebrüll der Wärterinnen und das spöttische Gelächter der Insassinnen. Jedes Geräusch ist eine klatschende Ohrfeige, eine Erklärung: Du existierst hier nicht mehr, Cassandre.Ich versuche mich aufzurichten, aber eine Hand stößt mich heftig zur Seite, bringt mich aus dem Gleichgewicht.— He! röchelt eine schrille Stimme, die der kleinsten Insassin, die ich am Vortag gesehen hatte.Ich beiße die Zähne zusammen und spüre, wie ein eisiger Schauer meinen Rücken hinabrinnt. Innerlich brodelt es vor purer Wut. Meine gedemütigte Prinzessin schwankt bereits, zertrampelt von diesen Monstern, die über ihr Unglück lächeln.
CASSANDREDie drückende Stille der Zelle wird von einem metallischen Knall und einem unterdrückten Schrei aus dem hinteren Teil des Ganges durchbrochen. Ich halte den Atem an, die Hände verkrampft auf meinen Knien. Die Schatten tanzen an der Wand, geworfen vom schwachen Licht der an der Decke hängenden Lampen, und jedes Geräusch wird zu einer Note in einer Sinfonie der Angst. Hier dehnt sich die Zeit, und jede Sekunde scheint mich daran zu erinnern, dass ich allein bin, allein auf der Welt, allein angesichts meines Zusammenbruchs.Die Tigerin, regungslos auf ihrem Bett, wirft mir einen vielsagenden Blick zu. Ich lächle schwach, ein halb ironisches, halb sadistisches Lächeln, aber innerlich zittert mein Herz. In diesem Theater des Elends wird sie sowohl Richterin als auch Verbündete sein … oder vielleicht nur ein bedrohlicher Schatten unter vielen.— Erste Runde, sagt sie mit tiefer Stimme. Die W&
CASSANDREDie Tür knallt mit einem metallischen Krachen hinter mir zu, das bis in meine Knochen hallt. Eine Nummer, ein Code, ein von der Welt vergessener Name: Cassandre existiert nicht mehr. Übrig bleibt nur, was das System sehen will. Eine Zelle. Eine Stange. Ein Eisenbett. Und dieser Geruch … eine Mischung aus ranzigem Desinfektionsmittel und Muff, der mir in der Nase brennt und an der Haut klebt.Ich trete vor, steif wie eine Nadel. Der Wärter deutet mit einer knappen Geste auf das Bett, das der Wand am nächsten ist. Ich setze mich, die Hände verkrampft auf den Knien. Meine Absätze klacken auf dem Boden, jedes Geräusch eine grausame Erinnerung: Die Außenwelt geht ohne mich weiter, und ich … ich stecke hier fest.Drei andere Frauen teilen die Zelle. Die erste kaut nervös auf etwas herum, das wie Papier aussieht, irrer Blick, scheinbar den Untergang der Menschheit planend. Die zweite schnarcht wie ein Bär im Winterschlaf, ein seliges Lächeln auf den Lippen, gleichgültig gegenüber m
TANIAIch klebe an ihm, jeder Zentimeter meines Körpers brennt von seiner Nähe. Sein warmer Atem an meinem Nacken, seine Hände, die über meine Arme und Schultern gleiten – alles überwältigt mich. Meine Knie geben leicht nach, aber er stützt mich, solide und unerbittlich, und ich fühle mich zugleich beschützt und völlig verletzlich.— Du schauderst … murmelt er, ein zynisches Lächeln in der Stimme. Und jedes Schaudern macht mich noch … neugieriger.Mir entfährt ein kurzer Atemzug, fast ein Stöhnen, und er lacht leise, ein tiefer, samtiger Klang, der mich noch mehr erschauern lässt.— Hörst du dein eigenes Verlangen? murmelt er, seine Stimme streift mein Ohr. Selbst dein Atem verrät dich.TANIA (Gedanke)Jeder Atemzug, jedes Schaudern, jedes kleine Geräusch verrät mich … und doch will ich mich nicht entfernen. Ich will ihn. Ich will seine Gegenwart spüren, seine Kraft, seine Beherrschung.Lucas senkt seine Lippen auf meine Schulter, nur eine Berührung, und ein stärkerer Schauer durchfäh
TANIALucas' Wärme umhüllt mich völlig, wie ein Hauch, der mich ergreift und mir den Atem raubt. Jede seiner Gesten scheint darauf ausgelegt, mich zu fesseln, jede Berührung berechnet, um in mir ein Verlangen zu wecken, das ich nicht zu benennen wagte. Sein Atem auf meiner Haut brennt, seine Hände wandern mit hypnotischer Präzision über meine Arme und Schultern, erforschen mein Schaudern, mein Zögern, meine Reaktionen auf jede Berührung.— Lass dich fallen … murmelt er, die Stimme tief, samtig, eisig und provozierend. Heute Nacht wirst du nicht denken … du wirst fühlen.Mein Herz rast, meine Brust hebt sich bei jedem Atemzug. Ich versuche, den Blick abzuwenden, aber seine Augen fangen mich ein, lesen in mir, verschlingen mich ganz. Ich spüre, wie mein Körper trotz mir auf jede seiner Liebkosungen, auf jede seiner Nuancen reagiert.Er beugt sich zu mir, und unsere
TANIAIch spüre jeden Atemzug von Lucas, jede Mikrobewegung seines Körpers darauf berechnet, mich in Alarmbereitschaft zu halten. Sein Blick lässt nicht von mir ab, mustert meine Reaktionen wie ein Schachmeister, wägt jedes Zögern, jedes Schaudern ab. Mein Herz rast, meine Muskeln weigern sich manchmal zu gehorchen, und mir wird klar, dass ich vollständig von seiner Gegenwart gefangen bin.— Atme … murmelt er, seine Stimme tief und eisig unter der offensichtlichen Sanftheit. Lass dich fallen … ich werde dir Lust bereiten … die ganze Nacht.Ich zucke fast bei seinen Worten zusammen, eine Mischung aus Überraschung und Erwartung durchläuft meinen Körper. Mein Atem stockt, und doch kann ich den Blick nicht von ihm abwenden. Jede Geste, jede Nuance seiner Stimme, jedes berechnete Lächeln verunsichert und zieht mich an.— Lucas … ich … ich sollte &hell






