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Author: Ana
last update publish date: 2026-10-27 15:30:58

DAVIDS SICHT

Andreas Stimme durchschnitt den Flur, und Mara erstarrte neben mir. Ich hatte nicht einmal die Gelegenheit, meine Entschuldigung zu Ende zu bringen, bevor sie ihren Arm aus meinem Griff riss und in ihre Abteilung zurückging, ohne sich noch einmal umzudrehen. Zurück blieb ich mit all den Worten, die ich ihr niemals würde sagen können.

Ich schluckte schwer.

Andrea stand ein paar Schritte entfernt, die Arme vor der Brust verschränkt und die Augen zu Schlitzen verengt, als hätte sie mi
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  • Eine Lawson Witwe   12

    ELIAS’ SICHTMara trat hinter dem Vorhang der Umkleide hervor und präsentierte das erste von mehreren Kleidern, die die Mitarbeiterinnen der Boutique für sie ausgesucht hatten. Jedes Kleid fing das Licht auf eine andere Weise ein und schmiegte sich an ihre Figur, was ein seltsames Gefühl in meiner Brust auslöste und Erinnerungen an die beiden Nächte weckte, die wir miteinander verbracht hatten. Erinnerungen, mit denen ich mich überhaupt nicht hätte beschäftigen dürfen.Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass die Frau meines Bruders nicht wunderschön war. Von ihren gingerfarbenen Haaren und ihrem unschuldigen Gesicht bis hin zu ihren weiblichen Kurven gab es an ihr vieles, was ich mir bisher nie erlaubt hatte, bewusst wahrzunehmen. Es wurde zunehmend schwieriger, meinen Blick dort zu behalten, wo er hingehörte. Gott hatte sich bei ihrer Erschaffung ganz offensichtlich besonders viel Zeit gelassen, und diese Erkenntnis ärgerte mich mehr, als sie sollte.Ich lehnte mich in meinem Stuh

  • Eine Lawson Witwe   11

    MARAS SICHTAls ich aufwachte, lag eine schwere Last auf meiner Brust, die jeden Atemzug quälend langsam erscheinen ließ. Nach dem Chaos des Vortages – Elias, der mich in die Toilette gezerrt hatte, Davids unbeholfener Entschuldigungsversuch auf dem Flur und Andrea, die ausgerechnet im ungünstigsten Moment aufgetaucht war – hatte ich kaum schlafen können. Bis in die frühen Morgenstunden hatte mein Kopf jede unangenehme Begegnung immer wieder abgespielt, ohne mir auch nur einen Moment Ruhe zu gönnen.Als ich schließlich mein Zimmer verließ und die Treppe hinunterging, blieb ich auf halber Höhe wie angewurzelt stehen.Sie waren alle da.Elias.Camille.Andrea.David.Alle vier saßen am langen Esstisch und frühstückten, als wäre auf dieser Welt alles in bester Ordnung.Na wunderbar.Das Letzte, was ich an diesem Morgen gebrauchen konnte, war, jedem einzelnen Menschen gegenüberzustehen, mit dem ich noch etwas zu klären hatte – besonders, da ich auf keinen von ihnen vorbereitet war und nic

  • Eine Lawson Witwe   10

    DAVIDS SICHTAndreas Stimme durchschnitt den Flur, und Mara erstarrte neben mir. Ich hatte nicht einmal die Gelegenheit, meine Entschuldigung zu Ende zu bringen, bevor sie ihren Arm aus meinem Griff riss und in ihre Abteilung zurückging, ohne sich noch einmal umzudrehen. Zurück blieb ich mit all den Worten, die ich ihr niemals würde sagen können.Ich schluckte schwer.Andrea stand ein paar Schritte entfernt, die Arme vor der Brust verschränkt und die Augen zu Schlitzen verengt, als hätte sie mich gerade bei einem Verbrechen ertappt.„David.“ Ihr Tonfall war sanft, doch die Falte zwischen ihren Augenbrauen verriet ihre Verärgerung. „Wir müssen reden.“Ich atmete langsam aus, denn mir war bereits klar, dass ich diesem Gespräch nicht entkommen würde. „Gehen wir in mein Büro.“Sie folgte mir hinein, während ihre Absätze scharf auf dem Boden klackten. Kaum hatten wir mein Büro betreten, schloss sie die Tür und drehte sich zu mir um. Die Anspannung, die von ihr ausging, machte deutlich, das

