MasukKAPITEL 5: Flüstern in der Dunkelheit
Perspektive des Autors Eine einsame Gestalt, gehüllt in einen dunklen Kapuzenmantel, bewegte sich durch das Innere des Waldes; ihre Schritte waren schnell und unsicher. Sie stolperte über eine knorrige Wurzel, ein scharfer Keuchen wurde von der dicken Nachtluft verschluckt. Mit zitternder Hand richtete sie sich auf und drängte mit einer verzweifelten Dringlichkeit voran, die gegen das klammernde Unterholz anzukämpfen schien. Schließlich brach sie auf eine kleine Lichtung durch, auf der ein Flecken schwaches Mondlicht durch das Blätterdach filterte. Die Gestalt… Eirlys… stand da und keuchte, während ihr Kopf von einer Seite zur anderen schnellte, um die erdrückende Dunkelheit abzusuchen. „Du wirst ungeschickt, Eirlys.“ Die Stimme, tief und geschmeidig, kam aus den Bäumen direkt hinter ihr. Sie schreckte auf, eine Hand flog zu ihrer Brust, als sie sich herumwirbelte. Thyron trat aus dem Schatten, sein Gesichtsausdruck von milder Belustigung geprägt. Eirlys stieß einen langen, schaudernden Seufzer aus, und die Anspannung wich für eine winzige Sekunde aus ihren Schultern. „Götter, du hast mir fast zu Tode erschreckt“, atmete sie. „Dann sollten wir uns vielleicht an einem weniger… dramatischen Ort treffen“, sagte Thyron mit trockenem Tonfall. „In einer Taverne, vielleicht. Irgendwo mit Licht und Bier.“ „Hast du einen Todeswunsch?“ zischte Eirlys, ihre Angst wurde schnell von Verbitterung abgelöst. „Willst du etwa getötet werden? Die Wände haben Ohren in diesem Rudel. Was ich dir zu sagen habe… es ist nicht nur gefährlich. Es ist hochexplosiv. Du musst zuhören, und du musst ganz genau zuhören.“ Thyron verschränkte die Arme, seine Belustigung wich einem Blick echter Neugier. „Schon gut, schon gut. Ich höre zu. Was hat dich so verängstigt?“ Eirlys trat einen Schritt näher, ihre Stimme sank zu einem verschwörerischen Flüstern. „Vor ein paar Tagen hat die Luna… sie hat mir etwas erzählt. Im Vertrauen. Sie sagte, dass sie, bevor sie verpaart wurde… nun ja, sie war mit jemandem zusammen. Ein Fremder. Im Blackfen Inn.“ Thyron zuckte mit den Schultern. „Und? Eine Jugendsünde. Was ist schon dabei?“ „Das habe ich auch gedacht!“ sagte Eirlys mit weit aufgerissenen Augen. „Aber dann, heute Morgen, habe ich sie gesehen. Im Rosengarten. Ich ging zurück, um mein Umhängetuch zu holen, und ich habe sie gesehen.“ „Wen gesehen?“ „Sie und ihn“, beharrte Eirlys, ihre Worte überschlugen sich nun immer schneller. „Vaelor. Den eigenen Bruder des Alphas! Er hielt ihr Handgelenk, sie standen sich so nah… wie sie ihn ansah… das war nicht unschuldig, Thyron. Es war voller Schuld und Panik und… Hitze. Ich habe alles gesehen.“ Thyrons Augenbrauen zogen sich zusammen. „Ich verstehe nicht ganz. Worauf will sie hinaus?“ „Erkennst du das Bild denn nicht?“ sagte Eirlys, ihre Stimme wurde vor Frustration lauter, bevor sie sich daran erinnerte, sie leise zu halten. „Der Lykaner-Bruder des Alphas und der Mann, von dem die Luna mir erzählt hat… sie sind dieselbe Person. Die Luna fickt ihren eigenen Schwager!“ Die Bedeutung sickerte schließlich ein. Ein langsames, bösartiges Lächeln breitete sich auf Thyrons Gesicht aus. „Oh. Oh, ich verstehe jetzt. Das ist… köstlich schädlich.“ Er gluckste, ein tiefes, unangenehmes Geräusch. „Wenn das herauskäme… allein der Skandal würde die Autorität des Alphas zertrümmern. Seine eigene Luna, die ihn mit seinem größten Rivalen betrügt.