  • Eine Lawson Witwe   9

    MARAS SICHTElias’ Hand schloss sich um mein Handgelenk, bevor ich überhaupt die Kraft fand, mich von ihm zu entfernen. Einen Moment zuvor hatte ich ihn noch schockiert angestarrt, während ich den bitteren Geschmack von Minze und Magensäure auf der Zunge hatte. Im nächsten Augenblick zog er mich zurück in die Toilette und schlug die Tür hinter uns zu.„Was hast du gerade gesagt?“ Seine Stimme war tief und bedrohlich. Er sprach so leise, dass seine Worte irgendwie lauter klangen als ein Schrei.Ich schluckte schwer und versuchte, meine Atmung zu beruhigen. „Elias, lass mich los.“„Nein.“ Sein Griff um mein Handgelenk wurde fester, während er mir direkt in die Augen sah. „Sag es noch einmal. Sag genau, was du vor ein paar Sekunden gesagt hast.“„Ich habe das nicht so gemeint—“„Du hast gesagt, dass du möglicherweise mit meinem Kind schwanger bist.“ Sein Kiefer spannte sich an, während er mein Gesicht musterte, als könnte er mir auf diese Weise all meine Gedanken entreißen und jedes Gehe

  • Eine Lawson Witwe   8

    ELIAS’ SICHTVor einigen Tagen hatte ich Philips medizinische Berichte durchgesehen, die zwischen den Unterlagen seiner heimlich durchgeführten Untersuchungen versteckt gewesen waren. Je gründlicher ich sie studierte, desto mehr Fragen kamen in mir auf. Warum hatte er so viele Untersuchungen benötigt, und weshalb hatte er sich solche Mühe gegeben, sie vor allen geheim zu halten? Er war immer gesund gewesen, zumindest hatte ich das geglaubt. Was also hatte sich verändert?Ich befestigte meine Manschettenknöpfe und richtete meine Krawatte, während ich mein Spiegelbild betrachtete und meine Gedanken weiterhin um die beunruhigenden Entdeckungen kreisten, die ich gemacht hatte. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, an diesem Morgen früh in die Firma zu fahren. Gerade wollte ich nach meinem Handy greifen, um Richard anzurufen, als plötzlich sein Name auf dem Display erschien.„Guten Morgen, Sir“, begann Richard hastig. Schon an seiner Stimme konnte ich erkennen, dass er nervös war.Bevor er

  • Eine Lawson Witwe   7

    MARAS SICHT„David … hör auf!“Ich riss mein Handgelenk aus seinem Griff. Er versuchte erneut, nach mir zu greifen, doch ich wich ruckartig zurück, während mein Herz heftig gegen meine Rippen hämmerte. Wir standen im Flur in der Nähe des Aufzugs. Ich wusste nicht, was sein Problem war, aber ich würde ganz sicher nicht zulassen, dass unser Streit zu einem weiteren Skandal wurde, bei dem mein Name im Mittelpunkt stand.„Warum hast du das vor ihm getan? Bist du verrückt?“, verlangte ich zu wissen.Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Sein Kiefer war angespannt, und seine Stimme klang vor Anspannung gedämpft. „Du brauchst gar nicht erst anzufangen. Ich muss verstehen, was ich gesehen habe, bevor ich den Verstand verliere.“„David—“„Mara“, unterbrach er mich und trat näher. Seine Augen waren dunkel vor Wut. „Ich habe gesehen, wie er dich neulich Abend geküsst hat. Ausgerechnet der Bruder deines verstorbenen Mannes. Erklär mir das. Wie soll das bitte Sinn ergeben?“„Und was gibt dir da

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