“ „Exakt“, sagte Eirlys mit einem grimmigen Leuchten in den Augen. Thyron legte den Kopf schief. „Aber warum erzählst du mir das? Warum hilfst du mir? Was springt für dich dabei heraus?“ Eirlys’ Lächeln war süß, aber ihre Augen waren kalt und scharf wie Eis. „Weil diese zimperliche, hurende Idiotin ihn nicht verdient. Sie verdient weder den Titel noch seinen Schutz oder seine Liebe. Wenn sie erst aus dem Weg ist… wenn Kaiser Leviathanhowl sie als die Verräterin sieht, die sie ist… wird er endlich aufblicken. Er wird endlich sehen, wer ihm all die Zeit treu war. Er wird mich sehen.“ Sie beugte sich vor, ihre Stimme ein giftiges Versprechen. „Und ich werde dafür sorgen.“ Ruth Valehunters Perspektive Ich schoss im Bett hoch, ein Schrei saß in meiner Kehle fest. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein panischer Vogel, und kalter Schweiß drang durch mein Nachthemd, sodass ich zitterte. „Was ist los?“ Die Stimme von der anderen Seite des riesigen Bettes war ein tiefes Knurren, rau von Schlaf und Verärgerung. Kaiser Leviathanhowl war auf einen Ellbogen gestützt und beobachtete mich durch die Düsterheit, ein vertrautes Stirnrunzeln auf sein Gesicht gezeichnet. Ich holte mühsam und zittrig Luft und versuchte, das wilde Klopfen in meiner Brust zu beruhigen. „Wieder der Traum“, flüsterte ich mit heiserer Stimme. Er seufzte, das Geräusch war schwer vor Genervtheit. „Schon wieder? Ruth Valehunter, es ist nur ein Traum. Dein Verstand spielt dir Streiche. Launen und Unsinn.“ Er legte sich wieder hin und drehte mir seinen breiten Rücken zu. „Geh wieder schlafen.“ Aber die Bilder waren in die Innenseiten meiner Augenlider gebrannt. Feuer, das alles verschlang. Der kupferne Geruch von Blut, so dick, dass ich ihn schmecken konnte. Und die Schreie… Götter, die Schreie, die verdächtig nach meinen eigenen klangen. Das waren keine Launen. Sie fühlten sich an wie eine Vorahnung. An Schlaf war nicht zu denken. Die Luft im Raum fühlte sich dick und schwer an und drückte auf mich herab. Ich brauchte Luft. Vielleicht würde eine kühle Nachtbrise den anhaltenden Schrecken von meiner Haut waschen. Lautlos glitt ich aus dem Bett, meine nackten Füße stapften über den kalten Steinboden auf die Balkontüren zu. Der Mond stand hoch und warf einen silbernen Glanz über die friedlichen Gärten darunter. Es war ein Bild der Ruhe, ein krasser Gegensatz zu dem Kriegsgebiet in meinem Kopf. Ich klammerte mich an das kalte Steingeländer und nahm einen tiefen, beruhigenden Atemzug der Nachtluft. Und dann kippte die Welt. Eine Welle von schwindelerregender Übelkeit traf mich so heftig, dass meine Knie nachgaben. Der friedliche Garten wirbelte in einen Strudel aus Schwarz und Silber. Das Letzte, was ich hörte, war der ferne, panische Ruf eines Wachmanns, bevor die Dunkelheit herbeistürzte, um mich ganz zu verschlucken…KAPITEL 132|| Eirlys' POV ||Der erste Patient erreichte den medizinischen Trakt kurz nach Sonnenaufgang. Zuerst dachte niemand, dass es ungewöhnlich war. Wölfe wurden krank. Essen verdarb. Wasser wurde verunreinigt. Stress schwächte den Körper. Der Krieg hatte hundert Wege geschaffen, wie jemand ohne Vorwarnung zusammenbrechen konnte. Die junge Heilerin, die den Patienten zu mir brachte, zählte bereits mögliche Erklärungen auf, bevor wir den Untersuchungstisch erreichten. Ich ließ sie sprechen. Meine Aufmerksamkeit galt dem Wolf, der vor mir lag.Es lief in kleinen, unregelmäßigen Bewegungen durch seine Hände – subtil genug, dass die meisten Menschen es übersehen hätten. Ich nicht. Mein Magen zog sich zusammen, bevor ich bewusst verstand, warum. Ich hatte das schon einmal gesehen.Ich trat näher und begann mit der Untersuchung. „Wann hat die Schwäche begonnen?“ Die Augen des Patienten hatten Mühe, sich zu fokussieren. „Letzte Nacht... glaube ich.“ „Was hast du gegessen?“ Er schluckt
KAPITEL 131|| Kaedros’ POV ||Die Kontrollgänge entlang des Perimeters waren über die letzten Wochen zur Routine geworden. Das war genau der Grund, warum ich ihnen nicht traute. Routine gebar Blindheit. Die Leute hörten auf, das zu sehen, was vor ihnen stand, weil sie glaubten, bereits zu wissen, worauf sie blickten. Diese Lektion hatte ich lange bevor ich einen Kommandotitel trug gelernt — lange bevor mir irgendjemand Karten, Patrouillenpläne oder Leben anvertraute, die nicht meine eigenen waren.Die östliche Mauer sollte der einfachste Abschnitt der heutigen Inspektion sein. Zwei Patrouillenteams. Die Art von Abschnitt, um die sich Kommandanten zuerst keine Sorgen mehr machten, weil dort nie etwas geschah. Diese Annahme war genau der Grund, warum ich ihn selbst abging.Kalte Nachtluft drückte gegen mein Gesicht, als ich mich auf dem inneren Pfad unterhalb der Mauer bewegte und den gewöhnlichen Geräuschen einer Festung lauschte, die sich auf den Krieg vorbereitete. Rüstungen, die üb
KAPITEL 130|| Zyras POV ||Das Erste, was mir auffiel, war, dass mich niemand aufhielt.Vor Monaten hätten sie es getan. Vor Monaten wäre jedes bisschen Information, das ich anbot, gegen meine Motive abgewogen worden, bevor es gegen die Fakten selbst abgewogen worden wäre. Misstrauen hätte den Raum vor mir betreten. Fragen wären unmittelbar danach gefolgt. Einiges davon wäre gerechtfertigt gewesen. Einiges davon nicht.Der Unterschied spielte jetzt kaum noch eine Rolle. Der Krieg hatte den meisten Menschen die Fähigkeit eingebrannt, sich Stolz zu erlauben. Wir waren dem Ende zu nahe dafür. Als ich also den Ratssaal betrat und alles mit mir trug, was ich über das Gebiet von Ashrend wusste, fragte niemand, warum ich kam. Niemand fragte, was ich im Gegenzug wollte. Sie machten einfach Platz auf dem Tisch und ließen mich beginnen.Ich gab ihnen alles. Jede Route.Jeden Patrouillenplan. Jeden blinden Fleck.Jede Angewohnheit, die ich jahrelang beobachtet hatte, ohne zu merken, dass ich si
KAPITEL 129|| Kaisers POV ||Zyras Nachricht erreichte mich kurz nach Mitternacht, überbracht von einem der jüngeren Läufer, der sich sichtlich unwohl dabei fühlte, sie überhaupt zu tragen. Unter normalen Umständen hätte ich die Bitte wahrscheinlich ignoriert.Es blieb einfach nicht genug Zeit in diesem Krieg, um Stunden damit zu verbringen, alte Fehler wieder aufzugreifen, wenn unmittelbarere Katastrophen warteten. Aber wir waren über den Punkt hinaus, an dem Stolz die Entscheidungsfindung beeinflussen konnte. Morwenna bereitete das Ritual bereits vor. Balthrek bewegte sich bereits auf das zu, worin sie ihn zu verwandeln gedachte.Jede Information zählte jetzt, unabhängig davon, wer sie lieferte. Informationen wegen der Vergangenheit abzulehnen, war ein Luxus, den sich Menschen gönnten, wenn sie glaubten, Zeit zu haben. Die hatten wir nicht. Als die Nachricht also besagte, dass Zyra sprechen wollte, verließ ich den Lageraum und ging hin.Der Lykaner-Flügel war um diese Zeit ruhig, d
KAPITEL 128|| Kaisers Sichtweise ||Der Ratssaal war schon vor Sonnenaufgang voll. Jeder Stuhl war besetzt. Jeder Vertreter, der von Bedeutung war, war anwesend. Die Anführer der Allianz, die monatelang über Strategien debattiert hatten, saßen nun in völligem Schweigen um den Tisch und studierten die Zeichnung, die Seris uns gebracht hatte, und die Informationen, die Riven aus Eldwyn beschafft hatte.Der Raum fühlte sich anders an als gestern. Anders als noch vor einer Stunde. Es gab Momente im Krieg, in denen Ungewissheit noch Raum für Diskussionen ließ. Dies war keiner dieser Momente.Die Zeichnung lag in der Mitte des Tisches.Niemand blickte lange von ihr weg. Balthrek, der an Morwennas Altar stand.Schwärze, die sich durch seine Augen ausbreitete.Das Ritual war bereits im Gange. Das Bild saß zwischen uns wie ein Countdown, den keiner von uns stoppen konnte.Weil jeder einen Moment verdient hatte, um die Wahrheit aufzunehmen, bevor ich sie zwang, danach zu handeln.Schließlich s
Kapitel 127|| Ruths Perspektive ||Riven fand uns kurz nach der Dämmerung im Lagezentrum.Der Rat war bereits seit fast einer Stunde versammelt. Karten bedeckten den größten Teil des zentralen Tisches. Berichte aus den zurückeroberten Gebieten lagen in geordneten Stapeln neben Versorgungsprojektionen und Schätzungen zur militärischen Einsatzbereitschaft. Die Atmosphäre fühlte sich angespannt an, auf die Art und Weise, wie sie es vor wichtigen Entscheidungen immer tat. Jeder verstand, dass der Krieg in seine letzte Phase eintrat. Niemand wusste genau, welche Form diese Phase annehmen würde.Riven kam an und trug eine Mappe unter dem Arm.Der Anblick zog sofort Aufmerksamkeit auf sich.Weil Riven Planungssitzungen nur dann unterbrach, wenn die Information von Bedeutung war.Er legte die Dokumente ohne Umstände auf den Tisch und nahm seine gewohnte Position ein.Ich sah zu, wie er die Notizen entfaltete und sie über den Tisch ausbreitete. Die Grimoire-Fragmente lagen neben Eldwyns Aussa
KAPITEL 3|| Ralphs Perspektive ||Götter, ich hasste das..!Die Luft im Thronsaal, die normalerweise voll von meiner eigenen Autorität war, stank nun nach.. nach ihm.Kaiser.. Mein Bruder..Das Wort selbst war eine bittere Pille, die ich nie wieder hatte schlucken wollen. Er stand da, als gehöre d
## KAPITEL 2: Der Bote und die Maske|| Ruths Sicht ||Eine lange, schreckliche Minute lang lag ich einfach so auf dem kalten [Boden] und starrte den Baldachin an, während ich mir hundert verschiedene Ausgänge ausmalte, einer katastrophaler als der andere.Exil. Öffentliche Schande. Für ein Jahrhun
## KAPITEL 4: Der Garten der Geheimnisse|| Ralphs Sicht ||Die reizende Luna..!Die Worte echoten in meinem Schädel, während jeder Instinkt danach schrie, über den schweren Tisch zu hechten und dieses süffisante Grinsen mit meinen Fäusten aus seinem Gesicht zu prügeln.. ihm genau zu zeigen, was mi
## KAPITEL 1: Zeit für mich|| Ruths Sicht ||Bist du jemals auf die bestmögliche Art gefickt worden? So gründlich gefickt, dass der Gedanke, dich nie wieder von dieser Stelle zu bewegen, nicht nur logisch, sondern wie der einzig vernünftige Weg erscheint?Ich streckte mich mit einem köstlichen Zie







